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Die Stimme · 1934-12-14 · Heft 409 (14.12.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 409 (14.12.1934)
Date
1934-12-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b, Leser Döblings beachtet heute Seite 9 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 409 | Wien» 14. Dezember 1934 Redaktion und Administration: Wien, I., Mare-Aurel-StraBe 6. Tel.: U 22-3*91. .ledaktlonsschluB Montag und Mittwoch vorm. Y. Die vorzüglichen, großen Luxusschiffe „GERUSAIEMME“ UND„P||SNA“ der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr) führen nur eine erste und eine Touristenklasse Auch in der Touristenklasse höchster Komfort (zwei- und mehrbettige Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6,Tel.U-47-5-60 (8. Tebeth 5695) J 8. Jahrgang Der Aufstieg des jüdischen Landes Justin Codard fordert Schutz für die Saarjuden Paris, 10. Dezember. (2. T. A.) Der Präsident des Komitees für den Schutz der Rechte der Juden in Mittel- und Osteuropa, der Senator und frühere Gesundheitsminister Justin G o d a r t, überreichte dem französischen Premierminister, F 1 and i n, der Ehrenpräsident des Komitees ist, ein Memorandum, in welchem die Lage der jüdischen Bevölkerung an der Saar dargelegt und voller Schutz ohne zeitliche Begrenzung für diese Juden gefordert wird. In dem Memorandum wird die französische Regierung ferner ersucht, den Flüchtlingen aus dem Saarland Arbeitserlaubnis in dem Umfang zu gewähren, in dem Franzosen in von deutschen Flüchtlingen in Frankreich errichteten Betrieben beschäftigt sind. Schätzungsweise sind 8000 Franzosen in solchen Betrieben tätig. Basel verbietet jede Diffamierung von Juden und Judentum In B a s e 1 besteht seit einiger Zeit eine kleine politische .Gruppe, welche eine antisemitische Zeitung. unter dem Namen „V o 1 k s b u n d“ herausgibt. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt hat nun der Zeitung und ihren Hintermännern unter Androhung strafrechtlicher Ahndung jede gemeine Schmähung oder Verunehrung der jüdischen Rasse oder des jüdischen Glaubens .verboten. Unter dieses Verbot fallen insbesondere der Öffentliche Gebrauch der Verwünschung „Juda verreck e“, die öffentliche Verbreitung des Anwurfes, daß die Juden zu ritualen Zwecken Menschen töten, die öffentliche Aufforderung, sich des Verkehres mit Juden als entehrend zu enthalten, jede gemeine Verspottung oder böswillige Verunehrung der Gegenstände, die von den Juden aus religiösen Gründen verehrt werden oder ihrem Kultus dienen. Die Zertifikate für Österreich Österreich erhält aus der laufenden Scliedule nur 117 Zertifikate, davon 12 für Verwandte und 10 für Facharbeiter. Diese Zuteilung ist erschreckend gering. Wie wir hören, bereitet das Zionistische Landeskomitee einen Protest an die Exekutive vor, dia Österreich mit Rücksicht auf die zahlreichen qualifizierten Bewerber und die große Not unter den österreichischen Juden einen gerechtfertigten A n- Spruch auf wesentlich mehr Zertifikate hat. RedaRtionsschluß Mittwoch und Freitag 1 Uhr mittags pezialverkehr | nach Palästina Gütertransporte, Liftvans, Übersiedlungen Ulimarcn, Rink & Co. Wien I, Kurrentg. 