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Die Stimme · 1934-12-21 · Heft 411 (21.12.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 411 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seit« 6 DIE STIMM! Nr. 411 - 21. Dezember 1931 Aufräumen! ewigen Widersachern Christi ansliefern, damit sie hier ein kapitalistisches „Mekka“ amerikanischen Stils einrichten, bedeutet nichts anderes als würdelose Preisgabe dieser überaus kostbaren Reliquie an die Feinde des Erlösers. „Antisemitische“ Beweggründe können zur Rechtfertigung nicht ins Treffen geführt werden; denn daß durch die Auffüllung des nur 26 000 km3 großen Landes mit europäischen Juden die Judenfrage Europas gelöst oder auch nur einer Lösung näher gebracht zu werden vermöchte, darf wohl mit Fug und Recht von niemandem behauptet werden- Darum halten wir den Zeitpunkt für gekommen, die abendländische Christenheit zu einer Art friedlichen Kreuzzu^es zum Schutze Palästinas vor seinen jüdischen Kapitalisten aufzurufen!'1 Das wäre also des Pudels Kern- In Europa gemäß dem Reglement des Dritten Reiches (dem die „Schönere Zukunft“ nicht gar so fern steht) die Juden erschlagen und aushungern und ihnen dann noch den Weg zur Freiheit verlegen — so denken sie sich die „Schönere Zukunft“. Es ist noch milde von diesem Sturm, nur einen friedlichen Kreuzzug zu predigen, etwa in der Art, die den Juden auf dem Scheiterhaufen einen nassen Schwamm Ober den Mund band, damit sie nicht zu früh erstickten.., Übrigens ist die Logik bemerkenswert: Da Palästina die Judenfrage nicht lösen kann, ist der Zeitpunkt für einen Kreuzzug gekommen. Was ist denn das, was jetzt in Europa, besonders in Mitteleuropa geschieht? Die Palästinaarbeit des Judentums ist, wie jeder weiß, nicht kapitalistisch. Aber daß die Tätigkeit der jüdischen Arbeiter und Bauern dieses Land inmitten der Weltwirtschaftskrise zu einem Dorado (Herr Doktor Sturm: Eldorado ist falsch!) wirtschaftlicher Produktivität und Rentabilität machen könnte und tatsächlich die Arbeitslosigkeit bereits mit Erfolg bekämpft hat, — das sticht den Sturm und sonstigen Europäern in die Augen. Statt aber sich zu unterrichten, wie das die Juden machen, und von ihnen sich für das seine Gelder in Waffen vergeudende Europa einiges zu lernen, rufen sie zum „friedlichen Kreuzzug“ auf. Ehe die jüdische Arbeit einsetzte, war Palästina eine von türkischen Soldaten bewachte Steinwüste. Heute ist es ein regsames blühendes Land- Das paßt den Ariern nicht- Aber das jüdische Werk steht unter der Garantie des Völkerbundes und dort bat der Sturm nichts zu reden. Er muß weiter die „Schönere Zukunft“ zieren, gemeinsam mit Dr. Max Hager aus Graz, der (am 2. Dezember) zu dem inzwischen beschlagnahmten Ritualmord buch Loges schreibt: „Auf die ans Sensationelle grenzende Frage: ,Gibt es Ritualmorde?1, gibt Christian Loge eine jeder historischen Kritik standhaltende Antwort,“ Sturm und Hager — diese beiden kennzeichnen das Niveau dieser Kreise. Pater B i c h 1 m a i e r hätte dort lohnende Aufgaben für die Erfüllung seiner Mission. „Jüdischer Vorstoß gegen Österreich“ Die Denkschrift des amerikanisch-jüdischen Kongresses an die Bundesregierung wird von den betont nationalen „Wiener Neuesten Nachrichten“ als ein jüdischer Vorstoß gegen Österreich bezeichnet. Das Blatt sieht darin einen neuen Beweis für die systematische Stimmungsmache gegen Österreich im Ausland und bemerkt weiter: „Man wird vielleicht gut daran tun, sich für die in Österreich sitzenden Informatoren zu interessieren. Denn daß solche Denkschriften auf Grund von Berichten aus österreichischen Kreisen zustande kommen, liegt auf der Hand.