Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 410 (18.12.1934)
- Date
- 1934-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 DIE STIMME Nr. 410 — IS. Dezember 1034 1 ..in—jwwww mma Aus der arabischen Presse Aus dem Dritten Reich .,F e 1 es t i n“ polemisiert gegen S-okolow, dar gesagt ba.be, Palästina habe die Größe von Belgien und könne ebenso wie Belgien 7.000.000 Menschen auf nehmen. Das i«t unrichtig, da Palästina nicht, dieselben Ressourcen hat wie Belgien. Es habe keine solche Industrie wie. Belgien und auch keine Kohlengruben. Es sei wohl richtig, daß in Belgien Menschen, die zwei verschiedene Sprachen sprechen und verschiedenen Völkern angeboren, wohnen; aber zwischen diesen Völkern gebe es keine solche Differenz wie in Palästina. „M a r a t a. I S h a r k“ schreibt auf Grund einer Ermächtigeng von Naehashiibi, es sei unrichtig, daß dieser versucht habe mit dem Mufti Frieden zu schließen, um nochmals Bürgermeister von Jerusalem zu werden. Va.shashibi wurde die Hilfe des Mufti nicht einmal in Anspruch neUmou, wenn er durch ihn König von Palästina werden könnte. ..Al Dafa“ berichtet, daß Araber, die hervorragende Stellen in der nationalen Bewegung einnehmen, gerade da-bei sind, große Bo lenüächen in der Nähe von Haifa an die Juden zu verkaufen. Die Zeitung droht mit der Veröffentlichung der Namen, wenn die Verkaufsverhandlungen nicht sofort eingestellt werden. ..F e 1 e s t i n“ behauptet, der Highcommisfcioner sei mit der Mitteilung aus England zurückgekehrt, daß er nicht mehr die Berechtigung habe, die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes festzustelleu. uni daß seine Vorschläge zur Bildung des Gesetzgebenden Rates in London abgelehnt worden seien. So komme cs. daß weitere 10.000 Zertifikate den Juden ausgefolgt werden. ,,A} J a m a a 1 I s 1 a m“ kritisiert die aralbißchen Führer, die für ihr Volk nichts tun und nach den Vorschriften der mohammedanischen Religion eigentlich lebendig begraben werden müssen. Die Führer tun nichts, um die Einwanderung und die Landkäufe der Juden au verhindern. Die Führer sollten sich entscheiden und entweder für ihr Volk arbeiten oder verschwinden. Das Defizit Transjordaniens Jerusalem (Palcor). Bei der letzten Tagung des Parlamente in Amman wurde das neue Budget für Trans* Jordanien für das nächste Jahr bestimmt. Das angenommene Budget beträgt 361.214 Pfund Sterling und sieht ein Defizit in der Höhe von 24.000 Pfund Sterling vor. (Man vergleiche damit den kolossalen Budgetüberschuß Palästinas, eine Folge der jüdischen Einwanderung. Die Red.) Die Zltrusverschiffungen Jaffa (Palnews). Vom Beginn der Saison bis zu der am 25. November endigenden Woche wurden über Jaffa, Haifa und Port Said insgesamt 322.681 Kisten Citrusfrüchte versandt, davon über Jaffa 212,403 Kisten, über H a if a 36.150 Kisten, über P o r t - S a i d 74.128 Kisten. Zehntes Doktorat eines New Yorker hebräischen Lehrers Der Lehrer an den hebräischen Schulen New Yorks Dr. Hirsch Löb Gordon, hat auf Grund einer Dissertation über das Thema „Medizin im Talmud“ das medizinische Doktorat der Universität Rom erworben. Damit hat Dr, Gordon sein zehntes Doktordiplom erlangt. Die Zeitungen befassen sich eingehend mit diesem ungewöhnlichen „Rekord11 Dr. Gordons, der früher