Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 412 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z DIE STIMME Nr. 412 — 28. Dezember 1984 Besuchet Eminsers Gaststätten am Praterstern! ..... I— das Buch eines Agenten best eilt, ohne im I Drange der Ocsehcifte nach Zweck und Ab- I sieht dieser Publikation zu fragen, um so weniger, als nur ein mäßiger Betrag in Präge kam und ich dem redegewandten Vertreter einen kleinen Verdienst nicht vericehren wollte.; Wer mich kennt, weiß, daß ich Patienten aus allen Schichten — jedweden Standes und jedweden Bekenntnisses — mit gleicher Zuvorkommenheit bediene und daß ich auch meine geschäftlichen und privaten Einkäufe, sowohl bei arischen als auch nichtarischen '\ Firmen decke, was jederzeit, nachweisbar ist. Für die Aufnahme dieser Zeilen im voraus bestens dankend, verbleibe ich mit dem, Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung ergebenst Alois Folger, Zahnatelier, Wien, 11., Praterstraße 68. VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE Ö Sbzs.cfafta STAB Tarnopoler und Berliner Moral Erklärung der Leihbibliothek Last Das Literatur - Institut Ludwig Last (Leihbibliothek. Zentrale, Wien, I,, Kohlmarkt 7) schreibt uns: An die verehrl. Redaktion der „Stimme", Wien. In der letzten Fotee Ihrer Zeitschrift war meine Firma Leihbibliothek Ludwig Last erwähnt. als enthalten im „Arischen Geschäftsweiser“. Ich identifiziere mich absolut nicht mit der Tendenz dieses fragwürdigen Unternehmens. Die Aufnahme ist ohne mein Wissen und ohne Auftrag erfolgt. Ich stelle daher das dringende Ersuchen in der nächsten Folge die Angabe zu widerrufen. Die Druckerei wurde gesperrt und die Auflage des Adreßbuches beschlagnahmt. Hochachtungsvoll Ludwig Last. Gleichzeitig teilt, uns Herr Ludwig Last den Wortlaut eines von ihm an den Herausgeber des „Arischem Wegweiser“, Franz W e n g e r, Wien, IX., gerichteten Briefes mit. Die Zuschrift lautet: Wien, 21. Dezember 1934. Herrn Franz Wenger, Wien, IX. Sehr geehrter Herr! Gestatten Sie mir mitzuteilen, daß ich bezüglich der in unglaublicher Weise ohne mein Wissen erfolgten Aufnahme unserer Firma in den sogenannten „Arischen Geschäftsweiser“ sofort die nötigen Schritte unternommen habe. Leider ist, wie ich erfahre, das Unternehmen nicht mehr zugänglich, da die Druckerei, Wien, VII., Halbgasse 25, polizeilich gesperrt ist und die Exemplare des Geschäftsweisers gerichtlich beschlagnahmt wurden. Die Herrschaften haben es icohlweislich unterlassen, uns ein Exemplar zu übersenden, so daß ich von diesem unerhörten Übergriff erst jetzt durch die Polemiken erfahre. Ich habe alle Schritte eingeleitet, um den verantwortlichen Herausgeber dieses „Arischen Geschäftsweisers“ zu stellen, ihn zu einer öffentlichen Richtigstellung zu zwingen, widrigenfalls ich es mir Vorbehalte, im Klagewege energisch vorzugehen. Ich erkläre Ihnen, mit allen antisemitischen Machenschaften nichts zu tun haben zu wollen. Wie Sie sich selbst überzeugen können, haben wir auch die Werke jüdischer Schriftsteller in reichlichem Maße auf gestellt und kennen nur ein Werturteil, das der literarischen Qualität! Andere Maßstäbe hat unsere seit 1847 bestehende Firma niemals an ein schriftstellerisches Werk gelegt. Die notwendigen öffentlichen