Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 414 (4.1.1935)
- Date
- 1935-01-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Se'te 6 DIE STIMME Nr. 41J — 4. ..Tannev 19:1'. Die Juden-Resolution des Faschistenkongresses Rom, 31. Dezember. (2. T. A.) Der Vorsitzende des vor kurzem in Montreux abgehaltenen Kongresses fasehisti scher Verbände, Abg. Eugenio Cosel s c h i, hat dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Rom über das Zustandekommen der „Judenreeolution“ folgende Aufklärungen gegeben: Der Kongreß in Montreux hat sich in seinen Beschlüssen an die Grundsätze des italienischen Faschismus gehalten und in seiner Resolution zur Judenfrage den Gedanken der Bekämpfung der Juden auf Grund des Rassenprinzips a b g e 1 e h n t. Diese Haltung wurde als allgemeiner Grundsatz fetd.gelegt. Anderseits aber hat der Faschistenkongreß auf Verlangen verschiedener Delegierter die Haltung bestimmter jüdischer Gruppen in manchen Ländern behandelt, die, statt sich als loyale Bürger zu bekennen, unter dem Einfluß der verschiedenen Internationalen stellen, die der l'aschismus aufs heftigste bekämpft. Die Teilnehmer an den Beratungen von Mon- Die Verarmung der jüdischen Massen Auf der letzten jüdischen Weltkonferenz in Genf (20. bis 23. August) wurde neben den Berichten Uber die politische Lage der Judenheiten in den verschiedenen Ländern auch ein zusammen fassender Bericht über die wirtschaftliche Situation der Juden, insbesondere in den Gebieten jüdischer Massensiedlung, erstattet. In jenem Berichte wurde auf die unaufhaltsam fort schreitende Verarmung der jüdischen Massen hingewiesen, auf eine Tendenz, die nicht etwa nur den Abstieg aus einer Klasse der sozialen Leiter in eine niedrigere, sondern den Absturz in das soziale Nichts bedeutet. Seit der Genfer Konferenz sind einige Monate verstrichen und in der Zwischenzeit sind weitere Berichte über die Lage der Juden eingelangt, die den unerbittlichen Ablauf der gekennzeichneten Entwicklung bestätigen. Da die wirtschaftliche Verelendung des größten Teiles der jüdischen Gemeinschaft in der Diaspora das Kernbei den Juden die erwähnte unglückselige soziale Schichtung aus. Die Juden waren und sind leider in der Hauptsache in den meisten Ländern auf eine geringe Anzahl von Berufen angewiesen und bilden bis auf den heutigem Tag überall, wo sie in größeren Massen wohnen, eine Art von Wirtschaftsghettos. Der Übergang zu anderen Berufsarten ist durch die eigene geschichtliche Entwicklung und durch die allgemeine Krise erschwert. Aber noch grauenhafter wirkt sich auf die Situation der Juden, und zwar überall, wo sie in merklicher Anzahl leben oder bisher eine spezifische Rolle im Wirtschaftsleben gespielt haben, der politische Faktor aus: Sie werden von den Völkern, in deren Mitte sie leben, beziehungsweise von deren Regierungs- oder maßgebenden Wirtschaftsorganen systematisch verdrängt. Sei es, daß diese Tendenz offen antisemitisch auf tritt-, wie in Deutschland, oder sich hinter bevorzugten neuen Wirtschaftssystemen allgemeiner Art verbirgt, im Endeffekt steht die konsequente Hinausstoßung des jüdischen Elementes aus Berufszweigen, in welchen es bisher beschäftigt war, und die Nichtzulassung zu Betätigungen, in welche die Juden in ihrem Bestreben noch Berufsumschichtung