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Die Stimme · 1935-01-04 · Heft 414 (4.1.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 414 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Xr. 414 — 4. Jänner 1933 Oll STIMM! Seit« 5 Die Juden in Luxemburg Luxemburg, Dezember 1934. Man spricht in der Welt wenig von Luxemburg. Die Kleinheit des Landes, das zwischen Deutschland, Belgien und Frankreich liegt, ist nicht der alleinige Grund, warum man es so selten und das Saargebiet sind meinwesen, und doch sind Mund. Luxemburg steht punkt de-s Interesses, weil dort wenig siert“ und weil sich dort auch keine Strafe Angesie in nicht aller Leute im Mittelp asumwälzenden Ereignisse vorbereiten. Somit ist Luxemburg ein verhältnismäßig glückliches Lündchen. Natürlich hat es auch als ein S -hwerindustrielnnd — in Luxemburg gibt es Ehen und Kohle —- unter der allgemeinen Krise zu leiden. Sonst aber Hießt das Leben des Landes unter der Regierung einer Großherzogin geruhsam dahin. Luxemburg zählt etwa 250.000 Einwohner; die Hauptstadt gleichen Namens etwa 50.000. Wirtschaftlich hängt das Land mit Belgien zusammen. Auch in Luxemburg leben Juden. Man liest davon nicht in den Zeitungen; ein Beweis, daß man die Juden in Luxemburg ungestört ihren Beschäftigungen nachgehen läßt und daß es dort keine ahnte Judenfrage gibt. Die Zahl der Juden betrügt 5000, genau so viel wie im benachbarten Saargebiet, welches eine Gesamtbevölkerung von 800.000 Seelen aufweist. Prozentual hat also Luxemburg fast dreimal so viel Juden wie das Saargebiet. Die Juden Luxemburgs stammen zum größten Teil aus dem Elsaß; ein großer Teil ist aus Deutschland eingewandert; der Rest besteht aus Ostjuden, die hauptsächlich nach dem Kriege ins Land gekommen 6ind. Die Juden Luxemburgs beschäftigen sich im allgemeinen mit Handel und Kleingewerbe. Die Ostjuden sind Marktgeher und Vermittler, Inhaber kleiner Läden, Geschäftsreisende und Handwerker. Trotz ihrer geringen Zahl bemühen sich die Juden in Luxemburg, ein reges kulturelles und jüdisch-interessiertes Leben zu führen. Hiebei kann man feststellen, daß die alteingesessenen Juden, die Patrizier, sich größtenteils reserviert verhalten. Die Lan-r desspraohen sind Französisch und Deutsch. Die ineisten Zeitungen sind deutsch geschrieben. Die vornehmen Juden neigen, wie die elsässiscben Juden zur Zeit der deutschen Herrschaft, der französischen Kultur zu, was in gewissem Sinne den Abstand zwischen ihnen und den später ins Land gekommenen Juden vergrößert. Luxemburg kannte bis in die letzte Zeit keine „Fremdenfrage“, obwohl unter den 300.000 Einwohnern des Landes ungefähr 50.000 Ausländer sind. (Die Schweiz als ausgesprochenes „Fremdenland“ beherbergt nur 10% Ausländer gegenüber 1834% gehergewerbes ohne Erlaubnis zieht und Landesverweisung nach sich. Die legenheit befindet sich jetzt in der Schwebe. Es werden alle Anstrengungen gemacht, um diese neue Praxis der Verwaltung nicht als erwähnt, Danzig, endgültige Entscheidung bestehen zu lassen, auch kleine Ge-Natürlich (leider muß man daß sagen) sind gerade die ärmsten jüdischen Kreise von dieser Maßnahme betroffen. Damit sind aber die jüdischen Schwierigkeiten in Luxemburg noch nicht erschöpft. Sie erfahren eine vorläufig nur stimmungsgemäß ins Gewicht fallende Belastung durch die Möglichkeit, vielleicht Wahrscheinlichkeit, daß aus dem Saar gebiet nach einer für Deutschland günstigen Abstimmung am 13. Jänner 1935 Juden in Luxemburg Zuflucht suchen könnten. Die Ablehnung dieser präsumtiven jüdischen Zuwanderer äußert sich selbstverständlich nicht bei den Juden in Luxemburg. Sie ist jedoch bei den Regierungsstellen vorhanden, und bevor noch dieses Ereignis