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Die Stimme · 1934-12-28 · Heft 412 (28.12.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 412 (28.12.1934)
Date
1934-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 DIB STIMME Nr. 412 — 28. Dezember 1934 3x BERGMANN. U ^RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTfl. 5 i .KOLLNERHOFG. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UHD WIRKWAREN SPOTTBILLIG! 'FÜHREND IN ETERNA-HEMDEN (von S 680 aulw.) Die faschistische Internationale und die Judenlrage Zu den Vorgängen auf der „Internationalen Faeohistenkonferenz“ in Montreux wäre noch hinzuzufügen: Es war dies die erste Konferenz dieser Art. Die Initiative ging vom italienischen „Werk zur Universalisierung Roms“ (Actione d'UniversaUta di Roma) aus. Den Vorsitz führte der faschistische Abgeordnete Gen. Coselechi. Weitere italienische Teilnehmer waren der Abgeordnete Barone B a ß i 1 e und ein Herr Bareni, der als Pressechef fungierte. Die franzöeißchen „Franzisten“ waren durch Marcel B u c a r d, die belgischen Faschisten durch Sommeville (Ligue nationale corporative beige) und durch Hoornaert (Legion nationale beige), die holländischen durch M e i j e r und W o u t e r Lutkie, die rumänische „Eiserne Garde“ durch Motz a, die dänischen Faschisten durch einen Doktor Klausen (ein Deutscher aus dem dänißchen Schleswig), die griechischen Faschisten durch Gen. Mercuris, angeblich früherer Kriegeminister, die irischen Blauhemden durch Gen. O’D u f f y, die österreichischen Heimwehren durch Bundeekulturrat R i n a 1 d i n i, die Schweizer durch Oberst F o n j a 11 a z und den Abgeordneten des Genfer Kantonalrates Oltramare vertreten. Außerdem waren noch ein Norweger, ein Schwede, ein Lette, ein Portugiese und ein Spanier da. Die deutschen Nationalsozialisten wurden nicht eingeladen, auch die Vertreter der deutschen Presse erhielten keine Einladungen. Offiziell erklärte der italienische Vorsitzende, daß die faschistische Partei Italiens als solche an dieser Konferenz nicht teilnehme, da sie nunmehr das Regime bilde, und daß aus demselben Grunde die nationalsozialiß tische Partei Deutschlands nicht eingeladen wurde. In Wirklichkeit hatte aber die ganze Veranstaltung einen ausge sprochen proitalienischen Charakter. Es handelte sich darum, die Superiorität des italienischen Faschismus, der lateinischen Kultur und der Ideen Mussolinis vorzuführen und sie den „falschen“ faschistischen Ideen der deutschen Nationalsozialisten entgegenzustellen. Frankreich, Portugal, Spanien) diese Frage aus der Debatte völlig ausscheiden wollten und wiederholt erklärten, daß sie im Rassismus und Antisemitismus einen dem italienischen Geist unverständlichen Rückfall in das Mittelalter erblicken. Auf die Behandlung dieser Frage drängte jedoch die „nordische“ Gruppe, unterstützt von dem Vertreter der rumänischen „Eisernen Garde“ und es wurde Uber die schließlich zustande gekommene „Kompromißresolution“ einen ganzen Tag lang verhandelt. Der Vertreter der g r i ec h i s c h e n Faschisten Mercuris hat sich in der Judenfrage ebenfalls auf Seite der Italiener gestellt. Beschlossen wurde die Schaffung einevs „Ständigen Komitees“ mit Sitz in Rom, das über „die Koordination der ideologischen Zusammenarbeit“ aller faschistischen Bewegungen auf internationalem Gebiet zu wachen hat. Das Fest der Liebe im Dritten Reich Sternsche