Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 411 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z DIE STIMME Nr. 411 — 31. Dezember 1904 Besuchet Emlnfiers Gaststätten am PratersternI linii.... Neville Laski über Deutschland und Österreich 7.on Scharfsinn nur auf die Unterbindung | der jüdischen Vermehrung. Sie bewilligt zu uenig Zertifikate für jüdische Arbeiter und hat dadurch einen Mangel hervorgerufen. Auf elem Arbeitsninrkt. ist ein Loch nufgeris-n worden, durch das die arabischen Arbeiter hercinkommen. Die arabischen Grundbesitzer beginnen ihre Gewinste aus d u Landverkäufen in Neubauten oder Neul>ilan/.ungcn anzulegen und saugen die einlnäniisehen arabischen Arbeitskräfte auf; die fremden Arbeiter kommen in die jüdische Wirtschaft und besetzen die Stellen, auf die die jüdischen Arbeiter einen natürlichen Anspruch hätten — wenn sie nicht durch England ferngehalten wären. Nicht vergossen darf mau freilich bei der Aufzählung der schädigenden Momente die gewissenlosen jüdischen Pffanzer, die den billigeren arabischen Arbeiter vorziehen und ihren Gewinn über die nationale Pflicht stellen, und die jüdischen Bodenspekulanten, die blühende Pflanzungen niederlegen, um Baustellen zu erzielen und die Bodenpreise in die Höhe treiben. Gegen diese Elemente wird mit aller Rücksichtslosigkeit vorzugehen sein und man wird ihnen wohl beikommen können. Gegen die große Gefahr aber, die aus der arabischen Zuwanderung und aus der Stärkung der arabischen Mehrheit resultiert, finuß alle Kraft Aufgeboten werden. Es ist eine soziale und noch mehr eine politische Gefahr, die in ihrem ganzen Umfang erkannt werden muß. An ihr gemessen schwinden die Streitereien zwischen den Parteien fast bis zur Bedeutungslosigkeit. Sie werden angesichts der Sachlage zum Verbrechen, wenn sie noch weiter fortdauem sollten. Das Verhältnis 64.000 zu 40.000 spricht eine zu deutliche Sprache. Wenn der europäische Antisemitismus und die Mandatsbürokratie auch noch durch innerjüdische Konflikte verstärkt wird, dann ist es sehr traurig. GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN i.. Kärtnerslrafce Nr 61 Beslfzer Ollo Kaserer WIENER RArHAUSKELLER volkstümliche Preise ln allen Lokallfäfen Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Otto Kaserer Die Bewässerungsanleihe der I. C. I. Jerusalem (Palnews). Die seit längerer Zeit zwischen der Jewish ’Agency und Imperial Chemical Industries schwebenden Verhandlungen über eine Bewässerungsanleihe der I. C. I., für die Emeksiedlungen, führten im Laufe des Sommers zu dem Ergebnis, daß die I. C. I. für die Durchführung von Bohrarbeiten im Emek eine Anleihe von 35.000 Pfund gewährt. Diese Anleihe wird den beiden von der Jewish Agency neu gegründeten Wasscrvorsorgungegesellschaften „Emek“ (Kapital 10.000 Pfund) und „Gilboa“ (Kapital 5000 Pfund) zur Verfügung gestellt, die sie an die Siedlungen langfristig weitergeben. Die „Emek11 wird im wesentlichen Eraek (Nahalal, Merchavia, Misra, Balfouria usw.), die „Gilboa11 im östlichen (Ain Harod, Tel Joseph, Bet Alpha usw.) bohren. Als Gegenleistung für die Gewährung der Anleihe beziehen die Siedlungen I.-C.-I.