Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 414 (4.1.1935)
- Date
- 1935-01-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Soita a DIE STIMME Nr. 414 — 4. Jänner 1933 Besuchet Emlnsers Gaststätten am Praterstern! .. Was sagt die «Vaterländische Front» dazu? Aus Leserkreisen wird nn? folgende Ein ladung des „österreichischen Gewerbebundt-s“ übermittelt: österreichischer Gewerbebund Berufsorganisation der Vaterländischen Front Ortsgruppe: Wien. VIII., Josefatadt E i n 1 a il u n g 7u der am Freitag, den 11. Dezember 1934, um 8 Ihr aberds. in Herrn Franz Jakei-i zs Gastwirtschaft, Wien, VIII., Piaristengassc ö(), stattfindeuden V o 11 v e r 6 a m m 1 u n g. Tagesordnung: 1. Begrüßung durch den Vorsitzenden. 2. Die ..ständische Gliederung“, Referent: Dr. Anton Widmann. 3. Die ..Gewerbenovelle", Referent: Dr. Hans Jude x. 4. Wirtschaftliche Ta.gesfragen, Referent: Stadtgewerberat Hans Morawec.. ö. Anträge und Anfragen. Um bestimmtes und pünktliches Erscheinen wird gebeten! Für die Ortsgruppenleitung: Ilans Morawec m. p. Stadtgewerbe rat. Der Schriftführer: Herrn. S c h a i c h m. p. Achtung! Es wird dringend ersucht, die Weihnachtseinkäufe n u r bei bodenständigen, christlichen Geschäftsleuten zu besorgen! Aus «fern Dritten Reich Fatsche Friedensschätmeien Abendblatt“ Das „N c u e Wiener meldet aus Berlin: In der „Europäischen Revue“ veröffentlicht der Präsident der Reiohsschrifttumkammer Hans Friedrich Blunek eine „Rede an die Juden der WesMändcr“, in der er unter Erörterung verschiedener ausländischer Einwendungen gegen das neue Deutschland dio Judenfrage in ausführlicher Woise bespricht.. Unter anderm sagt er: ..Ich möchte nicht verhehlen, daß der Antisemitismus in Deutschland in breiten Schichten erst Geltung gewann durch den Boykott des Auslandes und durch die unerhörten und ungerechten Darstellungen deutscher Verhältnisse in der Presse des Auslandes. Unsere Emigranten, die noch vor Jahresfrist Krieg gegen Deutschland oder zumindest Entwaffnung verlangten, sollton endlich Rücksicht nehmen auf die Lage der vier Fünftel der jüdischen Bevölkerung, die hier in Deutschland zurückblieb. Die Bestrebungen gerade des deutschen Schrifttums, zwischen der im Reich verbliebenen jüdischen Bevölkerung und der Regierung ein Konkordat zu erzielen, werdon immer wieder im entscheidenden Augenblick durch Eingriffe aus dem Ausland verhindert.“ Was sagt die „Vaterländische Front“ dieser famosen Aufforderung zum Boykott? Die „Vaterländische Front“ ist ein öffentlich-rechtliches Organ und Trägerin der politischen Willenebildiung. Die Aufforderung zum Boykott jüdischer Geschäfte bedeutet eine Verletzung der Verfassung und einen Verstoß gegen st-ralgesetzliohe Bestimmungen. Die „Vaterländische Front“ hat also allen Anlaß, der Sache nachzugehen und derartige Vorkommnisse in Zukunft zu verhindern. Hiezu wäre zu sagen: Nur naive Gemüter können an eine Änderung der Judenpolitik Hitlers glauben. Bluncks Rede ist ein Verzu such mit untauglichen Mitteln. Der Boykott Judengeht Deutschland auf den Lebensnerv. Das ist der einzige Grund für die Schalmeientöne. Unwahr ist es, daß die diffamierende Judenpolitik Deutschland eine Folgo der Agitation der Emigranten ist. Ohne Hitlers Konzentrationslager, ohne Folterungen und Vertreibungen hätte es keine Emigranten gegeben. Diese Verdrehungen des Herrn Blunek erinnern an das Sprichwort: „Haltet den Dieb!