Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 409 (14.12.1934)
- Date
- 1934-12-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 4UÖ — II. Dezember l'.Kil Besuchet Emlnsers Gaststätten am Praterstern! f.'.'i.'JR'i ‘ .HtHllPtlUtlilti: Itmtttui'ttnt llHtllllllliimilHtu<iniUtuiriiiitiit<ttmnii,uinuiu,„.dTTT^T.«»... ............. ...... .......itiu. ((i'ifKiiiiif/iiimimimii.'iiif'iimiiiiiiiiimimi Eine Erklärung des Vize U anzier s Starhemberg Auf einer Kundgebung dp« Heimat- KfiiMt/xv* in V ii 1 k t! r m a r k t, erklärte Vizekanzler S t. a r Ii o m b erg: ..Wir Österreicher setzen unseren Stolz darein. in der Regelung dw Minderheitenschutzes vorbildlich zu Krin. und keine Minderheit soü eich unterdrückt oder minderbereolitigt fühlen. Aber das Deute oh tum muß bis in die letzte K o li s o q it o n z geschützt und gefördert werden.1’ 1He Boykottflugzettel des Antisemitenbundes beschlagnahmt über Einschreiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wurden die Flugzettel des Antisemitenbundes, die zum Boykott jüdischer Ge schäfte aufforderten (siehe „Die Stimme“ vom fl. Dezember), behördlich beschlagnahmt . Es wäre zu wünschen, daß die Polizei dem Treiben des Antisemitenbundes eine größere Aufmerksamkeit zuwenden würde. Die Einheit der Jüdischen Gemeinde und die Trennungs-Orthodoxie Arische Fachschaft Der Sachwalter der Hochschule für W e 11 li a n d e 1 in Wien hat eine sogenannte F a c li fi c h a f t (Seminar) für verschiedene Unterrichtsgegenstände organisiert. Die bezügliche, in der Hochschule a.ffichierte Kundmachung trägt den Vermerk .,N iir f ti r Arie r“. Der Rektor Dr. Dorf el soll einer Deputation der jüdischen Studentengehaft erklärt haben, er köime nichts machen, es stehe der jüdischen Studentenschaft frei, eine jüdische F a c h s c h a f t zu bilden. Wir können die6e Ansicht dee Hektare nicht teilen. Der Sachwalter ist ein vom Sachwalter aller Hochschulen mit Genehmigung des Unterrichtsministeriums bestelltes Organ, dessen Vorgehen eine Kränkung und Zu rück Setzung der jüdischen Studentenschaft bedeutet. Kürzlich hat Professor Dr. Ct roßmann im Radio die ausländischen Studenten aufgefordert, die Hochschule für Welthandel in Wien zu frequentieren. Die „Arische Fachschaft” durchkreuzt diese Propaganda. Das Unterrichtsministerium hätte allen Anlaß, eich mit den Ansichten des von ihm bestellten Sachwalters der Hochschule für Welthandel über die Gleichberechtigung der jüdischen Hochschulen de6 näheren zu befassen. In der „Reichspost“ wurde die Eingabe der Wiener Trennungsorthodoxie an die Regierung offiziell bestätigt. Gleichzeitig wurden die Gründe bekanntgegeben, mit denen die Gesuchsteller ihren Wunsch nach Trennung der Kultusgemeinde motivieren. Darnach handelt es sich um eine Auflehnung der Orthodoxen gegen den Versuch der aus „Neologen“ bestehenden Majorität, „den glaubenstreu gebliebenen Juden ihre Neuerungen aufzudrängen“. Der Präsident der Wiener Kultusgenieinde, Dr. Desider Friedman», gab hierauf dem Wiener JTA.