Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 410 (18.12.1934)
- Date
- 1934-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054165--4709-3060358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 41Ö - 18. Dezember 1084 DIC STIMM! Sette 3 Jabotinsky über die Friedensaktion daraale will ich in diesem Zusammenhänge nicht sprechen. * Siüstria und Saargebiet! Die Parallele ist augenscheinlich. Warum soll im Saargebiet nicht möglich sein, was in Silistria geschichtliche Tatsache war? Warum soll der offizielle Völkerbund nicht das gleiche fordern und erreichen, was 1913 das nichtorganisierte europäische Gewissen gefordert und erreicht hat? Warum sollen die im Augenblick noch freien jüdischen Bürger des Saargebietes ihre Heimat verlassen müssen, wenn sie die Schmach der nach einem Jahre ihnen drohenden Diffamierung nicht über sich ergehen lassen wollen? Warum soll der Bund der Völker die Scheu haben, ein Machtwort zu sprechen, welches ihm nach dem Vertrag von Vereai 11 es zusteht, und warum schiebt man bei jeder Gelegenheit da« scheinheilige Prinzip der Nichteinmengung in die internen Angelegenheiten der Staaten vor, wo doch in früheren Zeitläuften das europäische Gewissen Beweise von der Geltung höherer Prinzipien oft genug erbracht hat? * Warum? Weil Europa in der Nachkriegszeit in seiner kulturellen Entwicklung um mehr als ein Jahrhundert zurückgeworfen wurde. Der deutsche Nationalsozialismus ißt wie eine Krankheit über die Welt gekommen. Der vielgeschmähte Liberalismus brachte der Menschheit eine Periode höchster Blüte. Seine edelste Frucht war das europäische Gewissen, welches mit der feinen Empfindlichkeit eines Seismographen auf jede Erschütterung in der Moral der Menschheit reagiert hat. Heute darf sich mittelalterlicher Barbarismus im Herzen von Europa etablieren, und weit und breit ist kein Zeichen einer öffentlichen Entrüstung zu merken. Die Majestät des Völkerbundes hüllt sich in ihre Toga, um nicht zu sehen, was noch vor kaum einem Menschenalter die Welt mit Schrecken und Empörung erfüllt ibätte. Polen- Weihnachtsreise Abfahrt 20, und 23. Dez. 1934 Vormittag Rückkehr 6. Jänner 1935 Besonders billig — bequem — bewährte Führung. Anmeldungen, Auskünfte: Poln.Verkehrebüro „Francopol“ (Gebäude d. Poln. Konsulats) Wien, III. Rennureg I. T. U16-4-90 Häufige Abkürzungen Emigdirect (Emigrations-Direktorium), gegründet 1921, Vereinigtes Komitee für jüdische Auswanderung, zunächst für russische Juden, später durch Landeskomitees in verschiedenen Ländern als Wanderer-Schutzgesellschaft tätig, seit 1927 Arbeitsgemeinschaft mit Hicem. Hias (Hebreco Sheltering and Immi- ’grant Aid Society), jüdische Einwanderungs-Hilfsorganisation Amerikas, gegründet 1888 in New York, zunächst nur für jüdische Einwanderer aus Osteuropa, hat in Verbindung mit Hicem die Hilfstätigkeit auch auf andere Einwanderungsländer ausgedehnt Hicem, Emigrationsvereinigung der beiden Gesellschaften Hias und lea, gegründet '1927, Sitz: Paris. Zweck: Planwirtschaftliche Regelung der Auswanderung von Juden, wirtschaftliche Betreuung der jüdischen Einwanderer in den Bestimmungsländern. Ort (Obschtschestwo raprostramenja truda), Gesellschaft zur Förderung des Handwerks, der Industrie und der Landwirtschaft unter den Juden, gegründet 1880 in Rußland, besteht seit 1920 als „Ort,(-Verband mit Landesorganisationen in Polen, Rußland, Rumänien, Litauen, Lettland, Deutschland, Frankreich, USA, und Kanada. Arbeitsgebiete: fachl. Ausbildung und Versorgung jüdischer Handwerker mit Maschinen, Rohstoffen und Werkzeugen, Betreuung landwirtschaftlicher Siedlungen usw. Ose (Organisatia Sanitaria Eugenica), Gesellschaften für Gesundheitsschutz der Juden in Osteuropa, gegründet 1912 in Petersburg