Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 410 (18.12.1934)
- Date
- 1934-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Saite 2. 0(1 STIMMI Nr. 4.10 — 18. Dezember 1984 Justizministerium eine derartige arische Rechtsanwaltskammer bewilligen könnte. Wir sind aber in der Lage, unseren Lesern zu sagen, wie man in einem anderen Land Ansuchen des ..Verbandes der deutscharischen Rechtsanwälte'1 behandelt. Vor einigen Monaten hat der Verband der deutsch-arischen Rechtsanwälte in Wien im Wege des polnischen Generalkonsuls in Wien an den Obersten Rat der *’Advokaten* kammer in Warschau das Ersuchen gestellt, ih-tn ein Verzeichnis aller arischen Anwälte Polens zukommen zu lassen, damit seine Mitglieder nur arische polnische Rechtsanwälte beschäftigen, wenn sie in Polen Rechtsangelcgenheiten zu erledigen haben. Über diesen Antrag fand im ..Obersten Rat der A d vo k a t e n k a m m e r n“ in Warsoha u eine Debatte statt, und es wurde der Beschluß gefaßt, dieses Ansuchen überhaupt nicht zu beantworten. Darüber aber hinaus wurde noch beschlossen, dem polnischen Ministerium des Äußern, das das Gesuch an den Obersten Rat der Advokatenkammern weitergeleitet hatte, zu schreiben, . daß künftighin derartige Ansuchen nicht mehr den Gegenstand einer amtlichen Weiterbeförderung bilden sollen. Es fragt sich nun, was das Wiener Justizministerium über das Gesuch betreffend Einführung einer arischen Rechtsanwaltskammer zu befinden haben wird. Wir wollen hier nicht die Frage untersuchen, ob es vom Standpunkte des Ansehems des Rechtsanwaltsstandos Anwälten gestattet ist, eine Kundenwerbung zu betreiben, wie sie im „Arischen Zeitweiser“ erfolgt. Schließlich möchten wir sagen, daß nach wiederholten Erklärungen der Regierung alles getan werden muß, um den Frieden im Innern zu erhalten und am Gedeihen der österreichischen Wirtschaft mitzuarbeiten. Diesen Bestrebungen tragen die diversen ..arischen Methoden“ nicht Rechnung. Die erwerbstätige jüdische Bevölkerung Österreichs wird nicht analoge Methoden anwenden und sagen: „Juden, kauft nur bei Juden.“ Man kann es ihr aber sicher nicht verwehren, wenn sie Geschäfte meidet, die durch die Betonung ihres arischen Charakters die Juden diskremmieren und ihnen wirtschaftlichen Schaden zufügen wollen. * Der „Arische Z e i t w e i s e r“ ist nicht das einzige Presseprodukt, das ftir sich und seine Interessenten aus der antisemitischen Gesinnung Kapital schlagen will. Da istz. B. der vom „Verband der deutsc h-a rischen Rechtsanwälte“ und — als gTößte Publikation: „Arischer Geschäftsweiser Wiens, 1934— 1935“, 2. Jahrgang. Mit ihm wollen wir uns etwas befassen. Herausgeber, Eigentümer und Verleger ist Anton L e i t h e r, Wien, VII., Neubaugasse N.r 47, Druck: Buchdruckerei Freiland, VII., Halbgasse 25. Es scheint, daß er nicht für jedermann frei erhältlich ist, denn am Eingang des Buches, das zirka 270 Seiten stark ist, heißt es: „Ü berreicht durch“. Im Geleitwort lesen wir: ..Die außerordentliche Vermehrung des Inhaltes deutet darauf hin, daß einerseits die im Führer erschienenen Geschäftsleute mit dem Erfolge zufrieden waren und daß sich anderseits seither eine wesentlich breitere Schichte aus Industrie-, Handels- und Gewerbekreisen der gebieterischen Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes gegen jüdische Geschäftspraktiken und Anmaßungen gelangte. Es ist Pflicht, jedes wahrhaft Völkischen, die arische Kaufmannschaft in ihrem Daseinskämpfe tatkrUftigst zu unterstützen. Nur die innige Zusammenarbeit aller Gutgesinnten kann es erwirken,- daß befreit von fremdländischen Ausbeutern ein glückliches, einiges, deutsches Volk in unserer Heimat wohne.