“ Wir nennen die Informatoren, von denen das Ausland seine Nachrichten über die Lage der Juden in Österreich bezieht: es sind die „Wiener Neuesten Nachrichten“, die diversen arischen Zeitweiser, die „Schönere Zukunft“, das „Wiener Montagsblatt“, die Flugblätter des Jerzabek und alle gleichartigen Presseerzeugnisse. Wir sind dafür, daß sich der Staatsanwalt für diese Informatoren interessiert. Diesen Kriegsruf stößt das „Wiener Montagblatt“, die Montagsausgabe der „Reichspost“, in bezug auf das Kino aus. Es hat die schmerzliche Entdeckung gemacht, daß das Filmwesen sich nicht gerade auf ästhetischen und ethischen Gipfeln bewegt und schreibt: „Eine Groteske sondergleichen wäre es, wenn in einem Staate, der wie das heutige Österreich auf christlicher und deutscher Grundlage aufgebaut werden soll, diese aufreizenden und unhaltbaren Mißstände im Filmwesen auch weiterhin geduldet würden.“ Dazu kann man nur „bravo!“ sagen. Also schnell einen genialen Reformator her, der das sittliche und künstlerische Niveau des Films hebt und ihn endlich jener Kulturmission, zu der er ohne Zweifel berufen wäre, würdig gestaltet. Bliebe nur die Frage offen: Wo findet man diesen genialen Reformator? Das „Wiener Montagblatt“ stellt weder die Frage, noch beantwortet es sie. Einen positiven Ausweg aus der von ihm beklagten Schlamastik vermag es nicht zu geben, um so rascher ist es mit einem negativen zur Hand: Ausschaltung der Juden aus dem Filmbetrieb! Darauf läuft es doch sicherlich hinaus, wenn das christlichsoziale Blatt, nachdem es in scheinbar sachlicher Weise verschiedene Gebrechen, die nach seiner Meinung dem Film anhaften, aufzählt, plötzlich ganz unmotiviert und überraschend zu der Schlußfolgerung kommt: „Es sind eben jüdischer Spekulationsgeist, jüdische Geschäftspraktiken, die in der Filmproduktion wie im Film vertrieb und nicht zuletzt im Kinobetriebe hemmungslos und derzeit noch unbehindert sich auswirken dürfen. Während in der Vorkriegszeit 90 Prozent aller Kinotheater in bodenständigem Besitz sich befanden, ist heute das Verhältnis umgekehrt. Damit ist der Ring geschlossen, aus dem alle Mißstände und Gefahren des heutigen Filmwesens immer von neuem sich entwickeln.“ Man beachte die kühne Logik, die nicht etwa die Filmprod uktion für die Übelstände verantwortlich macht, sondern die — Kinobesitzer, denen clas „Montagblatt“ selbst zugestehen muß, daß sie nicht einen einzelnen Film mieten können, sondern den ihnen meist unbekannten Gesamtvorrat der Verleihfirmen übernehmen müssen. Dieser groteske Unsinn hat aber einen wohldurchdachten Grund: Die Filmproduktion ist im gesamten deutschsprachigen Gebiet, einschließlich Österreichs, In besserer ritueller Familie wird ein junges Mädchen als Pensionärin aufgenommen. Familienanschluß. Zu erfragen : Wien« II., Praterstraße 9/8 bereits rassisch gereinigt, da aus geschäftlichen Gründen a-uf den reichsdeutschen Markt Rücksicht genommen werden muß, der nur judenreine Filme aufnimmt. Daher bleibt dem „Wiener Montagblatt“ für seine gleichfalls auf Rassenreinigung gerichteten Bestrebungen nur noch der Stand der — Kinobesitzer als taugliches Objekt übrig. Sind diese erst wieder zu 90 Prozent arisch, dann werden alle Laster, die dem Film heute anhaften, wie weggeblasen sein, glaubt das Blatt oder will es wenigstens seine Loser glauben machen. Interessant wäre es, zu hören, worauf es diese These stützt. Die Erfahrungen in der von ihm so sehr gelobten guten alten Zeit, da die „Bodenständigkeit“ mit 90 Prozent im Kinobetrieb triumphierte, lehren nämlich das Gegenteil. Damals kam im Prater, in dessen Schaubuden die „Bodenständigkeit“ heute noch hundertprozentig vorherrscht, der Unfug auf, gewisse Vorstellungen uuter dem vielsagenden Motto „Nur für Erwachsene!