in New York, Paris und Berlin studiert hat, von wo er mch der politischen Neuordnung zur Fortsetzung seiner medizinischen Studien nach Rom kam. Gegen die jüdischen Rechts• anwälte In der Berliner „Deutschen Justiz“ vom 30. November 1934 findet sich als Zitat aus dem ..Völkischen Beobachter" eine Mitteilung über die ..Zentralstelle für Internationales Rcc h t“, in der es heißt: „Sie soll im Zusammenwirken mit den r e i e h s d e u t s e h e n R e c htsanw ä 1t en im d W i r t s o h a f t s r o c h 11 c r n die Rechts- und Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands zu den anderen Völkern, vorerst insbesondere zu den ost- und südosteuropäischen Ländern, durch Beratung und Begutachtung beim Ausbau der alten und bei der Anbahnung vun neuen Geschäftsbezichungeu regeln. Der S u bstitutionsverkchr der reichsdeutsehen Anwaltschaft mit der arischen Anwaltschaft der ost- und siidosteuropäischen Länder wird von der Zentralstelle für internationales Recht oinhoitlich geleitet werden ... Die Tätigkeit dieser Zentralstelle erstreckt sich zunächst auf dio Beziehungen Deutschlands zu den ost- und südosteuropäischen Staaten, namentlich zu Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Sie soll nach und nach auf alle Staaten ausgedehnt werden.“ Dazu bemerkt die „Jüdische Rundschau“: ,Eö wird nicht überall verstanden werden, daß die Zentralstelle anscheinend den Ausschluß der nichtarischeu Anwaltschaft in den ost- und südosteuropäischen Staaten anstrebt; denn in dieser Anwaltschaft befinden sich zahlreiche fähige und insbesondere auch der deutschen Sprache mächtige Advokaten.“ Der Terror in Deutschland Hildesheim, 13. Dezember. (55. T. A.) In einer stark besuchten öffentlichen Versammlung der NS*Hago gab der NS-Hagö- Kreisamtsleiter Schlotter die Namen von zwei Einwohnern Hildesheims bekannt, die beim Einkauf Fremdrassigen vor Deutschen den Vorzug gegeben hätten. Der Hauptredner des Abends, stellvertretender Gauleiter Holz (Nürnberg), erklärte, derartige Namensveröffentlichungen seien sehr zu begrüßen, und regte die Auflegung von Listen an. Die Handwerkskammer Bielefeld hat an alle Kreishandwerksmeister ihres Bezirkes ein Schreiben versandt, worin in sehr scharfer Form dagegen Stellung genommen wird, daß Handwerksmeister bei Juden kaufen. In dem Zirkularsohreiben heißt es: „Meister, jagt eure Frauen aus dem Hause, wenn sie gedankenlos beim Juden kaufen. Angestellte der handwerklichen Organisationen, die beim Juden kaufen, sind sofort zu entlassen.“ Im Rathaus Berlin-Charlottenburg ist ein Plakat der NSG. „Kraft durch Freude“ ausgehängt; darüber ist ein gelber auffallender Zettel geklebt, auf dem in Fettdruck zu lesen ist: „Juden sind hier unerwünscht und überflüssig! Juden wollen die Vernichtung der deutschen Rasse! Juden sind die Befürworter der Rassenschande! Juden sind die Blutsauger und Würger der deutschen Arbeiter! Juden sind die Schänder der deutschen Mädchen und Frauen! Juden sind die Sc huldigen der vielen Krioge! Juden sind dio Schuldigen des deutschen Unglücks! Drum fort init allem Jndengemausehol!“ Hitlers „Mein Kampf“ in Polen freigegeben Hitlers „Mein Kampf“, der bisher in Polen verboten war, ist auf Grund de« jüngsten deutsch-polnischen Prcsse-abkömmens freigegoben worden. 