einzudringen versuchen. Wenn man die Karte Europas zur Hand nimmt und die auf die Juden bezüglichen Verhältnisse in den einzelnen Ländern sich vor Augen führt, so findet man, daß, einer lei wie die Regierungsform in den betreffen den Ländern aussieht, überall der gleiche antijüdische Kurs herrscht. Vielleicht bilden Länder, wie Italien oder Spanien, eine Ausnahme, weil dort die Zahl der Juden kaum in Betracht zu ziehen ist. Aber schon in Ländern, wie Belgien, Frankreich, Schweiz, die offiziell keinen Antisemitismus kennen, ist die antijüdische Tendenz in der Wirtschaft nicht zu verkennen. Was soll die jüdischen Parijmentarier veranlaßt, nach I sMungsrayon in Rußland, Galizien, Karmai1 erst von Ländern wie Lettland, Möglichkeit eine einheitliche parlamentaripa;to.rußlaric1’ manchen Teilen Ru sehe Vertretung der polnischen Judenheit ü11^6113 UTld in Nordafrika) herrschte das herbeizuführe.i. Es heißt, daß die der Re-Nüdische EIend unvermindert und wurde gierungspartei angehörenden Abgeordneten) u'r dadurch gemildert, daß im letzten \ierder Aguclas Jisroel grundsätzlich zu-) des Jahrhunderts und in den Jahren einem Zusammenschluß mit den im Jüdi-1?„es -20' Jahrhuaderts bis zum Kriege treux bekannten sich ferner zu dem Grundproblem der irischen Gegenwart darstellt, satz, daß jede faschistische Organisation angebracht, darüber ein paar Worte berechtigt ist, ihre inneren Angelegenheiten zu saoen; gemäß den örtlichen Bedingungen zu regeln! ^or Jahren gehörten die Juden in und ihr feindliche Gruppen zu bekämpfen. Europa “ und damals lebten neun Zehntel Die Resolution über die Judenhaß, fuhr *ller Juden ln Europa “ zu den Ärmsten Naumanns Weihnachtsbaum Berlin, 31. Dezember. (2. T. A.) Der von Dr. Max Naumann geführte Verband nationaldeutscbcr Juden“ feierte am Mittwoch, den 19. Dezember, kollektiv das W c i li n a e h t s f e s t im Nollendorfer Kasino zu Berlin. Die Mitglieder dos Verbandes waren unter dem Weihnaehtsbaum versammelt und tauschten Geschenke aus. In der Einladung zum Feste hieß es: „Die Veranstaltung trägt weder religiösen, noch politischen Charakter. Weihnachten ist ein deutsches Fest, das une nationaldeutsche Juden ebenso an gebtwie unsere nichtjüdischen deutschen Volksgenossen.“ —■ Kommentar wohl überflüssig. Abg. Coselschi fort, wurde von dem Fran de.r Armen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts zfcten Marcel Bucard redigiert und hält sich besserte sich die Politische La,ge der Ju an den Gedanken der „römischen Gerechtigkeit". Beweis dafür ist, daß Marcel Bucard, als er seine Resolution vorlegte, gleichzeitig eine Ehrung derjenigen Juden beantragte, die bei der Verteidigung ihres Vaterlandes im Kriege gefallen sind. Für einheitliche Parlamentarische Vertretung der Juden in Polen Warschau, 31. Dezember. (2. T. A.) den auch in den Ländern, in denen sie, wie in Rußland, nicht emanzipiert wurden, und gleichlaufend damit auch die materielle Situation. Leider hielt die Besserung der unglückseligen sozialen Schichtung des jüdischen Volkes nicht gleichen Schritt mit dem materiellen Aufschwung. Genau be sehen, blieb diie wirtschaftliche Lage der Juden, auch dort, wo sie oft zu großem Be sitz gelangten, ungesund. Außerdem war die materielle Gesundung auch nur auf einige Länder beschränkt, und in