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Die Stimme · 1935-01-04 · Heft 414 (4.1.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 414 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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r ^Tr. 'ffi — 1 Banner 1935 DIE STIMME Seite 5 PALÄSTINA MELDET: Protest der Hitachduth Olef Austria gegen die geringe Zertifikatsanzahl für oster• reichische Chaluzim Wie uns aus Tet-Aviv berichtet, wird, hat die „Hitachduth 0 I e j A u s t r i a“ folgende Protestkundgebung erlassen, die durch die palästinensische Presse veröffentlicht wurde. „Die ,Hitachduth Olej Austria4 protestiert energisch gegen die Drosselung der Alijah aus Österreich, der Wirkungsstätte Herzls. Die Jewish Agency hat nach Österreich lediglich 117 Zertifikate geschickt, ohne auf die schwierige wirtschaftliche und politische Situation Rücksicht zu nehmen, in der sich unsere Brüder in Österreich befinden. Trotzdem Wien, die Hauptstadt Österreichs, der Geburtsort der Zionistischen Organisation und die Arbeitsstätte unseres großen Füh rers Theodor Herzls im besonderen war. haben sämtliche zionistischen Behörden diese Stadt zur Gänze in Stich gelassen. Zu unserem großen Bedauern sind wir gezwungen, gegen dieses Unrecht anzukämpfen, und wir werden nicht, ruhen, bis wir nicht das erreicht haben, was uns ge biihrt.“ Wirtschafts- und Siedlungspolitik in Palästina Anläßlich eines Vortrages im Verband der jüdischen Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas sprach Direktor Dr. Ludwig Neiimann über die Wirtschafts- und Siedlungspolitik Palästinas, der bei allen Zuhörern einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Seine mit großem Beifall anfgenommenen Ausführungen zeigen ein genaues Studium und vollkommenes Beherrschen der Materie des weit über die Grenzen Österreichs bekannten Wirtschaftspolitikers. Nachstehend bringen wir einen Auszug dieses bemerkenswerten Vortrages, der angesichts der Erwerbung des Huleh-Gebietes und des großen Anleiheerfolges besondere Aktualität gewinnt. Neue Anleihen für jüdische Kolonien in Palästina London, 2. Jänner. (2. T. A.) Der Direktor der englischen Großbank „Lloyd's Bank“, Ca,ptain Ban,son, ist in Be gleitung des Vizepräsidenten der English Zionist Federation, Israel Sieff, nach Palästina abgereist. Es wird angenommen, daß die Reise des Bankdirektore mit der Erteilung von Krediten an jüdische Kolonien und Unternehmungen in Palast ina in Zusammenhang steht. Lloyd’s Bank jst bekanntlich die Bank, von der die Jewish Agency den größten Teil ihrer 500.000- Pt'und-Anleihe auf,genommen hat. Billige Klingen jBind billig. Sanft, gründlich, rassig und preiswert ist natürlich nur Weizmann leitet den Keren Biaiih Jerusalem, 2. Jänner. (2. T. A.) Prof. Dr. Chakn Weizmann erklärte sich bereit, die Leitung des ,,Keren Bialik“, des im Juli 1934 von der hebräischen Kulturorganisation Tarhuth in einer am Tage der Beerdigung Bda.li.ks in Tel-Aviv geschaffenen Fonds zur Förderung hebräischer Kultur- und Erziehungsarbeit, zu übernehmen. Erhöhung des Budgets der Palästinaregierung Jerusalem, 2. Jänner. (2. T. A.) In der „Official Gazette“, dem palästinensischen Amtsblatt, wird eine Verordnung veröffentlicht, die die Regierung zu einer nachträglichen Erhöhung des Haushaltsvoranschlages um 39.235 Pfund ermächtigt. Von diesem Betrage sind 24.000 Pfund für Ausbau der ländlichen Siedlung und über 7000 Pfund für Investitionen im Postwesen bestimmt. Die zionistische Öffentlichkeit gibt sich begreiflicherweise gern rückhaltlos der Begeisterung über die Blüte hin, die schon seit längerer Zeit im Wirtschaftsleben Palästinas