Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 409 (14.12.1934)
- Date
- 1934-12-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 409 — 14. Dezember 1934 DIE STIMM! Söll« f ... Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden in Wien In Wien ist unter Teilnahme zahlreicher Profesßorcn und Dozenten der Universität eine Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden gegründet worden. Vorsitzender ist Univcrsitäteprofeßsor Doktor Harry Sicher, Vorsitzender-StellVertreter Universitätßprofesser Dr. Emil G o 1 d m a n n. Die Gesellschaft bezweckt, die Erkenntnis der die Juden betreffenden soziologischen und anthropologischen Tatbestände in streng wissenschaftlicher Weise zu fördern und zu verbreiten. In einer von der Gründlings Versammlung angenommenen Entschließung wendet sich die Gesellschaft an den Senat der hebräischen Universität in Jerusalem mit dem Anträge, die intellektuelle jüdische Öffentlichkeit zum Zwecke de.r Gründung ähnlicher wissenschaftlicher Vereinigungen auch in anderen Universitätezentren aufzurufen, ferner die Vorarbeiten für die Errichtung eines Instituts für jüdische Anthropologie und Soziologie an der Jerusalemer Universität lim Sinne der von Dr. I. Z o 11 s c h a n in seiner Denkschrift vom Jahre 1933 an das Kuratorium der Universität entwickelten Gedanken und Zielsetzungen in Angriff zu nehmen. Zum Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft in Wien wurde Dr. I. Zollsohan gewählt. Dr. I. Z o 11 s c h a n, der seit vielen Jahren die Notwendigkeit einer objektiven wissenschaftlichen Klärung des sogenannten Rassenproblems erstrebt und auf die Gefahr der pseudowissenschaftlichen Rassenideologie, lange bevor sie zur Grundlage der praktischen Politik eines großen Staates geworden ist, hingewiesen hat, ist gegen- Tßeaier * Kunsi Hebräische Litfaßsäule in Tel-Aviv Photoaufnahme Dir. Grünspecht. würtig um eine internationale rassenwissenschaftliche Enquete bemüht. Es ist zu hoffen, daß seine Bemühungen von Erfolg begleitet sein werden, zumal in den Kreisen der objektiven Forschung die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft gegenüber dom Mißbrauch ihrer Begriffe und Fälschung ihrer Erkenntnisse zu aggressiv - politischen Zwecken immer lebhafter empfunden wird. In einer diesem Zwecke gewidmeten Schrift „Die Bedeutung des Rassenf aktOTs“ hat Dt. Zollschan dien Fragenkomplex und das Argumentationsmatorial für eine solche; Enquete in den Hauptzügen vorgezeichnet. 25. Schuljahr Tel. U 46-4-37 Neues Wiener Konservatorium Musikvereinsgebäude, I., B'dsendorferstraße 12 Unterricht in Qesung', Klavier und allen Orchesterinetruinenten von den ersten Anfängen bis zur künstlerischen Ausbildung. Eigene Kinderabteilung. Anmeldungen und Aufnahmsprttfungen täglich vor-und nachmittags ausschließlich im Musikvereinsgebäude. Aus der jüdischen Presse führt darüber Klar/a, daß die Lage der öffentlichen Spitäler im Land und speziell in Tel-Aviv trotz der Anstrengungen der Hadassah, der Stadtverwaltung und der Ärzteorganisation immer schlechter werden, weil eine zentrale Autorisation fehlt. Der Artikel kritisiert die Gleichgültigkeit der öffentlichen Meinung und verlangt, daß das Gesundheitsdepartement des Waad Leumi, in dem alle ärztlichen und Wohlfahrtskorporationen vertreten sind, eine Untersuchung über die Lage der Spitäler einleiten solle. bespricht die Entscheidung des litauischen Palästina-Amtes, das sich weigere dem allgemein-zionistischen Hechaluz und solchem Zertifikate zuzuteilen und nur den Einzelpersonen Zertifikate geben wolle. Die Zeitung bezeichnet. diesen Vorgang als eine Verletzung der Vorschriften des Einwanderungsdepartements der Exekutive und als eine Provokation der Linken, die das litauische