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Die Stimme · 1934-12-21 · Heft 411 (21.12.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 411 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. '411 — 21. Dezember 1934 DIE STIMME Seite 5 Kapelle J. Geiger spiell ab 1. Dezember täglich im Sonn- und Feiertag N a c h m i tt ag s - Konzert bei normalen Kaffeehauspreisen hoch an der Zeit findet, Herrn Habermann das Handwerk zu legen. Wie wir hören, ist die Israelitische K u 11 u s g e m e i n d e in Wien wegen Beschlagnahme bereits bei den maßgebenden Behörden eingeschritten. Dies um so notwendiger, als Herr Habermann ankündigt, daß er ähnliche Wegweiser für alle Wiener Geschäftsstraßen vorbereitet. ausgehen, verhaftet werden. Wir befreien diese Menschen nur in der Weise, daß wir ihnen Zertifikate beschaffen und die Weiterreise ermöglichen. Diese Zertifikate, die eigentlich für auswärtige Palästinawanderer verwendet werden, werden jedoch uns angerechnet, so daß die für uns verbleibend^ Quote sich noch weiter verringert. Wir kennen wohl die Schwierigkeiten, mi; denen die Jewkh Agency in Palästina bei der geringen Anzahl der ihr überhaupt von der Palästina-Regierung zugeteilten Zertifikate zu kämpfen hat. Wir verkennen nicht die Not anderer Länder und wissen sehr wohl, daß allen Palästina-Ämtern unter den nun einmal herrschenden Umständen nur relativ schwache Quoten zugeteilt werden können. Wir sind jedoch der Meinung, da fr die besondere Lage der österreichischen Ju denschaft auch eine besondere Behandlung erfordert. mm Fata Sie mit den irita Schiffen äet Welt! nach Amerika und Canada Cunard White Star Repräsentanz: Wien, I. Kärntnerring 4 Gespräch mH Ada Fishmann Wien verlangt mehr Zertifikate Wien, 18. Dezember. Für Wien sind aus der jüngsten Schedule insgesamt 117 Zertifikate bestimmt worden, von denen von vornherein 27 Zertifikate für Verwandte von Palästinabewohnern ausscheiden, so daß bloß 90 Zertifikate für landwirtschaftliche und handwerkliche Chaluzim übrig bleiben. In Wiener Zionistenkreisen herrscht daher über die geringe Zuteilung eine außerordentliche Verstimmung. In den nächsten Tagen tritt das Zionistische Landeskomitee zusammen. Der Präsident der Zionistischen Landesorganisation, Doktor Oskar Grünbaitm, gab dem Wiener JTA- Vertreter in diesem Zusammenhang unter anderem folgende Erklärungen: Das Landeskomitee wird in den nächsten Tagen Schritte unternehmen, die den maßgebenden Persönlichkeiten in Palästina klarmachen sollen, wie die Verhältnisse in Österreich hinsichtlich der Aliah-Not wirklich liegen und was die so geringe Zertifikatzuteilung für die österreichische Judenschaft bedeutet. Es scheint, daß man sich drüben nicht -die richtige Vorstellung von der katastrophalen Not, die hier herrscht, gemacht hat, sonst wäre .die .so geringe Bemessung nicht zu verstehen, Die. katastrophale Not der arbeitslosen jüdischen Massen ist unbeschreiblich. Unter diesen gibt es jedoch ganz bedeutende Schichten, die schon wegen ihrer hohen fachlichen Qualifikation als Professiondsten und als ausgezeichnet qualifizierte Angestellte in Palästina sofort Arbeit und Brot finden könnten. Diese Menschen wenden sich täglich an das Wiener Palästina-Amt um die Beschaffung einer Aliah- Möglichkeit nach Palästina. Angesichts der besonderen Verhältnisse