-Dünger. Jude&ü.Jüd&duii* ln deutschen Briefen aus drei Jahrhunderten Herausgegeben von Franz Kobier Ein spannendes und belehrendes Dokumentenweik von hoher Aktualität / Umfang 4 6 Selten / Ganzleinenband S 12'd0 kaUoniert S 8'93 SATURN -VERLAG, WIEN, I. Aus London, 18. Dezember, wird uns gemeldet: In der Sitzung des Board of Deputies (Vertreterschaft. der englisch-jüdischen Gemeinden) erstattete dessen Präsident Neville Las k i den Bericht des vom Board und der Anglo-Jewish Association eingesetzten gemeinsamen Ausschusses zur Behandlung a u s w ä r i i g e r jüdischer Frag e n. Neville Laski führte aus: Die letzten Berichte aus Deutschland weisen auf keine Änderung d er Lage hin. In den großen Städten ist das Leben der Juden nur durch den Verkehr untereinander und die gegenseitige Unterstützung erträglicher; jüdische Schulen, Sportvereine und Arbeitsnachweise werden gegründet, die bestehenden Institutionen werden erweitert und gekräftigt. Im Ausland kennt man nicht ganz die wirklich gewaltige Anstrengung, die die deutschen Juden, eine Gemeinschait von einer halben Million Seelen, machen, um sich moralisch erhalten zu können. Materiell geht es immer mehr a bwär ts. Von wenigen jüdischen Firmen abgesehen, die vielleicht von der Herstellung von Material für militärische oder halbmilitärische Zwecke profitieren, geht es mit den anderen immer mehr abwärts. Aus Bankhäusern, Warenhäusern und anderen Wirtsebaftsinstitutionen werden die jüdischen Angestellten entlassen, die herangewachsene Arischer Geschäftsweiser In unserer letzten Ausgabe haben wir unter dem Titel „Antisemitismus li n d Geschäft“ eingehend über die Aktion des „Arischen Geschäftsweisers“ berichtet, der zum Zwecke des gemeinsamen Kampfes gegen jüdische Geschäftspraktiken und Anmaßungen“ im Auftrag einer anonymen völkischen Arbeitsgemeinschaft den antisemitischen Boykott, propagiert. Der Geschäftsweiser enhält lange Listen „arischer“ Firmen, Rechtsanwälte, Ärzte und Apotheker, aus denen wir einige mitgefceüt haben. Unsere Veröffentlichung hat in allen Wiener Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen, das sich in zahlreichen Zuschriften und telephonischen Anrufen äußert. Zahlreiche Leser fragen uns, wo der „Arische Gesc-häftsweiser“ zu erhalten ist. Hierauf geben wir bekannt, daß er in der „betont nationalen“ Buchhandlung R. L u c e k, Wien, I., Augustinerstraße 7, zu haben ist Auch aus dem Ausland sind uns Mitteilungen jüdischer Geschäftsleute zugegangen, die sich bei ihren Bestellungen genau nach dem Zeitweißer richten wollen. Wir nehmen an, daß die leitenden Behörden Österreichs die Situation erkennen werden. Eine Erklärung Wir erhalten die folgende Zuschrift: In dem „Arischen Geschäftsweiser“ ist unter „Rad/io“ auch die Firma Sykora Josef, Wien, II., Karmeliterplatz I, angeführt. Hiezu erhalten wir von der Firma „Allradio“ (Ing. Nissim Anavi, David Lehrer), Wien, II., Karmoliterplatz 1, die folgende Zuschrift: „In Ihrer Nummer vom 18. d. M. führen Sie unter einer Aufstellung arischer Geschäfte auch das Radiogoschäft Sykona, Wien, 1I„ Karmelitorplatz Nr. 1, an. — Da unser Herr Lehrer das Geschäft bereits vor acht Monaten übernommen hat und somit die beiden derzeitigen Besitzer dieses Geschäftes Juden sind, würden wir Sie höfl. ersuchen, dies ehern ögliohst offiziell riohtigziintellon. — Wir danken Ihijen im voraus bestens und zeichnen liocliachtungsvoll „ALLRADIO“ Lehrer m. p.