eingetreten ist, sinnt man in den maßgebenden Kreisen des Landes bereits darüber nach, wie man dieser Eventualität begegnen könnte. Wer ein franzößisches Visum hat, kann ungehindert ins Land kommen; also sind die Grenzen für eine gewisse Zahl von Saarjuden, die nach dem 13. Jänner, 1935 nach Luxemburg werden einreisen wollen, offen. Diese Sachlage ist den luxemburgischen Regierungsstellen nicht genehm. Man hat schon darüber ausdrücklich gesprochen. Hiebei ist da« Argument der Überfremdung mit Nachdruck betont, worden. Man hat sich auch noch eine neue Formulierung für die Abwehrmaßnahmen gegen die Zuwanderung von Juden zurechtgeiegt: „Aus demographischen Gründen sei ein Zuwachs neuer jildißcher Einwohner nicht erwünscht“, erklärte man an Regierungsßtellen. Ein Glück, daß es Fremdworte gibt,! Zwar sind auch „Antisemitismus“ und „Asemitismus“ Fremdworte, aber durch den häufigen Gebrauch allgemein verständlich und abgenützt. Da ist doch „d e m o g r a p h i 8 c h“ ein Fremdwort von ganz anderem Klang. Man kann sich darunter vorstellen, was man will. Wenn nur das fatale französische »Sprichwort nicht vorhanden wäre: „Je mehr sich die Sache ändert, um so mehr bleibt sie sieh gleich.“ Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird Luxemburg in der jüdischen Welt der bisherigen Vergessenheit und dem Ungenanntbleiben entrissen werden. Die glücklichen Zeiten, da es in Luxemburg keine merkbare Judenfrage gab, scheinen — die Saarereignisse sind das auslösende Moment — bald zu Ende zu gehen. Wir wollen hoffen, daß das Kulturland Luxemburg sich dieses Ehrentitels bewußt bleiben wird. ab. Ihre persönliche Note kommt zur Geltung in einem Anzug, der in allen Details auf Ihro Individualität abgeetimmt ist. Die vornehme und gediegene Kleidung bei Herrenschneider JOSEF HOROWITZ W.en, I., Graben 29 (Trattnerhaf 1) I. StoJc Tcta?hon I) 24*607 es nicht vor gegangen gegen sic. — S, Der Jude hat, das Bauerntum ruiniert. — 9. Warum sollen wir die Juden im deutschen Volk hehallen, wo wir doch selber so viele Arbeiter haben. — J0. Der Jude stammt nicht aus dem Deutschen Reicht er schiebt nur das Geld ein, wenn der Arme zugrunde geht, das Hißt ihn kalt.“ Aus der jüdischen Presse Die jüdisch-arabischen Beziehungen „H aaro z“ (Tel-Aviv) Seif Spiegel und dcc twMstkof tnil dem irr Tätigkeit benützt habe. Einstmals sei es sein Wunsch gewesen, die russisch-jüdische Literatur auf eine hohe Stufe zu heben, flach dem Zusammenbruch des jüdischen Zentrums in Rußland habe er diese Hoffnung begraben müssen und wolle nun dieser vorzeitig dahingeschiedenen Literatur, die sich über zwei Generationen erstrecke-, die Leiche nrede halten. Dann sagt Dubnoic: „Uwl nun, da ich zu den zwei Sprachen meines Volkes zurückgekehrt bin, will ich durch meine Memoiren der toten russisch-jüdischen Literatur in ihrer Sprache den Grabstein stellen.“ Tatsächlich ist Üubnow gemäß einem Versprechen,, das er seinem Freunde Achad Ausländern in Luxemburg.) Untor der Wirkung der Wirtschaftskrise aber mehren sich in der letzten Zeit auch in Luxemburg Stimmen gegen die „Überfremdung“ des Landes. Sowohl bezüglich der manuellen Arbeiter wie auch bezüglich der Handels- und Gewerbetreibenden, wird der Einwand erhoben, daß sio den Inländern Arbeitsstätten und Verdienst-rnöglichkeiten wegnehmen. Besonders seit den bekannten Vorgängen in Deutschland und der, wenn auch zahlenmäßig unbedeutenden, Zuwanderung deutschjüdischer Flüchtlinge ist man in Luxemburg ein bißchen norvö« geworden. Zwar hat die liberale Praxis gegenüber Neueinwanderern, denen ohneweiters die Niederlassungsmöglichkeit gewährt wurde, keine Änderung erfahren, aber Arbeitserlaubnis wird nicht mehr erteilt, und auch