den Ge- Die ernste Lage der Juden in Polen hat bieten jüdischer Massenßiedlung (dem Ansehen Klub vereinigten zionistischen Abge- ^uaderttausende von Juden in Übersee, vor ordneten bereit sind. In dieser Angelegen- (a em Amerika und in Südafrika, eine heit sollen im Laufe der kommenden Woche ne!le finden konnten. Besprechungen zwischen dem Agudaführer Eer Weltkrieg brachte auch für diejeni- Ahgeordneter Rabbi Lewin und “dem Vorg.en. Vo^pLtter, die bis dahin nicht eman sitzenden des Jüdischen Klubs, Abgeordzop*e.rt war?n> w*e i<n Rußland und in Ru mänien, die formale Gleichberechtigung, vernichtete aber zwei Großstaaten, in denen die Juden durch ihre Zahl starke Zentren gebildet hatten, die aus sich heraus vielleicht imstande gewesen wären, durch Selbsthilfe die ungesunde soziale Schichtung einigermaßen zu ändern. Die Zerreißung Zarenrußlands und die Zertrümmerung der österreichisch-ungarischen Monarchie bedeuteten die Zerstörung großer Wirtschaftseinheiten, in denen die Juden hoffen konnten, wirtschaftlich allmählich zu gesunden. Kurze Zeit nach dem Kriege waren Teile des jüdischen Volkes in starkem Grade Nutznießer der herrschenden Prosperity, und in jener kurzen Zeitspanne war es zum erstenmal in der jüdischen Diasporagesohiohte, daß fast die Hälfte der jüdischen Gesamtheit sich in einer materiell günstigen Lage befand. In jener Zeit hatdie Judenheit in Übersee und in Westeuropa für allgemeine jüdische Hilfszwecke Summen aufgebracht in einer Höhe, wie sie in der Menschheitsgeschichte als freiwillige Leistung niemals vorgekommen ist. Aber bald setzte, von Amerika ausgehend, die allgemeine Krise ein und die von ihr zuerst Betroffenen waren die jüdischen Schichten in den einzelnen Ländern. Unzweifelhaft leidet die ganze Welt unter dem Drucke der herrschenden Krise, die eine Mischung von System- und Konjir:kturkrise ist. Der durch die Krise auf die jüdische Gemeinschaft ausgeübte Druck jedoch ist durch zusätzliche spezifische Merkmale belastet. Erstens wirkt sich in allen neter Rabbiner Dr. Osia-s Thon, stattfinden. Die große Not der Juden in Polen Warschau, 31. Dezember. (2. T. A.) Der von Dr. Pames geleitete Jüdische Wirtschaftsausschuß richtete einen Warnungsruf an die Regierung, im Hinblick auf das immer unerträglicher werdende Elend unter den jüdischen Massen schnelle Hilfe zu leisten Der Regierung wurde ein detailliertes Memorandum hierüber mit Hilfsvorsohlägen unterbreitet. Die Neuwahlen in den Städten der Provinz Wolhynien hatten zum Resultat, daß in allen den Städten, in denen bisher die jüdischen Minderheiten in der Verwaltung vertreten waren, die neuen Stadtverwaltungen jetzt judenrein sind. Die Lozder Handwerkskammer hat ihre letzten zwei jüdischen Beamten entlassen und ist jetzt j u d e n r e i n. Gegen die Mühlen der jüdischen Finna Lipsohitz in der Stadt Ozarow, Kreis Lodz, wur len mehrere Bomben geschleudert, die die Gebäude der Mühlen und ie Inneneinrichtungen zu einem großen Teil zerstörten. Maschinen wurden unbrauchbar gemacht uni Mehlsäcke explodierten. Am Tatorte und in der Umgebung entdeckte die Polizei Inschriften an "Wänden und auf dem Pflaster, in denen eine polnische Jugendorganisation zu Boykott der Juden aufforciert. Von den Bombenwerfern fehlt jede Spur. Litauen, Polen und Rumänien sagen? Dort