“ zu veranstalten. Bei der technischen und ästhetischen Primitivität des damaligen Films handelte es sich dabei um reine Pornogeführt zu haben, ist wahrlich nicht das Verdienst der Schaubudenbesitzer, sondern der Ruhm von Künstlern, die sich den Film zum Spezialgebiet erkoren. Unter diesen Wegbahnern der neuen Kunst fehlten auch Juden nicht. Unvergeßlich sind die Leistungen eines Rudolf Schildkraut. Der Russe Eisenstein und der Amerikaner Charlie Chaplin, zwei Judenstämmlinge, haben den Film zu ungeahnten künstlerischen Wirkungen gesteigert. Schon diese wenigen Namen, die beliebig vermehrt werden könnten, sind die sprechendste Widerlegung der These, daß etwa die „Verjudung“ des Films zu seiner künstlerischen oder sittlichen Verwahrlosung geführt haben. Es sind ganz andere Ursachen, die den vielversprechenden Aufstieg des Filmes unterbrachen. Vor allem hat auch auf diesem Gebiet die Technik den künstlerischen Geist überflügelt: Die Erfindung des Tonfilms hat den verheißungsvollen Ansätzen des stummen Films zu künstlerischen Höchstleistungen ein jähes Ende bereitet und die Filmkunst gezwungen, noch einmal von vorn anzufangen. Die bewährten Koryphäen des stummen Films wollten oder konnten nicht umsatteln. Der Tonfilm brachte eine größere Angleichung an das Theater mit sich und bezog von diesem Säuger und Darsteller, die, weit entfernt von reformatorischem Ehrgeiz, die Sitten und Unsitten ihrer alten Kunstbetätigung ins neue Genre verpflanzten. Bezüglich der dargestellten Motive war dies freilich nicht erst notwendig. Denn schon .der stumme Film konnte nichts anderes darbieten, als die uralten, ewig neuen tragischen und komischen Verwicklungen des Menschenlebens. Schiller hat Goethe einmal durch die Behauptung überrascht, daß es in der ganzen Weltliteratur bloß 36 tragische Situationen gäbe, die in immer neuen Variationen wiederkehren. Der verblüffte Goethe gab sich die Mühe, nachzuzählen und — fand nicht einmal so viele... Es ist deshalb lächerlich, wenn das „Wiener Montagblatt“ sich darüber entrüstet, daß in den 250 Filmen, die Amerika ira letzten Jahre herausbrachte, 95 Morde, 51 Ehebrüche, 176 Diebstähle, 45 Selbstmorde und 19 Verführungen Vorkommen. Der empörte Moralist durchsuche doch die ganze Weltliteratur nach anderen Motiven! Mehr als Goethe und Schiller wird auch er nicht finden, auch wenn er sich an die Allerfrömmsten unter den Dichtern hält. Zu diesen gehört unleugbar Calderon de la Bark a, dessen Tragödie „Der Richter von Zalamea“ unzähligomale im Wiener Burgtheater zur Aufführung gelangte. Was ist der Inhalt dieses Stückes? Verführung und Mord. Oder er lese die ersten dramatischen Dichtungen, die in Deutschland geschrieben wurden: Die sechs Theaterstücke clor Nonne R o s v i t h a von Gandersheim. Was ist der Inhalt dieser literarhistorisch interessanten Schöpfungen des christlich-deutschen Mittelalters? Verführung, Mord, Ehebruch usw. Wie könnte es auch anders sein? Wo die Tugend sich ungefährdet entfalten kann, dort gibt cs keine tragischen Konflikte, wie sie der dramatische Dichter braucht. Das wußte auch die an Terenz geschulte Nonne Rosvitha. Sie bringt mit bemerkenswerter Überwindung der weiblichen Scheu und der Keuschheit der Nonne jene Höhlen des Lasters auf die Bühne, deren Vorführung im Irilm die christlichsozialen Moralwächter nach der Polizei rufen läßt. Die Nonne Rosvitha war nicht so zimperlich und auch ihr Dialog