Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 407 (7.12.1934)
- Date
- 1934-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Oll STIMM1 Nr. 407 — 7. Dezember 19S4 Besuchet Emlniers Gaststätten am Pratersternt . . . . ..... Bitteres erspart geblieben. Der Minderheitenschutz hat auch in Österreich den Gelüsten unserer Getarnten eine unüberschreitbarc Schranke gesetzt. Wäre hinter dem einen tapferen Dr. Goldmann eine vom ganzen Judentum gewählte Repräsentanz gestanden, so wäre wohl die Ausdehnung des Minder heitenschutzes auf das Saarjebiet erreicht worden. Dafür ist es im Augenblick leider zu spät und anstatt ein Recht zu fordern, müssen wir wieder an die Humanität appel lieren. Welche Lage! Die Frage der Saar-Juden ist eine Frage des ganzen Judentums. Wir haben in' den letzten Jahren einige solche Fragen bekommen und wir lernen nicht, sie richtig zu sehen und in ihrer Totalität zu erfassen. Wir haben weder die Mittel noch die Möglichkeit, die Juden aus den Kerkerländern zu erlösen und sie in Palästina zu sammeln. Aber wir haben doch die Möglichkeit, durch einheitliches und organisiertes Vorgehen politisch zu wirken. Der Völkerbund besteht und er ist die Stelle, wo der Hebel angesetzt werden kann. Die Balfour-Deklaration, die durch den Völkerbund zu einem international garantierten Rechtsinstrument gemacht wurde, sagt ausdrücklich, daß wir in Palästina die Heimstätte für dos jüdische Volk errichten können, wobeiklar verstanden werde, daß nichts getan werden soll, was die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgend einem anderen Lande beeinträchtigen könnte“. Der Völkerbund hat durch die Balfour- Deklaration das jüdische Volk als Rechts Subjekt anerkannt. Bis heute aber ist das jüdische Volk nicht Mitglied des Völker bundes. Es müssen alle Anstrengungen gemacht werdenum eine beim Völkerbund akkreditierte jüdische zentrale Institution zu schaffen, die das ganze Judentum vertritt und sich auf seinen Auftrag berufen kann. Aber schon in der Vorbereitung zeigt sich eine derartige gewissenlose Zerklüftung, ins besondere in dem so wichtigen Amerika, daß fast jede Hoffnung schwindet. Redaktion) im allgemeinen bekannt... Wir veröffentlichen aus der Liste die Namen der Anhänger des Status q u o, die in einigen Orten des Saargebietes wohnen ... Man wird wahrscheinlich über die Summen, aber nicht über die Namen erstaunt sein, woraus sich ergibt, daß die betreffenden Zeitgenossen, wie bisher, ohne Gefahr unter uns leben können.4’ Hier handelt es sich um eine nicht einmal versteckte Aufforderung zum Pogrom. Denn man kann diese Worte nicht andere verstehen, als daß im Falle der Rückgliederung die Zeitgenossen, das heißt die Juden, insbesondere die, deren Namen im Blatte veröffentlicht worden sind, nicht mehr ,.ohne Gefahr im Saarge>biet“ leben können. Wenn man dazu den Leitartikel dieses Schmutzblattes liest, der den Titel „II ä n d e ho e h“ trägt, wenn man dort in bezug auf die Juden liest: „Wir rufen dem entgegen: ,Hände hoch4, hier wird nicht einfach eine eilige Flucht nach Vorbach Straßburg oder Metz angetreten“, so kann man an dem Sinn der Drohung nicht mehr zweifeln. Es wird aleo an der Saar, vor den Augen des Völkerbundes, und trotz aller Verordnungen der Regierungskommlssion, ungestraft eine Pogromhetze inszeniert und die jüdische Minderheit diffamiert ©armletöenöett als £)f(L unD (Srfr(fcf)un<i0getrflnf empfohlen Hepp, Heppl am Zürichsee Polen- Weihnachtsreise Abfahrt 20. und 23. Dez. 1934 Vormittag Rückkehr 6. Jänner 1935 Besonders billig — bequem — bewährte Führung. Anmeldungen, Auskünfte: Poln. Verkehrsbiiro «Francopoi1* (Gebäude d, Poln. Konsulats) Wien, III. Rennweg I. T. UI6-4-9U Judenhetze an der Saar Außerordentliches Aufsehen hat vor kurzem die Tatsache erregt, daß die bisher für den Status quo eöngetretene, entschieden ■demokratische Wochenschrift „W e s t- 1 a n d4; von getarnten Nationalsozialisten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angekauft wurde. Wie es heißt, konnten die neuen Besitzer die Zeitung, von der die bisherige Leserschaft abfiel, nicht halten, so daß diese in Konkurs gegangen ist. Die eine Nummer, die unter der neuen Redaktion erschienen war ‘und für die verantwortlich ein gewisser Richard A d t gezeichnet hat, betrieb eine gefährliche Judenhetze, indem sie die jüdische Minderheit an der Saar als den Träger des Status quo- Gedankens hingestellt, und zum Beweis dafür eine offenbar gefälschte Liste von Personen, die angeblich Geld für die Front des Status quo gespendet hätten, veröffentlicht hat, die sehr viele Namen saarländischer Juden enthält. Dazu schrieb das Blatt: „Die meisten (von den in der Liste angegebenen Personen) waren von vornherein gar nicht in der Lage, gemäß ihrer Gesinnung für Deutschland einzutreten. Den Deutschen an der Saar sind diese Zeitgenossen (gemeint sind die Juden — die Zürich, Anfangs Dezember. Tm Jahre 1897 erscholl anläßlich des ersten Zionißtenkongresses in Basel wohl zum ersten Maie im deutschen Sprachgebiet der Ruf aus niohtjüdißohem Munde: „Hoch die Juden!44 Als im Jahre 1932 jüdische Reisende aus Deutschland in Genf und in Zürich davon erzählten, daß in den Straßen Berlins von marschierenden Trupps Rufe ausgestoßen werden; „Juda verrecke!“ oder Lieder gesungen werden, . wie: „Wenn’s Judenblut vom Messer spritzt, geht’s uns nochmal so gut“, dann verstand man ee nicht, daß so etwas im Herzen Europas möglich sein könne, und man glaubte es einfach nicht. Vorige Woche wurden von vielhundertköpfigen Trupps auf dem Alpenkai am Zürichsee Rufe ausgestoßen: „Juda verrecke!“ In Massenversammlungen hielten nationalsozialistische Redner, Schweizer Bürger, Reden, in denen das weltberüchtigte antijttdiische Programm des Dritten Reiches entwickelt wurde. Flugblätter und Zeitschriften der sogenannten „nationalen Fronten“ überbieten sich, die Juden in Stil und Ton des Nürnberger „Stürmer“ von Julius Streicher, anzugreifen. Nun können auch die vornehmen, . kultivierten und im Jahre 1932 imgläubig gewesenen Bürger der Schweiz sich davon überzeugen, daß es in einem Kulturlande ersten Ranges möglich ist, die judenfeindlichen Instinkte der Massen aüfzustachelu und zahlreiche Menschen zu antijüdiisohen Demonstrationen zu organisieren. Was ist eigentlich in Zürich geschehen? „Herrensöhne und G-esindel“, wie eine Schweizer Zeitung schreibt, haben sich zusammengetan, um aus einem belanglosen Anlaß eine leidenschaftliche Agitation für das nationalsozialistische Programm lind gegen die Juden zu entfalten. Es besteht kein Zweifel, daß es diesen, wie sie hier genannt werden, „frontisohtisöhen“ Kreisen nicht in erster Linie darum geht, die Juden zu treffen. Ob sie nun gegen ein ihnen mißliebiges Kabarett, an welchem deutsche Emigranten mitwirken, oder gegen die Aufführung eines Theaterstückes, in welchem der Rassenwahnsinn des Hitlerismus gegeißelt wird, demonstrieren, so ist dies nur ein Angelpunkt, von dem aus sic ganz andere Zwecke verfolgen. Zweifellos wird diese Bewegung mit Geldmitteln aus dem Propagandafonds des Ministers Goebbels gespeist; auch reiche