zur Bekämpfung der durch wirtschaftliche und politische Verhältnisse hervorgerufenen körperlichen Degeneration der Juden. Zentralsitz: Paris. Filialen in Polen, Amerika, Danzig, Deutschland, Frankreich, England, Polen. Ose für Polen — Toz (To- Aohmn toteiafaab Paris, 14. Dezember. In Beantwortung einiger vom ITA-Vertreter an ihn gestellter Fragen erklärte Jabotinsky u. a.: Da die Verhandlungen vertraulich s’rnd, kann ich nur wenig erzählen. Eigentlich gibt es nur ein konkretes Resultat: „Übereinkommen Nr. 1“, betreffend Abstellung von Braohialmethoden, wie von unwürdigen Kampfmethoden überhaupt. Das Übereinkommen wurde im Namen der Zionistischen Organisation und der revisionistischen Union veröffentlicht, die Revisionisten haben es bereits ratifiziert und zum „Gesetz der Union“ erklärt; ähnliche Verordnungen erließen Brith Trumpeldor und Brith Hechajol. Die nichtrevisionistischen Parteien und Gruppen haben bisher das Abkommen nicht ratifiziert. In London wurden ferner zwei Übereinkommen unterzeichnet: „Übereinkommen Nr. 2“ schafft einen gewissen Modus vivendi zwischen den beiden Gewerkschaften in Palästina. Die ,,nationale“ (revisionistische) Gewerkschaft hat es bereits ratifiziert, die „allgemeine“, die alte Histadruth, wird sich mit ihm einige Wochen später in einer speziellen Konferenz befassen. Es gibt weiters ein provisorisches Abkommen, eine Art fait de non-agrement zur Schaffung einer günstigeren Atmosphäre für die Verhandlungen über den Hauptpunkt: Schaffung einer Vereinigten Front in der zionistischen Politik nach außen, sowie einer vereinigten Aufbaufront nach innen. Hier ist es zu einem Ausgleich noch nicht gekommen. Um diesen „Hauptpunkt“ eben muß erst verhandelt werden. Um aber ein solches Ziel psychologisch möglich zu machen, muß man vorher die „Repressalien“ von beiden Seiten, die zu so viel Verärgerung Anlaß waren, abschaffen: von einer Seite die Verordnung betreffend die Alider anderen Seite den Boykott der nationalen Fonds. In London wurde beschlossen, diese beiderseitigen Repressalien für die Zeit der Verhandlungen auszu- ■schalten. Auch Brith Trumpeldor stellte seine politische Aktion gegen das Zertifikat-Monopol der Jewish Agency für die Dauer der Verhandlungen um den „Hauptpunkt“ ein. Dies der Inhalt des „Übereinkommens Nr. 3“. Ich hoffe, daß es bald veröffentlicht wird. Die Veröffentlichung hängt von Ruthenberg ab; er wird nach Erhalt der „Ratifikationen“ eine offizielle Erklärung hera/usgeben. Was den „Hauptpunkt“, die Schaffung einer vereinigten zionistischen Front betrifft, so ist das, was bis jetzt hierüber in Zeitungen veröffentlicht wurde, nichts als närrisches Gerede. Mit törichten Gerüchten stört man nur die Aktion. Ich bin überzeugt, daß die Arbeiterpartei keinem Übereinkommen zustimmen wird, daß ihre Prinzipien verletzt; ich wiederum kann garantieren, daß die Revisionisten so etwas ebenfalls nicht tun werden. Eine Auffassung von „Disziplin“ also, wie sie vom Prager Kongreß formuliert worden war, muß ebenso aufgegeben werden, wie die erwähnten müßigen Träumereien. Ist auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden, so wird man vielleicht auch hier, auf dem Boden der großen zionistischen Probleme, einen Modus vivendi finden. Ich persönlich glaube an eine solche Möglichkeit, und wir Revisionisten werden uns ernstlich um einen modus vivendi bemühen. Ob die Verhandlungen fortgesetzt werden? Ich hoffe ee. Jetzt aber, wo man an die größeren Probleme herangeht — hohe Politik, Gefahr des Legislative Council, Petitionsbewegung, nationale Arbitrage usw. usw. — reicht eine Aussprache zu zweit nicht mehr aus; jetzt müssen alle Parteien zu einer Round Table-Konferenz zusammenberufen werden, Angebot erheblich