Palästina-Amt beherrschen und auf diese Weise den Allgemeinen Zionismus in Litauen angreifen. Die Allgemeinen Zionisten in Litauen werden aufgefordert, sich zur Wehre zu setzen, es seien Schritte unternommen worden, um die Entscheidung des Palästina-Amtes zur Aufheoung zu bringen. beschäftigt sich Ab. Goldberg mit der Frage des Programms der Revisionisten und fragt: „Was gibt es im revisionistischen Programm was nicht im Programm der meisten Zionisten vorkommt? Er erinnert an verschiedene revisionistische Schlagworte der vergangenen Jahre, die alle wieder verschwunden sind ■und verneint ein eigenes revisionistisches Programm. Die Revisionisten hätten ebenso ■wie viele andere Zionisten Grund, verschiedentlich unzufrieden zu sein. Aber in ■.wichtigen politischen Angelegenheiten, zum Beispiel Einwanderung, Gesetzgebender Rat usw., unterscheiden sie sich durch nichts von den übrigen Zionisten. Eine Ausnahme bildet nur die Frage der Histadruth. Die Revisionisten verlangten eine mehr unparteiische Verteilung der Zertifikate. Darin aber treffen sie sich mit der Misrachi und den Allgemeinen Zionisten. Früher oder später wird dieses Problem angeschnitten werden müssen, insbesondere die Beziehungen zwischen den Arbeitern der Histadruth und den anderen Parteien. Es besteht daher nach Goldbergs Ansicht für die Revisionisten kein Grund, eine eigene Partei zu bleiben und er meint, daß sie als 100%iger Bestandteil der zionistischen Organisation mehr Einfiuß hätten als jetzt. Die Revisionisten seien im wesentlichen Allgemeine Zionisten. Ihr Platz sei daher im Allgemeinen Zionismus, den sie als stimulierendes Element beleben würden. Ein neues Buch Nahum Soholows In Palästina erschien soeben ela« neue englische Buch Nahum S o k o 1 o w s, des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, „Chibbat Zion“. Das Buch ist dem fünfzigjährigen Jubiläum der Ghibbat-Zion- Bewegung gewidmet. (Paluor.) Die Sowfetwahlen im Rayon Kalinindorf Moskau, 7. Dezember. Im jüdischen Rayon Kalinindorf in der Ukraine haben sich 9(3 Prozent der Wähler an den Sowjetwahlen beteiligt. Von den 218 gewählten Deputierten sind 158 Juden, 46 Ukrainer und 14 Deutsche. Unter den Gewählten sind viele Frauen. 25 Prozent aller Deputierten sind Mitglieder der Kommunistischen Partei, 20 Prozent Mitglieder des Jungkommunistischen Verban- Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs AS 1-90 u. 2*60 SdiwediaterBrUu II., Hammerpurgstallgasse \ (nächst Salztorbrückt Telephon A 41*0-25 Htatma Rey& Kürzlich berichteten wir unter der Überschrift: „J uden und J apane r“, daß der japanwehe Gelehrte Jenrichino Oy abc in einem bisher nur in japanischer Sprache erschienenen Buche „D er Ursprung J apans und der J apane r“ die Meinung vertritt, daß die Japaner die Nachkommen der verloren gegangenen zehn Stämme sind. Nun äußert sich Oyabe in der in Shanghai erscheinenden jüdischen Zeitung „Israels Messenge r“ in interessanter Weise wie folgt über das biblische Manna: „Kürzlich hatte ich ein wundervolles Erlebnis. Ich besuchte einen unserer Prinzen in seinem Palais. Da hörte ich, daß in der Familie des Prinzen seit unvordenklichen Zeiten ein eigenartiger Brauch besteht. Wenn in der Familie jemandem ein Geschenk geschickt wird, werden auf das Packpapier, in icelches das Geschenk gewickelt ist, die Worte geschrieben: „M unna-Rey 0“. Das Wort Reyo bedeutet „Statt., an Stelle“. Manna Reyo bedeutet daher: „An Stelle von Manna“. In Japan weiß aber kein Mensch die eigentliche Bedeutung dieser Worte und. unsere Prinzen benützen ebenfalls dieses Wort, ohne es zu verstehen. Ich aber bin in der Lage, es zu deuten. Unter Manna ist die Speise zu verstehen, mit der Gott die Kinder Israels während ihrer 40jährigen Wanderung durch die Wüste nährte (Exodus 16, 14. Numeri 11,7). Manna ist eine herrliche Nahrung. Es war ein kleines Korn, weiß wie Reis, rund und von der Größe vom. Korianger samen. Manna ist daher der derzeitige Reis, die nationale Speise der Japaner. Wenn daher japanische Herren Geschenke machen und darauf schreiben „Manna Reyo“, so heißt das: „Ich gebe dir ein Geschenk statt Manna oder Reis.