IllllllllllllllllllllllllllllllilllllW Schulu. Erziehungsanstalt Schuldirektion: Malvine Friedmann Wien, I« Bezirk, Werdertorgasse 12 Wie lichke»BAchfdChen) 9 Uhr ^ffent naopistile mit Franz., Engl., Latein (nach Wahl) , i —•»-1.» für (j|e demnächst . zu eröffnende rortbllGDngskurs * Allgemeinbildung MaasiliilDiiii * gewerbe ’ Einjähriger RansüaliungsKurs Tagesheim - IS” ~ Internat Prospekte Telephon Nr. 1128-1-97 Dieser Gegensatz kam auch während der Debatte zum Ausdruck: Nachdem ein italienischer Redner die italienische Kultur und die Vorzüge der „mittelmeerländieohen Rassen“ gerühmt hat, erhob sich der „Däne“ (in Wirklichkeit ein Deutscher) und erklärte, daß die „nordischen Gruppen“ sich den Gedankengängen devs Vorredners nicht anschließen könnten, sondern glauben, daß Europa in zwei zumindest ebenbürtige Kulturkreise geteilt ist, den , nordischen“ und den „mittelländischen“, und daß die skandinavischen, baltischen, englischen und irländischen Faßchißten viel mehr unter dem Eindruck d e r „I d e 0 1 0 g i e“ H i 11 e r s und besonders Rosenbergs stehen, als unter den* Mussolinis und sie zusammen mit Deutschland einen besonderen Block bilden. Bezüglich der Entschließung in der Judenfrage sei bemerkt, daß die Italiener, unterstützt von Vertretern änderet ^lateinischer“ Gruppen (Belgien, Die in Deutschland von parteiamtlicher Seite überall geförderte und von regierungsan.tlieher Seite unbeschadet der bestehenden Reiclisgesetze, die das Hineintragen von Kassegrundsätzen in die Wirtschaft verbieten, geduldete neue Judenboykottwelle ergreift immer weitere Teile des Deutschen Reiches. In Mainz kam es am Silbernen Sonntag, den 16. Dezember (des vorweihnachtlichen Geschäftes wegen waren die Läden und Warenhäuser offen) zu Vorgängen, die schon einem Judenpogrom ähneln. Sämtliche jüdischen Geschäfte in Mainz wurden mit Tränengas- und Stinkbomben belegt. Die Käufer und Käuferinnen verließen fluchtartig die Geschäfte. In mehreren Geschäftshäusern kam ee zu schweren Verwüstungen, zu Raub und Diebstahl. Besonders wüst und einem Pogrom nahekommend waren die Vorgänge in dem Geschäftshaus Stub. Diese Firma beschäftigt etwa 60 Angestellte, in der Mehrzahl Arier. Das Haus Stub gilt als sehr billig und hat deshalb seit jeher‘großen Zulauf. Ale am Silbernen Sonntag der Laden viel Publikum hatte, fingen plötzlich rauhe Hitler-Kämpfer in den Geschäftsräumen zu brüllen an: „Heraus aus dem Judenladen!“ Die Kunden, meist Frauen, antworteten: „Wir'kaufen, wo es am billigsten ist!“ Daraufhin betrat ein Mann mit dem Abzeichen der NSDAP das Geschäft. Auf dieses verabredete Signal hin erhob sich ein wildes Gebrüll: „Das Parteimitglied muß aus dem jüdischen Laden!“ Der Nazi mit dem Parteiabzeichen rief nun dem Inhaber zu: „Schließen Sie schnell die Türen, denn man will stürmen!“ In diesem Augenblick ging das Licht aus. Die „alten Kämpfer“ und ihr plünderungslustiger Anhang drangen in den Laden ein und demolierten und raubten, was sie erreichen konnten. Es entstand eine wilde Schlägerei. Frauen und Kinder wurden niedergeworfen und niederetreten. Es gab zahlreiche Verletzte. Einige Frauen und Kinder waren so mitgenommen, daß sechsmal das Überfallskommando angerufen wurde, ohne daß es erschien. Erst nach einer Stunde trafen Polizeibeainte ein. Als der Inhaber Stub der Polizei sagte: „Hier ist einer, der noch Tränengasbomben in der Tasche hat“, gab ihm die Polizei , zur Antwort: „Sie haben hier nichts zu sagen.