“ Dann folgt die Unterschrift: „Völkische Arbeitsgemeinschaft“. Der „Arische Geschäftsweise r‘ ist uns erst jetzt durch einen Zufall in die Hände geraten. Es wundert uns nicht in ihm die Finnen Drogerie Wallace, Parfümerie Fioris, Argentor und Württembergische Metallwarenfabrik zu finden, wohl aber andere Firmen, von denen wir annehmen müssen, daß sie sich mit den Auslassungen dos Vorwortes und der Tendenz des „A r isehen GeschäftBweUers“ solidarisch erklären, so lange sie nicht das Gegenteil erklären. Wir lassen also zunächst eine Auslese folgen: Beheizung: Viktorin-Werkc, I., Burgring 3; Swoboda Alois u. Co., L, Lothriogerstr. 2. Grabsteine: Otto Langer, uL, Renn weg 108. Bettfedero: Pauly I. u. Sohn, I., Spiegek. 12. Bettwäsche: Kratzer C. u. C'o., I., Hoher Markt 2. Buchhandlungen: IDckceho Univrr.sjtäDbuchk Handlung, I.» liotenturmatraße £5; £r*oi Deutieko. L, Helferstorferstraße 4: Frick Wilh. Ge?, m. b. ff. — A. Ilartleben, I. Graben 27; Wailishausersche Buchhandlung, I„ Lichtensteg 1; I)e-ubler Josef, TI., Praterst-raße 38. Leihbüchereien: Last Ludwig, I., Kohlmarkt Lesezirkel: Weiger Eduard, I., An der Hülben Nr. 3; Gebrüder Kreith, VI., Marimfiilferst raße 54. Drogerien: II. Auer. L. Wipplingerstraßo Nügeli und Strubel!, t„ KärntnerstTaße Porten Sophie (Bären-Drogerie), II., Glocken gasse 8a; Hartmann Karl. XX., Wallensteinstraße 12. Eisen: Em. Blassers Narbig., TT., Taborstr. - Fußbodenbelag: Wagner IV. Willi., I., Hoher Markt 3. Teppiche: Ginzkcy T.. T.. Lugeck 1; Perser König, I., Mahlerstraße 9. Gastwirtschaften: ..Zur Linde“. L, Roten türm- Straße 12; Otto Peltcr, I., Elisabethstraßc ..Zum Walfisch“, IL, Prater 129. Kaffeehäuser: Fiehteliof, L, Fichtegasse 1 , Erzherzog Rainer, IV., Wiedner Hauptstraße Nr. 27—§9. Hotels: Erzherzog Rainer, IV., Wiedner Hauptstraße 27—29. Friseure: Giegl Karl, VIL, Mariahilfcrstr. Wolle und Garne: Lorenz M. u. Sohn, Bauernmarkt IS; Carl Finders Erben, Plankcngasse 4; Ungar Annv, II., Ausstellungstraße 21. Haus- und Küchengeräte: Pesendorfer Franz u. Söhne. T., Auerspergstraße 6. Glas und Porzellan: Haas u. Czizek, I, Kämtnerstraße 5; Wahliß Ernst A. G., I., Kärntnerstraße 17; Rasper u. Söhne, I„ Graben 15: Gießl u. Czeika, II., Obere Donaustraße 8t, Dachdeckerei: Heigl Alois d. J., XVI., Herbststraße 62. Haushaltungsartikel: Dom - Farfümerie, Bäcker-Straße 3. Herrenhtite: Ita Heinrich, I., Graben 18. Damenhüte: Gebr. Ladstätter, IV., Hofmühlgas-se 17. Installateure: Dumont Paul, I., Raubeneteingasse 6. Konfektion: Wiebag, I„ Stubenring 1; Kleiderhaus Minarik, IL, Praterstraße 45; Taubenrauch Franz, I., Weihburggasse 6; Wohlmuth R., IX., Nußdorferstraße 15; Bischof W. u. Sohn, XX., Jägerstraßo 43. Wäschereien: Fein was ehan s tal t Lilie, Lienfeldergasse 21. Gummiwaren: Auer H-, Wipplingerstraße 15: Gummi-Karasek, II., Taboretraße 44. Kürschner: Ci-bulka Paul, H., Karmeliterplatz 4. Leinen- und Banmwo!lwar®n: Gunkel