“ Dis Sorgen der Betont-Nationalen Wie die „Wiener Neuesten Nachrichten“ melden, ging aus Wien folgendes Telegramm an zwei Zeitungen im Saargebiet: „Die Unterzeichneten österreichischen Verbände beglückwünschen die Brüder an der Saar zum neuen Jahr, das sie ins Vaterland zurUckführen wird, österreichisch-deutscher Volksbund, österreichisch-deutsche Arbeitsgemeinschaft, Delegation für den österreichisch-deutschen Wirtschaftszusammenschluß. Deutscher Volksrat für Österreich, Deutscher Schulverein Südmark, Deutscher Turnerbund Sudetendeutschor Heimatbund, österreichische Sektion des Deutschen und österreichischen Alpenvereins, österreichischer Skiverband.“ Nunmehr «schreibt hiezu das der Regierung nahestehende „N e u i g k o i t s - Welt- Blatt“ unter dem Titel „Was es heute noch gibt!“ u. a.: „Es ist interessant, sich dio Vereine und Verbände anzusehen, die sich hier zusammenfinden, um mit schlecht verhohlenem Neid dem Saarland zur Angliederung an das nationalsozialistische Dritte Reich zu gratulieren. Wenn sie sich nun. ohne jede Nötigung — was hat. zum Beispiel der österreichische Skiverband mit der Saarfrage zu tun? — zu einer so oralnent politischen Kundgebung drängen, dann ist hier wohl die Tatsache der Überschreitung der statutenmäßigen Aufgaben gegeben und damit, der österreichischen Regierung eine Handhabe gegen diese Vereine, über deren politische Tendenz ln der vaterländischen Bevölkerung längst kein Zweifel mehr besteht, die nötigen Schritte einzuleitcn.“ Es wäre höchste Zeit, daß die Rogierung die politischen Sorgen dieser „u apolitischen Vereine rnit dem Arierparagraphen“ dadurch beendet, daß Ihre Tätigkeit behördlich eingestellt wird. Bürger Konzentrationslagers haben das Martyrium der „Juden-Kompagnie“ geeehildert, dor auch diu nach dom Lager verschleppten Zöglinge des jüdischen Erziehungslie’iin.s für schwer erziehbare Kinder in Wolzig angehörten. lys waren dies 39 Jungen, von derneu der jtingsto 13 Jahre alt war. Das Erziehungsheim war eine« Tages von der SA. aufgehoben worden, nachdem man vorher eine Hausdurchsuchung vorgenommen und angeblich in dein Bett eines Jungen einen Revolver und kommun ie tische Druckschriften gefunden hat. Die Zöglinge von Wolzig beteuerten, daß sie nichts mit kommunistischen Druckschriften zu tun gehabt haben und daß diefe, ebenso wie cler Revolver, von unbekannter Hand eingeschmuggelt worden sein mtlsen. Durch schreckliche, nicht wiederzugebende Folterungen wurden die Kinder jedoch zu dem Geständnis gezwungen, daß sie sich kommunistisch betätigt hätten. Viele von ihnen sind im Lager Oranienburg für ihr ganzes Leben .seelisch verdorben worden. Dann Beschlagnahme des Jüdischen Erziehungshe'mes Nunmehr bringt der „Reichsanzeiger“ vom 3t. Dezember die Bekanntmachung, nach der das gesamte Vermögen und Inventar des früheren Erziehungsheimes in Wolzig beschlagnahmt und zugunsten des Landes , Preußen eiugezogen wird. In eingoweihten Kreisen in Deutschland! nimmt man an, daß der Überfall auf das 1 Erziehungsheim in Wolzig, der mit der Beschlagnahme des Gebäudes endete, deshalb gemocht worden war, weil sich die SA. des prächtigen, aus Geldern der jüdischen Fürsorge