Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-01-04 · Heft 414 (4.1.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 414 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054169--4741-3060394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Frei« dieser Nummer 20 g V. b.». Unsere nächste Nummer erscheint Dienstag, den 8. Jänner 1935 ▲ JÜDISCHE ZEITUNG Die vorzüglichen, großen Luxusschiffe „GERUSAIEMME“ UND„P||SNA“ der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA de* LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr) führen nur eine erste und eine Touristenklasse Auch in der Touristenklasse höchster Komfort (zwei* und mehrbettige Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6,Tel.U-47-5-60 Nr. 414 | Wien, 4* Jänner 1935 | Rsdsktion und Administration: Wien, I., Mare-Aurel-StraBe 6. Tel.: U 22-3-91. .TedaktionsschluB Montag und Mittwoch vorm. Um den Schutz der Saar juden Paris, 31. Dezember. (Z. T. A.) Seitens des Comitö des Delegations 'Juives wird der ITA. folgende Erklärung übergeben: Das Comite des Dölegations Juives hat vom Abschluß der Verhandlungen des Preierkomitees in Rom und des Völkerbundes in Genf bezüglich der die Minderheiten im Saargebiet betreffenden Bestimmungen Kenntnis genommen. Daß Komitee stellt fest, daß diese Bestimmungen •weit hinter den Postulaten Zurückbleiben, die es zugunsten der jüdischen Bevölkerung im Saargebiet den ftatsmitgliedern vorgetragen hat, für den Pall, daß die Abstimmnug der Saarbevölkerung nicht die Aufrechterhaltung des Status quo ermöglichen, sondern den Völkerbund veranlassen sollte, das Saargebiet an Deutschland zurückzugliedern. Insbesondere hat die Nichtgewährung dauernden Schutzes der Gleicbberiohtigung aller Einwohner des Saargebietes ohne Unterschied der Sprache, der Religion und 'der Rasse tiefe Enttäuschung im jüdischen Volke hervorgerufen. Das Komitee verliert jedoch nicht die Hoffnung, daß der Völkerbund bei der Entscheidung über das Schicksal des Saargebietes nach der Abstimmung die Möglichkeit finden wird, der berechtigten Erwartung zu entsprechen, die die Judenheit unverändert in das Gerechtigkeitsgefühl der Welt und des Völkerbundes setzt und die Notwendigkeit des d auernden Sc h u tz e ß aller Minderheiten des Glaubens, der Rasse und der Gesinnung einsehen wird. Unerfreuliche Zwischenaktsmusik Hoffnung auf 2§<00 zusätzliche Zertifikate Lemberg, 2. Jänner. (Z. T. A.) Der gegenwärtig in Lemberg weilende Leiter der Alijah-Abteilung der Histadruth A. D o b k i n erklärte in einer Beratung der Chaluz-Organisationen, es besteh^ die b egründete Hoffnung, 2500 zusätzliche Zertifikate zur laufenden Schedule zu erhalten, falls die Alijah schneller durchgefübrt wird und die Chaluzim aufs Land gehen. Weizmann — Ehrenbürger von Tel-Auiu Tel-Aviv, 2. Jänner. (Z. T. A.) Prof. Dr. Ohaim Weizmann wurde anläßlich der Vollendung seine« 60. Lebensjahres vom Stadtrat von Tel-Aviv einstimmig ui m Ehrenbürger der Stadt Tel-Aviv gewählt. Für die Ehrembürgenschaft Welz mann« stimmten auch die revisionistischen Stadträte. 11111111111111111 Die Zionistische Exekutive gibt in einem Rundschreiben die von der „Stimm e“ bereits gemeldete einstweilige Lösung des Konfliktes mit dem Brith Trumpeldor bekannt und fügt bei, daß während der bisherigen Verhandlungen zwischen der Exekutive und den Revisionisten sich auch eine Einigung in bezug auf die Grundzüge der Regelung der Arbeitsverhältnisse in Palästina ergeben habe. Man wird diese Mitteilung sicher mit Freude aufnehmen. Anderseits aber muß festgestellt werden, daß es sich hier in Wahrheit um Verhandlungen zwischen den Revisionisten und der Vereinigten Arbeiterpartei handelt, wenn diese Verhandlungen auch formell als Verhandlungen zwischen der