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Die Stimme · 1935-01-01 · Heft 413 (1.1.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 413 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 413 — 1. Jänner 1985 Saft« 5 Das Verhältnis zu den Arabern Aus der arabischen Presse ■■■■■■■■■■■■ „Kenn Dich aus“ beschtag' nahmt Die von uns mehrfach besprochene Flugachrift „Kenn Dich aus“, welche auf Straßenplünen die christlichen Geschäfte rot, die jüdischen schwarz eingezeichnet in schematischer Zeichnung darstellt, ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Die Maßregel ist auf die Veröffentlichung der „Stimme“ und auf das Einschreiten der Kultusgemeinde zurückzuführen. Da in der beschlagnahmten Schrift, die sich auf die Mariahilferstraße bis zur Neubaugasse bezieht, die Verbreitung ähnlicher Wegweiser für die anderen Geschäftsstraßen Wiens angekündigt wird, werden wir die Sache weiter im Auge behalten. Ein Neudruck des »Arischen Geschäftsweiser« In einer Unmenge von Zuschriften wird der Redaktion der „Stimme“ der Dank des jüdischen Publikums für die Veröffentlichungen aus dem „Arischen Geschäftsweiser“ ausgesprochen. Es sind Briefe sowohl aus den Kreisen der privaten Konsumenten wie aus Kreisen der jüdischen Geschäftsleute, welch letztere hervorheben, daß sich unter den Firmen im „Geschäftsweiser“ viele befinden, die sehr gerne jüdischen Kredit in Anspruch nehmen und ihre Wechsel bei Juden un terbrLagen und prolongieren. Selbstverständlich macht sich bei den jüdischen Käu fern ein sehr lebhaftes Interesse für den „Geschäftsweiser“ geltend und soweit uns bekannt, sind Exemplare dieses sehr instruktiven Verzeichnisses auch in das Ausland gesendet worden. Neuerdings soll, wie es heißt, ein Neudruck des „Geschäfts weisers“ verbreitet werden, in welchem das antisemitische Geleitwort fehlt. Diese Tarnung wird aber nichts mehr ändern können, und die vielen Firmen, die uns telephonisch erklären, daß sie in Unkenntnis dos Zweckes ' einem Agenten aufgesessen sind, werden in Zukunft eben vorsichtiger sein müssen. Die Behörden aber haben allen Anlaß, auch einen vor wortlosen „Arischen Geschäftsweiser“ zu beschlagnahmen. Rothermere sieht nur fröhliche Juden Lord Rothermere, der Besitzer der „Daily Mail“, hat sich vor Jahren als freiwilliger Schutzengel der „Erwachenden Ungarn“ bemerkbar gemacht. Das scheint in Vergessenheit geraten zu sein und so sucht der edle Lord seine Popularität wieder aufzufrischen. Er war kürzlich Hitlers Ehrengast und schildert seine Eindrücke in einer Aufsatzserie in „Daily Mail“. Der erste Artikel ist am 28. Dezember erschienen und besagt an einer Stelle: Fast alle Nachrichten über die Judenpolifcik des Naziregimes, die selbst von unseren verantwortungsbewußtesten Zeitungen veröffentlich wurden, sind „reiner Monds c h e i n“. Diese Nachrichten suchen den Eindruck zu erwecken, daß die Juden in Deutschland fast eine Existenz von gehetzten Tieren führen. Ich aber habe in den deutschen HotelB und Restaurants häufig fröhliche Juden in Gesellschaft gesehen, ihre Gesichter zeigten koine Merkmale von Unsicherheit oder Leid. „Times“ und die anderen englischen ZeL tungen berichten dagegen, daß englischo und französische Bürger, die vor Weihnachten die jüdischen Geschäfte in Frankfurt und Darmstadt aufsuchten, beschimpft und sogar tätlich attackiert wurden, so daß die betreffenden Konsulate sich m Interventionen veranlaßt sehen. 15 Jahre seit dem Ende der UkraincPogrome Moskau, 28. Dezember. (2. T. A.) Aue Anlaß dos 15. Jahrestages der Reinigung der Ukraine von den Banden Petlj u r a s erinnert der Präsident der ukrainischen Sowjetrepublik Petrowsky in den „Lswestia“ daran, daß die Banden Potijuras von 1917 biß Ende 1920 in jüdischen Städten und Städtchen 1295 Pogrome an Juden verübten und über 100.000 Juden massakrierten. 