Theodor u. Co., I., Tuchlauben 11; Hiestand, Mitierbauser u. Co-, I., Wipplingerstraße 33; Regenhart u. Raymann, I-, Schulterga&se 5; Schücktanz A-, I., Wipplin|er6traße 10. Modewaren: Ittner Raimund, I., Spiegelgasse 2. Klaviere: BangyuTa J., I., Postgasse 2, Wellzeile 37. Fischkandfungen: Hofbauer Wilh., I-, Tuchlauben 6 und 13. Delikatessen und Lebensmittel: Müller Franz, I., Walfisohgasse 6; Kautz Anny. IL, Taborstraße 52a; Reidinger Ed., II., Heinestraße 33. Optiker: Schleiffelder Otto, I., Graben 22. Radio: Boroevic Nik., U7 Taborstraße 6; Sykora Joaof, H., Karmehberolatz 1. Handelsschulen: Weiß A. Nfg„ I., Getreidemarkt 14—16. Spielwaren: Kober Josef. I., Graben 14—15. Strick-, Strumpf- und Wirkwaren: Lorenz M. u- Sohn „Zum Mohren“, I., Bauernmarkt 18, Lichtensteg 5; Linzbauer Joe„ H., Taborstraße 46; Modenhaus Rutscher, H., Heineetraße 40; Kaufhaus Währmgergürtel, Stadtbahnstation Währingerstraße; Chytra Rud.. XX., Wintergasso 14. Lederwaren: Gerstel — WützI Franziska, I., Spiegelgoase 2; Franz Sohleuchers Söhne, 1., Wolizeile 30. Textilwaren: Hämmerle F. M., I., Franz-Josefs- Kai 53; Änderte Job. u. Söhne, Liniengasse 12. Spediteure: Dworak Zdenko, I., Franz-Josefs- Kai 43; Sworak J. Z. jun., VII., Burggasse Nr. 52; Ohly Karl, I., Tiefer Graben 21. Tuche und Stoffe: Kolroeer Rud., I., Schottengasse 2; Spitzhüttl Alb., I., Neuer Markt 16; Pserer Franz, II., Taborstraße 11a; Tuchhaus Vindobona^ I., Tuchlauben 7. Seidenstoffe: Deiwi&ch u. Rittmann, I, Bauernmarkt 2. Wollstoffe: Bohünger u. Huber, I., Tuchlauben 11; Szenkovibs Paul, I., Graben 22. Uhren: Beranek Auguste, IL, Karmelitergasse 8; Boicr Th., II., Untere Augiartenstraße 20; Hübner Rud., I., Pctersplatz 7; Mikota Rud., 11., Taborstraße 15. Juwelen usw.: Dobrowsky Joe., I., Kärntner* straße 16; Hofstätter Jos., I„ Kohlmarkt 7; Mayer’s V. Söhne, I., Stock-im-Eisen-Platz 7. Perlen: G. Steinbachs Ww., I., N icr Markt t Wäsche: Felbermeyer u. Cie. „Zum Herrnhuter“, I., Neuer Markt 1; List Franz, I., Brandstätte 0. Herrenmode: G-aiUaid J., I„ Opgrogasso 4.; Lechner F. n. L., I., Rotenturmstraöe 11; Löhner Rob., IL, Prntersfcraße 42. Wohnungseinrichtungen: Fehlinger Oskar Inn., 1., Stubenring 16; Prager Karl, IX-, Alser» baohetraße fl. Notare: Dt. Reichert Vinzenz, I., Salzthorgasse 7; Dr. Edn. Tannenberger, I., Führichgasse 4. Ärzte: Dr. Folger Alois, II., Praterstraße 68; Dr. Koller Hans, HL Pazmanitengasee 22; Schuberth Karl, II., Große Mohraogaese 16; Dr. Neufuß Franz, XX., Wallensteinstraße 26. Rechtsanwälte: Dr. Arlow Otto, I., Franz- Jo8efs-Kai 43; Dr. Eckel Herrn., I., ßchottengasse Sa: Dr. Haberaal Erik, I., Stuben- Bastei 2; Dr. Pieoh Anton jun., L, Graben 28; Dr. Wientbal Otto, I., Kärntnerring 15, weiser“ verzeichnet sind, vermehren. Wenn fließe Firmen nicht widersprechen, sondern schweigen, dann müßte man annehmen, daß sie „den gemeinsamen Kampf gegen jüdische Geschäftspraktiken und Anmaßungen“ führen wollen und daß sie die Juden als „fr emdländlsche Ausbeuter“ betrachten. Zum Schluß noch oinc Frage: Was gedenkt die Regierung zu unternehmen? Wir verlangen die Beschlagnahme des „Arischen Geschäftsweisers“. % Wenn wir diesen Dingen größeren Raum widmen, so geschieht dies aus dom Grunde, weil es Bich hier tun eine planmäßige antijüdische Boykotthetze handelt. Vor