Österreichs hätten wir vorausgesetzt, daß man unsere Situation etwas mehr berücksichtig. Wir haben hier außer den für Palästina ausgezeichnet qualifizierten Handwerkerschichten derzeit etwa 2000 Chaiuzim, die auf die Aliah warten. Eine Anzahl von ihnen hat schon lange das Anrecht auf Zertifikate erworben, wir haben auch eine entsprechende Anzahl vorbestätigt. Wie sollen wir bei dieser geringen Zuteilung ‘unseren Verpflichtungen nachkommen? Es kommt hinzu, daß auch Palästinawanderer aus Polen oft über Wien reisen, hier irgendwie stecken bleiben und, da ihnen die Mittel Eine der Triebfedern der zionistischen Frauenbewegung, eine, die in der vorderen Front der praktischen Wizo-Arbeit steht, ist die auch im Winter von Palästinas Sonne gebräunte, arbeitsharte, willensstarke Frauenführerin Ada Fishmann. Tochter eines Rabbiners, ist sie, die schon seit über zwei Jahrzehnten in Palästina arbeitet und lebt, eine der markantesten und bedeutendsten Figuren in der jüdischen Arbeiterinnenbewegung Palästinas überhaupt. Welch großen Faktor die jüdische Frauenarbeit im neuen Palästina bildet und wie bedeutungsvoll der führende Anteil Ada Fishmanns daran ist, erhellt aus der Tatsache, daß, wie Frau Ada Fishmann mit Stolz hinweist, gegenwärtig nicht weniger als 25.000 jüdische Arbeiterinnen in der palästinensischen Arbeiterorganisation vereinigt sind, und ferner, daß Ada Fishmann seinerzeit zum Mitglied der Expertenkommission des Völkerbundes für Frauenarbeit im Orient sowie als Referentin für dieses Ressort seinerzeit ins Internationale Arbeitsamt berufen wurde. Auf ihrer Reise durch Ost- und Mitteleuropa, die sie im Aufträge der Welt-Wizo und des Arbeiterinnenrates in Palästina in einer speziellen Mission unternimmt, weilte Frau Ada Fishmann in den letzten Tagen auch in W i e n. „Zwei Aufgaben“, erzählt Frau Fishmann, „sind es vornehmlich, die meiner jetzigen Europareise den Stempel aufdrücken.“ Erstens oblag es Frau Fishmann, sämtliche Kibbuzim der Chaiuzim sowie die Hachsoharah-Stätten in Ost- und Mitteleuropa zu besuchen, mit besonderer Berücksichtigung der Mädchen-Hachscharah. Zweitens sollte Frau Fishmann im Namen dieser Körperschaften den verschiedenen Kibbuzim 250 Zertifikate zur Verteilung bringen, die die Institutionen und die Anstalten der „Wizo“ und des Arbeiterinnenrates in Palästina von der Palästinaregierung a u ß e rha 1 b der Schedule zur Verfügung bekommen haben. Diese Zertifikate waren vor allem für jene Mädchen bestimmt, die als Schülerinnen der landwirtschaftlichen Schulen in Nahalal, der Lehrfarm Ajanoth, in Afuleh, des Hotels in Tei-Aviv usw. in Betracht kommen. Die Kandidatinnen müssen sich einer zweijährigen Ausbildung in diesen Schulen unterziehen und dürfen nur zwischen 18 und 21 Jahren alt sein. Die Auswahl des Materials, die Frau Fishmann zu unternehmen hatte, war keine leichte Arbeit und konnte nur nach bestimmten Gesichtspunkten erfolgen. Als Grundvoraussetzung ist die Kenntnis der hebräischen Sprache, das Vorhandensein einer entsprechenden chaluzischen Hachscharah und die Vorbildung von entweder fünf bis sechs Gymnasialklassen oder höheren Fortbildungsschulen. Ferner müssen Gesundheitszeugnisse vorliegen. Von den Ländern, die Frau Ada Fishmann zu diesem Zwecke besuchte, erhielten Polen 115, die Tschechoslowakei 10, Lettland 10, Österreich 