12 Tel. U 22254 Zu Beginn dieses Monates hat die Regierung Palästinas die Übergabe der Konzession für dag Hule-Territorium an die Juden vollzogen. Trotz der großen Kosten der Konzession und der schweren Bedingungen bedeutet doch die Erwerbung deg Gebietes für die jüdische Sache einen großen Schritt nach vorne. Ungefähr 7000 Hektar Boden gelangen in jüdische Hände. Die Entsumpfung und Trockenlegung des Landes wird etwa drei Jahre erfordern und an 20.000 Menschen werden dann mit der festen Siedlung beginnen können. Zum zweitenmal nimmt das Judentum den Kampf mit der Malaria auf; die Ausrottung dieser Seuche — die z. B. seinerzeit der österre>iohis oh-ungarisohen Monarchie in Bosnien mißlungen ist — ist von den jüdischen Pionieren im Ernek Jesroel besorgt worden. Unvorstellbare Opfer an kostbaren Menschenleben hat. dieser Sieg erfordert; über den Gräbern eines ganzenfHeeres jüdischer Arbeiter zieht sich heute ein Kranz blühender Ortschaften. Die gleiche Aufgabe stellt jetzt das Hule- Land, aber mit ungleich größeren Erfahrungen geht heute die jüdische Jugend an die Arbeit, ihre Schaffensfreude, ihr Opfersinn wächst aai der Größe der Angelegenheit und fordert von der jüdischen Öffentlichkeit die gleiche Opferbereitsohaft. Es ist etwas Großes, was in Palästina durch jüdische Hände und jüdischen Idealismus geschaffen worden ist, und es kann noch unendlich größer werden, wenn die jüdische Öffentlichkeit Mann für Mann und Frau für Frau ihre Pflicht tut und Geld gibt. Die jungen Burschen und Mädchen geben mehr: ihre Gesundheit, ihr Leben. Aber sie, die Generation, die das jüdische Volk von morgen sein wird, erarbeitet sich und dem Volk Freiheit und Glück. Und wenn man den Anlaß der Hule-Konzession zu einer kurzen, knappen Rückschau benützt, dann kann man mit berechtigter Freude auf das Ergebnis blicken. Palästina, etwa so groß wie Belgien, mit seinen 30.000 Quadratkilometer — Niederösterreioh zählt 20.000, Mähren 19.000 Quadratkilometer — war bis zur zionistischen Ära nur ein romantischer Begriff, heute steht es im Weltverkehr an ehrenvollem Platz. Die jüdische Bevölkerung ist von 60.000 vor dem Krieg auf bereits über 300.000 Menschen angewaohsen, und dieser Verfünffaclmmg entsprechend, hat sich auch das Verhältnis zur arabischen Bevölkerung geändert. 14 Millionen Pfund Spargelder und Depots liegen heute in den Geldinstituten des Landes, eine fast riesenhafte Summe, von der vor der jüdischen Masseneinwanderung noch gar nichts vorhanden war. Dieser Betrag muß langsam in die Wirtschaft einströmen, neues Land erwerben, neue Arbeit hervorbringen.. Das Landesbudget beträgt in diesem Verwaltung, sjahr fünf Millionen Pfund und hat sich gegen das Vorjahr um 1 A Millionen erhöht, wobei wohl zu bemerken ist, daß im Vorjahr ein Überschuß von VA Millionen erzielt worden ist. Es gibt auf der Welt keinen Staat, der solche Erträgnisse aiufweist. Das europäische Gespenst der Arbeitslosigkeit ist in Palästina in kaum nennenswertem Ausmaß zu verspüren. Das jüdische Volk arbeitet in einem beschwingten Tempo, in Tenne und Werkstatt, und es hat aufbauende Leistung vollbracht, die ihm die staunende Anerkennung der Welt sichern müßte. In der Zeit, da in Europa kein wegweisender Gedanke zum Überwinden der Wirtschaftskrise sich zeigt, da die Völker in Haß und Mißtrauen ihr Vermögen in Waffen vergeuden, hat das hungernde, verfolgte, verarmte jüdische Volk aus seiner eigenen Kraft ein Land dem Weltverkehr aufgeschlossen. Sicherlich ist, gemessen an den europäischen Staatsorg anisationen, der Aufbau Palästinas eine geringfügige Angelegenheit. Aber er ist in der Entwicklung, er ist — und kein europäischer Staat hat in derselben Zeit auch nur annähernd ähnliches vollbracht. Das neue Regime Deutschlands, das immer von Antrieb und Leistung redet, hat seine Siedlungsaktion eingestellt und steckt das Geld in Rüstungen. Aber das jüdische Volk hat ohne R efclames ehr eiere i über 200.000 Menschen auf dem Boden angesetzt, die Einwanderung geht weiter, und bald werden die Hule-Sümpfe unter Pflug genommen werden. Die. Jugend der europäischen Völker verdorrt unter der Arbeitslosigkeit und ist froh und glücklich, wenn sie kaserniert werden kann, — die jüdische