uns liegt zum Beispiel eine Zeitschrift „Ako-Nachric hfcen, eine Zeitschrift für Arie r“, herausgegeben von der „A k o“, Arische Kredit-Organisation reg. Gen. m. b. H., Wien, I., FriocLrichsitraßo 5. Im Vorwort heißt es: „Jeder wirklich gnt christlich fühlende Volkegenos.se muß sieh unbedingt zur heiligen Pflicht machen, sein schwer verdientes Geld nur dem bodenständigen christlichen Kaufmann zufließen zu lassen. — Deutsch-christlicher Wiener, besorge alle deine Einkäufe nur bei arischen Firmen. Dann folgt ein „arisches“ Firmenverzeichnis, eingeechlossen die „Zahnbehandler“. 4» Diese Tatsachen beweisen das Vorhandensein einer systematischen antijüdischen Boykotthetze, Die Re» gtfe.rung hat bisher alle diese von uns aufgezühlton Propagandamittel unbeanstandet gelassen. Es wäre hoch an der Zeit, diese aus Deutschland importierten nationalsozialistischen Methoden abzustellen, Es kann Österreich nicht gleichgültig sein, wenn es im Ausland asnf eine gleiche Stufe mit Nazi-Deutschland gestellt wird. Die Österreichischen Gesetze geben der Regierung die nötige Handhabe, um diesem ge? tarnten Spuk ein Ende zu bereiten. W i r wollen Taten sehen. R BERATEN SIE IN ALLEN BAUuh» GRUNDSTUCK- ANGELEGENHEITEN FDR PALÄSTINA DURCH UNSER BÜRO IN WIEN uno HAIFA AUSKUNFT UNTER «ARCHITEKTUR-BURO" AN DIE REDAKTION DER „STIMME" Ankündigungen des Wiener Vizebürgermeisters Lahr. In einer Hausbositzorversaramlung in Wien hat kürzlich der Vizebürgermeister Lahr eino Rede gehalten, in der or eino Änderung der Richtlinien für die Vergebung von städtischen Wohnungon ankündigte. Diese sollen — sagte er — in erster Linie bodenständigen und vaterlandstreuen Menschon zugewiesen, werden. Die Fassung dieser Ankündigung ist unter den derzeitigen Verhältnissen sehr bedenklich. Was ist bodenständig? Sflistria und Saargebiet Herr Dr. Mayer Ebner, der gewesene Senator und Deputierte in Rumänien, sendet uns folgenden interessanten Artikel ein. Diese Liste läßt sich durch viele hunderte Firmen, di« fen #Arlechen Geschäft«- Jetzt gibt es einen Völkerbund und früher gab es ein europäisches Gewissen. Dieser Satz mag etwas befremdlich klingen, namentlich nachdem die Liga der Nationen in Genf die Vorbereitungdes Königsmordes von Marseille verurteilt bat- Und doch ist es wahr, daß das europäische Gewiesen in der Vorkriegszeit kräftiger geschlagen bat, als in dieser pseudo-messianischen Zeit der Völkervereinigung in Genf. Gegenwärtig beherrscht das Saarroblem die öffentliche Meinung der Welt. Man rechnet damit, daß die am 13. Jänner 1935 stattflndende Volksabstimmung eine Mehrheit zugunsten Deutschlands ergeben könnte, und daß der Völkerbund das Saargebiet dem Deutschen Reiche angliedern wird. Er ist aber Herr seiner Entschlüsse und kann die Bedingungen festsetzen, insbesondere kann er Sicherungen für die politischen, ethnischen und konfessionellen Minderheiten, die sich vom Hitler- Regime bedroht fühlen, vorschreiben. Aber alle Anzeichen lassen darauf schließen, daß der Völkerbund in dieser Hinsicht nur sehr zaghaft vorgehen wird. ” sogt einstweilen nur für eine etwa einjährige Übergangszeit vor, während welcher die Bedrohten ihre Bündel packen, ihr Vermögen liquidieren und auswandem können. Wer nach dieser Frist im Saargebiet zurückbleibt, muß alle Schrecken