Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 409 (14.12.1934)
- Date
- 1934-12-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Seit© 5 Nr. 409 — 14. Dezember 1934 Die Weihe des neuen zionistischen Heims Vor einem illustren Publikum — die Spitzen des zionistischen und jüdischen Wien hatten sich eingefunden — wurde Mittwoch, den 12. d. M., das neue Heim des Zionistischen Landesverbandes für Österreich in der Marc-Aurel-Straße, mit einer schlichten, aber um so eindrucksvolleren Feier eröffnet. Darüber hinaus gestaltete sich der Abend zu einer großartigen und überaus herzlichen Manifestation für den verdienstvollen Präsidenten des Landesverbandes, Dr. Oskar Grünbaum. Alle Reden des Abends gipfelten in einer einzigen restlosen Anerkennung und Würdigung seiner jahrelangen aufopferungsvollen, selbstlosen und so erfolgreichen, von reinstem zionistischen Idealismus erfüllten Tätigkeit im Dienste der zionistischen Organisation Österreichs. Von besonderer Innigkeit waren die Worte seines engsten Mitarbeiters im Landeskomitee, des Vizepräsidenten Dr. Paul Berger, die durch die Überreichung des Diploms der Eintragung Dr. Grünbaums in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds als Ausdruck der unwandelbaren Treue und Liebe gekrönt wurden. Es war ein Ehrenabend für den Zionismus in Österreich, ein Ehrenabend für seinen großen Diener in diesem Lande, Dr. Oskar Grtinbaum. Im folgenden der Bericht über den Abend: Vor Beginn der eigentlichen Feier vollzog Oberrabbiner Dr. Feuchtwang durch Anschlägen der Mesusah an den Türpfosten des großen Vortrag'ssaales den Einweihumgsakt des neuen Heimes. Rede Dr, Grünbaums Der Vorsitzende das zionistischen Landesverbandes, Dr. Oskar G r ü n b a u m, begrüßt die Gäste und führte u. a. folgendes aus: Die Eröffnung dieses neuen Heimes erfolgt nach 'fast fünf Jahren schwerer und ■unermüdlicher Arbeit im zionistischen Landesverband. Unsere Arbeit war besonders dadurch gehemmt, daß der Allgemeine Zionismus erst im Jahre 1931 Ansätze zu einer Konsolidierung und zu einem scharf umrissenen Programm erkennen ließ. Wir waren jedoch von vorneherein davon überzeugt, •daß die Konsolidierung des Allgemeinen Zionismus kommen werde, weil er eine naturgegebene Notwendigkeit für die Organisation darstellt. Zu den Schwierigkeiten, die in den politischen Verhältnissen der Weltorganisation- -begründet waren, kamen noch Schwierigkeiten lokalpolitischer Natur. Da war zunächst die - Frage der sogenannten L a n d e s p.o 1 i t i k. Wir haben sie, ausgenommen den Kampf um die Eroberung der jüdischen Gemeinden, aus unserem Tätigkeitsbereich ausgeschaltet. Dadurch haben wir den zionistischen Landesverband vor allen Erschütterungen bewahrt, die zur Zeit des parlamentarischen Systems in Österreich' uns zweifellos vor jeder Wahl in eine öffentlich rechtliche Körperschaft getroffen hätten. Dieser Beschluß hat daher wesentlich zur Konsolidierung und zum Wachstum des zionistischen Landesverbandes beigetragen. Seither hat die staatliche Struktur Österreichs eine grundlegende Änderung erfahren. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß es in unserer unruhigen, von Kämpfen g-eschüttel.en Zeit im allgemeinen nicht möglich ist, Politik auf weite Sicht zu machen. Es wird daher die Frage der Lnndespolitik, insbesondere mit Rücksicht auf die gegebenen Verhältnisse, im besonderen Maße e i n e r nüchterne n' u ndgewis s e n h a f i en E r w ä g ü n g' z ü u n t. e r z i e h e u sc in. In der Furage des K a m p f e s um die Kult’usgemeinden haben wir keinen Anlaß, mit unserer Politik unzufrieden zii sein. In dieser Frage hatten wir stets klare Sicht und können auf ausgezeichnete Erfolge hinweisen. Mehrere Provinzgemeinden sind in zionistische Hände übergegangen, und am 