gegenüber Kapitalisten ist man mißtrauisch. Denn man sagt, daß dieso Kapitalisten schließlich doch irgend welche Geschäfte machen und alfi stille Teilhaber doch Nutznießer der inländischen Wirtschaft sind. Aus diesem Grunde sind denn auch nur wenige Juden in den letzten zwei Jahren nach Luxemburg gekommen. Die im Lando Wohnenden aber werden nicht bohelligt. Immerhin ist dio Administration sehr wachsam geworden. Wie bereits erwähnt, besteht ein großer Teil der nach dem Kriege eingewanderten Juden aus Marktgehern, dio im Besitze eines zeitlich befristeten Gewerbescheines sein müssen. Bei Ablauf der Gültigkeitsdauer dieser Scheine werden sie in der letzten Zeit nicht mehr erneuert. Dies hat natürlich in den betroffenen greisen große Beunruhigung heryurgerufen. Denn eine Ausübung des Markt- I I In Lissabon gibt es eine kleine jüdische Gemeinde, in der öfters Mischehen Vorkommen. Die Tatsache, daß manche katholische Geistliche die Trauungszeremonie, wenn es sich um eine Mischehe handelt, zu antisemitischen Ausfällen benützen, scheint auf gewisse jüdische Kreise nicht abschreckend zu wirken. Kürzlich fand, wie „The Jewish Qhronicle“ berichtet, wieder eine derartige Trauung in einer katholischen Kirche Lissabons statt.' Haam gegeben hat, zu den zwei Sprachen Der als Fanatiker bekannte Pfarrer, der die seines Volkes — jiddisch und hebräisch — Trauung vornahm, war ersucht worden, nicht die er virtuos beherrscht, zurückgekehrt ausfällig zu werden. Trotzdem hielt er aber Der Periode russischer Literatur setzt er eine derartige antisemitische Hetzrede, daß durch seine Memoiren und durch ihr Vordie katholischen und jüdischen Uochzeits-j wort ein icilrdiges Denkmal, gäste und das Brautpaar fassungslos waren.' Da kann man nur sagen: Recht geschieht diesen Lissaboner Juden, ln Lissabon gibt es aber noch ein anderes Kuriosum, Der katholische Erzbischof, der im Gegensatz zur übrigen Geistlichkeit ein liberaler Mensch sein soll, hat auf seinem Talar den jüdischen .,, _ Gottesnamen (HVT) eingestickt und diej 0Sl selben hebräischen Buchstaben prangen auf vermerkt die bemerkenswerte Tatsache, daß die arabische Zeitung „M a r a t a l Shark“ den Vorschlag machte, die Araber sollten sich einer Einwanderung von 500.000 Juden flicht widersetzen. Dieser Vorschlag beweise, daß die von Nashashibi nach seiner Niederlage bei den Jerusalemer Wahlen gegründete radikale arabische Partei nur eine interne Angelegenheit der Araber sei und daß die Araber beginnen, den J is c hu w als eine Tatsache hin zu nehmen. Man könne zwar noch nicht davon sprechen, daß eine Verständigung zwischen Juden und Arabern unmittelbar bevorstehe. Die Auslassungen der Zeitung „Marat cd Shark“ seien aber deswegen bemerkenswert, weil das Organ des Mufti eine heftige Agitation gegen die Juden führe, die nach seiner Behauptung innerhalb von zehn Jahren eine Million Menschen in Palästina und Syrien angesiedelt haben würden, (die tpiepeU suk die Zeit Ui deutschen /tUideeseeten? Die in München erscheinende „Sonntaghatte, wie sie mitteilt, an zehn Kinder zwischen 12 und 14 Jahren zehn seinem Briefpapier und auf seinem Merkwürdig, höchst merkwürdig! Auto, RassettceUtes £speca.fito In Berlin wurde eine nationalsozialistische Esperanto-Vereinigung gegründet. Mitglied kann nur werden, teer im Sinne der Ariergesetzgebung die arische Großmutter einwandfrei nackweisen kann. Der Erfinder der Esperanto-Sprache war bekanntlich der Jude Dr. Ludwig Lazar Z a m e n ho f aus Warschau. Das scheint den Gründern des Vereines entgangen zu 'sein. Hoffentlich nimmt die nordische Seele keinen Schaden! im Qjcc&stem fite eine. gestoc&CHe. JUUecduc Der große russisch-jüdische Historiker Simon D u bnow hat