10.000 aiuloro Juden erlagen ihren Wunden, den Epidemien und dem Hunger, Hunderte jüdische Orto wurdon eingeäschert. Es ist eine unleugbare Tatsache, daß die Araber Palästinas, die zum überwiegenden Teile in Not, Elend und Unwissenheit vegetierten, seit der Einwanderung jüdischer Massen eine außerordentliche Hebung ihres Kulturniveaus und ihrer Lebenshaltung zu verzeichnen haben, Millionen Pfund fließen als Kaufpreis für Boden, der seit Jahrhunderten brach lag, und als Arbeitslohn in die Taschen der Araber und die großen Einnahmen der Palästina-Regierung aus jüdischen Steuergeldern gestatten dde Errichtung eines ausgedehnten arabischen Scbulnetzes. Gerade in der letzten Zeit haben die Araber Palästinas ein lehrreiches Beispiel dafür erhalten, wie sehr ihnen die jüdische Einwanderung nützt. Die arabischen Bauern imHuIe-Seegebiet, die in kümmerlichen Verhältnissen leben und durch Malaria dezimiert werden, erhalten durch die von den Juden vorzunehmende Assanierung dieses großen Gebietes eine Hilfe, die unmöglich gewesen wäre, wenn die Konzession auf dieses Gebiet nicht in jüdischen Besitz übergegangen wäre. Man gibt sich aber trügerischen Hoffnungen hin, wenn man meint, daß dieser den Arabern in den Schoß gefallene Erfolg eine nennenswerte Verbesserung der jüdisch-arabischen Beziehungen herbeiführen würde. Die arabischen Effendis werden nach wie vor den Juden Boden verkaufen, dann nach einem cntsjwechenden Bakschisoh aus den Propagandageldern des Goebbels gegen die jüdische Einwanderung protestieren und die unwissenden Fellachen gegen die Zionisten aufhetzen. Es unterließt keinem Zweifel, daß die Juden an dieser bedauerlichen Situation insoferne nicht unschuldig sind, als man in den ersten Jahren nach dem Kriege das arabische Pr ob 1 e m in seiner ganzen Schwierigkeit nicht erkannt zu haben scheint. Heute ist der Zustand jedenfalls der, daß in Palästina, von geringen Ausnahmen abgesehen, Juden und Araber nicht miteinander, sondern nebeneinander wohnen. Die wiederholten Exzesse und Unruhen haben auch die Gefahr aufgezeigt, die ständig, wenn auch latent, im Lande besteht. Eine besondere Gefahrenquelle bildet das Verhalten der englischen Mandatarmaoht, ein Ausfluß der alten englischen Kolonialregierungsmaxime divide et irapera. Ein lehrreiches Beispiel ist das Verhalten der Mandatarmacht gegenüber dem Großmufti, einem unserer größten Gegner. AD Chef des Obersten mosleminischen geistlichen Rates hat der Großmufti einen großen Einfluß im Land. Seine Rolle bei den Unruhen im Jahre 1929 war mehr als eiudeutig und die englische Regierung hat sich trotzdem nicht bemüßigt gesehen, ihu aus seiner Beamteustelle zu entfernen. Der Großmufti ist Beamter der Palästina-Regierung, wird aus j ü disehen Steuergeldern bezahlt und hetzt unaufhörlich gegen die Juden. So gab er kürzlich der antizionistisoh-arabischen Zeitung „F e 1 e s t i n“ ein Interview und behauptete, daß sich die Zionisten nicht damit zufrieden geben, in Palästina ein jüdisches Nationalheim aufzubauen, sondern daß sie auch dieses mohammedanisch-arabische Land jüdisch machen wollen. Sie hätten bereits von den 6 Millionen kultivierbaren Bodens 1H Millionen Dunam in ihren Besitz gebracht. Das arabische Problem sei ein allgemein mohammedanisches Problem, au dem auch Indien, Persien, Irak und Afghanistan interessiert wären. Hiebei wies der Mufti besonders auf die von den Delegierten Iraks und Persiens bei der letzten Völkerbundversammlung gemachten Vorstellungen hin. Den Fried eneschluß zwischen Ihn Saud und dem Y e m e n bezeichnet er als einen weiteren Schritt zu einer panarabisohen Konföderation, zu der es einmal kommen muß, wie es zu einer Gründung des Deutschen Reiches und Italiens gekommen sei. So spricht ein Beamter der englischen Palästina-Regierung, derselben Regierung, die