30.000 Auslandsjuden müssen Deutschland verlassen; Tn einer Veranstaltung des Zentralausechusses dm* deutschen Juden, die am 10. rls. in Berlin stattfand. teilte Doktor B r o d n i t z mit: Die Zentraletolle für jüdische Wanderfürsorge wurde allein von 18.000 Rii c k w a n d e r e r n in Anspruch genommen, so daß man mit einer It ii c kw a n de r u n g v o n i n s g c s a rn t 30.000 J u d e n, dio zum großen Teil viele Jahre lang in Deutschland ansässig waren, in ihre Heimatländer rechnen kann. Für alle Arbeiten des Zentrafausrichusses sei der Grundsatz konstruktiver Hilfe maßgebend. Dies komme besonders in der Berut'sum- «chichtung zum Ausdruck, die derzeit, über 6000 Menschen erfaßt habe, von denen 57 Prozent in handwerklicher und 43 Prozent in landwirtschaftlicher Umschulung stehen. Zuletzt schilderte Dr. Broduitz dio kulturellen Aufgaben des Zentralnusschusses, insbesondere auf dem Gebiet der j li d isehen Schule, die bereits oin Drittel der gesamten jüdischen Schuljugend, etwa 20.000 Schüler, erfaßt habe. Wozu Richard Strauß Goebbels gratuliert Berlin, 11. Dezember. (2. T. A.) Der Präsident der Rciehsmusikkammer, Dr. Ri.ba.rd Strauß sandte aus Holland, wo er eine Konzertreise absolviert, an Reichsmini'Ster Dr. Goebbels folgendes Telegramm: „Zur großartigen Kulturrede sende herzlichsten Glückwunsch und begeisterter Zustimmung. In treuer Verehrung. Heil Hitler! Gez. Dr. Richard Strauß.“ Die „Kulturrede“ Goebbels gipfelte in dem Satz: „Wir verwahren uns auf das energischeste, diesen Künstlertypus als deutsch angesprochen zu sehen und buchen die Tatsache seines blutmäßig rein germanischen Ursprungs nur als drastischen Beweis dafür, wie tief sich die jüdisch-intellektualißtisobe Infizierung bereits im deutschen •Volkskörper festgefressen hat.“ Kinoprogramme derWodie KREUZ-KINO yTÄ Vom 18. bis 20. Dezember Banditenfiberfall in Kentucky Beginn: 4. •/.«, '.,8. *..10 Uhr leopouutfidier i/olksHino;.“ä " Vom 18. bis 20. Dezember Maskerade Wochentag 7,8. */«8, 7,10 Uhr, Sonn- und feiertags 7,4 Uhi ffHÜEEED HINfl V!., MartehHfer8teät}737 jUlHlTLrrlllllU Telephon 13 20-203 Vom 18. bis 20. Dezember Amerikanische Tragödie Boginu : '/*4, '/J5. \8, 1 »10 Uhr icnottenfelder-Kino Telephonat^O-si*10^0 Nr‘ Vom 18, bis 20. Dezember Heute Kocht Del mir mit PAUL HORBIQER und JENNY JUGO (FOX-FILM) Beginn wochentags! 7*6, 7 und 0. Sonn- und foiortag«! 7*4, 4, 7,8. 7*8. 0 Uhr. jAUe&s&tvdca da Tana Ein deutscher Emigrant berichtete, dem „Israelitischen FamilienblaU“ aus Mailand: Ich wohne bei, einer Milaneser Familie, die kein Wort Deutsch versteht. Wir unterhalten uns italienisch. Signorina die Tochter des Hauses, eine sehr lebhafte Jüdin, nimmt mich am Neujahrsabend mit in den Tempel. Was für ein Prachtbau! Im Innern umfängt mich Feierlichkeit, hier fühle ich mich geborgen. Säulen aus weißem und grauem Marmor, die Wände schimmern rötlich, bunt gemalt die Fenster. Die Frauenempore breit und luftig. Den rolausgeschlagenen Almemor umgibt eine Flut von Lieht, hunderte von Kerzen werfen einen Widerschein auf den weißseidenen Vorhang des Allerheiligsten. Ich werfe einen Blich in das Schiff, die Abteilung der Männer: Alle und Junge in Straßenhüten (Zylinder werden hier nicht getragen), Offiziere in der kleidsamen weißen Uniform der