Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 408 (11.12.1934)
- Date
- 1934-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S?!*@ 2 DIE STIMME NY. 408 — 11. pTzcmbcr ir>r. V indes die« alles geschieht., haben die Führer sieh ein herrliches Lehen eingerichtet und überlassen das Volk seiner Qua.l. Der Not. zu .«feuern i«t ihnen unmöglich, weil sie nichts wissen. Deutschlands Geist Ölkultur i't etwa a.ut' die Zeit de« hoino heidolhergensi« zurückgewerfen werden. Der ganze Natiunalsnzialisnins. der überhaupt keine Tlie1 do-gie besitzt, ist nicht imstande, irgend etwan ro'sitive« zu unternehmen und sein L’egi.-ren wird mit Gumniikniittei und Reit* peitsche besorgt. Aber der Antisemitismus blüht und je größer die Not. um so dicker ehe Lüge und die Hotz'1. Gm! zu diesem Zweck, rechtzeitig die waffenloeun Juden den Trägem der Fährt« nmeßser zu denunzieren. -chreibt Alfred Rosetiiborg «seine Auft>ärze. klebt er sich an die Fälschung .«eines lleiniataeno'Srii. des Ochrana - Generals llatsehkowcky und singt den Mythos wider die Juden. WIR BERATEN SIE IN ALLEN BAU- und GRUNDSTÜCK- ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BÜRO IN WIEN UND HÄiFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTU R-B 0 R O" AN DIE REDAKTION DER „STIMME" Tagung des Administrativ ausschusses der Jewish Agency Wie die Exekutive der Jewieh Agency offiziell nwtteilt. wurde eine Sitzung dcv> Administrative Committee der Jewißh Agency i ii r d e u 31. D e z e m b e r 1934 n a c h New York einberufen. Die Einberufung erfolgte nach Beratung mit Sir Osmond d’Avigdor Goklßinid und Dr. Cyrus Adler. Auf der Tagung soll die Zustimmung des Administrative Committee zur Aifwit uni Politik der Exekutive der Agency a-iusgortproelien mul ihr Unterstützung zugesagt werden. Ferner .stehen auf der Tagesordnung Beratungen über Probleme p olitischcr und finanzieller Nat u r, der Einwanderung und Kolonisation, sowie die Frage der Stärkung des nicht-zionistischen Teiles der Jewish Agency in Amerika und anderen Ländern. Maßnahmen zur Herbeiführung einer Änderung der Verfassung der Jewish Agency sollen auf der Tagesordnung nicht erörtert werden, Cecil für Minoritätenschutz in England Zeitungen verschiedener Länder veröffentlichen unter der Überschrift „Was wird aus den Minoritäten?“ einen Artikel von L o r d R o b e r t Cecil, in dem dieser den Vorschla g macht, England möge als erste Großmacht freiwillig die Verpflichtungen des Minderheitenschutzes auf sich nehmen und damit den Weg für eine Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes ebnen. Lord Cecil erörtert die Schwierigkeiten, die einer sofortigen Verallgemeinerung de3 Minderheitenschutzes in Genf irn Wege standen, erwähnt in diesem Zusammenhang einen Vorschlag de Valero a s, durch einen internationalen Ausschuß ein von allen Staaten anzunehmendes Maß von Menschenrechten statuieren zu lassen, spricht von der Notwendigkeit, daß die bezüglichen Verpflichtungen nicht durch Zwang, sondern freiwillig übernommen werden, und erklärt: „Und da kein Argument so kraftvoll ist wie ein gutes Beispiel, so schlage Ich vor, daß das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland aus eigenem Antriebe dieselben Verpflichtungen, wie s i e i m polnischen Vertrage vorgesehen sind, für alle seine Minoritäten innerhalb seiner Rechtssprechung, auch für die in den Kolonien und Niederlassungen, übernehmen möge.