herrscht. Während alle anderen Staaten der Erde von einer schweren und dauernden Krise betroffen sind, zeigt, sich dort ein ununterbrochener Aufstieg. Der Zustrom von Menschen und Kapital nimmt von Monat zu Monat zu; seit dem November 1931 bis Ende September 1934 sind rund 110.000 Menschen neu zugewandert (also mehr als 3000 in einem Monat), allmonatlich strömt rund eine Million Pfund, ein und der Stand der verfügbaren Kapitalien bei den palästinensischen Banken wird mit 13 bis 15 Millionen Pfund angegeben. In den Städten herrscht ein brausendes Leben, und ein ungeheurer Verkehr, die Bautätigkeit schreitet in einem geradezu rasenden Tempo vorwärts, die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitern ist sehr groß, und dementsprechend haben die Arbeitslöhne eine ungeahnte Höhe erreicht. Alle diese allgemein bekannten Tatsachen bilden zusammen das „W irtschaftswunde r“, das sich augenblicklich in Erez Israel abspielt. Für den Beobachter aber, der sie mit den Augen des Wirtschaftspolitikers prüft und analysiert, ergibt sich die Feststellung, daß gerade die gegenwärtige Prosperität und ihre Folgeerscheinungen eine Reihe von ernsten Problemen und sogar von Gefahren für die weitere Entwicklung des Landes in sich bergen. Zunächst hat die gewaltige und rasche Bevölkerungszunahme, der die Prosperität in erster Linie zuzuschreiben ist, zu einer vollständigen Änderung in der Bevölkerungsgliederung geführt. Von den 110.000 Menschen, die in den letzten drei Jahren zugewandert sind, haben eich nach den Feststellungen der Jewish Agency nur 15 Prozent, also nicht einmal ein Fünftel, auf das Land begehen, die übrigen 85 Prozent s-ind In den Städten mischen Wirtschaft, sondern auch der sehr gefährlichen japanischen Konkurrenz. Zu diesen Hemmungen tritt nun noch die außerordentliche Verteuerung des Industriebodens, der vielfach das ganze verfügbare) Kapital für sich allein in Anspruch nimmt und der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, der aber zum großen Teil durch die außerordentlich rationelle technische Ausstattung ausgeglichen wird. Jedenfalls aber ist der Effekt aller dieser Umstände, daß die Zahl der in der jüdischen Industrie Palästinas beschäftigten Arbeiter und Angestellten verhältnismäßig sehr klein ist. Sei ftopffdümetm r&eumatififien tt. jgidjtifdjen ®efcf)inerben totrfert £üigdU£ahIetten ia[dj> ttitb ftdjcr. $etn onbcreä afjnlicfyeS ^ßrä* $>arat — mag itym aitcf) nodj fo biel itacfyge* rüifynit Inerben — befiel über 6000 fdjriftücfye ^Irriegutadjten. ©in SJerfudj überzeugt! $n affen Styotfjefen erljältlid). — 5ßret3 S 2.40. Palästinaregierung gegen widerrechtliche Besetzung jüdischen Bodens durch Araber Jerusalem, 2. Jänner. (2. T. A.) Die Palästinaregierung ordnete die Abhaltung einer Beratung hoher Beamter und Vertreter der Polizei zur Festsetzung von Maßnahmen gegen die ständig sich wiederholende Besetzung jüdischen Bodens durch Araber an, Zwei Araber, die beim Betreten 'des Bodens von Dr. Soskin in der Nähe von Akko betroffen wurden, sind vom Gericht m je zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. hängen geblieben. Von den 283.000 jüdischen Einwohnern, die Palästina Ende 1934 hatte, leben gegenwärtig 222.000 in den Städten, davon allein 116.000 in Tel-Aviv und Jaffa. Infolgedessen ist dort eine gewaltige Wohnungsnot entstanden, die sich nicht bloß in einer Steigerung der Mieten äußert, welche ein Mehrfaches der Lohnsteigerung beträgt, sondern in weiterer Folge auch in außerordentlich ungünstigen Wohnverhältnissen. Die Wohndichte in Tel-Aviv zum Beispiel ist mehr als doppelt so groß als in den europäischen Großstädten. Hand in