Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 413 (1.1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 413 — 1. Jänner 1935 Dl« SYIMMI «•!!• 5 Die Huleh-Konzession Auf die GlUckwunschdepesche des zionistischen Landcskomitces ist die folgende Antwort der zionistischen Exekutive in Palästina, eingelangt: Jerusale m, 20. Dezember 1034. An den Zionistischen Landesverband Österreichs, Wien. Wir danken Ihnen für die uns überbrachten Glückwünsche anläßlich des Zustandekommens der Huleh-Konzession. Es ist unsere Pflicht, die besondere Bedeutung zu unterstreichen, die den Bemühungen des Herrn Jehoschuah C hankin bei dem Zustandekommen dieses Abkommens beizumessen ist. Weiters müssen wir der Mitarbeit des Herrn Dr. J. T h o n Erwähnung tun. Alle politischen Bemühungen der Exekutive wären zunichte geworden, wenn sich nicht diese beiden Männer mit ihrer ganzen Kraft, mit ihrer chaluzischen Seele für die Verwirklichung der wirtschaftlichen und finanziellen Punkte eingesetzt hätten. Mit Zionsgruß M. Sc her tok für die Zionistische Exekutive in Palästina. Eine neue Epoche des nationalen Kapitals Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Bei der Durchführung der großen H u 1 e- Konzession ist, wie «ohon jetzt feetgestellt werden kann, die Rolle des nationalen Kapitals gesichert. Aber diese Aufgabe* legt eine schwere Pflicht auf uns und vermehrt ,die Verantwortlichkeit die die heutige jüdische Generation gegenüber Erez Israel hat, außerordentlich. Das Recht, einen der besten Böden des Landes zu besiedeln, ist gleichzeitig eine Pflicht, diese Aufgabe auf das Schönste dairohzuführen. Der Keren Hajesod wird hierbei eine große Rolle spielen und noch auf Jahre mit dieser Aufgabe zu tim haben. Neben dem auf blühenden städtischen Leben muß, wie alle empfinden, eine entsprechende Vergrößerung unserer landwirtschaftlichen . Grundlage erfolgen. Nur so sichern, wir unsere nationale Zukunft in Erez Israel. In diesem Jahr be,ginnt auch -die Besiedlungsarbeit des Keren Hajesod in einem anderen, zukunftsreichen Komplex, im Emek C h e f e r (früher Wadi Chawa-rith genannt). Der Bodenkauf und die Entwässerung sind d.urch den Keren Kajemeth Leisrael durchgeführt. Die Exekutive hat die Siedler ausgewählt. Mehr als 1000 Menschen sind bereits auf dem Boden. 10 G nippen von Ansiedlern werden im laufenden Jahre An- Biedlungsbudigets durch den Keren Hajesod erhalten. Die Ansiedler haben aus eigenen Mitteln die ersten Grundlagen der Siedlung gelegt und durch ihre Aufopferung bewiesen, daß sie mit dem Boden für immer verbunden sind. Nunmehr beginnt die systematische Kolonisation durch den Keren Hajesod. In einigen Jahren werden die Betriebskredite ausgezahlt, und Emek Chefer wird zu den wichtigsten Gebieten jüdischer Siedlung in Erez Israel gehören. Ebenso werden im Jahre 1935/36 die noch nicht ausgezahlten restlichen Betriobskredite für die älteren Siedlungen vom Keren Hajesod zur Verfügung gestellt werden, so daß in ein bis zwei Jahren sämtliche älteren Siedlungen des Keren Hajesod konsolidiert sind. Diese großo finanzielle Anstrengung kann der Keren Hajesod machen, weil er durch eine Anleihe der Exekutive und des Keren Hajesod von £ 50 0.000 alle Verpflichtungen auf 15 Jahre verteilen kann. Außerdem werden die jährlichen Zinszahlungen durch Festsetzung des Zinsfußes der Anleihe auf nur 4 Prozent wesentlich verringert. Die Besiedlung von Emek Chefer und weiteren Punkten, die schon im laufenden Jahr Keren Hajesod-Kredite erhalten werden, und die bevorstehende Beteiligung an II u \ e geben der Arbeit des Keren Hajesod seine alte, schlagkräftige Parole der landwirtschaftlichen Kolonisation zurück, deren Bedeutung in den letzten Kri.senjahren zurückgotreten war. Mit einer solchen Parole muß es in der heutigen