“ Österreichs Antwort auf das Saar• Memorandum der Revisionisten Paris, 7. Dezember. Die ö s t e r r e i c li i s eh e Delegation beim Völkerbund hat der Exekutive der Union der Zionisten-Revisionisten auf deren Memorandum betreffend Schutz der Saar-Juden wie folgt geantwortet: Da Österreich im Völkerbundsrat nicht vertreten ist, ist es auch nicht berufen, sich in Genf über auf das Saargebiet Bezug habende Fragen zu äußern. Aber wir bitten Sie zu glauben, daß dio österreichische Delegation mit lebhaftestem Interesse und vollster Anteilnahme auf eine positive und günstige L Y > u u g diese« Problems wartet; eine Lösung, die auf eine allgemeine Weise und ausnahmslos alle von der einen und der zweiten rVito geforderten Garantien biefel. Die Vorfälle in Prag Prag, 6. Dezember. (Z. T, A.; Dr. Maxim Reiner, Advokat. Präsident d e r P ra g c r -1 ii d is e h o n K u 1t u s g i' in e i n d e und Vorsitzender des Verbandes der tschechoslowakischen Juden. ist a u h d c r N a t i o n a 1 d e m o k r a- 1 i s c h e n P a r t < i a u « g e frei e n. Wie die Zeitungen glauben. .«tolltdieser Schritt l)r. Heiners in Zusammenhang mit dem nunmehr liquidierten Prager Universitätsstreit, in dessen Verlauf gewisse Führer der Nationaldemokratie auch eine antijiidisehe Haltung eingenommen hatten. Dr. Maxim Reiner hat in der Natioualdemokratie eiue einflußreiche Stellt' inne gehabt. Der Klub ..Pritomnost“ veranstaltet einen Debattenabend über den Prager Universitätsstreit. Der Hauptredner, der bekannte Publizist! Dr. Hubert Ripka, erklärte unler anderm: Der erste Angriff ging von den deutschen Studenten aus. deren Verhalten von jedem Tschechen als Provokation empfunden werden mußte. Am zweiten und dritten Tagt' aber ist überhauptnicht mehr gegen die deutschen Studenten demonstriert worden, sondern gegen die Juden. Ripka bezeichmde die ..Nationale Vereinigung“ als die Anstifterin der Demonstrationen. Zum erstenmal halte man in den Prager Gassen N a c h a h m e r H i t-1 e r s gesehen. Derselbe Instinkt, der in Deutschland Rächer verbrannt habe, habe sieh in Prag vorläufig noch mit dem Zersehlagen von Fenstern begnügt. Dio Demokratie müsso diesen Tendenzen mit allen Kräften entge.gomvirken. Prof. K o z a k erklärte, der tschechische Faschismus sei eine reine ü b e r s e t z it n g des Hi 11 er i s mu s. Die Tschechen sollten nie vergessen, daß sie immer n u r m i t Hilfe des Geistes gegen die Gewalt gesiegt haben. mm 1CA in Sowfetrußland eingestellt Moskau, 7. Dezember. Wie der Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agontur zuverlässig erfährt, hat Oomzct. die von der Regierung der Sowjetunion eingesetzte Komnjjssion für Zuführung der Juden zu Landwirtschaft mul Industrie, die Vertretung der Jewish (Kolonisation Association (ICA) in Moskau offiziell benachrichtigt, daß beschlossen wurde, alle Tätigkeiten der .10A in den j ü d i s c h e n R a yonon d e r S o w jetunion z u li q u i d i e r e n. Dio ICA hat mehr als 20.000 Juden angesiedelt, ihnen Vieh und Maschinen versorgt, Im ganzen hat sie 0 Millionen Golddollar in Rußland investiert. Dafür wird sie jetzt vor die Tiir gesetzt. Jerzabek hetzt schon wieder Der unter der Führung des ehemaligen christliehsozialen Abgeordneten J eia b ek stehende A n t i s e m i t e n b u n d feierte kürzlich das Jubiläum seines fünfzehnjährigen Bestandes. Offenbar aus diesem Anlaß und um das Wort dos Stifters des Christentums „...und Frieden den Menschen auf Erden“ zu verwirklichen, verbreitet der Antisemitenbund in Wien Flugzettel mit folgendem Inhalt: Weihnachten! Kein Fest de« Jahres ist so chrißtlieh und deutsch wie das Weihnaohtsfesfc. Keine Zeit verpflichtet uns aber auch mehr, uns daran zu erinnern, daß wir Christen und Deutsche sind, denn der Heiland ist nicht durum in die Weit gekommen, daß der Jude mit seinem Namen Geschäfte mache. Zur Weihnachtszeit diene uns Ariern der alft,* WahDpruch: Christen, kauft nur bei Christen! Die Gaben für den Weihnachtstisch n u r vom arischen Kaufmann! Arier! Kämpfet mit uns für Euer bodenständiges Volk, für Euere chrietlich-doutscho Kultur, für eine christlich-deutsche Heimat. Deutsch - österr. Schutzverein Antisemiten-' bund. Geschäftsstelle: Wien VIII., Josefsgasso Nr. 4—6. Postscheck-Kto. A 188.405. Fenisprcoh-Nr. B 46-3-68. Beitrittsanmoldung und kostenlose Ausfolung von Werbematerial wochentags von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 14 Uhr. Verleger und für den Inhalt, verantwortlich: D.