steigert sich das -Elend der jüdischen Massen von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat ins Ungeheuerliche. Wenn man von einer Zentralstelle aus diese Entwicklung verfolgt, so gewinnt man den Eindruck, als ob zwei knochige Hände mit langen Fingern sich immer enger um die jüdische Gemeinschaft krallen und ihr allmählich die Möglichkeit zu atmen und zu leben nehmen. Dieses grauenhafte Ringen von Millionen Menschen gegen den restlosen Untergang wirkt erschütternd und lähmend. Natürlich darf nichts unterlassen werden, um diese Entwicklung aufzuhalten und ihre schrecklichsten Resultate zu mildern. Da eine Hauptursache dieses Zustandes politischer Natur ist, so muß die jüdische Selbsthilfe in politischer Richtung erfolgen. So schwer das auch sein mag, und so wenig Aussichten das auch auf den ersten Augenschein hin bietet, so unerläßlich ist der politische Kampf um die jüdischen Rechte in der ganzen Welt. Er kann einzig und allein von den Juden selbst geführt und angeregt werden. Daß daneben wirtschaftliche Sedbsthilfsmaßnahmen unerläßlich sind, darüber braucht man kein Wort zu verlieren. Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche 1^3 Reichhaltige Menüs 4 S 1*90 u. 2-60 Schwechater Brau II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-2J Max Liebermanns Befinden gebessert Berlin, 2. Jänner. (2. T. A.) In dem Befinden des vor kurzem ernstlich erkrankten großen jüdischen Malers und Radierers Professor Max Liebermann ist eine Besserung eingetreten; man hofft auf seine Wiedergenesung. 1. bei Bsrufsunfählgkelt INVALIDITXTS-RCMTEM 9. für ein sorgloses Alter ALTERS.BE MT t M Ablcbensfall* GÜNSTIGEM Kinoprogramme der Woche I Ländern, die von der Krise ergriffen sind, Die deutsch-jüdischen Flüchtlinge in Frankreich Paris, 31. Dezember. (2. T. A.) Daß Pariser Auswärtige Amt erließ ein Zirkular an die Behörden, wonach die an Flüchtlinge aue Deutschland gewährten Durchreise-Visen nicht weiter zu verlängern seien; dies bedeutet, daß eine große Zahl der Flüchtlinge, dio mittels Durchreisevisen nach Frankreich gekommen waren, bald aus Frankreich ausgewiesen werden würden. Vorstellungen der jüdischen Organisationen bei der Regierung zugunsten der Flüchtlinge waren bisher ohne jeden Erfolg. Flüchtlinge, die Geschäftsuntemehmungen begründeten, liquidieren Halß über Kopf. KREUZ-KINO &TÄ8 Vom 4. bis 8. Jänner Uraufführung! Mord in Manhattan mit Clark Gable, Myrna Loy, William Powel Beginn: 4, V46, y„8, V*10 Uhr Leopoldstddter Volkskino Telephon R^f-O-f6 Telephon R 23 Vom 4. bis 8, Jänner 1935 Abschieds- Wochentags 7,ß. VA 7*10 Uhr, Sonn- und feiertags 7»4 Uhr VI., Mariahilferstraße 37 Telephon B 20-203 Vom 4. bis 8. Jänner 1935 SCHAFFER-KINO Vom 4. bis Peier mit Franziska Gaal, Hans Jaray Boginn : ‘/*4, V46, i/i8, %10 Uhr Heimat-Kino ^e!ep”on A?8"0-7619 Vom 4. bis 8. Jänner 1935 Uraufführung I Fahrt in die Jugend mit Hermann Thimig Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonnu. Feiort. ab 3 Uhr Zionistische Bezirkssektion Sams,a9den 5» Jänner 1935> präzise s uhr abends 4=^14 / A IcprnrnnH Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Isr. Kullusgemelnde Josefstaat/Alsergrund n ir LAGE DFß TTinp M« »traße Nr. 6-8 (Eingang Hörlgasse Nr. 1) " M C/ Ms /m MZ/ MM MZ/ vJ U MM MZ/ WKhrlngerstraße