soeben den ersten Band seiner Memoiren in russischer Sprache veröffentlicht. Im Vorwort begründet Dubno w, warum er gerade in russischer Sprache schreibt. Erstens, sagt er, daß die meisten Dokumente, die er verarbeitet, in russischer Sprache abgefaßt sind und er wolle sie im Original bringen. Zweitens wollte er sein voraussichtlich letztes Werk ln der Sprache schreiben, die er in den mehr als 40 Jahren seiner wissenschaftlichen [gegen das Volk gearbeitet hätten, dann wäre Fragen gestellt, um zu erfahren, wie sich in der deutschen Knabenseele die Zeit widerspiegle. Frage 4 und 5 lautet: „W as de n k t Ihr über die Juden? Hat Hitler recht gehabt, daß er ihre Macht in Deutschland gebrochen hat?“ Als Antwort auf diese Fragen verzeichnet die „Sonntag-Morgen-Post“ folgendes: „1. Die Juden schauen nur auf ihren Geldbeutel. Ihnen ist es ganz gleich, wenn das Deutsche Reich zugrunde geht, weil sie gar keine Deutschen sind; darum können sie auch gar keine Vaterlandsliebe haben wie wir. — 2. Der Jude hat seine Ware in der ganzen Welt gekauft, da bekam er sie billig und uns gab er sie teuer. 3. Sie haben Deutschland im Kino geschwächt, weil sie so Zeug gebracht haben und die Leute haben schließlich nichts anderes mehr mögen. Die Deutschen wären nur mehr Knechte gewesen und sie die Herren. Und so wollen sie es auch bei den anderen Völkern machen, daß es in der ganzen Welt nur mehr Knechte und Herren gibt. Uns Bauern haben sic oft sehr geschunden. — 4. Sie haben das deutsche Volk ausgesaugt, das weiß ich aus der Zeitung. — 5. Der Jude gehört aus Deutschand ausgeschaltet, weil wir es jetzt sehen, wie er im Ausland gegen Deutschland' hetzt. — 6. Ein Jude hat gesagt, alles gehört allen, aber er hat gemeint, alles gehört den Juden. — 7. Wenn die Juden in Deutschland nickt so Die neue Histadruth. In der „Z i o n ie tisch e n W o c h e“ (Lemberg) bespricht Dr. A. S. die Differenzen bei der Konferenz der Allgemeinen Zionisten in Palästina. Die beiden Gruppen seien nicht durch fundamentale Streitfragen getrennt worden und es sei kein hinreichender Griuid für eine Gruppe vorhanden gewesen, die Konferenz zu verlassen, weil sie mit der Gründung einer eigenen allgemein-zionistischen Histadruth nicht einverstanden gewesen sei. Diejenigen, die die Versammlung verließen, hätten mehr an die Position des Allgemeinen Zionismus denken sollen als an die Empfindlichkeit der Histadruth Haowdim. Die Histadruth Haowdim habe 50.000 Mitglieder und die kürzlich statt gefundene Sezession Allgemeiner Zionisten sei für die Histadruth Haowdim nicht von Bedeutung. Jedenfalls wäre diese Sezession es nicht wert, die Einigkeit im Allgemeinen Zionismus aufzugeben. Die Anleihe. Im .,N o w y D z i e n n i k“ (Krakau) schreibt Dr. M. Ringel: Die Bedeutung der Transaktion mit der Lloyds Bank liegt in der Tatsache, daß es sich hier um eine Anleihe ohne irgendwelche Garantie seitens des Völkerbundes oder der Palästinaregierung handelt. Dia Lloyds Bank hat den zionistischen Gesichtspunkt akzeptiert, indem sie die Einnahmen des Keren Hajessod und des Keren Kajemetli, die auf freiwilligen Beiträgen beruhen, als genügende Garantie für die Anleihe angesehen hat... Die Anleihe muß nicht nur als ein finanzieller, sondern auch als ein großer moralischer Erfolg der Zionistischen Organisation betrachtet werden. Pension Eckstein Rheumatische Beschwerden bekämpft, man rasch und sicher mit Togal. Weit über 0000 'rzto bestätigen schriftlich dio hervorragende Wirksamkeit von Togal. Auch bei Erkältungskrankheiten haben sich Toga’tnblctten seit 20 Jahren bestens bewährt. Ein Versuch überzeugt! Togal orhalton Sie in jeder Apotheke.

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