Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 414 (4.1.1935)
- Date
- 1935-01-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 414 — 4. Jänner 19&5 DIE STIMM« Seile 7 Citeratur und Kunsi Juden Cutd Judentum in deutschen Briefen"*) 'Zweifellos hat in jüdischen, besonders in zionistischen Kreisen in den letzten Jahren das Interesse an der Geschichte zu genommen. Ob das in einem höheren Maße als in der nicht jüdischen Umwelt geschieht, bleibe dahingestellt. Jedenfalls liest man Dubnow, Kasteln, Prinz, Kayser u. a., wie man etwa Emil Ludwig, Andre Maurois, Lytton Stra chey liest: mehr der Kuriosität wegen auf der Flucht vor Spannungen unserer Zeit als aus dem liefen Bedürfnis, diese Zeit zu ver stehen oder gar die Enge unserer äugen blicklichcn jüdischen Existenz nach der Vergangenheit hin zu verliefen und zu erweitern. Noch ist der jüdische Geschichtsschreiber nicht da und kann vielleicht noch gar nicht da sein, der uns „die Leidenschaft des üb erlief er ns“ wiedergeben könnte, die uns seit Generationen verlorcngegangcn ist. Gerade in diesem Zeitpunkt aber leistet, uns Köhlers Buch wertvolle Dienste, indem es unschätzbares Material zum Verständnis des Schicksals der deutschen Juden vor uns ausbreitet. Denn es sind Briefe} das heißt unmittelbare, fast könnte man sagen, unwillkürliche Äußerungen jüdischer Menschen und Spiegelungen der jeweiligen jüdischen Situation in Nichtjuden, die aus gewählt •wurden, um ein übersichtliches Ganzes darzustellen. Aus seiner zionistischen Einstellung heraus ist K ob l er der Gefahr entgangen, die Auseinandersetzung mit der deutschen Umwelt, wie etwa mit dem Christentum oder dem Antisemitismus, dominieren zu lassen. Ihm sind die Vorgänge im Innern des deutschen. Judentums nicht weniger wichtig. Begreiflicherweise ist es aber unendlich schwierig, die Auswahl der Briefe zu treffen, daß die inneren Kämpfe und Veränderungen herausgestellt werden, daß nicht nur der Gestalt wandet, sondern auch der Strukturwandel im jüdischen Menschen sichtbar werde. ln dem dritten Brief der ganzen Sammlung etwa, dem Schreiben Chanochs, des Sohnes des Israel Hammerschlag, an seinen Sohn Aron, aus dem Jahre 1619, klingt jene verhängnisvolle Entwicklung des jüdischen Menschen zum erstenmal erschütternd auf, die dann im allerletzten Stück, im Brief Martin Bubers an Robert W e lisch, ihre Formulierung gefunden hat: die Entscheidung, ob das Leben von der Mitte her oder von der Peripherie aus gelebt wird. Was jedoch zwischen diesen Briefen mit unendlichem Fleiß oft von ganz entlegenen Orten von Hobler zusammengetragen ist, das gibt ein lebensbuntes Bild der vielen Strömungen wieder} die teils wirkungslos verhallt sind, teils noch um ihre Verwirklichung ringen. Aber auch die Leistungen der Juden für die deutsche Kultur treten in der unmittelbaren Frische ihrer Zeit deutlicher heraus, als es eine rein sachliche Nebeneinanderreihung bieten könnte. Und fast mit Verwunderung schauen wir auf die persönlichen Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden, als handle es sich hier schon um eine historisch werdende soziologische Kategorie. Daß Kobler auch noch einen tatsachenreichen und verständnisvollen verbindenden Text gibt, macht sein Material nicht nur leichter zugänglich, sondern erhebt es über die Dokumentensammlung hinaus zu einer lebendigen und wirhungskrüfligen Darstellung. Dr. Willi. Stein. Zwei arabische Herrscher Von Israel Cohen Die Kenntnis der politischen Vorgänge Friedenskonferenz bestimmte Verspreohunin den an Palästina grenzenden arabischen gen an die Araber, die auf seiten Englands Ländern 1*fc für die richtige