-ö. Schutzverein Antiseinilenbund (Dr. Anton Jerzabek), Wien, VIII., Josefsgassc 4—6, Druck: Buchdruckerei Eduard Bauer (Witwenfortbetrieb Marie Bauer, verantwortlich Alois Petuelli), Wien, XVIII., Gerstihofer-Straße 14. & Sogar in Deutschland wird der Weihnachtsfriede gehalten. In Wien wagt es der Antiseinitenbund, eine derartige Hetzpropaganda zu betreiben. Dazu sind noch dio Flugzettel mit einem Impressum versehen. Das ist eine direkte Herausforderung der Regierung. Der Antisomitenbund sagt damit: Wir verstecken uns nicht, wir bleiben nicht anonym, wir stehen für unser Vorgehen ein. Diese Herausforderung kann sich dio Behörde nicht bieten lassen. Wir verstehen nicht, wieso es möglich ist, daß ein behördliches Einschreiten gegen die Flugzottel, die massenhaft verbreitet werden, b i s h o r n i c h fc e r f o 1 g fc e. Die Israelitische Kultusgomeindo Wien ist bereit«, wie wir bei Drucklegung erfahren, bei der Behörde mit dem Antrag auf Beschlagnahme eingeschritton. Es wäre wohl angebracht, daß die Polizei dem Antisemitenbund ein größeres Augenmerk zuwenden würde, ebenso der ariwaclisenden Verhetzung der Bevölkerung durch Bücher und Flugzettel« Neue Tips für Judensehttüffelei Der .«onsat ioneile gegen den Komponisten „jüdischen Versippung weil er mit Juden musizierte Furtwänglens. der für Hindemitli griffen hatte, und die dadurch fene Panikstimmung unter den noch Dritten Reich tätigen Musikkoryphäen, die sachverständig genug sind, um die Ansicht Goethes: „Politisch Lied — ein garstig Lied“, zu teilen, bedeutet, für den Nationalsozialismus eine schwere Gefahr. Nicht wegen der Blamage, als die diese Ereignisse von der ganzen Kult,urwelt belacht werden, — Nationalsozialismus und Kultur haben sich ja längst als kontradiktorische Begriffe entpuppt — noch auch wegen der neuen Entgeistung des Dritten Reiches — die Grundlagen des Dritten Reiches sind ja von Hitler selbst als Kampf gegen den Intellektualismus charakterisiert worden —, sondern wegen des Hinsohwindens der bisher noch vorhanden gewesenen Möglichkeiten, die Judenschnüffelei auf dem Gebiete der deutschen Kunst fortzusetzen. Wovon soll der Nationalsozialismus fortan sein geistiges Leben fristen, wenn die Judenschnüffier keine Beschäftigung finden? Nun, sie brauchen noch nicht zu verzagen. Von Mitleid mit ihrer Lage erfaßt, geben wir ihnen folgende Tips: Hören wir, was der geniale Literaturhistoriker Wilhelm Scherer über die repräsentativen Geister der mittelalterlichen Klassik in Deutschland tun 1200 sagt: „Wir gewahren ein freies Umherblicken, daß alle Vorurteile überwindet und im Adel der Seele das wahre Glück des Menschen sucht... Mit der Toleranz der Nationalitäten geht die Toleranz der Religionen und die Lösung von starren Lebensgesetzen Hand in Hand... Die mittelhochdeutsche Dichtung in ihren hervorragendsten Vertretern ist, wie unsere moderne klassische Literatur, getragen von dem Grundsatz der Toleranz.“ Was will man noch mehr: „Toleranz der Nationalitäten und Konfessionen“, „Adel der Seele“, „Lösung von starren Lebensgesetzen...