“ * In einer weiteren Zuschrift an uns heißt es. Mit welcher Berechtigung diese Gesellschaft von jüdischer Ausbeutung spricht, gebt daraus hervor, daß jenen Kunden, die sich als Arier ausweisen, Preisnachlässe gewährt werden. Preisnachlässe sind nur dann möglich, wenn dieallgomein verlangten Preise mehr als den bürgerlichen Nutzen enthalten. jüdische Jugend hat überhaupt keine Aussicht auf eine berufliche Karriere. Mit Ausnahme einiger jüdischen Ärzte und Anwälte, auf die der Arierparagraph keine Anwendung findet, sind sämtliche jüdischen Angehörigen der freien Berufe aus ihrer Arbeitsstätte hinausgeworfen worden. Die Zahl jener Juden, die noch über nennenswerte Geldmittel verfügen, ist äußerst beschränkt. Laski kani auch auf die Saarfrage zu sprechen und erklärte, der Board of Deputies habe andauernd versucht, der englischen Regierung und dem Dreierkomitee die Notwendigkeit darzutun, daß Maßnahmen ztrm Schutz clor Angehörigen aller Rassen und Religionen an der Saar getroffen werden müssen. Dieser Schutz wurde für ein Jahr gewährt, was natürlich durchaus nicht genügt. Von der Saarfrage hängt der Friede Europas ab. Es ging ein Aufatmen durch die Welt, als Frankreich und Deutschland sich verständigten. Was Österreich betrifft, so bin ich, sagte Laski, autorisiert zu erklären, daß dort Zeichen einer Besserung In der Tendenz der Regierung gegenüber den Juden bestehen und daß im Augenblick dort die jüdische Situation in einem günstigeren Licht erscheint. Welche Echtheit und Reinheit des Gedankenkreises bei manchen der angekündigten arischen Firmen vorliegt, geht zum Beispiel daraus hervor, daß der „Lindenkeller“, I„ Rotenturmstraße, sich a.Ls arischo Firma im Geschäftsweiser anpreist, gleichzeitig aber auch in der jüdischen Presse mit der Bemerkung annonciert, daß täglich frische Gansbügel und Ritschert dort zu haben sind. (Die „Stimme“ hat das bezügliche Inserat bereits zurückgewiesen.) Auch der „Herrnhuter“, die „Paradiesbetten“, Hans Schoiswohl, Spitzhüttl usw. verabsäumen es nicht, in den meist von Juden gelesenen Tagesblättern ihre Artikel anzupreisen. Charakteristisch ist auch der Umstand, daß in dem Verzeichnis die arischen Firmen und Erwerbsunternohmer (auch Advokaten, Apotheken usw.) des 2. und 20. B e z i rk e s so gut wie gar nicht, Vorkommen. Dort, wo man sich durch die Annoncierung schaden könnte, wird dies wohlweislich unterlassen. So kommt es, daß in dem Gesohäftsweiser die annoncierten Geschäfte meist aus jenen Bezirken stammen, welche wenig von Juden bewohnt werden. Die Wirkung der neuen Gewerbeordnung in Österreich ln Wien gibt es etwa 1500 Ratewhändler, die allein im Bekleidungs- und Textilien- Vertrieb rund 7000 Ratenagenten beschäftigen, daneben weitere 3000 Agenten ira Vertrieb von Beleuchtungskörpern, Nähmaschinen, Radioapparaten usw., und eine entsprechende Anzahl von Büroangestellten. Allo diese Existenzen, von denen mehr als 90 Prozent jüdische sind, sind jetzt infolge der Gewerbeordnung der wirtsohaftiiohen Vernichtung preißgegoben. Die Grundlage des Ratenhandels war und ist seit jeher daß persönliche Aufsuehen der Kundschaft. Die neuo Gewerbeordnung verbietet mm das Kunden-Auf suchen. Verboten ist aber auch die Entgegennahme von Bestellungen gelegentlich deß Inkassos oder irgend eines sonstigen Besuches. Verboten .ist <lio Zurücklassung von Druckfiorten, mittete welcher die Kundschaft schriftliche Bestellungen machen eeilte. Das Gesetz wird äußerst scharf gehandhabt. Tausende Menschen, die schon viele Jahre Agenten sind, stehen plötzlich vor dem Nichte. Im Reichßverband der kreditgebenden Kaufleuto .spielen sich täglich