Zeit wachsender Palästinastimmung und des Gefühls innerer Sicherheit innerhalb der Zionistischen Organisation trotz der ökonomischen Krisis gelingen, die Einnahmen I <les Keren H a j e e od weiter zw steigern. I Bereits im Jahre 5694 sind die regulären Einnahmen des Keren Hajesod auf £ 203.000 gestiegen. Hierzu treten noch zirka £50,000 Anteil an den Einnahmen des Zentralbüros für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. Die verantwortungsbewußten Zionisten werden nunmehr alle Anstrengungen machen müssen, um die großen nationalen Arbeiten in Palästina zu ermöglichen. Das Erdöl-Vorkommen in Palästina Debatte im englischen Unterhaus Im Unterhaus richtete die Herzogin von A t h o 11 an den Minister für die Kolonien die Frage, warum die Berggesetze für Palästina und T r a n s j o r d anien außer Kraft gesetzt worden seien. Ferner fragte sie den Minister, ob es ihm bekannt sei, daß eine englische Gruppe, die die Ausbeutung der Ölfelder am Toten Meer im wirtschaftlichen Interesse Palästinas und Transjordaniens und zur Sicherung britischer Kontrolle und britischen Schutzes über die für die Landesverteidigung lebenswichtigen Ölfelder sofort in Angriff nehmen wollte, daran durch die Suspendierung der palästinensischen Berggesetzgebung gehindert wurde und ob dieser Gruppe die Möglichkeit, neue Vorschläge zu erstatten, gegeben werden würde, sobald das Bergrecht wieder in Kraft gesetzt sein werde. Minister Sir Philip Cunliffe-Lieter erklärte, beide Fragen zusammen beantworten zu wollen. Es habe sich in letzter Zeit eine Überprüfung des Bergrechtes für Palästina und Transjordanien im Interesse sachgemäßer Forschung nach Ölvorkommen und des Ausbaues aller Ölquellen, die etwa in diesen Territorien gefunden werden sollten, als notwendig erwiesen. Deshalb sei beschlossen worden, keine Schurfrechte zu erteilen, bevor diese Überprüfung vorgenommen sei. Zur Zeit, da dieser Beschluß gefaßt wurde, hätten mehrere Gesuche um Erteilung von Schurfrechten Vorgelegen. Sobald dio notwendigen Ergänzungen des Gesetzes durchgeführt sein würden, werde man diese Gesuche überprüfen. Die Revision des Gesetzes sei zur Zeit im Gange. Er wisse nicht, wann das Gesetz fertiggestellt sein werde, denn es sei wichtig, daß es, wenn auch unnötige Verzögerung vermieden werden soll, die möglichst beste Form erhalte. Das bisherige Gesetz sei insbesondere deshalb verbesserungsbedürftig gewesen, weil in ihm keine genügende Sicherheit für entsprechende Leistungen der Schurfberechtigt e n gegeben gewesen sei. Auf eine Zwischenfrage von Sir Arnold Wilson, ob dem Minister nicht bekannt sei, daß das Vorkommen von Erdöl in Palästina sehr unwahrscheinlich ist, antwortete dieser, soweit ihm bekannt sei, berechtigen die Ergebnisse der bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht zu außerordentlichem Optimismus. Aus der jüdischen Presse Der innere Friede. Im „Hein t“ (Warschau) schreibt M. Indelman über die Unzufriedenheit in verschiedenen Kreisen _ der Revisionisten und Poale-Zionisten über das Abkommen zwischen Ben Gurion und Jabotinsky, wie sie auch insbesonders bei der. Konferenz der Poale-Zionisten in Warschau trotz aller Verklausulierungen zum Ausdruck gekommen sei. Es scheine, daß die destruktive Tendenz, die durch gewisse Elemente gestärkt wird, nicht leicht unterdrückt werden könne. Es sei notwendig, den Mut und den Glauben an das Ideal des Friedens zu haben, wie es Ben Gurion beseele. Von diesen schönen Eigenschaften sei bei der Konferenz der Poale Zion in Warschau nicht viel zu spüren gewesen. Die Haltung der Araber. In der „J üdisehen ßunds ch au“ (Berlin) schreibt gl.: „Die arabische Nationalbewegung befindet sich zur Zeit in einem scharfen Widerspruch zwischen der ökonomischen Entwicklung des Landes und ihren