“ Arier, merkst du waß? Dazu kommt noch das verdächtige Inkognito, das die Meister des deutschen Minnegesanges und des höfischen Epos geheimnisvoll umhüllt. Könnte man der damaligen Zeit Verständnislosigkeit für die Ewigkeitswerte deT Kunst zubilligen, dann müßte man eben daraus schließen, daß die Dichter als Opfer dieser Verständnislosigkeit der Vergessenheit anheim gefalleu sind. Es ist aber gerade das Gegenteil der Fall. Wie rege im 13. Jahrhundert das Interesse für das literarische Schaffen war, beweisen die berühmten Stellen in einzelnen Dichtungen der damaligen Zeit, die regelrechte Kritiken der Kollegen in Apollo darstellon. Um so mehr fällt dor gänzliche Mangel an b i o gr a p h i ß c h e n Daten auf. Ein einziger Minnesänger hat eine Art Selbstbiograpbie hinterlassen: Ullrich von Liech tonst ein. An seinem Ariertum ist denn auch nicht zu zweifeln, ebenso wenig an dem Judentum des Minnesängers S ü ß k i n d von Tr i in b o r g. Von den anderen wissen wir aber nur wenig, doch d! *ses Wenige müßte ausreichen, um sie d u Raßseubcbnülflern zumindest verdächtig z i machen. So weiß man von dem Exiker Hartmaim von Aue, daß er sich diesen Nadem men nur a ngein aßt hat, da er mit dem derer von Aue nicht in verwandtschaftlichen, sondern in anderen Beziehungen gestunden ist. Die Art dieser ist ganz dunkel. Könnte er im; nicht der — Ilofjude de« genannten Hauses gewetsen sein? Immerhin fehlen in diesem Falle positive Anhaltspunkte für eine solche Annahme, wenn die Ilakenkrenzler nicht schon die verdächtige Frechheit, die der Verfasser des „Iwein“ und de« „Armen Heinrich“ bei der Wahl seines literarischen Pseudonym« an den Tag legte, indem' er den Namen eines mächtigen Adelsgeschiechlß annektierte, als sicheres Symptom werten wollen... Dagegen habe ich mich immer gewundert, daß sie den liboralistischen L e i t• a r t i k e 1 s c h r c i b e r Walter von derVogelweide noch nicht als Juclenistämmling entlarvt haben. Bei ihm lassen eich schon eher positive Verdachtsmomente finden, zum Beispiel der für daß Mittelalter unglaublich kühne Vers, der die drei Konfessionen einander glciohßtellt: „Ihm dienen alle Christen, Juden, Heiden, Der alle wunderbar ernährt.“ Nach dem Leitartikel ist bekanntlich der Aphorismus ein beliebtes Bumaneheld de« jüdischen Geistes. Richtig wagt der berühmteste Aphoristiker dos Mittelalters, der unter dem Pseudonym (!) Freidank schrieb, die ketzerische Frage, ob die Juden wirklich verdammt seien. Man muß zugüben: Verdächtig, höchst verdächtig ... Am ärgsten aber treibt es Wolfram von Eschenbach. Nicht mir, daß er Christen und Nichtchristen wiederholt — in seinem „Parsifal“ und im Epos „Wiilehalm“ — al.s Halbbrüder, nämlich als Kinder eines Vaters auf treten läßt, so wie 600 Jahre später der längst ate verjudet entlarvte Verfasser von ,.Nathan, der Weise“ —, hat Wolfram alle antisemitischen Stellen, die er in den von ihm benützten französischen Vorlagen fand, sorgsam ausgemerzt... Daß die Bücher dee Alten Testaments im Mittelalter vielfach in poetischer Form bearbeitet wurden, ist noch nicht verdächtig, da es sich um einen gemeinsamen religiößen Besitz von Juden und Christen handelt. Ganz andere steht es um die auffallend häufige Verwendung rein t a 1 m u d ischer Motive in alteloutßchen Dichtungen, so in dem berühmten „Alexanderlied“, wo das Vordringen Alexandere dee Großen zu den Pforten dos Paradieses auf eine rabbinische Dichtung zurückgeht. Das ißt alles viel zu wenig bekannt und stellt den Judensohnüffleim ein vorbeißungevolleß Gebiet in Aussicht, da« ßie um so ungestörter beackern dürfen, als sie sich bei dießen Autoren keiner Intere.ssene oh ädi - gung des deutschen Buchhandels außßetzori, da es ßich um Werke handelt, die heute ohnehin nicht mehr gelesen, sondern nur noch im Schulunterricht erwähnt werden. Wer nachweißt, daß sie dieser Ehre iim Dritten Reiche unwürdig sind, kann sich die höchsten Orden verdienen. Alfred Dreyfus operiert Paris, 7. Dozomhor. Oberst Alfred Dreyfus hat sich vor einigen Tagen einer Operation unterziehen müssen. Die Ärzte erklären, daß der Patient, der 75 Jahre alt ist, außer Gefahr ist. Krieg Nazidoutechlands Ilindcinith, vorgeworfen wird, die Absägung Partei erhervorgeru- Adelsgesehlecht Beziehungen Höchste Zeit zur Anmeldung für Ihre Reise nach Polen Wir fahren am 20. und 23. Dezember von Wien ab Anmeldungen: E. Ferstel, I., Kärntnerring 12, Telephon U 40-301