-Vertreter folgende Erklärungen: Die „Reichspost“ veröffentlicht in ihrer; für W'ien nicht gelten. Nur eine einheitliche Nummer vom 0. Dezember unter der Über- Gemeinde ist hier imstande, jene großen schrift. „Spaltung in der österreichischen Aufgaben auf religiösem, kulturellem und Judenschaft“ einen Artikel, welcher die sozialem Gebiete zu erfüllen, die g e r a d e Mitteilung enthält, daß die Sehiffseluil an in der h e u t i g e n Zeit für die jiididie Bundesregierung das Ersuchen gestellt sehe Bevölkerung unerläßlich sind. Die hat, ihren Mitgliedern den Austritt aus der bösen Erfahrungen, die «speziell in der Slo- Israclitischen Kultusgomeiüde zu ermögwakoi und Karpathorußland mit den Treulichen und die Konstituierung als selbetännitngsgerneinden gemacht wurden, wo dig orthodoxe Judengemeinde zu gestatten. Kampf und Hader auf der Tagesordnung Daß ein solches Memorandum von der stehen, sind nicht, ermutigend, eine gleiche Schiffsohul dom Ministerium für Kultus und Einrichtung in Österreich zu schaffen, wo Unterricht vor etwa 14 Tagen überreicht sich die Kultusgemeinde ve r f as.sung auf worden ist, war in der Wiener Judeuscliaft Grund des Gesetzes vom Jahre 1800 in beallgemein bekannt. Bevor noch dieater Weise bewährt hat. Edel- Nationalsozialistische menschen In einer Rede in Innsbruck teilte der Bundeskanzler über das Ableben de« ermordeten Dr. Dollfuß bisher unbekannte Einzelheiten mit. Dr. Schuschnigg erinnerte an das rohe Verhalten der Mörder, die von dem sterbenden Kanzler ärztlichen und priesterlicheu Beistand fernhielten und sagte weiter: Man vergnügte sieh neben dem Sterbenden mit schlechten Witzen, mit Zigarren und mit Zigaretten, man plünderte i h n. zog« e i n e Brieftasche a ns de m R o c k, die man dann später, als die Eindringlinge abtransportiert wurden, in der Nähe* des Eingangstores am Boden fand. Nicht genug damit, man quälte ihn, inan wollte von ihm eine formelle A b d unk» n g haben. (Entriistungsnife.) Und wissen Sie, was Dollfuß zur Antwort gab? Nach übereinstimmenden Äußerungen eines als Zeugen vernommenen Mitgefangenen und eines Eindringlings, der sieh an der Bluttat beteiligt hatte: „I c h k a n n doch nicht Österreich d en e ri geben, die eß nicht wollen!“, s e s Memoran d u m d e m V o r s t a n d c der Israelitischen K u 11 u sgemein d e zur Äußerung z u g ern i 11 e 11 wurde, erfolgte a u o h d i e e in a 1, w i e in früheren F ü 11 e n, die Bekanntmachung seines I nh a 11 e s durch d a s k a t h o 1 i s c hklerikale Hauptorgan. Das Ansuchen an die Regierung ist namens der Sohiffschul von den Herren Wolf P a p p e n h e i m. Sigmund Bond i und Dr. Isidor Reiuinger gezeichnet. Die beiden Erstgenannten waren einige Zeit hindurch Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Reiniger ist ein von der Kultus-gemein de autorisierter Mohel. Der Beschluß, an die Regierung wegen Bewilligung einer eigenen Gemeinde heranzutreten, wurde, wie aus verläßlichen Mitteilungen bekannt ist, vom Vorstand der Schiff schul mit einer knappen Majorität gefaßt. Eine Generalversammlung wurde wegen der in den eigenen Rei hen zu befürchtenden Opposition vom Vorstand nicht einberufen. Der Tempelverein Adass-Jisrocl (Schiffschul) repräsentiert nur einen verschwindend kleinen Teil der Wiener Orthodoxie. Die Mehrheit der strenggläubigen Judonschaft steht geschlossen hinter der Kultusgemeinde und hat. sich erst vor wenigen Monaten, als die Treibereien der Schiifschul begannen, in imposanten Kundgebungen für die Einheit der Gemeinde ausgesprochen. Die Begründung, die dein Trennungsansuchen gegeben wird, ist n a c h w e i sb a r u n r i c h t i g. Die Wiener Kultusgemeinde ist eine derjenigen Großgemeinden, die seit jeher die Reform abgelehnt hat