Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 412 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20s V. b. b, M« j« * I ur:an nuvamhu« fAii I Redaktion und Administration: Wien, l, Marc-Aurel-StraB« 6. Wir# 4« I ▼Tien, 40« l/ezemoer l Tel.: U 22-3-91. .ledaktlonsschluß Montag und Mittwoch vorm. Unsere nächste Nummer erscheint Dienstag, den 1. Jänner 1935 JÜDISCHE ZEITUNG Die vorzüglichen, großen Luxusschiffe „GERUSAIEMME“ UNO „PIISNA“ der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr) (Qhren nur eine erste und eine Touristenklasse Auch in der Touristenklasse höchster Komfort (zwei* und mehrbettige Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6,Tel.U*47*5*60 I (22. Tebeth $695) j 8. Jahrgang Der Verrat an den Saar-Juden Nach einer Meldung aus Saarbrücken wird jetzt dae ganze Saargebiet mit antijüdischer Hetzliteratur überschwemmt. Die Pamphlete werden auch unter den Soldaten der ausländischen Besatzungen verteilt. Zahlreiche Offiziere der Besatzungskontingente, besonders die englischen, erhielten antisemitische Flugblätt e r, in denen vor allem zu erklären sucht wird, warum Hitler die Juden entrechtet hat. Aus dem Inhalt ist zu schließen, daß diese Flugblätter von einer reichsdeutschen Zentrale ausgegeben werden. Die saarländischen Behörden ordneten die Beschlagnahme der Flugschriften an und leiteten eine Untersuchung darüber ein, wie es kommt, daß die Privatadressen der Offiziere der Besatzungskontingente, 'denen die judenhetzerischen Flugschriften durch die Post ins Haus gesandt werden, den Absendern so rasch bekannt geworden sind. Oberst Wedgewood In Wien Ein Gespräch der „Stimme“ mit dem englischen Parlamentarier Colonel W e d g e w o o d, der bekannte englische Parlamentarier, der große Zionsfrednd und Förderer des jüdischen Palästina -Werkes, weilte dieser Tage einige Stunden in Wien. In einem Gespräch mit einem unserer Redakteure machte Oberst Wedgewood auf eine Reihe aktueller Fragen der Palästina-Politik die folgenden Mitteilungen: „LeglslatlV'Council so gut wie tot“ Kundgebung der spanischen Regierung zur Maimonides-Feier Die spanische Regierung hat die folgende, vom Ministerpräsidenten Senor Lerroux Unterzeichnete Kundgebung erlassen: Am 30. März 1935 jährt sich zum 800. Male der Tag der Geburt des großen jüdischen Humanisten Moises Ben Maimon, in der Geschichte bekannt unter dem Namen Maimonides, dessen Einfluß auf die mittelalterliche Kultur Spaniens, besonders Cordovas, der Geburtsstadt des großen Rabbi, zum Ruhme gereicht. Es ist nicht notwendig, an die Bedeutung 'des Lebenswerkes dieses großen Gelehrten erst zu erinnern, ein Werk, das sich nicht allein in der philosophischen Konzeption der jüdischen Religion erschöpfte, sondern auch die humanistische Philosophie des Mittelalters und die Wissenschaften der Medizin, Astronomie, Mathematik und orientalischen Sprachen, im besonderen die der jüdischen Studien, in ungeahnter Weise förderte und so dem menschlichen Denken einen neuen Horizont öffnete. Die Republik, stets bereit, dem Andenken der Söhne Spaniens, die seinen Namen erhöht und über die Grenzen hinausgetragen haben, den Tribut der Verehrung und Bewunderung zu zollen, hat den Wunsch, sich mit den Zielen des Komitees zu identifizieren, welches die Organisierung der Feier des 800. Geburtstages von Maimonides übernommen hat. In diesem Sinne hat der Präsident des Ministerrates in Übereinstimmung mit der ganzen Regierung beschlossen: 1. Alle vom Komitee in Cordova, dem das Arrangement der Feier des 800. Geburtstages von Maimonides obliegt, organisierten Akte tragen regierungsoffiziellen Charakter. 2. Der Minister für Volkserziehung und schöne Künste wird an allen Veranstaltungen aus Anlaß des Maimonides-Geburtstages mit wirken und wird hierin von dem Nationalen Touristenamt unterstützt werden. Der Plan eines Legislative-Councils ist so gut wie tot. Nicht allein die starke zionistische Opposition, sondern vor allem die großen Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung immer wieder entgegenstellten, haben ihn begraben. Hiezu kommt noch, daß sich in der öffentlichen englischen Volksmeinung in den letzten zwei Jahren eine fühlbare Änderung vollzogen hat, dahingehend, daß diese öffentliche Meinung in bezug auf die Juden in Palästina sich nicht mehr so sehr von der Indienpolitik des englischen Imperiums beeinflussen läßt. England hat Indien eine Konstitution zugestanden, nicht zuletzt in der Erwägung, daß diese Konstitution bei der in Indien vorhandenen Zersplitterung zwischen den einzelnen konstitutionellen Parteien ohnedies dem englischen Einfluß im Lande keinen großen Abbruch tun könne. Im übrigen herrscht die Meinung vor, keine neuen Konstitutionen zu gewähren. Denn die Tendenz, die jetzt Europa beherrscht, die Demokratie