Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-01-01 · Heft 413 (1.1.1935) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 413 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054168--4737-3060389
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 Off STIMME Nr. 413 — f. Jänner 198» Die polnische Regierung für das jüdische Nationalheim in Palästina Lodz, 20. Dezamber, (2. T. A.) In Lodz fa.nd in Anwesenheit von Vertretern der Regierung und führender Persönlichkeiten auf dem Gebiete jüdisohßozialer Arbeit die Eröffnung des ersten „Jüdischen Arbeitszentrume“ und des größten, für 500 Personen bestimmten C-haluz- Heims Polens statt. Die Feier erhielt eine besondere politische Note durch eine Erklärung über die Stellung Polens zum Palästina-Aufbau, die der Vertreter des Ministeriums für soziale Wohlfahrt, Ministerialdirektor Biesiekerski, abgab. Die polnische Regierung, erklärte der Redner, werde, wie bisher, den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina aktiv fördern. Die Juden schritten an den Aufbau ihres Nationalheims zu derselben Zeit, da das polnische Volk den Wiederaufbau des Staates in Angriff nahm. Darum könne niemand den jüdischen Bestrebungen größeres Verständnis entgegenbringen als Polen. Zum Schluß betonte der Redner, daß in seinen Erklärungen sich nicht nur seine persönliche Anschauung, sondern auch der Standpunkt der polnischen Regierung zu diesen Fragen widerspiegle. Die Eröffnungsrede hielt clas Mitglied des Patronage-Komitees Dr. Albert Thon. Im Arbeitezentrum sind zur Zeit etwa 100 Dhabi zoth beschäftigt, die Kleidung und Wäsche für sämtliche C-haluz-Kibbuzim Polens, die rund 40.000 Jugendliche umfassen, hersteilen. Bei einem Besuch des Lodzer Kibbuz, dem 150 junge Männer und 150 Mädchen angehören, hielt im Namen des Hechaluz Dr. P e k e r eine Ansprache, der er darauf hinwies, daß drei Faktoren für den Erfolg der Hachscharah maßgebend sind: ein für die schweren Erfordernisse geeignetes Menschenmaterial, die verständnisvolle Haltung weiter Kreise der Öffentlichkeit gegenüber den Bestrebungen des Hechaluz und die moralische und materielle Förderung durch die Regierung. Alle Ansuchen des Hechaluz seien von der Regierung in positivem Sinne erledigt worden, die Regierung habe auch die dem Hechaluz bisher gewährte Subvention nicht herabgesetzt. Wie das jüdische Schulwesen in Polen behandelt wird Bei Behandlung des Bildungswesens in der Budget-Kommission des Sejm erklärte Abg, Dr. Sommerstein im Namen de« Jüdischen Klubs: Das Budget des Kultusministeriums betrifft 300 Millionen Zloty, dabei ist ein einziger, lächerlich kleiner, Posten von 182.760 Zloty für die religiösen und Schulbedürfnisse der jüdischen Bevölkerung, das sind 6 Groschen pro Kopf, eingesetzt. Es gibt heute keine einzige Staatsschule mit jiddischer Unterrichtssprache, und den von den Juden ans eigenen Mitteln unterhaltenen jiddischen und hebräischen Schulen wird, obwohl sie auf einem hohen pädagogischen Niveau stehen, das Öffentlichkeitsrecht verweigert; eine Ausnahme macht die Tarbuth-Schule in Brest-Litowsk. Die von der Regierung in jüdischen Wohnbezirken errichteten sogenannten „Sabbatuwskas“ zeichnen sich von den anderen Staatsschulen nur darin aus, daß an Sabbath-Tagen kein Unterricht erteilt wird, im übrigen aber wird nichts Jüdisches gepflegt und jüdische Lehrer werden in ihnen nicht beschäftigt, wohl aber getaufte Juden. Gegen die wenigen jüdischen Lehrer, die an Staatsschulen