Jugend hat ein großes, die Seele befreiendes Ideal vor sich, für das sie arbeitet. Wir sind nicht von Wohlwollen umgeben, und selbst das Palästinawerk, mit dem wir keinerlei fremdes Interesse berühren, wird durch Rankünen der Mandatsbehörde gehemmt. Es macht Europa wenig Freude, daß die Juden ihre Erlösung selbst durchführen, daß sie zum Boden zurückgekehrt sind und beweisen, was ernstes Streben zuwege bringt und felsenfester Glaube a.n die Wahrheit der zionistischen Idee, Was Palästina heute ist, was es gilt, was es an Werten besitzt, das haben die Juden geschaffen; dieses Verdienst kann ihnen niemand abspreohen und der Oberkommissär Wauchope muß mit kaum verhülltem Unbehagen den Arabern vonhalten, daß sie jahrzehnetlang die Hule-Konzession in Händen hatten und sie müßig liegen ließen. Er hat ihnen vor Augen führen müssen, was die jüdische Arbeit auch für sie bedeutet und er hat ihnen sagen müssen, daß das Parlamentsprojekt vertagt werden muß. Allerdings konnte er ihnen nicht mitteilen, daß der Grund in dem Widerstand der Juden liegt, die ihre Zukunft nicht von Beschlüssen einer ihnen feindlichen Majorität abhängig machen lassen. Demokratie und Volksvertretung in Ehren — aber erst dann, wenn die Partner gileich sind und wenn nicht die Möglichkeit besteht, daß zur Störung einer sich anbahnenden Verständigung der englische Offizier eingreifen und Juden gegen Araber oder Araber gegen Rituelle MozzesfabriKationsmaschinen seit vielen Jahren bewährt und als die besten anerkannt, sowie alle Maschinen zur Erzeugung von Teigwaren usw. liefert billigst ING. LUDWIG MANDL Spezialmaschinenfabrik Wien, XV8I., Wattgasse Nr. 78-80 Juden ausspielen kann. Mehr Menschen, mehr Geld! Jeder Tag, der diese Parole befolgt, ist ein Schritt nach vorne, jedes Geldstück mehr, ist mehr Erlösung de« Bodens, mehr Arbeit für jüdische Menschen und damit mehr Sicherung des inneren Friedens. Und jede Haßorgie irgend eines europäischen Giftsystems ist für uns ein neuer Ansporn, die Zukunft unserer Kinder zu öffnen, freier zu gestalten und sie auf den Weg zur jüdischen Mutter zu leiten. Das Hule-Land wird Menschen verbrauchen, abgesehen von den hohen Geldkosten, abgesehen von der englischen Bedingung, daß ein Drittel des Bodens nach seiner Assanierung den Arabern zur Verfügung, gestellt werden muß. Die jüdische Jugend geht imgeduldig, fiebernd vor Arbeitsdrang an das Problem heran und sie wird Helm und Herd für neue 20.000 Menschen gründen. Diejenigen, die im Hinterland leben, müssen ihre Steuer leisten für die, die nach uns kommen. Gebt Geld dem Zionismus! Er wandelt es in Freude und Lachen um. „Ossevatore Romanou über die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina Rom, 11. Dezember. (2. T. A.) „Ossevatore Romano“, das offizielle Organ des Vatikans, befaßt sich im Leitartikel in wohlwollender Weise mit der Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina« „Die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina“, heißt es in dem Artikel, „ist ein Problem, das in erster Reihe die palästinensischen Juden angeht. Die palästinensischen Juden haben das Gefühl von Menschen, denen es gelungen ist, sich von einem untergehenden Schiff auf sicheres Ufer zu retten. Darum ist es auch richtig, daß sie das Schicksal ihrer Glaubensgenossen, die sich noch nicht zum Ziel durchgeschlagen haben, mit von Mitleid überströmenden Herzen verfolgen. Und so ist es auch zu verstehen, daß die Bewohner Erez Israels an Hilfsaktionen jeder Art für die aus Deutschland ausgewanderten Juden mit besonderer Hingabe teilnehmen.“ BESTE QUALITÄTEN! ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 y

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