errichteten Gebäudes bemächtigen wollte. Zuerst Marterung jüdischer Kinder Prag, 31 Dezember. (2. T. A.) Der frühere Reichstagsabgeordnete Gerhard Seger, Rabbiner Max Abraham und andere ehemalige Insassen des Oranien- 25. Schuljahr Tu!. U 46-4-37 Neues Wiener Konservatorium Mosikverelnsgebäude, I., Bösendorferetraßo 12 rntarrieh« «n Gesang, Klarier und allen Orehesterinstrnrnenten von <Mo ersten Anfängen bis zur künstlerischen Ausbildung. Kigeni K i d d e r a b » e i 111 n g. Anmeldungen und Aufnahmeprüfung Mgllob vor- und nachmittags ausschließlich im Musikvercinsgebiiude. Verzweifelte Lage der luden in Osrpreußen Königsberg, 31. Dezember, (2. T. A.) Ein bekannter ausländischer Journalißt, der vor kurzem die Städte und Dörfer Ostpreußens bereiste, übermittelt der ITA. einen Bericht, in dem festgestellt wird, daß sich die Lage der jüdischen Bevölkerung dieser exponierten preußischen Provinz äußerst tragisch, ja verzweifelt gestaltet. Die unteren Funktionäre der nationalsozia.li.stißchen Partei werfen sich zu Herrschern über ihr Leben und ihr Schicksal auf und machen ihr durch fortdauerndo Schikanen das Dasein unerträglich. Der antijüd Ische Boykott wird auch noch den Weihnachtstagen in unverminderter Kraft fortgeführt. ln den kleineren Orten, wo einer den andern kennt und überwacht, wagt es kein Mensch, oiri jüdisches Geschäft zu betreten. Die Juden sind vom Getreide- und vom Viehhandel, einst ihre hauptsächlichen Domänen, vollkommen verdrängt worden. Die verarmten jüdischen Getreide- und Viehhändler mllseen Zusehen, wie ihre Besitztümer wegen Steuer- und anderer kleiner Schulden um einen Papponstiel verauktioniert werden, während ihnen selbst die Möglichkeit zur Einbringung ausstchcnler Schulden bei den Bauern genommen ist. In vielen Dörfern sind an den Eingängen Plakate mit der Aufschrift „Juden sind hier nicht orwünseht“ angebracht. Julius Streichens Wochenschrift „Dor Stürmer“ gehört zu den verbreitetsten Zeitschriften in Ostpreußen, seine Devise „Die Juden sind unser Unglück“ prangt in Riesenlottern an allen Zeitungsständen. Fortwährend worden Juden belästigt. Immer wieder werden Gerüchte über schwere Vergehen von Juden in Umlauf gesetzt. Gesellechaf ilich leben dio Juden vollkommen isoliert, sie werden nicht gegrüßt und ihr Gruß wird nicht erwidert. Jüdische Be erdig ungszoromonien worden oft durch II i 11 o r - J u g e n d g e e t ö r t. Unbeschadet aber dieses Verpönt- und Gomiedenseins zeigen die Judon Ostpreußens einen bewundernswerten Mut, und »io wahren ihre Würde und ihre Selbstachtung. Der Niederbrucb ihrer wirtschaftlichen Existenz aber bedrückt ßic sehr, «io sehen schwarz in die Zukunft und sie haben keine Möglich- AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER STUBERLPREISE OK All-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkend: Stimmungssänger Hans Blaschek und Violinvirtuose R. Ohlensch'äger keit, etwas zur Besserung Ihrer Lage zu tun. Es fehlt ihnen jede Basis, auf der sie ihro wirtschaftliche Existenz, wonn auch in besehe idenatoni Maße, neu aufbauen könnten. Dio jüdischen Gemeinden helfen den Bedürftigen nach Möglichkeit, aber die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel sind äußoiet beschränkt. Der Bürgermeister von Sehneklemiihl, Steehr, hat im städtischen