und besonders in den letzten Jahren in anerkannt konservativer Weise geführt wird. Die Bezeichnung der Wiener Gemeinde als Ncologen-Gemeinde ist geradezu absurd. Die rituellen Einrichtungen der Wiener Kultusgenieinde sind beispielgebend und wurden von hervorragenden strenggläubigen Rabbinern als solche anerkannt. Die Wiener Kultusgeineinde hat es immer als ihre Ehrenpflicht betrachtet, den Bedürfnissen aller in der Gemeinde vertretenen Richtungen Rechnung zu tragen, die von ihr erhaltenen Institutionen in s t, r e n g rituellem Sinne zu führen, so daß sie auch von den orthodoxen Kreisen ohne jeden Gowissenszweifel in Anspruch genommen worden. Da.s Beispiel anderer Länder, in denen in einem Orte zwei oder mehrere Gemeinden nebeneinander bestehen, kann Es irstübrigens unverkennbar, daß derzeit in allen mitteleuropäischen Ländern das sichtbare Bestreben besteht, die Organ is a t i o n der j (i d i -s c h e n G e m e i n d e zu festigen, sie in einheitlichen V erb ii n d e n z u s a m m e n z u f a s s e ii und der Zersplitterung E i n h a 1 zu tun. Das Beispiel der Schiffschul könnte zu Konsequenzen führen, die offenbar von den Heißspornen der Trennungsbewegimg übersehen werden. Denn mit demselben Rechte könnten auch die wenigen Anhänger des R e f o r in j u d e n t u m s in Wien die Gründung einer eigenen Gemeinde verlangen. Eine solche Trennung der einzelnen Tempelvereine und Gruppen von der Kultusgemeinde würde nur zur Entstehung lebensunfähiger Gebilde führen. Auch die kleine Zahl der Schiffschul-Anhänger, die lur sich eine eig'eno Gemeinde verlangen, wird kaum in der Lago sehn auf dom großen Wiener Territorium^alle jenen rituellen Einrichtungen zu erhalten, die das Religion.sgc.sctz fordert, geschweige denn auch nur im kleinen Rahmen ihren Mitgliedern einen Ersatz für das von der Kultusgemein de geschaffene großzügige soziale Ililfswerk zu geben. Nach den geltenden Gesetzen fehlen dem Ansuchen der Schiffschul alle juristischen Voraussetzungen, d a a n e i n e m Orte nur eine ein z i g c j ii d i s c h e G em e i n d c b e s t o li o n k a n n. An eine Änderung des Gesetzes wegen des Verlangens einer so minimalen Gruppe ist wohl kaum zu denken. iimmmmtmmmimimm Rabbiner gestanden mmd, doron strenge religiöse Anschauungen bekannt waren. Es kann bei jedem Kenner der Verhältnisse kein Zweifel darüber obwalten, daß die Haltlosigkeit der Beschwerden der kleinen Gruppe der Wiener Tromiungsorthodoxie vom Kultusvorstaiid ohne weiteres wird widerlegt werden können und daß der Versuch, den ein Teil der SchiilTschulangehöriigon gegen die Einheit der jüdischen Gemeinde in Wien unternommen hat. ebenso zum Scheitern verurteilt sein wird wie alle früheren Versuche, Unfrieden in die Wiener Judenschaft zu tragen. Der Schritt der Schiffschul hat angesichts des unentwegten Festhalten» der Wiener jüdischen Bevölkerung und insbesondere auch der erdrückenden Mehrheit der strenggläubigen Judenschaft an der Etnheitsgemeinde keineswegs Beunruhigung, wohl aber eine tiefgehende Erbitterung darüber bervorgerufen, daß gerade in der heutigen Zeit eine sich übcrrcligiös dunkenrle Gruppe im Verein mit außerhalb des Judentums stehenden Faktoren daran geht, die K r ä f t c des Wiener J ud e n t u m s z u spalten und der nichtjüdischen Außenwelt durch u n w a h r e Besch uldigungc ri Gelegenheit zu geben, sich in inner jüdische