“ Der Mann mit den Tränengasbomben konnte ungehindert davongehen. Die Firma Stub beziffert ihren Schaden zwischen 60.000 und 70.000 Mark. Keine einzige Zeitung in Mainz durfte über die Vorgänge unterrichten. Ein Mitinhaber der Firma Stub ist Schweizer Bürger. Ähnlich wie in Mainz geht es jetzt in sehr vielen Städten in Deutschland zu. Mit Lautsprechern fahren die Nazis durch die Straßen und rufen: „Kauft nicht bei Juden!“ Die Gehsteige vor den jüdischen Geschäften werden nachts mit beschimpfenden Boykottaufforderungen bemalt. Auch wenn die NSDAP nicht überall öffentlich für den Boykott eintritt, so beweist die Art seiner Durchführung, daß er zentral von den Parteistellen organisiert ist. Aus Anlaß der Woihnaohtseinkäufe sind 1 N U r n b e r g überall an den Mauern große Plakate mit der Inschrift: „Kauft nicht bei Juden! Beweise, daß du eia Deutscher bist!“ angebracht. Die jüdischen Geschäfte hier wie in allen anderen Städten Frankens und anderer Teile Deutschlands, so auch Frankfurts, sind durch Inschriften, die entweder an den Türen oder vor denselben angebracht sind, gekennzeichnet. SA-Leute stehen vor den Geschäften und erteilen dem Publikum den „Rat“, die Wedhnachtseinkäufe nicht bei Juden zu machen. Eine Weihnachtsbetrachtung Kubes „Der Deutsche“ (Berlin) veröffentlicht einen Aufsatz des Oberpräsidenten von Berlin und der Grenzmark, dem Gauleiter der Kur mark Wilhelm K u b e. Im Zusammenhang mit dem Brauch, zu Weihnachten sich zu beschenken, sagt Gauleiter Kube folgendes: „...das Weihnachtsfest ist in germanischen Landen nicht eine Erfindung einer christlichen Kirche, sondern uraltes Brauchtum von Urväter Tagen her. Der Tag der Wintersonnenwende war unßeren Vätern heilig... In dieser Zeit beschenkte man sich ohne den unanständigen Hintergedanken, dafür vom Himmel eine Belohnung einfordern zu dürfen. Der nordische Mensch war in diesen Dingen vorbehaltlos. Er dachte nicht daran, daß anständige Taten belohnt werden müßten. Dieser Grundsatz ist erst später vom Judentum in unsere Gedankenwelt hineingetragen worden. Das Alte Testament ist von dieser Gedankenwelt erfüllt. Sagt doch einer der Erzschelme der jüdischen Räuberhorden, ein gewisser Jakob, zu seinem Gott: ,Wenn du mir das und dies und jenes gibst, dann sollst du mein Gott sein, dann will ich dir Opfer bringen/ Das Christentum nach germanischer Auffassung hat mit diesem Börseanerßtandpunkt nichts zu tun ...“ den zielte. Das ganze Dorf weiß, daß er das tut, aber niemand rührt einen Finger, um ihn daran zu hindern. Die Juden haben nicht das Herz, um sich darüber zu beklagen. Die Juden in Oberhessen dienen zur Belustigung. Was tun die Behörden gegen diese Schande? Was tut die Schulverwaltung, um der Unverschämtheit eines Lehrers ein Ende zu machen, der den Bibelunterricht entweiht, indem er die ganze Klasse auf Kosten von ein paar jüdischen Kindern lachen läßt? Was tun die Autoritäten? Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, wenn man sagte: Nichts, An den Mauern schlägt man hier und da Plakate mit Vorschriften an, aber niemand stößt sich daran, und die Plakate sind nur die heuchlerische Maske, hinter der die unmenschlichen Skandale weiter verübt werden. 