Schlachthaus eine Bekanntmachung iltishängen lassen, in der bokann(gegeben wird, daß vor jedes Haus eines Schill oh tens, der sein Vieh bei Jiul ui einkauft, ein Boykott-Poeten gestellt werden wird. * London, 31. Dezember. (2. T. A.) „News Chronicle“ berichtet über schwersten antijttdischen Boykott- Terror in Kassel und in Hannover. In beiden Städten drangen Nationalsozialisten mit und ohne Uniform in jüdische Geschäfte ein, warfen Tränengasbomben und trieben mit Brachialgewalt die Käufer aus den Läden auf dio Straße. Dem Korrespondenten dor Londoner „Times“ wurde von den oberen Behörden in Frankfurt a. M. erklärt, der dort sich breit machende wilde Boykott-Terror sei rii :ht von „oben“ anbefohlen worden, es sei „lediglich“ ungeordnet worden, daß Nationalsozialisten alß friedliche Boykottposten vor jüdischen Geschäften Aufstellung nehmen und einzig und allein Mitglieder der nationalsozialistischen Partei vor dem Einkauf bei Juden warnen sollen; die Boykottposten seien jedoch über den ihnen erteilten Auftrag hinausgegamgen, hätten das allgemeine Publikum am Betreten der Geschäfte gehindert und, als die Polizei zu Verhaftungen e oh reiten wollte, Schlägereien provoziert. Diese Auskunft wurdo auch dem englischen Generalkonsulat in Frankfurt am Main seitens deutscher Behörden gegeben, die dabei erklärten, sie mißbilligen durchaus den antijüdisehen Boykott, weil der Zusammenbruch dor jüdischen Geschäftshäuser die Stellung8loeigkoit der arischen Angestellten zum Ergebnis haben würde. Indessen treffen aus Frankfurt Meldungen ein, daß der Boykott-Teror .dort andauort. Die Boykottposten vor den jüdischen Geschäften „amtsiha.nde.ln“ weiter, die Polizei verweigert ein Einschreiten mit der Begründung, es handle sich um eine wirtschaftspoUtösche Maßnahme, die sie nichts amgehe. An verschiedenen jüdischen Geschäften sind kleine Zettel an die Schaufenster geklebt, auf denen eine Judenkarikatur in der Art des „Stürmer“ abgebildot ist mit der Aufschrift: „Wer beim Juden kauft., ist Volksverräter“. An manchen Hauisfassadon findet man auch mit Farbe die Aufschrift, welche als Motto für ein Adressen Verzeichnis aller in Frankfurt lebenden Juden dient: „Wer vom Juden frißt stirbt daran“. Anderseits werden dio ni oh t.jiidis ehern Geschäfte veranlaßt oder gezwungen, an gut sichtbarer Stelle das Schild „Deutsche« Geschäft“ anzubringen. Den Ladenbesitzern wird mit er presse ritschen Drohungen“ das Schild aufgozwungen. Opposition gegen Streicher Der nationalsozialistische Stadtrat von Nördliugen irn bayerischen Schwaben hatte im Septembor eine Verfügung erlassen, daß „wegen eines hohen jüdischen Feiertages“ (gemeint war der Versöhnungstag) der Nördlinger Viehmarkt auf Donnerstag, den 27. Sepomber 1934, verlegt werde. Stroichers „Stürmer“ richtcto daraufhin beleidigende Angriffe gegen den Nördlinger Stadtrat. Aus München wird berichtet, daß dor bayerische, »ohr populäre Statthalter, General von Epp, bol Hitler vorgesprochen und die Beseitigung des Nürnberger Gauleiters Streichor, gegen den sich immer weitere Kreiso dor fränkischen Bevölkerung a u f 1 c h n o n, gefordert habe. Er soll aber keine Zusago Irgendwelcher Art erhalten liabon. mmmß "9 Das Gelingen von KFAR KREMENEZKY erfordert 1200 Selbstkontlngentler (A mindestens S lOO--)