Beurteilung am Kriege tcilnahmen, nicht oingelöst? der .Situation der zionistischen Bewegung Das Buch bringt eine interessante, v on von Interesse und Bedeutung. Nun sind Faisal diktierte Erklärung, die zwei interessante Bücher in englischer aber auch kein Licht in diese seit jeher um- Sprache erschienen; „1 b n Sand, der strittene Angelegenheit bringt. Bei Kriegs* Pu ritaner-König Arabiens“ von ende erklärte Faisal, der damals in Aleppo Konncth Williams und „König weilte, daß ihn ecin Vater Hussein ersucht Faisal von Irak“ von Mrs. Steuart habe, ihn bei der Friedenskonferenz zu ver- Erßkine, die für die Beurteilung der ziotreten. Die Erklärung Faisals lautet: Film Du neue Josef SritmieU- Tilfn Gedenkabend für Dr, Hermann Kadlsch. Zur Wiederkehr dos ersten Todestages von Dr. Hermann Kadlsch vonmstalton seine Freunde und Vorohrer am Montag, den 7. Jänner, um 7 Uhr 30 abends im Caf6 Exzelsior, I., Botonturmstraßo 24, eine Zusammenkunft zu einer Stunde des Gedenkens. *) „Juden und Judentum ln doutsohen Brie* nistischen Situation von Interesse sind, Kennoth Williams gibt uns ein lebendiges Bild der romantischen Laufbahn Ibn Sauds, \ ange.fan.gen von seinem Exil in Kuwait bis zur Vertreibung des Königs Hussein und seiner Familie und zur Proklamierung als König. Wir gewinnen einen Einblick in die arabische Politik Englands während dos Weltkrieges. England unterstützte Hussein und Ibn S a u d. Hussein bekam für seine militärische Hilfe 200.000 Pfund. Sein Rivale Ibn Saud bekam dafür, daß er Hussein nicht angriff, 5000 Pfund monatlich. Williams behauptet, daß Hussein insgesamt 600.000 Pfund von den Engländern erhielt. Als dann im Jahre 1919 die Subsklien aufhörten, ließ Husseins Kontrolle über einige wichtige Stämme nach, Ihn Saud trat in Aktion und erreichte Erfolge, die die kühnsten Erwartungen über den Hänfen warfen. Williams schildert uns Ibn Saud als einen außerordentlich mutigen Mann von großem strategischem Können und staatsmännischer Klugheit. Er ist ein Puritaner von orientalischem Typus. Seine Religion erlaubt ihm nur, mit vier Frauen verheiratet zu sein. Trotzdem hat er schon 150 Frauen geheiratet. Er läßt sich nämlich sehr oft scheiden, so daß er gleichzeitig immer nur mit 4 Frauen verheiratet ist. Williams stellt fest, daß Ibn Saud, abgesehen vom Imarn Yahia, der einzige arabische Herrscher ist, der seine Siege ohne Hilfe nichtarabischer Waffen erfochten hat, und daß er sein Land ohne die Hilfe nichtmohammedanischer Ratgeber verwaltet. Bezüglich der Pläne einer panarabisehen Konföderation meint Williams, daß der Wahabitenkönig mit politischen Realitäten zu sehr beschäftigt ist, als daß er sich mit derzeit nebulösen und undurchführbaren Plänen abgeben würde. Mrs. Steuart Erskine beschäftigt rdch mit König Faisal. Sie hatte mit ihm Unterredungen in Bagdad und London. Ihr* Buch vermittelt uns interessante Details über die Vorgänge in Arabien während des Weltkrieges und nachher. Sie erzählt uns verhältnismäßig wenig über Faisals Jugend, mehr über seine Rolle in der arabischen Revolte gegen die Türken und über seine Tätigkeit in London und Paris, über seine kurze Regierungszeit in Syrien und im Irak. Leider verwendet Frau Erskino nur wenige Seiten für das Abenteuer des Syrisohon Königreiches und erzählt uns nichts über die nationalistische Agitation, die zu einem offenen Bruch mit Frankreich führte. Sie beschäftigt sich auch nicht mit den Unterhandlungen, die zur Aufhebung des Mandatsvortrages mit dem Irak und zu einem neuen Vertrag führten. Dlo Bestimmungen des Mandatsvertrages sind aber wiedergegeben. Mrs. Erskine bespricht zwar die