25. Schuljahr Tel. U 46-4-37 Neues Wiener Konservatorium Musikvereinsgebäude, 1., Bösendorferstraße 12 Unterricht in Gesang, Klavier »nd allen Orchestorinstrumenten von den ersten Anfängen bis zur künstlerischen Ausbildung. Eigene Kinderabteilung. Anmeldungen und AulnahmsprUiung täglich vor- und nachmittags ausschließlich im Musikvereinsgebiitide. Nach einer Bestimmung der Behörden dürfen die Bauern wieder mit den Juden Handel treiben. Aber kein einziger Bauer denkt auch nur im Traum daran, das zu tun. Er würde einfach boykottiert werden. Auf dem Viehmarkt in Frankfurt wagt niemand es, einem Juden etwas zu verkaufen. Die Juden sind dort sorgfältigvondenAriern eschieden. Es steht einwandfrei fest, daß die Juden auf dem Lande unter solchen Umständen aussterben. Das ist auch das Ziel des Antisemitismus. Trotz der größten Sparmaßnahmen geht das ersparte Geld der Juden zur Neige, und einmal werden sie gezwungen sein, alles zurtickzulassen und als bettelnde Landstreicher wegzuziehen. Ich hörte einmal eine Schar Frauen in Frankfurt auf der Straße den Refrain singen: Juden raus! Eirist, wenn unser Grund gesäubert und judenfrei wird sein, oh, dann werden wir glücklich sei n.“ <—««Nlll' nwfmw Ml Restaurant Billet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs äS 1*90 u. 2*60 Schwechater Bräu II.. Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-25 KREUZ-KINO Vom 28. bis 31. Dezember MORD IN MANHATTAN Beginn: 4, V46, */88, V410 Uhr III., Landstr. Hauptstr. 25/27 Telephon B 53-0-92 Vom 28. bis 30. Dezember Vom 31. Dezember bis 3. Jlinner Judenschicksal in Hessen Ein Mitarbeiter der Amsterdamer Zeitung „Het Volk“ schildert seine Erlebnisse Hessen und Frankfurt wie folgt „Ich kenne einen Fall, es handelt sich um einen alten Juden, der im ganzen Umkreis wegen seiner schlichten Frömmigkeit und seiner herzlichen Menschenliebe bekannt war. Er flehte um Gnade, da seine Frau in der Wohnung mit dem Tode rang. Die Antwort war ein Stein, der ihn mitten auf die Stirn traf, begleitet vom Jauchzen und den höhnenden Worten der Täter. Die Frau starb. Als der alte Mann seine Lebensgefährtin begraben hatte, ließ er alles zurück, wie es stand, sein Haus und seine Möbel, den Garten und alles, was sonst noch dort war. Er packte nur ein paar Dingo zusammen, an denen sein Herz hing, schloß die Fenster und wunderte zum Dorf hinaus, begleitet vom Gejaule der Zwanzigjährigen, mitleidig gegrüßt von einer alten Bäuerin. Er ist niemals wieder in sein Dorf zurückgekehrt. In Frankfurt leben hunderte solcher Verbannter, denon es unmöglich war, die Erniedrigungen in den umliegenden Dörfern noch länger zu ertragen. Die jungen Helden sind darauf aus, die Juden nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Man zeigte mir einen jungen Mann, der in der Stadt arbeitete und sein Wochenende zu Hause in fk K) E |kjj TC I I E I |Lfl seinem Dorfe verbrachte. In der elterlichen I Snni'wCbVC I IrV M ohnnng amiisierto er sich mit einem Gewehr, mit dem er durch ein Loch im Dach auf alle Fensterscheiben der Ju- Kinoprogramme der Woche Rochus-Kino Vom : ■ ' IE«) rora 31. Dezo Salto in die Seligkeit Wocheutugs: 7*8. 7, 0 Uhr; Sonntags s 7*4, 7,8, 7*8, 0 Uhr Heimat-Kino olep hon' ALfr 0-76^ 9 Vom 28. bis 31. Dezember PETER mit Franziska Gaal Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonnu. Feiert, ab 8 Uhr Votiupark-Kino IX., Wührlngerstniße 12 Telephon A 18-8-96 Vom 28. bis 31. Dezember HONOLULU Mglioiii 4, */A */A WO (Ar 5202170595

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