eigenen Zielen. Es läßt sich nicht wegleugnen, daß die Prosperität in Palästina nicht nur für die Juden eine ökonomische Blütezeit gebracht, sondern auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Araber auf ungeahnte Weise verbreitet hat. Man müßte annehmen, daß in der gegenwärtigen Situation die Gegnerschaft der Araber gegen die jüdische Siedlung wesentlich schwächer geworden sei. Das ist vielleicht insoweit richtig, daß es heute sehr viel schwerer sein würde, arabische Massen gegen die Juden auf die Beine zu bringen, als es noch in den relativ mageren Zeiten von 1929 der Fall war. Aber es ist eine Binsenwahrheit, daß das Materielle für Volksbewegungen keineswegs allein ausschlaggebend ist, und so erfüllt der rasche Fortschritt der Juden die Araber mit einer immer steigenden Angst und stärkt ihre nationalen Empfindungen. Die arabische Nationalbewegung hat in den letzten Jahren immer stärker an dem Mangel einer geeigneten Führung gelitten. Es ist jetzt in den letzten Tagen eine neue „Partei der nationalen Verteidigung“ geschaffen worden, die unter der Leitung des früheren Jerusalemer Bürgermeisters Rhageb Bey Naschaschibi steht und von sich behauptet, zum erstenmal in der Geschichte Palästinas der wahre Träger der nationalen Interessen zu sein. Die Partei steht im Gegensatz zum Mufti von Jerusalem und hat neben der Bekämpfung des Zionismus (gegen Bodenver- Höhere Zertifikatenpolitik. In der „Chwila“ (Lemberg) kauf und Einwanderung) die positive Entwicklung der arabischen Wirtschaft im Programm. Es ist wichtig, daß unter den Arabern das Gefühl lebendig wird, daß mit dem Beginn der Arbeiten in Hule ihnen kein Unrecht geschieht. Bei der heutigen politischen Lage gilt es nicht nur, die Araber an der fortschreitenden Entwicklung teilnehmen zu lassen, sondern ihnen auch zu beweisen, daß sie wirtschaftlich durch die Aktivität der Juden noch gewinnen. Es wäre also nötig, gerade so ein Projekt wie Hule, als ein Mittel zur Verständigung zu benützen ...“ schreibt Dr. Schwarzbart: „Der Protest der Linken wegen der Zuteilung der Zertifikate an Polen vor allem und wegen Benachteiligung des Hechaluz macht den Eindruck einer kleinen Revolte, deren Entwicklung man neugierig beobachten wird. Die vollständige Außerachtlassung des Mittelstandes bildet ein Unrecht, gegen das man energisch protestieren muß. Überdies sieht man jetzt die diktatorische Tendenz der Immigrationsabteilung, den Einfluß der Palästina-Ämter auszuschalten, indem mau den Palästina-Ämtern auf Grund der Forderungen von Arbeitgebern in Palästina geioisse Kandidaten namentlich zur Bestätigung übermittelt. Der Einfluß auf die Auswahl dieser Kandidaten kann leicht in einer Richtung, die der Exelmtive genehm ist, ausgenützt werden. Endlich ist es unverständlich, warum eine unverhältnismäßig große Zahl von Zertifikaten für Anverwandte zugewiesen wurde. Dieses System muß gründlich geändert werden. Rückzahlung einer 25*000■ Pfund"Anleihe der Jewish Agency Die Jewish Agency hat die von ihr im Februar 1934 zum Zweck der Beseitigung des Defizite im hebräischen Schulwesen von Barclay« Bank aufgenommene Anleihe von 25.000 Pfund vollständig zurücke z a h 11. Die Anleihe war der Agency von der Bank unter Garantie der Palästina- Regierung zu einem Zinssatz von 5 Prozent ewährt worden. Die Rückzahlung sollte erst im Februar 1935 beginnen und im August 1942 beendet sein. Nunmehr war es der Jewiish Agency mit Hilfe der Anleihe von 500.000 Pfund möglich, die Schuld schon jetzt zu tilgen. ÖMgScUat&CiiU Utfol-Adto Das „Israelitische Wochenblatt für die, ScMoeiz“ bringt den folgenden Stimmung svollen Bericht aus einem Briefe eines jungen Einwanderers: Ihr habt sicher schon hin und wieder vom O ne g Schabbath gehört, den Bialik eingeführt und der auch nach