“ Nach den Angaben der Bibel fiel das Manna jeden Morgen auf den Tau und wenn der Tau durch die Hitze der Sonne schmolz, blieb das Manna auf den Steinen und dem Sand liegen. Es fiel in großen Mengen durch die ganzen 40 Jahre der Wüstenwanderung vom Himmel und es reichte aus, das ganze jüdische Volk zu ernähren. Ich weiß nicht, ob das jüdische Volk von diesem großen Ereignis bis auf den heutigen Tag in irgend einer Form eine Erinnerung bewahrt hat oder nicht. Wenn dieses großartige Ereignis in der Geschichte der jüdischen Rasse vergessen sein sollte, dann sind nach meiner Meinung die Juden nicht mehr berechtigt, sich Hebräer zu nennen. ln meinem Land, in Japan, werden die drei heiligen Schätze auf bewahrt. Aber vor jedem Shinto-Altar wird eine 'Zeremonie zelebriert, die das Fallen von Manna oder Reis vom Himmel darstellt. Dies geschieht, obwohl die Priester und das Volk die Bedeutung der Zeremonie nicht verstehen. Dasselbe gilt von unseren Adeligen und Prinzen. Trotzdem aber bewahren wir unsere alten Gebräuche und Sitten seit mehr als 3000 Jahren und bis auf den heutigen Tag.“ Die Schlußfolgerungen des Dr. Oyabe sind sehr kühn. Es wäre angezeigt, daß er sein Buch über den Ursprung Japans und der Japaner ins englische übersetzen würde, um den Gelehrten die Möglichkeit zu geben, seine Hypotheken wissenschaftlich zu überprüfen. Zehn Jahre hebräische Stenographie ln diesem Monat sind zehn Jahre verflossen, seitdem zum erstenmal durch den Pionier der hebräischen Stenographie, Herr J. M a i m o n, eine große Rede Ben Gurions in Jerusalem wortgetreu auf gezeichnet wurde. Herr Maimon, der als erster die moderne internationale Stenographie für die hebräische Sprache eingerichtet hat, hat einige Bücher Uber sein stenographisches System verfaßt und eine größere Anzahl von Schulen ausgebildet. Er war auch der Stenograph für die hebräischen Reden auf allen letzten Zionistenkongressen. Nur durch Herrn Maimon sind die wichtigsten Reden Ch. N. Bialiks und Dr. Arlosoroffs erhallen geblieben. Zum zehnjährigen Jubiläum seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der hebräischen Stenographie erhielt Herr Maimon Begrüßungsschreiben von einer Reihe zionistischer Führer Palästinas, (Palcor.) tCcuneH-Abend Welcher Besucher des Jüdischen Theaters erinnert sich nicht an das erste grandiose Wiener Gastspiel der alten „Wilnaer“ in der Roland-Bühne im Jahre 1921. Ein jeder Schauspieler dieser Elitetruppe bedeutete auch in der kleinsten Rolle ein Erlebnis. Schon damals üel der junge Josef Kamen in kleineren Episodenrollen als großes Talent auf. Zwölf Jahre waren inzwischen ins Land gegangen. Die alte „Wilnaer“ war in alle Windrichtungen zerstreut. Eine neue „Wilnaer“ kam vor zwei Jahren fast a.uf den Tag nach Wien. Ihr Führer war Josef K a m e 11. Aus dem jünglingshaften Episodisten war inzwischen ein aus^ereifter, prächtiger Künstler geworden. Stunden herzerquickenden Lachens verschaffte uns das Spiel Kaniens, das voll urwüchsigen Humors und herzerquickenden Scharnies war. Da griff ein tragisches Schicksal in das Leben des Künstlers ein, als er gerade auf der Höhe seiner. Künstlerschaft angelangt war. Eine arge Nikotinvergiftung warf den jungen Schauspieler aufs Krankenlager. Die Krankheit verschlimmerte sich so weit, daß nach nionatelangem, qualvollem Spitalsaufenthalt Kamen im Wiener