läßt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Doch führt sie immer die Tugend zum Siege und dieses — auch vom modernen Film bevorzugte — happy end, läßt in ihr den Gedanken, daß ihre Stücke sinnlichen Anstoß erwecken könnten, gar nicht aufkommen. Dem Reinen ist eben alles rein. Freilich: Wenn man unter Reinheit in erster Linie — Judenreinheit versteht, dann kommt man zu einem anderen Weltbild. AUCH FÜR 1. bei Berafjunfahlgkelt INVAIIDITSTS-RINTEH 9. für ein sorgloses Alter AITIRI-RINTIH I. Int Ablebensfallc himtirbubbimemrkntim' [zu GÜNSTIGEM BEDINGUNGEN mm Nonne Rosvitha und Calderon aus katholischem Eifer auf die Bühne gestellt haben, im modernen Film als wüstes Produkt —- „jüdischer“ Geldspekulation. Es ist reinste Heuchelei, derlei politische Haßtendenzen mit künstlerischen Motiven zu verbrämen. Religiöse Unduldsamkeit hat, mit Kunstbegeistert! ng nichts zu schaffen. Wilhelm Scherer hat in seiner „Geschichte der deutschen Literaturfestgestellt, daß die klassischen Höhepunkte der deutschen Dichtung im XIII, wie im XIX. Jahrhundert getragen waren vom Geiste der religiösen und nationalen Toleranz und daß es jedosmai ein Zeichen des beginnenden Niederganges war, wenn die Hetzer auftraten, die den Judenhaß predigen. Solche Hetzapostel als Gralshüter der Kunst ernst zu nehmen, heißt also den Bock zum Gärtner machen. D r. Hugo S p i e g 1 e r. Restaurant Rillet ''WD Bestrenommiertc Küche "^3 Reichhaltige Menüs äS 1*90 u. 2*60 SchwedhaterBrfiu II.. Hammerpurgstallgasse j (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-25 Prozeß um die „Protokolle“ nicht vor Ende Jänner 1935 Bern, 17. Dezember. (2. T. A.) Der Experte der Angeklagten im Berner Prozeß um die „Protokolle“, Oberstleutnant: a. D. F 1 e i s c h h a u o r aus Erfurt, ist persönlich im Gericht in Bern erschienen, um in die Akten einzusehen. Bei dieser Gelegenheit wandte sich der nationalsozialistische Experte an das Gericht mit der Bitte, es möchte ihm die am 16. Dezember 1934 abgelaul'ene Frist zur Überreichung seines Gutachtens (das, wie es heißt, sehr umfangreich sein soll) um zwei Monate, das ist bis zum 15. Fehruar 1935, verlängern. In Erledigung dieser Bitte hat Gerichtspräsident W. M eyer dem deutschen Experten eine Fristverlängerung biß zum 15. Jänner 1935 gewährt. Nach diesem Zeitpunkt wird der Gerichtspräsident noch darüber entscheiden, ob und welcho weiteren Zeugen einvernommen werden sollen. Unter diesen Umständen ist mit der Wiederaufnahme dor Verhandlung vor Ende Jänner oder Anfang Februar 1935 nicht zu rechnen. Das moderne praktische Lehrbuch zum Selbstunterricht Lerne Hebräisch VON BEN-CJIAVIV soeben erschienen? Das beste Lchrbudi aller Helten! Die ersten iooo Worte fürs tägliche Leben, praktische Grammatik, kein Vokabelbüileln. kein Kopfzerbrechen, mühelos, spielend leicht! Verlag: Jos. Schlesinger, Wien, I» Seitenstetteng. 5 graphieri. Den Film aus diesen niedrigsten Sphären zu höheren künstlerischen Aufgaben empor-1 Dann erscheint einem all das, was einst die [ PfliflStlna-Film von Dr. PMIIW flezeK ..P ILKTlHfl. OKTOBER 1934“ Dienstag, 25. Dezember 1934 Zionistische Bezirkssektion Leopoidstadt und Klub Erez Israel Fesisaal des Hotel Stefanie, II.. Taborstraße 12. Uhr und %9 Uhr obrnds Karten Im Vorverkauf: Zionistisches Landeskomitee, I., Marc Aurelstraße 5, Tel. U 22-2-11, Zionistische Bezirkssektion, II., Praterstraße 13, Tel. R 42-407. Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a, R 45-305/ Kaufhaus Halperr», IL Förstergasse 6/ Hotel Stefanie, 11., Taborstraße 12, Telephon R 41-2-53 und an der Abendkassa.

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