de« nationalsozialistischen Regimes hinnehmen und der schlimmsten Verfolgung gewärtig sein. Die im Saargebiet zurückbleibenden Juden bekommen die volle Gleichberechtigung mit den Juden in — Deutschland. Sie werden verlassen sein von aller Welt, und die in deT Liga der Nationen vereinigten Staaten werden sagen, daß sie sich in die i n n e r e n Verhältnisse eine« fremden Staates nicht einmengen dürfen. Vor dem Krieg und im gesegneten 19. Jahrhundert, welches im Jahre 1914 seinen eigentlichen Abschluß gefunden hat, war es anders. Frieden wurden unter der Patrenanz der europäischen Großstaaten geechJoeeen. In San Stefiano wuirdo 1877 dem gegen die Türkei siegreichen Zaren Alexander U. Halt geboten. Gerado auf dem Friedenskongreß in Berlin hat man auch der Juden gedacht, als man dem Rumänien von damals aus Anlaß seiner Befreiung von der Türkenherrsebaft die Pflicht auferlegte, soine Juden zu emanzipieren. Es ist in der Folge wohl anders gekommen, aber ftir meino Beweisführung ist es wichtig festenstellen, daß für das damals in Berlin repräsentierte europäische Gewiesen die Einmengung in die internen Verhältnisse anderer Staaten ein kategorischer Imperativ gewesen ist, d. h. man empfand die Einmengung als die Forderung eines allgemeinen Sitteugesefczes. Nach dem Pogrom von Kiechinoff (beute Öhisineu) . haben die großen Staatskanzleien von Europa und Amerika sich nicht gescheut, bei der Regierung des Zaren Alexander II. Vorstellungen zu erheben, obwohl die Sorge für die Ruhe und Ordnung dn einem Lande doch wirklich nur eine interne Angelegenheit jedes Staates sei. Das Gewissen der Menschhedt schlug damals «ehr vornehmlich. Aber das klassische Beispiel für meine Beweisführung ist der Fall von Sillstria- Nach dem zweiten Balkankrieg kam es zu einem kriegerischen Intermezzo zwischen Rumänien und Bulgarien. Bulgarien mußte den sogenannten Quadilator (Silistria) an Rumänien abtreten und als der Frieden zwischen diesen beiden Nachbarstaaten abgeschlossen werden sollte, hat das damalige europäische Gewissen es nicht über sich gebracht, ruhig hmzunehmen, daß die Juden des Quadrilaters, die unter bulgarischer Herrschaft vollberechtigte Staatsbürger waren, bei der Vereinigung des abgetretenen Gebietes mit Rumänien ihr Bürgerrecht verlieren, indem «io die — Gleichberechtigung mit den rumänischen Juden erlangen. Dio Ähnlichkeit des Falle« mit dem Minoritätenproblem des Saargebietes springt in die Augen. Rumänien hat diie ihm von Europa aufer- Iegfce Bedingung, das Bürgerrecht der Juden von Silistria und Umgebung zu respektieren, erfüllt, und es ereagnete sich der in der Weltgeschichte so ziemlich vereinzelte Fall, daß ein siegender Staat die Einwohner des ihm abgetretenen Gebietes des besiegten Staates besser behandelt als die Bewohner des eigenen Landes, Diese Dingo gehören der Geschichte an, und man kann darüber auch in Rumänien um so eher offen sprechen, als heute die Juden, wenigstens gesetzlich, den anderen rumänischen Staatsbürgern gleichgestellt sind. Aber damals — es war ein Jahr vor Ausbruch dos Weltkrieges — hat die Tatsache, daß den ehemals bulgarischen Juden das Bürgerrecht in Rumänien zuerkannt wurde, obwohl es die einheimischen rumänischen Juden nicht hatten, große« Aufsehen gemacht. Über den tiefen Schmers der rumänischen Juden von %