erschütternde Szenen ab. Herr Habermann kennt sich aus Ein Beitrag zur Boykottpropaganda. In unserer letzten Nummer schrieben wir, daß in Wien eine systematische Boykot t p r o p ag a n da gegen jüdische Geschäfte im Gang ist, und wir haben dies ausreichend belegt. In den Kreis derer, dio aus der antijüdischen Propaganda ein Geschäft machen wollen, gehört auch Herr Leo Habermann, Wien, X„ Riepelstraße Nr. 2, der in der Druckerei Karl Nakladal, Wien, I., Ebendorferstraße 11, eine Flugschrift herstellt: „Kenn dich aus... beim Einkauf in der Mariahilferstraße.“ Über diese getarnte Nazipropaganda haben wir bereits in unserer Nr. 397 vom 2. November berichtet. Habermann stellt die Mariahilferstraße schematisch dar und führt bei jeder Hausnummer die in dem betreffenden Haus etablierten Firmen an. Die arischen Firmen sind schwarz gedruckt, während die jüdischen Firmen rot gedruckt sind. Bei gomischtem Besitz ist dem Namen ein roter Punkt vorgesotzt.. Beim Erscheinen des ersten Teiles, der die Mariahilferstraße bis zur Neubaugasse zum Inhalt hatte, haben wir darauf hingewiesen, daß es sich hier um eine Methode handelt, die bei den Nationalsozialisten in Deutschland gebräuchlich ist, uni den Boykott jüdischer Geschäfte durchzuführen. Nunmehr hat Herr Habermann ein zweites Heft herausgegeben, das sämtliche Geschäfte in der Mariahilferstraße von der Neubaugasse bis zum Mariahilfergürtel nach der bisherigen Methode verzeichnet. Es sind also die arischen Geschäfte schwarz und die jüdischen rot gedruckt angegeben. Für Herrn Habermann ist die Z i v n o s t e n s k ä b a n k ä und die Länderbank jüdischer Besitz und daher rot gedruckt. Da aber bekanntermaßen zwischen nationalsozialistischer Betätigung und Geschäft sehr enge Beziehungen bestehen, hat Herr Häberraaim auch Inserate akquiriert. Die Inhaber der inserierenden Firmen legen also augenscheinlich Wert darauf, daß zu ihnen, nur arische Kundschaftein kommen und verzichten auf jüdische Kundschaften. Es haben folgende Firmen inseriert: Kleinlerche r, „zum Tirole r“? Wien, VII., Zieglergasse 1; „R a d i o p h o n“, Wien, XV., Mariahilferstraße 145, und VI., Guinpendorferstraße 86; Taschner Jilka, Wien, VI., Amerlingstraße 8; II a f n o r, Schuhe, Wien, VI., Sturapergasse 30; Philipp Menning, Wien, XV., Mariahilferstraße 170; Löwen-Drogerie, Schawerda, Wien, XV., Mariahilferstraße 144; Oskar Schmidt, Huterzeuger, Wien, XV., Mariahilferstraße 162; Leinen Urban, Wien, VII., Zieglergasse 12; Blumonhaus Dominik Asenb a u e r, Wien, XV., Mariahilferstraße 148; Schopp, Wien, VII., Mariahilferstraße Nr. 54; Maria Nadler, Wien, XV., Mariahilfer-* Straße 164; O. N a c h 1, Wien, XV., Mariahilferstraße Nr. 185; Heinrich V a i h i n g o r s Wwe., Wien, XV., Marlahilferstraßo 193; O r i g i n a 1 - II u fc k ö n i g i u, Inh. Toni H e i n z e 1, Wien, VI., Webgasso 43; A. Ri p k a, Wien, VI., Mariahilferstraße Nr. 118; Buchhandlung Friedrich Schalk, Wien, VI., Mariahilferstraße 97; Helene Sehcrkl, Wien, VII., Mariahilferstraße 66; Damenmoden Conrad Czikann & Co„ Wien, VII., Mariahilferstraße 84. Wir möchten auch bei dieser Gelegenheit die Regierung fragen, ob sie gewillt ist, diese Propaganda nach nationalsozialistischem Muster weiter zu dulden und ob sie es nicht Klub ER£Z 1SUAEC Montag, 31. Dezember, 7.9 Uhr abends, Festsaal des Hotel Continental, ll,,Taborstr. 4 Abend jüdischer Literatur und Kunst