10, Rumänien 25 und Litauen 15 Zertifikate. In den erwähnten landwirtschaftlichen Mädchenschulen wird die Heranbildung zu guten Farmern angestrebt. Aber besondere Aufmerksamkeit wird der Vorbereitung für die Hauswirtschaft zugowendet. Die Mädchen, die Ehrgeiz und auch genügend Geduld aufbringen, können eia drittes Jahr in den Schulen bleiben und kommen dann als Instruktor innen und Wanderlehrerinnen in Betracht, an denen es gegenwärtig in Palästina mangelt. Zu erwähnen ist noch, daß diese Anstalten für produktive Haushaltung allen Mädchen ohne Unterschied der Par t e i z ü g e h ö r i g k e i t und -gruppierung o f f e n -s t e h e n und daß auch die Zertifikate nach keinen anderen als qualitativen Voraussetzungen der Bewerberinnen zur Verteilung gelangten. In den verschiedenen Schulen, die der Wizo und dem Arbeiterinnenrate unterstehen, sind gegenwärtig 400 Mädchen untergebracht. Der „Wizo“ gehören jetzt in der Galuth insgesamt 50.000 Mitglieder an. Ada Fishmann ist jedoch überzeugt, daß bei Intensivierung der zionistischen Arbeit es der Wizo leicht fallen würde, ihre Zahl weitaus zu vergrößern. Die Vergrößerung und Erweiterung der Wizo in der Galuth hängt lediglich von der Aktivierung ihrer Arbeit ab. Über ihre allgemeinen Eindrücke von ihrer Reise befragt, erklärte Frau Fishmann: Es steht außer Zweifel, daß für die nationaljüdische Jugend kein anderer Ausweg als Palästina bestehe. Zehntausende von Chaiuzim stehen in den verschiedenen Ländern, insbesondere in Polen, fahrbereit nach Palästina. Aber sie können sich des traurigen Eindruckes nicht erwehren, daß viele, viele tausende Chaiuzim nicht aus Idealismus, sondern lediglich aus „Zertifikatismus“ in len Reihen des Hechaluz heute stehen. Es bedarf aller Anstrengungen, um hier Wandel zu schaffen. Es ist die Aufgabe der zionistischen Organisation, hier vor allem die Zügel in die Hand zu nehmen. Das Alpha und Omega ist und bleibt als Vorbedingung jeder Chaluziuth: die Kenntnis der hebräischen Sprache. Denn es ist einfach unvorstellbar, als Chaluz ohne diese Grundbedingung nach Palästina zu kommen. In dieser Beziehung hat Wien Frau Fishmann besonders enttäuscht. Diesmal wurde noch mit sehr viel Nachsicht verfahren. Auch wir in Palästina haben Fehler gemacht, indem wir es zuließen, daß auch eine geringere ErfülJuug unserer Grundforderungen für die Erteilung von Zertifikaten genügte. Wir haben zu wenig gefordert. Die Haohscharah-Frage aber müsse, nach Meinung Frau Fishmanns, in allen Ländern reorganisiert werden. Die Möglichkeit einer besseren Hachscharah ist ohne weiteres gegeben, denn das Material ist da, nur auf die Führung und die Methoden kommt es an. Was die Berufsarbeit der Chaluzoth betrifft, so ist es Aufgabe der Arbeiterorganisation, Vertreterinnen der Haushaltungsberufe allen anderen Arbeitszweigen gleichzustellen, denn die Ausübung des Haushaltungsberufes, die Ordnung in den Kibbuz und in die Farm bringt, muß allen anderen Arbeiten gleichgestellt werden. Gerade diese Zweige der Frauenarbeit, der sich die Wizo Ihre persönliche Note kommt zur Geltung in einem Anzug, der in allen Details auf Ihre Individualität abgestimmt ist. Die vornehme und gediegene Kleidung bei Herrenschneider JOSEF H0R0WITZ Wien, I., Graben 29 (Trattnerhof 1) I. Stock Telephon U 24-607 Htcge Zuckefmann Zum 20. Keiner festlich hellen Stuben Siebemrmig Kerzen schimmern Über Scherben, Schutt und Trümmern Raufen sich zerlumpte Buben. Am 23. Dezember 1914 ist Hugo Zukk e r m ann gestorben. In den Kämpfen am Duklapaß war der junge Dichter, damals Leutnant im Landwehrinfanterieregiiment Nr. 11, so schwer verwundet worden, daß er kurze Zeit darauf starb. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Meran begraben. Seine Frau, eine Nichtjüdin, hat sich an seinem Grab erschossen. Hugo Zuokermann hatte sich mit jugendlicher Begeisterung der zionistischen Idee angescMassen, der er eine Menge von glühenden Aufsätzen und Liedern widmete. Er hat in den jüdischen Studentenkreisen in Wien und Prag an der zionistischen Aufklärung mitgearbeitet und war im zionistischen Hochschülerverein „Theodor H 6 r z 1“ und in der zionistischen Verbindung „L i b a n o n i a“ aktiv tätig. In Dutzenden von Versammlungen hat er für die jüdische Renaissance gesprochen, und es war immer wieder die heroische Zeit der Makkabäer, die ihn politisch und dichterisch anzog. Sein letztes Lied hdi&t und ist von einem Todwunden geschrieben. Es scheint uns wertvoller und inniger als das berühmte „Reifcerlied“. In den „Makkabäern“ spricht der Sahn des jüdischen Volkes, der jüdische Kämpfer, der Zionist. Er spricht aus dem Herzen, und er findet die Worte, die zum Herzen sprechen. Wir lassen hier das leider wenig bekannte Gedicht folgen: Heute darf ich den Genossen Makkabäerlieder sagen, Weil ich selbst mein Schwert getragen Und mein rotes Blut vergossen. Heute keine Siegeslieder, Heute keine Freudenkerzen. Beugt euch mit zerriss’nen Herzen Zur entweihten Erde nieder. N och'i st nicht dieZ eit voll endet, N och ist nicht das Land g er einigt, N oc h wird uns er Volk gesteinigt, Unsere T.empAl sind geschändetS| In den weihedunklen Schulen Stampfen die Kosakenrosse, Nach dem Lied, der letzten Posse, Walzen zwei betrunkene Buhlen. Unter der Grämten Pochen, Die den Friedhof gut getroffen, Alle Gräber gähnen offen, Speit die Erde Totenknochen. Darum keine Siegeslieder, Darum keine Freudenkerzen, Beugt euch mit zerriss'nen Herzen Zur entweihten Erde nieder! ln die harten Hände pressen, Sollt* ich fast zwei Erdenbrocken/ Meine Rechte werde trocken, Könnt' ich deiner je vergessen! Deiner Seufzer, deiner Tränen, Deiner Schwären, deiner Schande! Judenvolk im Polenlande, ln dem Rachen der Hyänen! ( Wer ein gutes Schwert kann schwingen, Wer noch kann die Büchse tragen, Wer da kann die Trommel schlagen, Soll den Arm zum Opfer bringen. Wer die Berge kann bezwingen, Wen ein flinkes Roß getragen, Wer sich auf den Mast will wagen, Soll die Beine uns verdingen. Eure Künste, euer Streben, Eure festen Daseinsplätze, Eure Häuser, eure Schätze, Heischen wir und euer Leben! Euer Leben, daß nicht sterbe, Väterart und Vätererbe, Macht den T emp el wieder rein, Laßt uns Makkabäer sein. Das jüdische Volk denkt an jedem Todestag dieses prächtigen Menschen, dieses Freundes seiner Freunde, dieses jüdischen Idealisten, der für Österreich sein Blut gegeben hat. Er hat das jüdische Lie4 gesungen, er hat sein reiches Wissen und Können der jüdischen Sache geweiht. Es wäre würdiger Dank, wenn seine sterblichen Reste in das jüdische Heimatland überführt würden, damit ihm dort die jüdische Jugend danken kann.

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