Exekutive und den Revisionisten bezeichnet werden. Man muß sich den tatsächlichen Zustand vergegenwärtigen. Von Allgemeinen-’ Zionisten sitzen derzeit in der. Exekutive Sokolow, Weizmann, Brodetzky, Lipsky und Ruppin. Sokolow hat sich unseres Wissens mit Fragen der Politik der Allgemeinen Zionisten bisher nicht befaßt. Weizmann und Ruppin haben das Ressort der Ansiedlung der deutschen Juden, das ihre Kräfte ganz in Anspruch nimmt. Lipsky, dessen Organisation sich bisher dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten nicht angeschlossen hat, sitzt in Amerika und Brodetzky beschäftigt sich unseres Wissens nur mit Fragen der Außenpolitik. Man kann also behaupten, daß die politische Richtung des Allgemeinen Zionismus in der derzeitigen Exekutive nicht vertreten ist. Anders liegt es aber beim linken Flügel, dessen Exponenten Ben Gurion und Locker führend an den Verhandlungen mit den Revisionisten beteiligt sind Die Zionistische Exekutive kündigt zwar in dem erwähnten Rundschreiben an, daß sie auch die Absicht habe, mit allen zionistischen Parteien zu einer möglichst umfassenden Verständigung auf dem Gebiete aller zionistischen Fragen zu gelangen. Es ist auch klar, daß eine Befriedung der zionistischen Organisation nicht herbeigeführt werden kann, wenn etwa der Versuch gemacht werden sollte, nur zwischen den beiden Flügelparteifen zu einer Einigung zu gelangen. Jedenfalls macht sich in allgemeinzionistischen Kreisen eine lebhafte Unzufriedenheit über die Taktik der Exekutive bemerkbar. Der Vorsitzende des Weltverbandes der allgemeinen Zionisten, Doktor S c h w a r z b a r t, dessen ruhige und überlegene Art genügend bekannt ist, hatte auch Anlaß, öffentlich über eine wenig freundliche Behandlung des Weltverbandes Klage zu führen, und wir wollen hoffön, daß diese Mißstimmungen ehestens beseitigt werden. BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH "'““«rL8!!»! IM-5-M In diesem Zusammenhang sei auch als bezeichnend erwähnt, daß die Palästinakorrespondenz (Palcor), die sieh im wesentlichen auf eine wirtschaftliche Berichterstattung aus Palästina eingestellt hat und auf diesem Gebiete gilt arbeitet, mitunter Exkursionen auf das politische Gebiet unternimmt. Es ist immerhin bemerkenswert, daß dies nur dann geschieht, wenn sie über Schwierigkeiten bei den Allgemeinen Zionisten berichtet. Die Palcor ist eine offizielle, zumindest aber eine offiziöse Korrespondenz der Zionistischen Exekutive und es wird gut sein, wenn die Exekutive der Redaktion der Palcor mehr Augenmerk zuwendet, So hat zum Beispiel die Palcor einen ausführlichen Bericht über die letzte Tagung der Allgemeinen Zionisten in Palästina gebracht, , hat es. aber gleichzeitig unterlassen, über die zumindest ebenso interessanten Vorgänge im linken Flügel in Palästina zu berichten. Sie brachte kein Wort über die Schwierigkeiten, die Ben Gurion. bei seinen engsten Gesinnungsgenossen hat. Sie. brachte nichts von den öffentlichen Attacken des Hanoar Haowed und des Haschomer Hazair in Palästina gegen Ben Gurions Friedenspolitik, wöhl aber, wie erwähnt, einen ausführlichen Bericht über die Differenzen zwischen den Allgemeinen Zionisten Palästinas. Wenn man uns antworten sollte, daß das ein Zufall ist, dann wollen wir schon jetzt entgegnen, daß solche Zufälle eben vermieden werden sollen, damit die Exekutive nicht in die Debatte gezogen wird. Der derzeitige Zustand ist jedenfalls unerfreulich und die Exekutive sollte alle Anstrengungen machen, um zu einem Übereinkommen mit allen Gruppen zu gelangen. Es wird jetzt auch die Frage der Verwendung des Erlöses der Anleihe von 5 0 0.0 0 0 Pfund aktuell und wir meinen, daß auch diese Frage im Wege einer Aussprache der Exekutive mit allen Parteien gelöst