Erklärungen werde ich selbst in die Wege leiten. Auf dieses Schreiben hat die Firma Last von dem „Arischen Geschäftsweiser“ die folgende Antwort erhalten: Wien, am 22. XII. 1934. Arischer Gesohäftsweiser Wiens. Firma Ludwig und Albert Last, Leihbibliothek Wien I., Kohlmarkt 7. In Beantwortung Ihres Schreibens teilen wir Ihnen mit, daß unsere Erhebungen bezüglich der Einschaltung Ihrer Firma in den „Arischen Geschäftsweiser Wiens“ ergeben haben, daß diese irrtümlich erfolgt ist. Nichtsdestoweniger müssen wir den Ton Ihres Schreibens mit aller Energie zurückweisen. Unter 2000 Anschriften von arischen Geschäftsleuten kann ein solcher bedauerlicher Irrtum schon unterlaufen, derselbe berechtigt Sie keineswegs, eine so unmäßige Sprache zu führen.“ Herr Ludwig Last-, der inzwischen aus Furcht vor Erblindung freiwillig aus dem Leben geschieden ist, hat letztwillig verfügt, daß auch diese Antwort der „St/imme“ zur Veröffentlichung übergeben wird. Die Antwort ist mit „Ing. F.“ unterzeichnet. Zahnatelier Folger Herr Alois Folger, Zahnatelier, Wien, 11., Praterstraße 68, schreibt uns: Wien, 20. Dezember 1934. V er ehrliche Redaktion der „Stimme“, Wien. Sie würden mich sehr zu Dank verpflichten, wenn Sie in Ihrem viel gelesenen Blatte der Feststellung Raum geben wollten, daß ich mit der Tendenz des „Arischen Zeitweiser Wiens“ in keiner Weise einverstanden bin. Ich habe — wie so viele meiner Kollegen Es gehört zum eisernen Bestand der antisemitischen Hetzpropaganda, daß „die Juden“ infolge der ihnen arteigenen „Tarnopoler Moral“ und durch die dadurch bedingten unsauberen Geschäftspraktiken den „bodenständigen“, christlichen Konkurrenten schädigen. Zur Zeit, da das Preistreibereigesetz noch gehandhabt wurde, da regnete es Anzeigen mißgünstiger und weniger erfolgreicher „arischer“ Konkurrenten gegen jüdische Geschäftsleute. Nun kommt das Widerspiel der Preistreiberei, die „ Preisschleuderei“, daran. Jetzt werden so manche arische Kaufleute und Gewerbetreibende finden, der jüdische Konkurrent sei zu billig. Gewiß, niemand wird ein unseriöses kaufmännisches Gebaren in Schutz nehmen. Es ist auch sicher, daß die Geschäftsmoral gelitten hat. Das ist aber keine auf eine bestimmte Konfession oder Nation beschränkte Zeiterecheinung. Wir haben es hier vielmehr TtfD RESTAURATION Ungarische Küche WIEN, I., VORLAUFSTRASSE 2 Telephon U 21-2-82 Volkstümliche Preise, beste Bedienung Vorteilhafte Arrangements ftlr Hochzeiten u. Diners mit einem internationalen Phänomen zu tun, an dessen Bekämpfung jedermann interessiert sein muß. Marktschreiende Reklame zum Beispiel ist sowohl ein Beweis für die Wirtschaftsnot als auch für die bedauerliche Abkehr von einer althergebrachten Noblesse im Wirtschaftsleben, v.ährend aber zum Beispiel das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb marktschreierische Reklame als solche nicht unter Strafsanktion stellt, gibt es Berufskategorien, die ihren Branchegenossen jede Reklame verbieten. Bei den Rechtsanwälten gilt jedes Inserat eines Rechtsanwaltes als ein Verstoß gegen die Ehre und das Ansehen des Standes, ohne daß es eine diesbezügliche ausdrückliche Verbotsnorm gibt. In Stande der Zahntechniker wiederum verfügt das Gesetz vom 13. Juli 1920, Nr. 326, betreffend die Regelung der Zahntechnik im § 7, Absatz 2: „Den b efugten Zahntechnikern ist es verboten, sich marktschreierischer Reklame zu bediene n.