Hand damit geht eine gewaltige Steigerung der Bodenpreise und eine hemmungslose Bodenspekulation, die nicht nur den Wohn-, sondern auch den Industrieboden ergriffen hat. Diese Tatsachen wären an sich nicht so bedenklich, wenn es schon eine stark entwickelte Industrie mit einem dauernden inneren Markt gäbe, die einen entsprechenden Teil der städtischen Bevölkerung aufnehmen könnte. Das ist aber noch niöht der Fall. Da Palästina fast überhaupt über keine eigenen Rohstoffe verfügt, ist die Industrie auf die Verarbeitung angewiesen. Ihre Entwicklung hängt vom Wachstum des inneren Marktes und von der Möglichkeit der Ausfuhr in die vorderasiatischen Länder ab. Dort begegnet sie aber nicht nur den Abwehrbestrebungen der hei- Auch nach den höchsten Schätzungen erreicht sie noch nicht 20.000. Die gesamte übrige städtische Bevölkerung ist mit der Verteilung und Verwaltung, mit geistigen Berufen und persönlichen Dienstleistungen beschäftigt. Dieses Mißverhältnis ist nur solange erträglich, als es eine Übergangserscheinung darstellt, und als der ununterbrochene Zustrom von Einwanderern anhält, die neues Konsumkapital für die erste Zeit ihres Aufenthaltes mitbringen. Es muß aber zu einem schweren Zusammenbruch der städtischen Wirtschaft führen, wenn die Einwanderung aus irgend einem Grunde — zum Beispiel wegen eines europäischen Krieges — ins Stocken gerät oder wenn der unproduktive Apparat der Städte weiter im selben Tempo wie bisher anwächst. Dann muß sich entweder eine massenhafte Rückwanderung mit allen ihren bösen wirtschaftlichen und moralischen Folgen oder aber unter den ungünstigsten Um ständen eine unvorbereitete gewaltsame Umschichtung ergeben. Ob und wann diese Krise kommen wird, läßt sich natürlich nicht bestimmen. Es ist aber jedenfalls eine der wichtigsten Aufgaben jüdischer Wirtschaftspolitik, sie von vornherein zu bekämpfen und abzusohwächen. Dazu sind im wesentlichen folgende planmäßige Maßnahmen notwendig: Überführung großer Teile der städtischen Bevölkerung in die Landwirtschaft, Auflockerung der Städte durch Siedlungsgürtel, in denen die Arbeiter und Angestellten auch die Möglichkeit zur teilweisen Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln erhalten, und Förderung der industriellen Entwicklung durch Bereitstellung von billigem Industrieboden. Selbstverständlich muß neben der Umschichtung der Kampf für eine Vermehrung der Arbeiterzertifikate weitergeführt werden. Aber bei den gegen wärtigen Verhältnissen wird immer nur 'ein Teil der neuen manuellen Arbeitskräfte für die landwirtschaftliche Arbeit in Betracht kommen, besonders da erfahrungsgemäß eine nicht unbeträchtliche Zahl der Zertifikatisten sofort in den Städten untertaucht und sich anderen Berufen zuwendet als jenen, für die sie eigentlich das Zertifikat erhalten haben. Während sich also in den Städten eine Bevölkerungsschichtung ergibt, die in sehr vielen Beziehungen die Verhältnisse der Galuth wiederholt, hat sich der schon immer stark fühlbare Mangel jüdischer Arbeitskraft auf dem Lande noch sehr empfindlich verschärft. Die Schwierigkeiten der Arbeiterfrage in den Kolonien, die ja bekannt sind, werden gegenwärtig durch die Anziehungskraft der Städte noch bedeutend vermehrt. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Pardeßwirtschaften ist heute nicht größer als etwa im Jahre 1928, obwohl die Fläche der Pardessim sich seither auf das Vierfache ge steigert hat. Der Fehlbetrag an Arbeitskräften muß natürlich durch Arbeiter ausgeglichen werden, und es wiederholt sich der Vorgang, der schon bei den alten Kolonien dazu geführt hat, daß auf den von der jüdischen Kolonisation erschlossenen Böden den jüdischen Grundbesitzern eine steigende Mehrheit von arabischen Landarbeitern gegenübersteht. Alle Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, welche große nationale Gefahr auf die Dauer in dieser Tatsache liegt. Es wäre allerdings durchaus falsch, wenn sich die Anstrengungen der jüdischen Wirtschaftspolitik darauf beschränken würden, die Pardeßwirtschaften mit jüdischen Arbeitern zu versorgen. Denn so wertvoll die außerordentliche Entwicklung, die dieser Wirtschaftszweig genommen hat, auch im allgemeinen für die Volkswirtschaft ist, so liegt doch gerade in seiner Einseitigk e i t ein Mangel in der landwirtschaftlichen Produktion und eine nicht unbeträchtliche Gefahr. Durch die gewaltige und geradezu sprunghafte Vermehrung der Anbaufläche, die sich zum großen Teile schon nicht mehr auf den besten und jedenfalls auf verhältnismäßig teuren Böden vollzogen hat, werden in den nächsten Jahren steigende Mengen von Orangen auf den europäischen Markt gebracht werden. Gleichzeitig wächst aber sowohl die arabische als auch die außerpalästir nensische Konkurrenz sehr stark. Vorläufig sind die Absatzmöglichkeiten und auch die Preise noch günstig. Aber zweifellos würde eine Absatzstockung oder eine wesentliche Preissenkung für einen großen Teil der jüngeren Pflanzer, die schon mit wesentlich höheren Gestehungskosten kalkulieren müssen als die alten, ernste Schwierigkeiten bringen. Damit würde aber auch eine verhängnisvolle Verschlechterung der Handelsbilanz Palästinas eintreten, für die der Zitrusexport gegenwärtig die einzige größere Aktivpost darstellt. Für das Jahr 1933 steht einer Gesamteinfuhr von Verbrauchswaren im Werte von 11*2 Millionen Pfund eine Gesamtausfuhr palästinensischer Produkte im Werte von 2-7 Millionen gegenüber. Von dieser Ausfuhr entfallen allein 2«1 Millionen auf Zitrusfrüchte. Die Ausfuhr an Industrieprodukten betrug bloß 400.000 Pfund gegenüber einem Import an Fertigfabrikaten von 5*7 Millionen. An sich wäre dieses große Passivum der Gesamtbilanz bei einem Einwanderungsland, das im Aufbau begriffen ist, noch nicht bedenklich. Es muß aber sowohl auf industriellem als auch auf landwirtschaftlichem Gebiete so rasch als möglich ausgeglichen werden, und vor allem müssen die großen Mengen an Nahrungsmitteln, die heute noch für die städtische Bevölkerung eingeführt werden — insbesondere Mehl, Fleisch, Kartoffel, Eier, Michprodukte und Obst —, durchdieeigene Landwirtschaft ersetzt werden. Schon dieses wirtschaftspolitische Problem weist auf die unbedingte Notwendigkeit einer stärkeren und rascheren Entwicklung der gemischten Landwirtschaft Kapelle J. spielt ab 1. Dezember täglich Im Sonn- und Feiertag Nach m ittags-Konzert bei normalen Kaffeehauspreisen hin. Diese hat aber auch zugleich jene bevölkerungspolitischen, industriepolitischen und nationalen Aufgaben zu erfüllen, zu denen sich weder die alten Kolonien noch auch die Pardeßwirtschaften als geeignet erwiesen haben, nämlich die Schaffung eines tragfähigen inneren Marktes für die Industrie, die Aufnahme jüdischer Arbeitskraft aus den Städten und aus der Galuth sowie die Erweiterung und Befestigung des Nationalbe-i sitzstandes. Alle Feststellungen, die sieh aus der Betrachtung der gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Lage Palästinas ergeben, führen demnach zu der dringlichen Forderung, gerade jetzt alle nationalen Kräfte auf die Vermehrung und Intensivierung der gemischten landwirtschaftlichen Produktion zu konzentrieren. Das ist aber eine Aufgabe, die nach allen bisherigen Erfahrungen nur durch die nationalen

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