Unterhandlungen zwischen England und Scherif (und späteren König) Hussein, die dazu führten, daß eich die Araber an Seite Englands am Weltkriege beteiligten, doch wäre eino eingehendere Behandlung angezeigfc gewesen. Hussein wird als unzufrieden mit den Entscheidungen der Friedenskonferenz über den Status der verschiedenen arabischen Länder liingestellt, ohne daß nähere „Als ich den formellen Auftrag erhielt, zur Friedenskonferenz zu gehen, verlangte ich von meinem Vater, er solle mir die politischen Dokumente geben, die Englands Versprechungen an ihn enthalten und die ich noch nicht gesehen hatte. Er antwortete mir, daß sich der Text dieser Dokumente in London befinde und daß ich sie nicht benötige.“ Die »Autorin kann uns daher auch keine überzeugende Nachricht von „dem Text dieser Dokumente“ geben, und es gibt keine Rechtfertigung für die diesbezüglichen arabischen Beschwerden. Mrs. Erskine bezieht sich auch nicht auf den bekannten Brief, den Faisal an Professor Felix Frankfurter schrieb, der zionistischer Vertreter bei der Friedenskonferenz war. Sie scheint aber von diesem Brief Kenntnis zu haben, denn sie schreibt: „Faisal war nicht definitiv gegen die Zulassung der Juden in den arabischen Staat. Er sprach darüber als von dem Kommen .einer befreundeten semitischen Rasse, die in einem .arabischen Lande wohnen würde. Er hatte damals den Unterschied zwischen Juden und Zionisten nicht ergründet,“ . Der Sinn dieses Satzes ist etwas dunkel. Immerhin aber ist dieses Buch das einzige, das .bisher über den romantischen Lebenslauf Faisals geschrieben wurde. Es enthält viel interessantes Material und ist sehr wertvoll für das Studium der Politik des Nahen Ostens. fon aus dfei Jah. hunderten \ he raus gegeben i Gründe für seine Haltung angegeben werden, von Franz Kobler, im Saturn-Verlag, Wien. I In welcher Hinsicht hat eigentlich die Semshrit'Forscher Professor Scheftelowitz gestorben Am 19. Dezember fand in London die Beerdigung des im 60. Lebensjahr verstorbenen Honorarprofessors für indo-iranische Philologie an der Unitersität Oxford, Doktor Isidor Scheftelowitz, statt. Der Verstorbene hatte sich frühzeitig als Ge lehrter in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen einen großen Ruf erworben. Im Jahre 1908 ging er als Religionslehrer an die Synagogengemeinde in Köln, nachdem er eine Berufung an die Universität Königsberg abgelehnt hatte, weil sie an die Bedingung seines Austrittes aus dem Judentum geknüpft war. Bald darauf wurde er zum Rabbiner der konservativen Synagoge iu Köln-Ehrenfeld gewählt. An der Universität Bonn hielt er wiederholt Gastvorlesungen. Im Frühjahr 1919 wurde er als Honorarprofessor auf den Lehrstuhl für indo-iranischo Philologie und Sanskrit an die Universität Köln berufen. Im Sommer 1933 erhielt er einen Ruf an dio Universität Oxford. Außer durch seine fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen ist Professor Schoftelowitz besonders durch eino Untersuchung „Arisches im Alten Testament“ und eine Streitschrift über den Begriff des Glaubensdogmacs in der jüdischen Religion, sowie durch seine Mitarbeit an der „Jild'schen Enzyklopädie“ in weiten Kreisen bekannt geworden. Im Jahre 1920 erschien sein Buch „Die altpersisohe Religion und das Judentum“, 1925 sein Werk „Der altpalästinenfdscho Bauernglaube“. Die letzten Donnerstag in Anwesenheit des Sänger« im Lustspicltheater vor sich gegangene Festpromioro des netien Josef -Schmidt- Films „Ein Stern fällt vom Himmel“ brachte Schmidt den — erwarteten und gowohnton Triumph. Schmidt wurde vor Beginn des Films, auf offener Leinwandszeno und besonders zum Schluß