immer mehr zugunsten des autoritären Kurses zurücktreten zu lassen, scheint auch in anderen Gegenden stark zu sein. Tn bezug auf die panarabisebe Bewegung wäre noch die Tatsache erwähnenswert, daß die Mohammedaner in Indien in den palästinensischen Arabern nicht gerade Gleichwertige erblicken. Für freie Einwanderung über die gegenwärtige Palästina-Politik erklärte Colonel Wedgewood: Die wichtigste Rolle in der Palästina-Politik spielt die Frage der Einwander u n g. In dieser Frage bin ich gegen Wauchopes Politik der Einschränkung der Immigration. Ich bin für die freie Einwanderung von Juden und Arabern nach Palästina. Für die uneingeschränkte Immigration, die sich schon selbst ihre natürlichen Gesetze schaffen wird. Jeder neue Einwanderer bringt neue Arbeitsmöglichkeiten ine Land. Palästina ist das einzige Land in der Welt, in dem die Arbeiter des Landes sich nicht wie überall aus Furcht vor Konkurrenz gegen den Zustrom von weiteren Arbeitern wehren, sondern im Gegenteil immer wieder neue Arbeitskräfte fordern. Ein Beweis, wie sehr die Arbeiterschaft in Palästina überzeugt ist, daß jeder neue Einwanderer seine Arbeit findet, und gegenwärtig keine Gefahr einer Arbeitslosigkeit vorhanden ist. Nach Wedgewoods Meinung ist es nicht Sache der Regierung, sich da einzumischen und Beschränkungen aufzuerlegen. Die jüdisch-arabische Zusammenarbeit ist natürlich möglich, wiewohl der Standard beider Bevölkerungsschichten ein sehr verschiedener ist. Wesentlich zur Befriedung könnte nach Meinung Wedgewoods der Eintritt der arabischen Arbeiter in die jüdische Gewerkschaft beitragen. Im Grunde genommen, sagt Wedgewood, gehen die wirtschaftlichen Interessen der Juden und Araber konform. Die Araber sind nach wie vor daran interessiert, ihren Boden so teuer als möglich zu verkaufen. Die Fellachen sind um 100 Prozent wirtschaftlich stärker und besser daran als ihre Brüder in Syrien und Ägypten. Die Unzufriedenheit gegen die Juden beschränkt sich lediglich auf einzelne Gruppen und Schichten einer verschwindenden Minorität, wie die der freien Berufe, des Mufti, der Geistlichkeit, des Klerus und der Ärzte und Advokaten, die die jüdische Konkurrenz besonders fürchten. In der Tat, führt Wedgewood aus, haben sie hiezu allen Grund. Bei seinem letzten Besuch vor einem Jahre konnte Wedgewood mit eigenen Augen den gewaltigen Fortschritt gerade auf dem Gebiete der Medizin und der Kunst in Jerusalem feststellen. Viele jüdische Ärzte hier haben in Wien ihre Studien gemacht und so Jerusalem zu einem medizinischen Mekka gemacht, welches aus allen Teilen des Landes und der Umgebung aufgesucht wird. Ebenso kann man in Jerusalem die herrlichste Musik hören. Lob für die Zionistische Exekutive Für die Arbeiten der Zionistischen Exekutive, insbesondere für ihre Mitglieder S h e r t o k und Ben G u r i o n, die er als ausgezeichnete Repräsentanten der jüdischen Interessen bezeichnet, findet Colonel Wedgewood volles Lob. Dies ist um so be- 1 wie mnoexvoue Jeasigtis / ImSIKAUSCHEN KOMÖOIEI SGHWB&eM, merkenswerter, als es gerade diese zwei jüdischen Repräsentanten als typische Selfmademan bei der bekannten Mentalität der Engländer, nur mit ihresgleichen zu verhandeln, nicht leicht haben. Insbesondere trifft dies auf Wauchope zu, der als gebürtiger Schotte und als Militär von dieser erwähnten Mentalität in einem starken Maß erfüllt ist. Seiner Meinung nach ist nach wie vor Prof. Weizmann die einzige Persönlichkeit, die bei den englischen Regierungskreisen das nötige Gehör findet. Als wichtigstes Problem in der gegenwärtigen Palästina-Politik bezeichnet Colonel Wedgewood nächst der Einwanderungsfrage die Bodenfrage und die Notwendigkeit einer neuen B o d e n g esetzgebung, da es gegenwärtig überhaupt unmöglich ist, Boden durch Kauf zu erwerben. Auf die Frage, ob die Nachricht, daß die Exekutive der Jewish Agency für die Hule- Kolonisation so viel Arbeiterzertifikate von der Palästina-Regierung erhalten werde, als die neue Kolonisation benötigt, richtig sei, erwiderte Oberst Wedgewood, daß er davon wohl keine Kenntnis habe, aber dies liege durchaus im Bereich der Möglichkeit, da ohne Menschen eine Kolonisierung neuer Gebiete natürlich unmöglich ist. BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH U 47-5-40 pezialverlcehr nach Palästina Gütertransporte, Liftvans, Übersledlungen Ullmannf Rink & Co. Wien I, Kurrentg. 12 Tel. U 22254 3S#ooo Pfund für das Jerusalemer Wasserwerk Jerusalem, 27. Dezember. (2. T. A.) Es verlautet, daß die Palästina-Regierung der jüdischen Gewerkschaft (Histadrath Haowdim) eine Summe von 35.000 Pfund zwecks Ausführung von öffentlichen Arbeiten im Zusammenhang mit der Wasserversorgung Jerusalems zur Verfügung gestellt hat; hundert jüdische Arbeiter werden hiebei beschäftigt werden.