beschäftigt sind, wird eine hemmungslose antisemitische Propaganda mit dem Ziel ihrer Entfernung betrieben. Die jüdischen Berufsschulen erhalten lächerlich ihre Übungen zu beschaffen. Indem sich die Lokalbehörden in die inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden einmischen, zum Beispiel bei Wahl von Rabbinern und Vorstehern, bringen sie eine Demoralisation in diese Gemeinden hinein. Die Aufsichtsbehörde streicht aus den Budgets der jüdischen Gemeinde die für soziale Hilfe bestimmten Summen. Abg. Sommerstein schloß: „Auf einer Lehrerkonferenz im Jahre 1922 hat Marschall Pilsudski erklärt: ,Eure Aufgabe ist, die menschliche Seele zu wecken, sie besser, höher und stärker zu machen!4 Die jüdische Jugend wartet darauf, daß man diese Prinzipien auch an ihr verwirklicht.44 In der gleichen Sitzung sprach der Kultusminister J e n d z e j e w i c z, der u. a. erklärte, die Schulreform werde auch der jüdischen Jugend die Vorbereitung fürs Leben und eine erhöhte religiöse, moralische, geistige und physische Ausbildung ermöglichen. Das Streben der Regierung gehe dahin, ein gutes Zusammenleben zwischen den Nationalitätengruppen und dem polnischen Volk zu ermöglichen. Die Regierung bereite auch eine Regelung der Wirtschaft der jüdischen Gemeinden und der Gehälter der Rabbiner vor. Gegenüber Vorwürfen der Nationaldemokraten, daß manche Staatsschulen „verjudet“ sind, wies der Minister geringe Subventionen, obwohl sie den Staat > darauf hin, daß in den Bezirken Suwalki Kinoprogramme der Woche KREUZ-KINO K,wÄi; Uraufführung! Mit d@fif Tod um mit Tim Mc» Boy Beginn: 4, 3/A *'28. * -410 Uhr entlasten. An den Hochschulen herrscht ein strenger Numerus clausus. Die jüdische akademische Jugend ist vom Genuß der Regierungsbeihilfen für Hochschüler und von Erleichterungen bei Gebührenzahlungen ausgeschlossen. Jüdischen jungen Leuten, die infolge des polnischen Numerus clausus ihre Studien im Ausland beendeten, wird die Nostrifikation verweigert, so daß sie die Praxis in der Heimat nicht ausiiben dürfen. Wollen sie die Prüfungen in Polen wiederholen, so müssen sie mindestens fünf Jahre, bis 1939 oder 1940, auf den Prüfungstennin warten. Obwohl laut Gesetz die Universitätsverwaltung für clie Beistellung von Leichen zu Sektionszwecken] zu sorgen hat, werden die jüdischen Medizin- und Augustovo, wo „gewisse Inzidenzen44 gegen jüdische Lehrer vorkamen, im g a nz en drei j üd i s c h e Lehrer unter insgesamt 403 vorhanden sind, und daß in den sechs dem Brest-Litowsker Kuratorium unterstellten Bezirken unter 1674 Lehrern 72 Juden sind. (Es handelt sich um Bezirke mit sehr dichter jüdischer Bevölkerung. Red.) „Von einer Verjudung der Stautsschulen44 — so stellte der Minister fest — „könne also nicht die Rede sein; die von gewissen politischen Faktoren aufgeworfene .Judenfrage4 im Zusammenhang mit den Staatsschulen ist für mich kein Bildungsproblem.1 Auf die Beschwerden des Sprechers des Jüdischen Klubs ging der Minister mit keidarauf aufmerksam, daß die Vorschriften des Gesetzes zu beachten sind. Zuwider* handhingen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10.000 Reichsmark bestraft. Anzeigen von Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz richte man an die zuständige Polizeibehörde.