seinem Tode, in der gleichen Art abgehalten wird. Der Oneg Schabbath beginnt um 4 Uhr nach’ mittags, zu welcher Stunde der große Saal bereits gefüllt war. Ich beobachtete, daß nicht nur orthodoxe Juden, sondern auch ganz junge Menschen, Arbeiter in gewöhnlichen Kleidern, Interesse für den Neschef haben und daran teilnehmen. An der Saaleinrichtung war besonders der Migdal-David auffallend, der eine geräumige Saalecke einnahm. Zu Beginn hielt ein Referent eineri hebräischen Vortrag über die politisch-wirtschaftliche Lage der Juden in Europa, deren rechtliche Stellung und Beziehungen zu Eretz. Das Referat dauerte bis mm Einbruch der Nacht, welche ja hier unmittelbar nach kurzer Dämmerung eintritt. Während es dunkelte, erschien auf der Bühne eine große Knabenschar in weißen Blusen und Käppchen. Man sah sie zwar erst, nachdem später Hawdoloh gemacht worden war. Vor der Bühne saßen an einer langen Tafel Männer und Frauen. Man sah chassidische Juden mit langen Bärten und ganz modern gekleidete, gepflegte Männer. Der Vortrag war erst nach der vollständigen Dämmerung zu Ende. Die Fenster und Türen waren nach dem Garten hin geöffnet. Im Saal war es ganz dunkel. Und nun fingen die an den Tischen sitzenden Männer an, S* mir es zu singen. Es fiel gar nicht schwer, sich in der Dunkelheit, wo, Aas Auge nicht abgelenkt wurde, ganz auf den Gesang zu konzentrieren. Die orientalischen Melodien, das Summen und Anschwellen der Ivrith-Gesänge, übten einen ganz eigenartigen Zauber aus. Und nun kam das Herrlichste: Der Knabenchor mit zwei Solisten. Mir fehlen die Worte, dies zu beschreiben. Ich glaube, nur deswegen schon würde es sich lohnen, in Tel-Aviv zu wohnen. Ich habe mir vorgenommen, so oft ich Gelegenheit habe, zum Oneg Schabbath zu gehen. Es ist wirklich etwas Rührendes, so entzückend helle, reine Knabenstimmen zu hören, die im Duett mit dem Männerchor hei bräische Gesänge singen. Das Publikum war wie „verrückt“, trotzdem es doch jede Woche dem Neschef beiwohnt. Als am Himmel die ersten Sterne erschienen, wurde der Migdal- David von innen her beleuchtet und auf der Menorah ein Lieht entzündet. Ein Chasan sang die Hawdoloh, der Knaben- und Männerchor Hamawdil und noch andere Smiraus. Und dann wurden erst die Lampen angezündet. Die Leute warfen Blumen auf die Bühne und die kleinen Jungens, die Lieb-* linge des Publikums, wurden aus Sängern wieder zu wilden Rangen, die nach den Blumen haschten. Ich wünsche nur, daß ihr auch bald einem solchen Oneg Schababth beiwohnen könnt. In solchen Momenten fühlt man sich dem Judentum doppelt und dreifach verbunden und es scheint lebenswert, die Leiden des Juden auf sich zu nehmen, wenn man sieht, wie kraftvoll das jüdische Leben pulsiert. Jakob Zinemann: Die Ge• schichte des Zionismus in Jiddisch• I. Band (Verlag „Unser Leben“, 156 Seiten) Jakob Zinemann, ein in Polen bekannter Schriftsteller und Redakteur von Zeitschriften, hat es tibernominen, das heute stark fühlbare Bedürfnis nach einer übersichtlichen Geschichte der zionistischen Bewegung in jiddischer Sprache herauszugeben. Das Buch ist auf fünf Bände berechnet, von denen zwei bereits vorliegen. Der erste Band umfaßt die Vor-Herzlsche Periode, der zweite die Herzl-Zeit, die weiteren sollen: die „synthetische Periode“, „die Zeit des Weltkrieges“ und „die Epoche der Verwirklichung“ behandeln. Der erste Band hält, was man von einer volkstümlichen Geschichte unserer Bewegung erwarten darf. Er ist sehr übersichtlich gehalten. Die Darstellung ist lebendig, ja packend, der Autor bat viel Material in gesichter Weise benützt. Dank der gelungenen Darstellung Bpürt man das organische Wachstum unserer Bewegung von ihren Anfängen bis zum Momente, da sie noch einer natürlichen Erschlaffung den großen Erneuerer erwartet: Hwzh Dr. T.