2. Dezember 1932 Feierten Wir itach jahrzehntelangen Kämpfen den E i n z u g e t. n e r z i o n i s t i s c h e n Mehrheit in die Wiener jüdische Geinei n'd e. An diesen Erfolgen ist der zionistische Landesverband wesentlich beteiligt.. Wir haben durch unsere Arbeit in der Wiener jüdischen Gemeinde bewiesen, daß wir es verstehen, sie zu einer Volksgemeinde u m i u g e s t a 11 e n. Die Erfolge auf dem Gbhiete der sozialen Fürsorge, des Schulwesens und des Kreditwesens, die Erhaltung des religiösen Standards der Gemeinde sowie ihre sparsame Verwaltung können sich sehen lassen. Ich möchte cllcru'ii Anlaß nicht vorubergeheu bmsen, ohne dem Präsidenten Doktor Fr i c d m a. n n und dem Vizepräsidenten Dr. L ö w e n h e r z für .ihn; aufreibende und so erfolgreiche Arbeit in'der jüdibcluMi Gemeinde zu (hinken. Was sie in dieser schweren Zeit in (selbstloser Weiso leisten, sichert ihnen die dank ba.ro Anerkennung aller Schichten der jüdischen Bevölkerung. Drei Männern soll oben falle bei dieser Gelegenheit mimeaufrichtigster Dank ausgesprochen werden: Dr. Kl ab er, der in der Fürsorgeabteilung prächtig arbeitet, Dr. Körn e r, dem wir die musterhafte Leitung des Versorgungshaus es und dessen neuen Zubau zu danken haben, und Prof. Rath, der eich in knappen zwei Jahren um die Hebräisierung der Jugend hervorragende Verdienste erworben hat. Allgemeine Zionisten sind es, die in der jüdischen Gemeinde allgemein anerkannte Arbeit leisten und Allgemeine Zionisten sind es auch, denen die Vertretung der jüdischen Interessen in zwei wichtigen Körperschaften anvertraut sind: Dr. Friedmann wurde in clen S t a a t s r a t berufen und Doktor Ehrlich in den Rat der Stadt Wien. Was Dr. Ehrlich in unverdrossener, mühseliger und aufreibender Arbeit für jüdische Mitmenschen leistet, sichert ihm den aufrichtigen Dank der Wiener Judensohaft. Der zionistische Landesverband war die Basis, von der aus es möglich war, die E roberung der Wiener jüdischen Gemeinde in die Wege zu leiten. Allgemeine Zionisten haben den zerrütteten Landesverband wieder auf gebaut und damit die Grundlage für die Ziionieierung der Wiener Judensciia.ft geschaffen. An dieser Stelle möchte ich besonders Dr. F i n k e I s t e i n, Dr. Steinberg und Direktor Epstein danken, die mir lange Zeit helfend zur Seite gestanden sind. Die selbstlose Arbeit meiner Mitarbeiter, das charakteristische Merkmal des Zionisten, hat Früchte getragen. Es kann daher nur bedauert werden, wenn noch immer so viel Arbeitsfreude und so viel Energie in zionistischen Kreisen darauf verwendet wird, um baufällig gewordene Scheidungswände zwischen einzelnen Gruppen zu verstärken, statt sie nielerznreißen und eine gemeinsame Arbeit zu ermöglichen. Da.s führt mich zur Frage des sogenannten Terr i t o r 1 a lverba n d e s. Es hat eine Zeit gegeben, wo auch viele Allgemeine Zionisten einen Territorialverband neben dem Zionistischen Landesverband als eine Art Dachverband schallen wollten. Wir können uns dazu beglückwünschen, daß wir uns der Gründung eines Dach Verbundes wildersetzt haben, dessen beabsichtigte, aber nicht, eingestandene Folge die Zertrümmerung des Landesverbandes gewesen wäre. Wir sind auf dem Standpunkt; gestanden, daß die Gründung eines Tcrritoriaiverbandes nicht nötig sei, weil das Statut des Landesverbandes es allen zionistischen Gruppen ermögliche, als Sonder Vereinigungen in den Landesverband ein.z-utreten, sobald sie nur gewillt sind, sich jener Disziplin, zu fügen, der wir uns freiwillig unterworfen haben. Unsere Hartnäckigkeit in dieser Frage beginnt. ihre Früchte zu tragen. Es hat uns gefreut, als der V e r b a n d d e r R a d i k a- 1 e n Zionist e n als Sonderverehiiigiing dein Landesverband beitrat, und wir werden demnächst in der Lago sein, das