“ Eilmskandal in München Die Londoner Blätter veröffentlichen lange Telegramme ihrer Sonderkorrespondenten über den Filmskanda.1 im Münch* n e r Luitpold-Lichtspieltheater, der sich' gegen den in England hergestellten Film „Ein M ä d c h e n aus Wien“ richtete. In dem Film spielt der englische Schauspieler Arthur Riscoo die Hauptrolle. Riscoe wird in Deutschland wegen seine« Aussehens beharrlich für einen Juden angesehen. Als Riscoe im Film dem durch Magda Schneider verkörperten „Mädel aus Wien“ einen Kuß gibt, ging im Theater ein ohrenbetäubender Spektakel los. Die Hitlerjugend schrie: „Juden, laßt die deutschen Mädchen in Ruhe!“, „Eine Schande, daß ein deutsches Mädchen mit einem Juden flirtet!“, „Juden raus!“ usw. Die Vorstellung mußte abgebrochen und der Film at* gesetzt werden. (Z. T. A.) Sc&ames bis 45 Jahre alt, mit entsprechenden Kenntnissen wird aufgenommen. Zuschüßen bis 10. Jänner 1935 an VfMe9chisch Jeschuah'1 Wien, ll.f Josefinengasse 7. PALÄSTINA MELDET: Studenten gezwungen, jüdische Leichen für | nem Worte ein. LeopoidstSüter Volkskino Vom 1. bis 3. Jänner 1933 Menschen in Weih Wochentags V,8. >/«8, V«10 Uhr. Sonn und leiertiig'- ‘vl Uhi Rochus-Kino H-au-p,s^-25/27 Telephon B 53-0-92 Vom 1. biB 3. Jänner 1 Salto In die Seligkeit Woctie.itags; ’/ji, 7, 9 Uhr Sonntags: V,4, 7,6, '/48, 1) Uhi SCHAFFER-KINO VI., Marahilferstraße 37 Telephon B 20-203 Vom 1. bis 3. Jänner 1935 Sfan Laurel und Oliver Hardy in Abenteuer in Honolulu Beginn : */a4, */»6, iu8i ‘'»IO Uhr Legat einer Katholikin für Chaluz-Arbeit Warschau, 28. Dezember. (2. T. A.) Eine in Wilna verstorbene Katholikin, Jadwiga C z e r n i c h o w s ka, hinterließ 10.000 Zloty für Chaluz-Arbeit. Ihr Sohn und ihre Tochter kamen nach Warschau, um diesen Betrag dem Rabbinat zu übergeben, das Rabbinat verwies sie an das Palästina- Amt. Dabei erklärte der Sohn, er habe erst jetzt erfahren, daß seine Mutter als Jüdin geboren wurde und vor der Heirat mit seinem Vater die Taufe nahm. Er habe nun die Formalitäten eingeleitet, um selbst zum Judentum überzutreten. Heimat-Kino (X., Porzellangasse 19 Telephon A 18-0-76 Vom 1. bis 3. Jänner 1935 Menschen in Weiß Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonnu. Feiert, ab 3 Uhi Votivpark-Kino ^Telephon \ 18-&06 NEUES PROGRAMM Täglich; 4, 7A VA V»10 Uh* Ein füdisch-potnischmdeutscher Journalist In dem Artikel „Hitlers jüdische Sorge“ in Nr. 411 der „Stimme“ haben wir einen jüdisch-polnisch-deutschen Journalisten aus Bielitz erwähnt, der im deutschen Propagandaministerium in Berlin antichambriert und auf dessen Tätigkeit die bekannte Äußerung des Ministers Dr. Frick zurückgeführt wird, daß das Judentum der deutschen Regierung ein Vermittlungsangebot gemacht habe. Dieser Journalist gibt in Bielitz eine „Jüdische Wochenpost“ heraus, die selbstverständlich die ekligste Assimilation betreibt und ebenso selbstverständlich den Zionismus belästigt. Im Verfolg dieser Tätigkeit ist diese „Jüdische Wochenpost“ auch zu Angriffen auf die Kultusgemeinde Bielitz übergegangen, deren Finanzlage als gefährdet hingestellt wurde. Der Ausschuß der Kultusgemeinde Bielitz hat sich mit diesen Praktiken beschäftigt und am 18. d. eine Entschließung angenommen, die dem Redakteur der Zeitung, „dessen bisherige Tätigkeit darin bestanden hat, Unfrieden innerhalb der jüdischen Bevölkerung zu stiften und sie in den Augen der nichtjüdischen Bevölkerung herabzusetzen“, das Recht abspricht, in jüdischen Angelegenheiten das Wort zu ergreifen. Deutsch-palästinensischer Transfer Wie der JTA mitgeteilt wird, haben im ersten, im November zu Ende gegangenen Geschäftsjahr der Transfergesellschaft „Haavarah“ deutsche Juden an diese Gesellschaft 18 Millionen Reichsmark eingez-ahlt, davon wurden 8,250.000 bereits in Palästina ausgezahlt, und zwar 6 Millionen Mark an einzelne Einwanderer, der Reet an verschiedene Gesellschaften. 