das Mandat vom Völkerbund Übernommen hat, oin jüdisch«« Nationalheim in Palästina zu gründen. Wir glauben nicht, daß es in einem zweiten Land möglich wäre, daß Staatsbeamte derartig gegen die eigeno Regierung auftreten. „D a w a r“, die Zeitung der vereinigten zionistischen Arbeiterpartei Poale Zion - Hitachduth, hat kürzlich in einem Leitartikel mit Recht auf die Gefahr hingewieBen, die unter den Augen der Regierung dadurch heraufbeschworen wird, daß die arabischen Zeitungen hemmungslos gegen das jüdische Nationalheim und die Juden hetzen. Die arabischen Zeitungen überbieten sich direkt in Angriffen und bemühen sich, Gesinnungsgenossen in den arabischen Zeitungen anderer Länder zu finden. So bringt zum Beispiel die Zeitung „Al Sagar“ einen Artikel, der sich mit der antizionistischen Agitation im Irak beschäftigt. Die jüdische Presse wird beschuldigt, gegen den Irak feindselig eingestellt zu sein, weil die Araber im Irak gegen die Balfour-Deklaration seien. In Bagdad selbst ist eine neue Wochenschrift „Die mohammedanische Jugend“ erschienen, die kürzlich eine antizionistische Sondernummer brachte. Die Einfuhr derartiger Presseprodukte nach Palästina findet keine Beanstandung seitens der englischen Regierung, während die jüdische Presse aus dem Irak verbannt Pension Eckstein - Sing wird. Es wird daher notwendig sein, daß unsere Exekutive der Frage der arabischen Presse ihr Augenmerk zuwendet und energische Vorstellungen bei der Palästina-Regierung erhebt. Anderseits sollte die H i s t a d r u t h in Palästina darüber nachdenken, ob nicht eine Änderung in ihrer Politik gegenüber den Arabern ah. Platze wäre. Es hat immer in vielen zionistischen Kreisen Anstoß erregt, daß die Histadruth darauf aus war, die arabischen Arbeiter in Palästina gewerkschaftlich zu organisieren. Dies wurde damit begründet, daß die jüdischen Arbeiter an einem höheren Lebensstandard der arabischen Arbeiter interessiert seien, insbesondere deswegen, um das jüdische Lohnniveau gegenüber der billigeren arabischen Arbeit behaupten zu können. In der Zwischenzeit hat sich aber durch die jüdische Masseneinwanderung die Situation geändert. Die jüdische Masseneinwanderung brachte eine noch größere unkontrollierte und freie Einwanderung von Arabern aus Transjordanien und dem Hauran mit sich. Diese fluktuierenden, organisatorisch kaum zu erfassenden Elemente brauchen nicht die jüdische Mithilfe. Sie verdienen mehr, als sie sich jemals träumen ließen. Man kann nicht einerseits Posten aufstellen, um jüdische Arbeitgeber zu hindern, arabische Arbeiter zu beschäftigen und auf der anderen Seite, die Araber gewerkschaftlich organisieren. Man muß sich zu dem einen oder zu dem anderen entschließen. Gerade Zionisten sollten es wissen, daß sie nicht gut daran tun, sich mit fremden Angelegenheiten zu befassen. Wir haben nicht die Mission, andere Völker glücklich zu machen. Wir sind ein unglückliches Volk und wollen nach zweitausendjährigeri Drangsalierungen selbst einmal zur Ruhe kommen und glücklich werden. Gerade weil das arabische Problem so unübersichtlich und schwierig ist, geht es nicht an, daß einerseits von gewissen Kreisen der Arbeiterschaft und anderseits von vielen jüdischen Kolonisten und Arbeitgebern arabische Politik auf eigene Faust gemacht wird. Unsere Beziehungen zu den Arabern erfordern eine einheitliche Regelung. Es hat keinen Sinn, daß die Zionisten um die arabische Frage herumgehen wie die Katze um den heißen Brei, und es ist gefährlich, wenn einzelne Gruppen auf eigene Faust ihre politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den Arabern regeln wollen. Eine befriedigende Lösung des schwierigen arabischen Problems wird nur inöglich sein, wenn eine vom Willen aller Zionisten gestützte zionistische Exekutive an eine befriedigende Lösung der arabischjüdischen