“ Was unter marktschreierischer, also verbotener Reklame im Berufsstand der Zahntechniker bildet, finden wir‘in der „Zeitschrift für Zahntechnik und Zahnheilkund e“, Ausgabe Dezember 1934, in den „Mitteilungen der Standesvertretung Wien“. Dort lesen wir: Reklame. Es mehren sich in jüngster Zeit die Fälle, daß in verschiedenen Tageszeitungen, in Fachblättern von Genossenschaften und anderen Korporationen, dann in Geschäftsführern verschiedener politischer Richtungen Inserate befugter Zahntechniker erscheinen. Derartige Ankündigungen stellen sich als marktschreierische Reklame dar, die laut § 7, Absatz 2, des | Zahntechnikergesetzes vom 13. Juli 1920, StGBl. Nr. 326, verboten ist. Die Standesvertretung ist in Wahrung des Ansehens der befugten Zahntechniker verpflichtet, solche Fälle zwecks Ahndung der politischen Behörde erster Instanz zur Anzeige zu bringen, und warnt deshalb ihre Mitglieder eindringlichst, solche Gesetzesübertretungen zu begehen. Die offizielle Standesvertretung der befugten Zahntechniker ist also der Anschauung, daß Ankündigungen von Zahntechnikern in „Geschäftsführern“ verschiedener politischer Richtungen als marktschreierische Reklame von der politischen Behörde zu bestrafen sind. Wir hatten nun in unseren letzten Nummern Gelegenheit, auf den „Arischen Zeitweiser“, den „Arischen Geschäftsweiser“ und die „A k o- Nachrichten — Eine Zeitschrift für Arier“ hinzuweisen. Hier handelt es sich zweifellos um drei Presseprodukte einer eindeutig bestimmten politischen Richtung, deren Methoden aus Hitler-Deutschland stammen. Es ist nun interessant, daß in allen diesen Presseerzeugnissen eine überaus große Anzahl von Zahntechnikern inserieren. Aus dem „Arischen Geschäftsweiser“ gebe® wir im nachfolgenden einen Auszug der dort angeführten Zahntechniker bekannt, die den Kampf gegen „jüdische Anmaßung“ durch ihre bezahlte Ann on een unters tütze n: I. Bezirk: A1 b r e c h t Ferd., Goldsohmiedgasse 8. Winkler Otto, Tegetthoffslraße 3. Lauboock Albert, Walfischgasse 10. Bramböck Rud., iSriedrichstraße 6. II. Bezirk: Höfer Karl, Nordbahnstraße 52. Koller Hans, Pazinanitengasse 22. Loser Paul, Scihüttaustraßo 1. Mad z ar Rud., Zirkusgasse 33. Münstedt Gustav It o b., Praterstraßo Nr. 22. Schubert Karl, Großo Mohrengasso 16. Sme 1 ik Fr., Taborstraße 66, III. Bezirk: Amesborger Fr., Reisnerstraße 16. Günther Georg, Baumgai&so 23. I Koppensteiner Alfred, Wassergasse Nr. 31. Holzer Fritz. Petrusgasse 5. Hofmann Gustav, Rennweg 13. Schwarz Karl. Hörne&gasse 13. Medizinalrat Dr. Alfred Preßfreud, Eßlarngassie 2. IV. Bezirk: Jägerbauer Engelbert, Preßgasse31. Koppensteiner Edwin, WiednerGürtel 38. Pa us er Rud., Wiedner Hauptstraße 55. Wunderer Eugen, Heumühlgasse 4. V. Bezirk: Fischer Karl, Wiedner Hauptstraße 52. Mac« Johann, Wiedner Hauptstraße 89. VI. Bezirk: Dittonbergor Ferd., Mariahiiferstr. 