werden soll, damit nicht nachträglich Rekriminationen erhoben werden können. In verschiedenen allgemein-zionistischen Kreisen herrscht die Auffassung, daß die Allgemeinen Zionisten von den bisherigen Verhandlungen absichtlich ferngehalten wurden und daß die Tendenz bestehen soll, die Allgemeinen Zionisten an die Wand zu drücken. Es wird daher gut sein, wenn die Exekutive ehestens eine Round-table-Konferenz, die wir wiederholt gefordert haben und die auch vom Weltverband der Allgemeinen Zionisten gefordert wurde, einberuft und damit diesen Mutmaßungen die Spitze abbricht. Ein starker Welt verband der Allgemeinen Zionisten ist eine Naturnotwendigkeit und er wird existieren und ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Man soll die Mißhelligkeiten in Palästina nicht überschätzen. Blumenfelds Kidmah und die unerfreulichen Vorgänge, wie sie sich auf der letzten Konferenz der Allgemeinen Zionisten in Palästina abspielten, sind nicht mehr als ein Spiegelbild der Unzufriedenheit im allgemein-zionistischen Lager. Wie eben Blumenfeld in den Wald ruft, so ruft Suprasky zurück. Die in Palästina gegen den Willen eines großen Teiles der Allgemeinen Zionisten erfolgte Bildung einer allgemeinzionistischen Gewerkschaft ist ebenfalls nichts anders als der Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Führung der Histadruth, worauf wir wiederholt hingewiesen haben. Wir sind davon überzeugt, daß die Hoffnungen, die im linken Lager bei den Anhängern der Kidmah auf die eingetretenen Mißhelligkeiten gesetzt wurden, sich als hinfällig erweisen werden. In die Freude, die nach dem Abkommen zwischen Ben Gurion und Jabotinsky im zionistischen Lager herrscht, mischen sich in vielen Gruppen bedauerliche Dissonanzen. Alles zusammen ergibt. eine unerfreuliche Zwischenaktsmusik. Es ist der Wunsch aller Gutgesinnten, daß meritorische Verhandlungen mit allen Parteien sofort beginnen und im Geiste der Loyalität so rasch als möglich zu Ende geführt werden. Sturm über der palästinensischen Küste Jerusalem, 31. Dezember. (2. T. A.) Das Unwetter, das in den letzten Tagen in Kreta und Cypern schweren Schaden angerichtet hatte, hat Samstag die Küste .von Palästina erreicht und dort ebenfalls schwer;ewütet. Die Gegend zwischen Jaffa und Haifa wurde von heftigen Wolkenbrüchen heimgesucht. Der Distrikt Nathania ist ohne Licht und Trinkwasser und von jedem Verkehr abgeschnitten. Straßen und Brücken sind zerstört. Im Distrikt Haifa sind durch die Zerstörung zahlreicher Häuser und Hütten viele Einwohner obdachlos, teilweise sind die Möbel aus den Häusern weggeschwemmt worden. Der Damm der Eisenbahnlinie nach Ägypten ist zwischen Lydda und Haifa kilometerweit zerstört. Der Passagier- und Güterzugverkehr mußte vorläufig eingestellt werden. Die Reisenden müssen auf Autobusse umsteigen. Zum Teil waren sie gezwungen, in den Zügen und auf den Bahnhöfen zu übernachten. v Jerusalem, 2. Jänner. (2. T. A.) Die schwere Unwetterkatastrophe, die am vergangenen Sonntag über die Orte der palästinensischen Küste hereinbraeh, hat, wie geschätzt wird, einen Schaden von mehr als einer Million Pfund verursacht In Tel-Aviv und in den Kolonien wurden etwa 100 Häuser durch den Sturm so schwer beschädigt,- daß sie dem Einsturz nahe sind. Auch die Plantagen in der Küstenebone haben schweren Schalen gelitten. Die Regierung hat 3000 Pfund zur schnellen Ausbesserung der überfluteten Eisenbahnlinie in der Nähe von Chederah bewilligt. ACHTUNG HAUSBESITZER» Eure Häuserverwaltungen, Geldbeschaffungen und Reparaturkredite kulantest nur durch das behördlich konzessionierte Realitäten-, Hypotheken- und Verwaltungsbüro R. TAUBMANN Tel. A 48-9-89 Wien, il., Nordpolstraße 2,3 J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.