steigert und der Preis« ßtan-d entsprechend herabgedrückt wird. Auch ist auf die Dauer auf diesen Gebieten mit einer stärkeren arabischen Konkurrenzroduktion zu rechnen. Auch sieht Wdlansky in einem übermäßig hohen Zollsohut-z, der die Lebcnsmittelprefee allzustark über das Weltmarktniveau und das Niveau der Nachbarländer erhebt, keine erstrebenswerte Lösung. Insoweit also nicht Monopol Produkte für den Weltmarkt kultiviert werden, dürften sich daher kleine, möglichst autark organisierte Mosaikwirtschaften, die sich in erster Linie selbst versorgen und nur eine geringe Verkaufproduktion an den Markt bringen, als die gesündesten und krisenfestesten erweisen. Derartige Betriebe könnten in ihrer größeren Unabhängigkeit vom Markt und den Unabsehbarkeiten seiner Entwicklung zu Zehntausenden existieren und eine breite landwirtschaftliche Siedlungsbasis bilden. Hannes-Sdinelder- Cord schneedicht, glattgeschoren, unzerreißbar. Das unübertroffene heimische Qualitätserzeugnis. Skianzüge daraus für Damen und Herren in zweckentsprechender und eleganter Ausführung bei Schneider JOSEF HOROWITZ Wien, i., Graben 29 (Trattnerhof 1), I. Stock. Telephon U 24-607 Der Telegrammverkehr in hebräischen Lettern in Palä* stina Jerusalem, 16. Dezember. (2. T. A.) Für den Telegrammverkehr in hebräischen Lettern, der vom 1. Jänner 1935 an in Palästina aufgenommen wird, sind vorläufig folgende Postämter zugelassen: Afuleih, Athlith, Benjamina, En Charod, Chedera, Herzlia, Karkur, Kfar Saba, Metulla, Nahalal, Nathania, Bardees Ohanna, Petaeh Tikwah, Ra’anana, Ramath Gan, Rechen woth, Rischon le Zion, Rosch Pina, Tel- Aviv, Jawnel und Sichron Jacob. Der Luftverkehr in und nach Palästina London, 13. Dezemiber. (2. T. A.) Im Unterhaus richtete der Abgeordnete Barnett Jänner an den Minister für die Kolonien die Frage, ob die Palästinaregie« rang schon in der Lage gewesen sei, sich’ mit den Gutachten der Fachleute, betreffend die Anlegung neuer Flughäfen ih Palästina zu befassen, und zu welchem Zeitpunkt er glaube, daß die Errichtung nicht nur eines Flughafens für den internationalen Verkehr in besserer Lage als der gegenwärtige in Gaza, sondern auch von Flugfeldern für den hmerpalästinensisohen Dienst bei den Hauptzentren des Landes, wie Tel-Aviv, Haifa und Jerusalem, in Angriff genommen werden würde. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete, daß die Angelegenheit noch dem Oberkommissar für Palästina zur Erwägung vorliege. Die schwedische Kronprinzen* Familie in Palästina Am ’ll. Dezember traf der schwedische Kronprinz mit Familie in Jerusalem ein. Die Kronprimzenfamilie besuchte mehrere jüdische Kolonien und wohnte zwei Vorstellungen des hebräischen Theaters Habimah bei. Jüdische Schlffakrtsllnle nach Pa• lästlna Berlin, 10. Dezember. (2. T. Ä.) Unter dem Namen Palestine Shipping Co. Ltd. ist mit Unterstützung der Arnold-Bernstein-Linie in Hamburg eine jüdische Schiffahrtslinie mit dem Sitz in Haifa gegründet worden. Die erste Fahrt des 10.000 Tonnen umfassenden Schiffes „Tel-Aviv“ beginnt ab Hamburg am 26. Jänner 1935. Irt Genua wird am 13. Februar der Flaggenwechsel diese« Schiffes und die Übernahme des Schiffes durch die Palestine Shipping Co. erfolgen. Der Dampfer wird regelmäßig zwischen Triest und Haifa zweimal monatlich verkehren. Er hat nur eine Einheitskabinenklasse und ist für die Erfordernisse des allergrößten Komforts eingerichtet. Der fahrplanmäßige Verkehr wird am 13. März von Triest, am 21. März von Haifa aus aufgenommen. Die Dauer der Überfahrt beträgt fünf Tage, jah-Zertifikate des Bethar, von Entwicklunssaussiditen des jüdischen Siedlungswesens Angesichts der Bedeutung des jüdischen Siedlungswesens für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes nahm der Vertreter von „Palnews“ Gelegenheit, mit dem Direktor der landwirtschaftlichen Versuchsstation Rechoboth, Herrn W i 1k a n s k y, über diie wichtigsten Siedlungsprobleme zu sprechen, wobei folgende Fragen im Vordergrund standen: Die Produktionskosten der jüdischen Landwirtschaft. Herr Wilkansky legte dar, daß zunächst der Lebensmittelstandard des jüdischen Siedlers nicht unter ein bestimmtes Niveau sinken dürfe, wenn man nicht Gefahr laufen wolle, daß — wenn nicht in der ersten Generation, so doch in der zweiten eine Abwanderung aus der Landwirtschaft einsetzt. Wenn die städtischen Berufe einen höheren Lebensstandard vermitteln als er für den Bauern erreichbar ist, wird es auf die Dauer nicht möglich sein, die Menschen in der Landwirtschaft zu halten. Wilkansky sieht neben der Selbstversorgung in einem Netfcogeldeinkommen von 80 Pfund das Minimajleinkoanmen eines landwirtschaftlichen Betriebes. Einzelwirtschaften auf autarker Grundlage. olange die Weltagrarkriiee nicht überwunden ist und die jüdische Landwirtschaft nicht neben den Citrusfrüchten andere Produkte mit Monopolcharakter und gesichertem Auslansabsatz züchten kann, befürwortet Wilkansky bei Neuamlage von Betrieben, einer Form den Vorzug zu geben, bei der der laufende Geldbedarf so niedrig wie irgend möglich ist. Fremde Arbeitskräfte sind vollständig zu vermeiden; desgleichen die Verwendung von Maschinen, so daß nur so viel für den Markt produziert werden muß, wie für laufende Produktionsausgaben und die dringendsten Ausgaben privater Art (Kleidung, Erziehung, Beiträge zu öffentlichen Kassen, Licht und Wasser) erforderlich ist. Existenzwirtschaft und Getreidebau. Obwohl das Getreidevensoigungsdefizit Palästinas ein außerordentlich hohes ist und eich ß/uf gtatt eine Million Pfund belief, kommt der Getreidebau als Grundlage der extensiven Landwirtschaft für das jüdische Siedl ungs wesen nur in einem Üfoergangsstadium in Frage. Ein solches Üfoergiaagßstadium wiar vielfach aus finanziellen Gründen notwendig und ist es derzeit noch aus technischen Gründen. In der Regel freilich stehen den jüdischen Kolonien giar nicht so große für den Getreidebau geeignete Flächen zur Verfügung. Die jüdischen Kleinbetriebe können aber vom Getreidebau nicht existieren. Die wichtigste Zukunftaufgabe: Kultivierung von Monopolprodukten, Da Palästina ein Land mit einer städtischen Konsumentenschicht von nur einigen Hunderttausend Menschen ist, sind für die agrarische Produktion nur beschränkte Absatz- und daher auch Prodiiktionsmöglichkeiten gegeben. Mit Butter, Eiern und anderen Produkten, für die Palästina über keine anonopolartigen Vorbedingungen verfügt, wird Palästina mit den Massenproduktionsländern auf dem Weltmarkt kaum konkurrieren können. Es muß sieh daher in Zukunft darum handeln, auf palästinensischen Boden Monopolprodukte, wie die Citrusfrucht zu züchten und kultivieren, die auf dem Weltmarkt Vorzugspositionen innehaben und daher in großzügiger Weise für den Export angebaut werden können. Eine der wichtigsten agrarischen Forschungsaufgaben besteht daher darin, derartige Monopolprodukte herauezufinden und zu kultivieren, auf denen auch eine verarbeitende Industrie aiufgeibaut werden kann. Die gegenwärtige Lage der jüdischen Landwirtschaft. Die Erträgnisse der jüdischen Kolonien beruhen im wesentlichen auf den Verkauf von tierischen Veredelungsprodiukten, wie Milch, Butter, Eder, Gemüse und Früchten, insbesondere Citrusifrächten. Da diese Produkte bislang nur in relativ geringen Mengen produziert wurden, konnten recht hohe Preise erzielt werden. Mit der Erweiterung der landwirtßchaftlichen Siedlungßbasiß und zunehmenden Intensivproduktion muß jedjgcj^ damit gerechnet wsciSjty <Jaß sich dag