Marine, andere im graugrünen Rock des Landheeres. Junge Männer mit Schildmützen, Gesichter wie man sie in einem Restaurant, auf der Straße, sehen kann. Ein lebhaftes Gestikulieren, Händedrücken — die Offiziere salutieren. Lautlose Stille. Allesandro da Fatio, Oberrabiner von Mailand, ist eingetreten. Tief beugen sich die beiden amtierenden Rabbiner. Ilochaufgerichtet, prophetengleich, steht er da, der 87jährige Greis, in weiße Seide und Gold gehüllt. Der Gottesdienst beginnt. IT7as ist es, das mich so ergreift? Ist es der herrliche Gesang des Kantors, sind es die unsichtbaren Männerchöre, diese vollen, satten Stimmen? Ist es die Weihe des Augenblicks, als da Fano sich tief vor der Bundeslade verneigt oder wie ein uralter Weiser vor der Gemeinde steht und betet? — Ich weine, denke an Deutschland, an die Mutter, den toten Vater... Der Gottesdienst ist beendet. Wie Im Traum sehe ich etwas Wunderbares. Einige. Offiziere gehen hinauf zu da Fano; der erste* ein schöner junger Mensch, beugt tief das Haupt, der Greis berührt es, segnet’ die junge Stirn, die Kokarde an der Mütze. Ehrfurchtsvoll küßt der Mann die segnende Hand. So die andern, alle, die zu ihm kommen, segnet der große da Fano, alle beugen sich über die Greisenhand. Ich bitte Signorina P., mich zu ihm zu führen. Sein graues Auge ruht auf uns, meine Begleiterin flüstert: „Ebrea tedesca“ (deutsche Jüdin). Er berührt meine Stirn — ich beuge mich tief... Ich komme mir gefeit gegen jede Gefahr vor. Allesandro da Fano hat mich gesegnet. Ue-iUce*. Ein Engländer, der das erstemal vor dem Gerichtshof Clcrkenwell County erschien, hatte den Eid zu leisten und setzte sich dabei seinen Hut auf. Der Richter fragte ihn.: „Sind Sie Jude?“ Als der Mann das verneinte, sagte der Richter: „Dann nehmen Sie wieder den Hut herunter. Nur die Juden haben das Vorrecht mit bedecktem Haupt den Eid zu leisten. Ich gebe Ihnen aber den guten Rat nicht zu sehr begierig darauf zu sein Jude zu werden. Die Juden sind genügend mit Sorgen eingedeckt.“ (Aus „Daily Minor“.) =1: Der berühmte amerikanisch-jüdische Komiker Eddie Cantor wurde gefragt, ob er nicht die Absicht habe, Deutschland zu besuchen. Er anwortete: „Ich habe keinen derartigen Wunsch, dio Deutschen, die mein Volk weinen machen, zum Lachen zu bringen.“ (Aus „News Chronicle“.) Zionistische Bezirkssektion Döbling. XIX,, Caf6 Döblingerhof. Blllrothstrafte 49 Erste Vorführung des Paltfstlna«Pi!mes „PALÄSTINA 1934“ von Dr. Philipp Rexek Dienstag, den 18. Dezember, 8 Uhr abtnefs« Im Pistiaal« des Casino ZögernIIz( XIX., Döblinger HauptstraAe 78 Begleitworte von Dr» Rezek Karten zum Preise von S —,80 bis 1'30 bei den Funktionären der Sektion, Ftau Dr. Bleier, Tel. B 14-4-72, zwischen 2 und 4 Uhr nacl m., im Casino Zögernitz, Tel. B14 4-86, und an der Abendkassa erhältlich. Zusammenkünfte dor Mitglieder der Zionistischen Bezirkssektion Döbling und Vorträge jeden ersten und dritten Dienstag im Monat im Cafe Döblingorhof. Anmeldung bei Dir. 8. Altmann, Tel. B 11-1-00. Turnverein Makkabi mit fachmännischer Leitung. Turnplatz: Volksschule Silbergasso 4. Tumzoiten: Jeden Montag und Mittwoch. — Knaben von ß bis 6 Uhr, 'ögllngo von 6 bis 7 Uhr, Damen von 7 bi« 8 Ubr, Herren von 8 bis 0 Uhr abends. — Monatsbeltrag für 8 Stunden 8 3*—-.