Beziehungen, die heute nicht auf Palästina beschränkt sind, sondern sich auf den ganzen Nahen Osten und bis nach Indien erstrecken, von einer zentralen Stelle aus und nach Festlegung eines konstruktiven Planes heranschreitet. Eine derartige Exekutive zu schaffen, sollte — nicht zuletzt wegen des arabischen Problems —- die Aufgabe aller zionistischen Gruppen sein. „Felestin" beschäftigt sick mU der R&* gierungszeit des ersten Oberkommissärs Sir Herbert Samuel, die als eine Zeit der Blüte der arabischen Bewegung bezeichnet wird. Samuel habe die jüdische Ein io and er ung eia geschränkt und sein Vorschlag für einen Gesetzgebenden Bat sei besser gewesen als der derzeitige. Jetzt seien die Tore Palästinas weit für die jüdische Einwanderung geöffnet, jüdische Streikposten hindern die Araber an der Arbeit und das Leben der Araber sei eine billige Ware geworden. Unter Hinweis auf die letzte Erklärung des derzeitigen Oberkommissärs an die arabische Delegation fordert die Zeitung die ganze arabische Presse auf, den Konkurrenzkampf einzustellen und alle Kräfte für den Kampf gegen die englische Palästina-Regierung zu mobilisieren, welche die menschlichen Rechte der Araber verletze und sich ganz auf die Seite der Juden stelle. „Al D af au beschäftigt sich mit der Übergabe der Huleh-Konzession an die Juden und erklärt, es sei ein Fehler der Ara> ber gewesenf diese nicht rechtzeitig zu verhindern. Jetzt stehe man vor einer voll-* zogenen Tatsache, es habe keinen Sinn darüber zu diskutieren, das arabische Volk sei aber mit einem ewigen Makel behaftet. Dieselbe Zeitung bringt aber eine Zuschrift der früheren arabischen Besitzer der Huleh-Seekonzession, worin die Übergabe der Konzession an die Juden als notwendig bezeichnet wird, weil die Araber kein Geld gehabt hätten, um die Entwässerungsarbeiten durchzuführen. „Al J am a als I slamia" meint, daß die Erklärung das Oberkommissärs an die arabische Delegation einen tiefen Eindruck in arabischen Kreisen hervorgerufen habe, Die Araber seien nun überzeugt, daß die Regierung auf Seite der Juden steht und einer weiteren Einwanderung und weiteren Bodenkäufen keinen Widerstand entgegensetzen wird. Die Übergabe der Huleh-Seekonzession an die Juden habe unter den Arabern große Erregung hervorgerufen, Ihre persönliche Note kommt zur Geltung in einem Anzug, der in allen Details auf Ihre Individualität abgestimmt ist. Die vornehme und gediegene Kleidung bei Herrenschneider JOSEF H0R0WITZ Wien, I., Graben 29 (Trattnerhof 1) I. Stock Telephon U 84-607 Zionistische Arbeit in Spanien und in Portugal Der Generalsekretär der' Zionistischen Weltorganisation Israel Cohen ist von einer Werbe-Tour für die Z. O. und den Keren Hajessod, die ihn durch Spanien und Portugal geführt hat, nach Lon* don zurückgekehrt. Er sprach in Madrid, Lissabon, Gibraltar und Barcelona in mehreren Versammlungen und führte Sammlungen für den Keren Hajessod dureh. In Lissabon traf Israel Cohen mit dem englischen Gesandten Sir Claude Rüssel zusammen, der 1929 als englischer Gesandter in Bern den Zürcher Zionbtenkongreß im Nairneu der Mandatarmacht begrüßt hatte. In Barcelona besprach Cohen mit dem englischen Konsul Fragen der jüdischen Einwanderung in Palästina. Wettkonferenz der Zionisten• Revisionisten in Krakau Dienstag, den 8. Jänner wird in Krakau unter Vorsitz ihres Präsidenten Vladimir Jabotinsky die sechste Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten eröffnet. Mehrere hundert Delegierte aus allen Teilen der Welt worden der Konferenz beiwohnen. PALÄSTINENSISCHE WERTPAPIERE (Aktien, Obligationen usw.) können außerordentlich günstig verwertet werden. Zuschriften mit genauer Angabe der Stückzahl usw. unter „Einmalige Gelegenheit“ an Annoncen-Dutka, Wien, I* Schulerstraße &

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