überschwenglich gefeiert. Mit Recht. Denn zwei Stunden lang läßt Schmidt sein helles Gold in verschwenderischer Geberlaune im blendendsten Schimmer erklingen, bezaubort das Schmidteche Stimrriphänomen, dessen Klangschönheit — Fülle und — Stärke im Mikrophon keine Grenzen kennt; zwei Stunden lang brilliert und illusioniert dieses Caruso- Organ mit seiner unvergleichlich schillernden Koloratur, mit dem Höhenschwung höchster C, mit dem süßesten und weichsten Pia.no Donizettischer Volksliedmotivo oder des ihm vom Hauskomponisten Hans May so stimmgerecht komponierten Liedes „Ich singe dir ein Lied“, das sicherlich auch bald als „Lied durch die Welt“ geben wird. Der Film selbst ist, trotz einiger recht netter und heiterer, überraschender Regieeinfälle Max Ncufelds, mit seiner weniger als dünnen Handlung nicht mehr als ein Rahmen für Schmidt. Soll wohl nichts anderes sein. Seine Stimme wird hier, so sehr man sich durch sie bereichert fühlt — das Gefühl wird man nicht los —, in einem unerhörten Maße explodiert- Schon zu Begann erklingt der Schmidtschc Tenor im Körper und Gewa/nd eines — Andern. Dies deutet schon das i Leit(d)-Mot,iv des Films an. Schmidt muß hinter der Kulisse das Gold seiner Kehle in das Mikrophon schütten, auf daß es zum Ruhme des vor der Rampe umjubelten andern Tenors erstrahlen und zum klingenden Gold der Produzenten werde. Im .Schmidtseben Glanze sonnten eich alle übrigen Mitwirkenden. Zum Schluß gab Josef Schmidt ein Extrakonzert für Radio Wien. 3r- Wiedersehen mit Szöfte Szalcal! Die Verfilmung des seinerzeitigen erfolgreich en Lustspieles von Siegfried Geyer 5m Theater in der Josef Stadt, „Ende schlecht, alle« gut“, bringt ein Wiedersehen mit dem alten, gutmütigen Zwerchfellbezwinger Szöke S z a k a 11 und damit eine »Stunde befreienden erzlichen Lachens. Szöke Szakall wird besonders unterstützt durch das humor- und temperamentvolle Spiel Ernst V e r e b d s und Rosv B a r s z o n y. Die Regie Schulz ist mit Erfolg um das flotte und heitere Lustspieltempo bemüht. Der Mord in Manhattan ein ganz ausgezeichneter und wirklich blendend gespielter Film der „M e t r o“ erlebt ira Kren z-K i n o, dem Wiener Kino der amerikanischen Filnusensationen, einen wahren Serienerfolg. In der Tat zeigt dieser Film aus der Gangsterwelt mit seiner überaus fesselnden, und bis zum letzten Leinwandbild spannenden Handlung wieder alle Vorzüge der der europäischen noch immer überlegenen amerikani-. sehen Filmproduktion. Clark Gable, als Darsteller des Dr. Ferguson in „Menschen in Weiß“ in angenehmster Erinnerung, ferner seine Partnerin, die schöne Myrna Loy, und William Powol, bi Iden em Sehauspielerk’ee« blatt, das besto Filmspielkultur präsentiert.; Allen voran der sympathische Gable, der durch sein natürliches Spiel, seine erquickende Jungenhaftigkeit und seine männlich-charmante, überlegene Art, dio ihn auch im Angesichte des elektrischen Stuhles nicht verläßt, bezwingt. Myrna Loy gibt glaubhaft und echt eine Frau, die das weite Land der Seele sucht, und schließlich William Powell ale Staatsanwalt und Gouverneur, der in seinem Gewissenskonfliktinnere Noblesse mit Menschlichkeit paartr. Heute: „Mit dem Tode um die Wette« Im Kreuz-Kino. Heute erscheint Ira Kreuz-Kino 1er. Verkaufsstelle des „Haarez“. Die hebräische Tageszeitung „Haarez“, Tel-Aviv, ist in dorl langerwartete Sensations-Film „Mit dem To-ile Buchhandlung M. Rath, II., Taborßtraße 20a. um dio Wette“. Die Hauptrolle verkörpert der erhältlich. | beliebte Sonsationsdarsteller Tim Mc. Coy. wssmmmsgsmm Sonn'ag, den 10. Februar 1935 •marnmeum?».!!«'l'l'ilJH Hebräisches Konzert im Großen Konzerthaussaal