Aufnahiusgesiteh einer anderen Gruppe in Beratung zu ziehen. Ich möchte jedoch diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, um auch diesmal zu erklären: Wir sind bereit, alleGruppenaufzunehmen, die unser Statut anerkennen, das niemandem Zwang antut und nur die Einhaltung jener Disziplin verlangt, der wir selbst uns gegenüber dem Landesverband und der zionistischen Weltorganisation unterworfen haben. Wir rufen alle, die guten Willens eind, auf, zu uns zu kommen, mit uns zu arbeiten und dadurch der zionistischen Welt ein gutes Beispiel zu geben. Gerade im Bewußtsein der Tatsache, daß der zionistische Landesverband für Österreich stärker ist als alle anderen außerhalb unserer Organisation stehenden zionistischen Gruppen in Österreich und im Bewußtsein, daß Stärke verpflichtet, erklären wir neuerlich unsere Bereitwilligkeit, mit clen noch außenstehenden Gruppen alle Rechte, aber auch alle Pflichten zu teilen. Wir haben bewiesen, daß wir mit den Sonder Vereinigungen der W i z o, den Radikalen und den Jugendbü nde n gedeihlich arbeiten können, und daß uns nichts ferner liegt, als in die Rechtssphäre der Sondervereinigungen einzugreifen. Wir wollen aber auch, daß die einzelnen zionistischen Gruppen nicht gegeneinander, sondern für einander arbeiten, denn schließlich haben doch alle clas gleiche Ziel: Die Lösung der Judenfrage im Sinne und im Geiste Theodor Herzls. Nur dieser Wunsch und nicht die Sucht nach Macht oder Erhöhung unseres Prestiges ist unser Leitmotiv, wenn wir hiemit alle zionistischen Gruppen neuerlich zum Eintritt in den Landes verband auffordem. Die heutige Feier wäre nicht möglich gewesen, ohne, die aufreibende Tätigkeit von fast fünf Jahren. Dankbar möchte ich meiner Mitarbeiter gedenken, insbesondere der Vizepräsidenten Dr. Paul Berger und Sabine Paßweg und der führenden Gesinnungsgenossen in unseren 16 Wiener Bezirkssektionen und in unseren Ortsgruppen, des Veranstaltungsreferenten Dr. P i c k h o 1 z, ebenso auch der braven Arbeit der W i z o, der Radikalen Zionisten und der Jugend b li n d e. Insbesondere aber drängt es mich heute, einem Mann zu danken, der durch seine vorbildliche Arbeit als Finanzreferent die Konsolidierung unserer Finanzen ermöglicht hat. Es ist dies unser Finanzreferent D i r. H e r m a n n A p l e r, dessen zäher Arbeit wir auch die Erwerbung und Ausgestaltung dieses schönen Heimes zu danken haben. Für die Ausgestaltung dieses Heimes danke ich noch besonders Herrn I n g. S t e i n e r, der die Adaptierungsarbeiten in selbstloser Weise dnrehgefülirt. hat, ferner Herrn Architekten Karplus und last but not least unserem stets arbeitsfreudigen Gesinnungsgenossen Ignaz Müller und schließlich unseren B o a m t e n, für welche die Übersiedlung mannigfache Mehrarbeit, mit. sich brachte. Die heutige Feier ist, das Ergebnis einer hartnäckigen, fast fünfjährigen Arbeit. Es war der Geist, der sich den Körper baute. So will ich mm dieses Heim, das nicht einem Luxusbedürfnis sein Entstehen verdankt, sondern durch das starke Wachstum des Landesverbandes eine unbedingte Notwendigkeit geworden ist, seiner Bestimmung übergeben. In ihm haben auch die zionistischen Fonds, da s P a 1 ä s t i u a - A m t und die „Stimme“ ihre Arbeitsstätten gefunden. Auch dadurch geben wir unserem Wunsch nach Vereinheitlichung d e r .0 rg a u i s a ti o n Ausdruck. Diese schönen Räume sind schwerer und ernster Arbeit gewidmet. Sie werden uns an „Chorban Jerusohulajim-- nicht vergessen lasse,n, denn in ihnen wollen wir ja unsere besten Kräfte eiuselzen für die Erlösung des jüdischen Volkes, für seine Kultur und Sprache und den Aufbau unseres Landes. Da.s gibt diesem Heim die Weihe, grüßte die Gäste und führte dann weiter aus: Kapelle J. Geiger spiel! ab 1. Dezember täglich im Cafe