Rothschild- Spital ein Bein amputiert werden mußte. Der Künstler befand sich verhältnismäßig rasch auf dem Wege der Genesung und man hoffte allgemein, daß Josef Kamen, der nicht zuletzt durch seine humorvolle und geradezu bewundernswerte Seelenkraft das tragische Geschick leicht überwunden zu haben schien, nunmehr Avirklich einer vollständigen Wiederherstellung entgegengehe. Leider hat sich dieses tückische Leiden nach einer kurzen Zeit der Besserung verschlimmert, und heute muß der so lebensbejahende und lebenslustige Künstler einer zweiten Operation, die ihm eine Aveitere Amputation des Beines bringen soll, entgegensehen. Seine Freunde, die jüdischen Schauspieler von Wien, haben nun beschlossen, einen Josef-Kamen-Abend zu geben, dessen Erträgnis zur Gänze dem schAver heimgesuchten Künstler gewidmet sein soll. Es Avird oin „B u nter A b e 11 d‘ sein, der am Donnerstag, den 20. Dezember, in den Jüdischen Künstlerspielen unter MitAvirkung der Künstlerinnen Sevilla P a s z t 0 r, Erna Siegler, Hilda D u 1 i t z k a j a soAvie Alex Steins (des Bruders Kamens) und des gesamten Ensembles der Siegler-Truppe stattfindet, die sich alle selbstverständlich in selbstloser Weise für den edlen Zweck zur Verfügung gestellt haben. Es ist zu Avünschen und zu erwarten, daß das jüdische Theaterpuiblikum diesen Abend zum Anlaß nehmen Avird, dem von so tragischem Schicksal betroffenen Künstler seinen Dank für die zahlreichen, genußvollen Stunden, die ihm Kamens Kunst geschenkt, durch zahlreichen Besuch der Vorstellung aibzustatten. j. r. Konzert der Meisterschülerinnen Julius Wolfsohns. Charakteristisch für Wolfs oh ne Schule ist ihre dynamische Hochkultur, die zum Teil durch die außergewöhnlich delikte und raffinierte Pedalisierung (deren Meister Professor Wolfsoihn ist) bedingt wird; Aveiters die absolut klare Passagentechnik sowie die markige Größe und Schönheit des Anschlages. Besonders rühmenswert ist, daß der Pädagoge Wolfsohn im Rahmen der eben genannten spezifisch Wolfsohnschen Merkmale der persönlichen Eigenart seiner Schüler weitesten Spielraum läßt. So hörten Avir Sarra S 111 c k a r t, eine blendende Virtuosin, Avirklich großen Formats. Sie spielte die 12. Rapsodie und das Es-Dur- Konzert von Liszt mit feurigem Elan und einem ausgeprägten Sinn für rhythmische Feinheiten. Die junge Dame wird bestimmt ihren Weg machen. Anny Ilosthal, die linkshändige Pianistin, zeichnet sich durch die Avarme, satte Fülle ihres Tones aus. Der dynamische Farbenreichtum ihres Spieles ist verblüffend; staunend fragt sich der Zuhörer, ob hier wirklich mit einer Hand gespielt wird. Nach drei Chopin-Etüden (in Bearbeitung von GodoAvsky und Wölfsohn) Avarni fühlend und poetisch interpretiert, brachte sie eine Konzertparaphrase ihres Meisters über den Donau- Avalzer von Strauß. Diese geniale Bearbeitung, die von außergeAvöhnlichen Sclnvierigkeiteu strotzt, Avuixle von der hochtalentierten jungen Pianistin mit verblüffender Geschicklichkeit, und Charme der Phrasierung gespielt. Und nun die kleine Evi Wächter! Sie ist kein Wunderkind, sie ist' ein Wunder. Mit nacht- Avandlerischer Sicherheit beAvegt sie sich in der Ideemvelt der Musik. Mit derselben unerklärbaren Sicherheit nimmt dieses elfjährige Kind große technische und musikalische Schwierigkeiten der Gliopinschen f-moltl-Ballade, die sie mit Adel und Größe eines reifen Küntslers spielte. An der jungen tempermentvollon Paula D e r m e r hörte man in der Wiedergabe der Werke RachnianinolTs, Chopins und Wolfsohns die spezifische Anschlagsart der .Wolfeohuschen Schule. N. P. Die Spitäler In Palästina „D a w a r“ (Tel- Aviv) Die Zertifikate Die „Jiddische Stirn m e“ (Kowno) Die Revisionisten In „The J e w i s h M o r n i n g Journal“ (Neiv York)