2,500.000 Mark wurden dem Jüdischen Nationalfonds für verkauften Boden gutgeschrieben. Die Transfer-Arrangements kamen etwa 1250 deutsch-jüdischen Familien mit rund 5000 Seelen zugute. Im Oktober erreichten die Einzahlungen an „Haavarah“ 4 Millionen Mark, was die Durchschnittseinzahlungen der früheren Monate um mehr als das Doppelte übertrifft. Das Schächtverbot in Deutschland Berlin, 28. Dezember. (2. T. A.) Die ReichßzentralefürSchächtangelegenh eiten macht auf folgende, in der Fachpresse erschienene Notiz aufmerksam: „Vielerorts ist noch nicht genügend bekannt, daß die Vorschriften des ,Gesetzes über da« Schlachten von Tieren4 vom 21. April 1933 sich auf das ganze Reich und auf alle Tierarten, also a/uch auf sämtliche Getlügelarten, und für jegliche Schlachtung erstrecken, ganz gleich, ob eie in einem öffentlichen Schlachthause, in einer Privatmetzgerei oder im ländlichen oder städtischen H a u e h a 1 t vollzogen wird. Promotionsfeier an der Hebräischen Universität in Jerusalem Am 23. Dezember fand in Jerusalem die Promotion von 17 Studenten dier Hebräischen Universität zu Masters of Art statt. Universitätskanzler Dr. J. L. Magnes folgte den promovierten Hörern, unter denen zwei Generationen, 21- bis 23jährige und 36- bis 42jährige, vertreten waren, die Diplome aus. Unter den neuen Masters of Art der Jerusalemer Universität befinden sich auch zwei Studenten aus Deutschland, die erst Mitte 1933 die Jerusalemer Universität bezogen haben. Fünf von den Graduier* ten dieses Jahree sind unter 25 Jahren, der Jüngste ist 21 Jahre alt. Vier stehen im Alter zwischen 28 und 30 Jahren, die übrigen acht sind über 30 Jahre alt. Ihre Vorstudien haben sie zum Teil in Palästina, zum Teil in Deutschland, Rußland, Litauen, Polen, Rumänien und anderen Ländern absolviert. Viele von ihnen sind Arbeitsstudenten, die sich ihr Brot als Hilfearbeiter, Bureauangestellte, Privatlehrer usw. verdienen. Andere werden von ihren Familien unterstützt oder stehen ian Genuß von Stipendien. Ein Import'Export-Ctearing in Palästina Das Komitee für Eröffnung von Märkton für die palästinensische Landwirtschaft hat beschlossen, dahin zu wirken, daß der Import nach Palästina künftighin in ein bestimmtes Verhältnis zum Export gebracht wird. Aus jedem Lande werden nach Palästina Waren importiert werden dürfen, deren Wert nicht mehr als das dreifache des Exportwertes von Palästinawiaren nach dem betreffenden Lande übersteigt. Zur Regelung dieses Warenverkehrs soll ein Clearing House für Exporte und Importe errichtet werden. Es wurde beschlossen, daß die Importquote für 1935 auf den Exportzifforn von 1934 basieren soll. Der Plan wurde den höheren Instanzen zur Begutachtung unterbreitet, da noch nicht geklärt ist, ob nicht nach dieser Richtung Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Interpretierung von Art. 18 des Palästina-Mandates bestehen. Die türkisch-palästinensischen Handelsbeziehungen Die türkische Regierung hat die E i nfuhr palästinensischer Waren ohne jede Beschränkung bewilligt. Dor türkische Export nach Palästina ist 1m ersten Halbjahr 1934 auf 306,051 Pfund I angewachsen, der palästinensische Export Der Reicha-Tiersohiutzbund macht erneut nach der Türkei beläuft eich auf 68 Pfund,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.