Splendide Sonn- und Feie tag N a c h m i 11 a g s - Konzert bei normalen Kaffeehauspreisen Hannes-Schneider- Cord schneediclit, glattgeschoren, unzerreißbar. Das unübertroffene heimische Qualitätserzeugnis. Skianzüge daraus für Damen und Herren in zweckentsprechender und eleganter Ausführung bei Schneider JOSEF HOROWITZ Wien, i., Graben 29 (Trattnerhof 1), I. Stock. Telephon U 24*d07 Hierauf sang mit beseelter Stimme Oberkantor M a g u I i e s das „M ismor schir c h a nitkk a. t h h a b a j i t“. Nach der mit großem Beifall angenommenen Rede Dr. Oskar Grünbaums ergriff der Vizepräsident Dr. Paul Berger das Wort zu folgenden Ausführungen. Redner schlägt vor, die Weihe der Eröffnung des neuen Heimes durch Ehrung des Präsidenten Dr. Oskar Grünbaum zu erweitern. Denn dieses Heim und alles, was in den letzten Jahren im Österreichischen Zionismus an schönen Leistungen vollbracht wurde, wäre ohne die Tatkraft und Energie Doktor Grünbaums nicht möglich gewesen. In Analogie zu einem Zitat aus Max Brods „Tycho de Brahe“ sagte Dr. Berger, daß Dr. Grünbaum die leuchtende Erfüllung der Worte ist, die der Rabbi Löw zu Tycho Brahe spricht: Nichts vom Zionismus zu haben und alles ihm zu geben. Als Zeichen unwandelbarer Liebe und Treue lind als Ausdruck des unerschütterlichen Vertrauens hat das Landeskomitee beschlossen, Doktor Oskar Grünbaum in das Goldene Buch einzutragen. Dr. Berger überreicht die Urkundenrolle Dr. Grünbaum und schließt mit den Worten: „Bleiben Sie uns so erhalten, wie Sie es in all den Jahren waren, als der bewährte, immer erprobte Führer. Ttf 3 RESTAURATION Arnold Itaffim Ungarische Küche WIEN,!., VORLAUFSTRASSE 2 Telephon U 21-2-82 Volkstümliche Preise, beste Bedienung Vorteilhflfto Arrangements für Hochzeiten u. Diners Oberrabbiner Dr. Feuchtwang gab seiner großen Freude Ausdruck, das neue Heim des Zionistischen Landesverbandes für Österreich einweihen zu können und spricht den Segensspruch. Schehechejanu. Zu einem edlem Werk — sagte der Oberrabbiner — gehört auch ein schöner Rahmen. Ein edles Werk ist der Zionismus, und dieser benötigt auch eine ihm würdige Stätte. Daß der Zionismus die ihm würdigen Männer besitzt, ist eine Gnade Gottes. Oberrabbiner Feuchtwang begltickwünscha die Männer des Landeskomitees, die Führer der Jüdischen Gemeinde, alle zionistischen Gruppen und Sektionen dieser Stadt zur Eröffnung dieses neuen Heimes und führte dann folgendes aus: Die drei Bilder, clie die Stirnwand des neuen Vortragssaales schmücken: H e r z 1, 0 h a j es, B i a 1 i k, sind ihm Symbol, Herzl — das ist die Wurzel und der Grund der weltzionistischen Arbeit, die Wurzel und der Grund, von dem aus der große Baum des politischen Zionismus gewachsen ist. 0 h a j o s — dessen Nachfolger zu sein, Dr. Feuchtwang mit Glück und Stolz erfüllt, einer der Unsterblichen, der Größten des Zionismus, edelster Träger des jüdischen Gedankens. Und schließlich unser geliebter B i a l i k, der in unseren ITerzen nicht zuletzt durch seinen Tod in unserer Stadt noch tiefer in der Liebe unserer Seele beheimatet ist. Diese drei Großen sollen eine weltpolitische, eine geistig-jüdische Säule bilden, den Grundstein des jüdischen Hauses sein. Das neue zionistische Haus ist ein Haus, das nicht nur Teile de Judentums umfassen darf, es wird, es kann und soll den ganzen G eist des J u d e u t u m s umfassen. Es ist ein Haus nicht nur der zionistischen Büros, ein Haus aus dem die „Stimme“ Jaakobs weithin ertönen soll. Ein neues Lieht möge über den Zionismus von diesem Hauts aus leuchten. Zum Schlüsse beglück wünschte Oberrabbiner Feuchtwang Dr. Grün bäum und *eim« Mitarbeiter zu dem schönen Werk. Staatsrat Dr. Friedmann gab in einer interessanten mul überaus prägnanten retrospektiven Betrachtung einen kurzen Über-