95. F a r g e 1 Edm,, Hirschengasse 2. Gebhardt Karl, Kurzgasse 6. VII. Bezirk: Fuchsjägor August, Kaiserstraße 32. Fink H e i n r., Urban-Loritz-Platz 8. Tech io Franz, Lerehenfelderstraße 125. VIII. Bezirk: M e r a n e k Anna, Kochgasse 29. Leiter Josef, Josefstädteirstraßc 25, Wörthmann Josef, Langegasso 42. IX. Bezirk: Bach Rud., Liechtensteinstraße 68. Fridetzky Wilh., Nußdorferstraße 10. W i 11 e r t L e o p.. Währingerstraßo 56. G 1 a ß 1 Karl, Spittelauerplatz 5. X. Bezirk: Rassner Franz, Laxenburgerstraße 75. Ringle Philipp Keplerplatz 12. Sich H e i n r., Quellenstraße 144. XI. Bezirk: Hametna Roman, Hasleitnergasse 6. H en s ch 1 Fr., Gottsehalkgasse 13. XII. Bezirk: Schiller Jos., Meidlinger Hauptstr. 77. Slamasek Gustav, Arndtgasse 57. XIII. Bezirk: Mal ly Karl, Linzerstrnße 103. Pokorny Kurt, Linzerstraße 42. XIV. Bezirk: Hasieber Fr., Uimerstraße 47 Mensik Josef, Arndtsteingasse 2. XV. Bezirk: Jäger Ed., Märzstraße 30. Jonas H e i n r., Mariahilferstraße 142. Priessnor Egon, Mariahilferstraße 169. , Sprennagel Anton und Franz, Gablenzgaese 21. XVI. Bezirk: Braun Max, Arnethgasse 56. Brunner Stephan, Klausgasse 21. L e n o b l Ed., Brunnengasse 68. S e e b a c h e r A1 f r., Hasnerstraße 95. . XVII. Bezirk: B ermann Wilh., Jörgerstraße 31. Kommerzialrat G ro h m a n n Hans, Jörger« Straße 50. XVIII. Bezirk: Fleisch mann Ewald, Ganongaßse 17. Laske Rieh., Währingeirstraße 115. XIX. Bezirk: Czech Johann, Döblinger Hauptstraße 4, Prohaska Leop., Rudolfinergasse 5. XX. Bezirk: Neufuß Fr., Wallensteinstraße 26. Ulsamer Karl, Stromstraße 69. XXI. Bezirk: Fuhrmann Walter, Maissauergasse 17. Nun fragen wir: Was gedenkt die Standeßvertretungderbefugten Zahntechniker zu tun, um diesem Zustand abzuhelfen, der nach ihrer eigenen Ansicht strafbar ist, weil es sich um „marktschreierische Reklame“ handelt? Wae gedenkt die politische Behörde zu tun? Die österreichische Verfassung steht auf dem Standpunkt der Gleichberechtigung aller Bürger. Arische und jüdische Zahntechniker unterliegen den gleichen Gesetzen. Was für die jüdischen befugten Zahntechniker, die schwer um ihre Existenz ringen, verboten ist, kann für die „arischen“ Zahntechniker nicht erlaubt sek. Hier muß Ordnung gemacht werden, auch im Interesse des Ansehens des Standes der befugten Zahntechniker und im Interesse des Ansehens Österreichs. Die Regierung sollte hier nach dem rechten sehen. Diose „arischen Geschäftsmethoden“ tragen Unruhe in die Wirtschaft, weil sie antijüdiechen Boykott predigen, und Österreich braucht Ruhe und die friedliche Zusammenarbeit aller Bürger. Die österreichische Wirtschaft wird es verschmerzen, wenn einigo arische Inseratenagenten Politik nicht mit Geschäft verquicken worden. Dio Juden tun das auch nicht. Es gibt keino „Tarnopoler Moral“ und wir brauchen keine „Berliner Moral4' in der Kundenwerbung. KLUB „EREZ ISRAEL“, II., Praterstraße 13 (Tel. R 42-407) fl MONTAG, DEN 31. DEZEMBER 1934, 7,9 UHR ABENDS ■ FESTSAAL HOTEL CONTINENTAL, II., TABORSTRASSE 4 ■ Abend jüdischer Literatur und Kunst I AKADEMIE MIT TANZ - Ende 4 Uhr I Mitwirkend: Sevilla PASTOR (Soubrette). Erna Siedler (Jüd. Volkslieder), Jakob B FELDHAMMER (Rezitation), Prof. Emanuel Scharfberg (Violine). Erich Pohl B (Klavier), Schwager und Fchnappmann (Sketch), Dawid Tendier (Gesang). fl Conference: Viktor Schlesinger. Jazzband: ,Wallis Eilte Klddlet“ B Kartenverkauf: Klubhelm; Jüdische Ku'turstelle. II. Bezirk fl Aspernbrückengasse 2 und Bücherstube R a.t h, II. Bezirk, Taborstraßo 20a £