Angelegenheiten einzumischen. Das moderne praktische Lehrbuch zum Selbstunterricht LERNE HEBRÄISCH von BEN-CHAVIV soeben erschienen! Das beste Lehrbuch aller Zeiten l Die ersten 1000 Worte fürs tägliche Leben, praktische Grammatik, kein Vokabelbüffeln, kein Kopfzerbrechen, mühelos, spielend leichtl Verlag: von Jos. Schlesinger, Wien, I., Seitenstettengasse Nr. 5 Die Sohiffschul besitzt ein eigenes von der Kultusgomeinde genehmigtes Bethaus, ihr Rabbiner führt den Titel eines Gomeindevabbiners und versieht die Funktionen eines solchen. Außerdem besitzt die .Sohiffschul seit alt.erslier das Privilegium ihrer eigenen Scheelnta. Da die kleine Gruppe somit über eine weitgehende Autonomie gerade in religiöser Hinsicht, innerhalb des Wiener jüdischen Gomeindoloben« verfügt und da von ihren Angehörigen die Institutionen der Kulbusgemeimle, insbesondere sowohl das jüdische Spital als auch das jüdische Vorsorgungshaiis, sowie das rituelle Bad, i n d c s s e n Verwaltung di e Schi f fschul vertreten ist, bisher klaglos in Anspruch genommen wurde, so ist es u iiv e r s t ä n d 1 i e li, wie behauptet werden kann, daß seitens der Kultusgemeinde vor sucht wurde, der ScliilTschnl Neuerungen aufzudrängen. Nicht übersehen werden darf in diesem Zusammenhang, daß in dem geltenden Gumeiridestatut der Grundsatz verankert ist, daß in allen religiösen und rituellen Fragen der Kultusvor.stand m i1 d e m R a b b i n a t d a s E in vc r ri e hmen zu pflegen hat, mul daß an der Spitze des Wiener Rabbinats seit jeher ALFRED ABRAHAM UNGER ERIKA UNGER geb. STEINER VERMÄHLTE Wien Dezember 1934 - Klslew 5695 Tel Aviv Die Juden in Jugoslawien i Belgrad, 10. Dezember. (2. T. A.) 1 Das Mitglied des Haupbaussclmsses des Blindes der jüdischen Gemeinden des Königreichs Jugoslawien und Mentor der jugoslawischen Logen B’ne berit, Dr. Buk.itch PI j a ü e, würde heute vom Zweiten Regenten, Dr. Radenko S t a n k o v i t c h, in Audienz empfangen. Der Regent erklärte, er verfolge mit roßen Sympathien die patriotischen Leistungen der Juden und schätze ebenso sehr die zionistische Bewegung. Denn so fügte der Regent hinzu — das Judentum, ein altes Kulturvolk, hat da« volle Recht auf eigene nationale Exis t e n z; die Ergebenheit gegenüber dem Vaterlande und der Zionismus stehen an keinem Gegensatz zueinander. Hinsichtlich der Vorkommnisse der letzten Tage betreffend die Ausweisung von u n g a rische n S t a a t s a n g e h ö r i- _ e n, wobei auch Juden betroffen wurden, versprach der Regent, sich fiir die Fälle, bei denen es «ich um Juden handelt, die für Jugoslawien optierten oder dessen Staatsangehörigkeit anforderten und noch nicht bekamen, interessieren zu wollen. Polen- Weihnachtsreise Abfahrt 20. und 23. Dez. 1934 Vormittag Rückkehr 6. Jännor 1935 Besonders billig — bequem — bewährte Führung. Anmeldungen, Auskünfte: Poln. Verkehrsbüro ,Francopol1* (Gebäude d. Poln. Konsulats) Wien, III. Rennweg I. T. U16-4-90 Sprechstunden des Präsidenten des Landeshomitees Der Präsident des Zionistischen Landesverbandes ist Dienstag, Donnerstag und Freitag in der Zeit von 12 bis 1 Uhr ausschließlich lim Zionistischen LaiuJeskomitee zu sprechen. Besuche und telephonische Anrufe in seiner Wohnung und iu seinem Büro sind zu unterlasson. Vorlesung Ernst Deutsch Sonntag/ den 16. Dezember/ halb 12 Uhr, Mittlerer Konzerthaussaal Siehe Notiz der Jüdischen Kulturstelle