Schweizer Bürger tragen zu den Unkosten dieses Propagandafeldzuges bei. Charakteristisch bleibt, daß der Antisemitismus als wirksamstes Argument gebraucht wird, und daß die antisemitischen Parolen so leicht Eingang Ln dio Hirne und in die Herzen eines großen Teiles doT Bevölkerung finden. Es genügt darum nicht, zu sagen, der ganze Rummol sei eine bezahlte Mache. Man versuche es, unter Aufwendung noch j so großer Mittel, auch nur einen Schweizer dazu zu bewegen, daß er gegen Franzosen oder Italiener demonstriere und Rufe außstoße, wie „Frankreich oder Italien verrecke!“ Auch gegen hohe Bezahlung wird man nicht einige Hundert junge Schweizer finden, die sich zu einer derartigen Manifestation an werben ließen. Aber gegen die Juden Haßrufe ausziistoßen, dazu sind sie leider nur allzu bereit. I Es gibt nämlich auch in der Schweiz eine Judenfrage. Zwar leben unter 4 Millionen Einwohnern nur etwas mehr als 17.000 jüdische Seelen; zwar spielen diese weder in der Politik, noch im Pressewesen, noch in den Ämtern irgend eine Rolle; zwar sind tlie jüdischen Reichen, verglichen mit den alteingesessenen Patriziern uralter Schweizer Familien, geradezu arm zu nennen, — aber trotzdem besteht eine Judenfrage. Der Grund ißt nur historisch zu begreifen. Die Schweiz hat ihre Juden nur sehr zögernd und später als andere europäische Staaten Westeuropas .emanzipiert. Im Volksbewußtsein stellen die Juden eine Immerhin anders geartete Gruppe dar, die auch tatsächlich infolge dieses Verhaltens der nichtjüdischen Umgebung bis auf den heutigen Tag in einer Art von gesellschaftlichem Ghetto lebt. Nur unwillig hat sich da.s Schweizer Volk im Laufe, von Jahrzehnten bis zu einem Standpunkte der Toleranz gegenüber den Juden durohgemngen. Die ältere jüdische Generation begnügte eich mit diesem Zustande, war froh, ihren Geschäften nachgehen zu können und verzichtete im allgemeinen darauf, irgend eine besondere Rolle im öffentlichen Leben oder in den freien akademischen Berufen zu spielen. Nunmehr hat die allgemeine Wirtschaftskrise in der Welt auch die Schweiz nicht verschont. Die jüdische Jugend wendet eich, auf der Suche nach einer Existenz, in höherem Grade dem Studium und den freien Berufen zu. Es gibt jetzt eine größere Anzahl von jüdischen Ärzten und Rechtsanwälten; Juden beginnen sich in höherem Ausmaße ln Kunst und Wissenschaft zu betätigen. Das heißt, auf jüdischer Seite verlangt man G1 e i c hberechtigung, und diese der gesamten jüdischen Gruppe zu gewähren, weigert sich das Volksempfinden. Die nichtjüdißche Jugend erblickt in der jüdischen Jugend eine unerwünschte Konkurrenz und ist froh, in den Juden einen Sündenbock hingeworfen zu sehen, den sie für die verschiedenen Widerwärtigkeiten des Lebens verantwortlich machen kann. Es ist nicht anzunehmen, daß die Judenfrage in der Schweiz trotz des Hepp-Hepp- Geschreis am Züricliseo eine größere Bedeutung erlangen wird. Die wenigen jüdischen Warenhäuser sind kein genügender Dauerreiz für die Aufrechterhaitung eine« lärmenden antisemitischen Radaus. Es gibt nämlich mehr nichtjüdißche als jüdische Warenhäuser. Die Großbanken sind in niohtjüdischen Händen. Die größten Aktiengesellschaften werden von Nichtjuden kontrolliert. Die großen Arbeiterparteien haben hauptsächlich ursch welzeri sehe, nichtjüdißche Führer. Trotzdem wird die zweifellos vorhandene antisemitische Grundstimmung es zuwege bringen, daß die Juden wieder in den Zustand der reinen Toleranz gedrängt und von der faktischen Gleichberechtigung ferngehalten werden. Wie überhaupt gegenwärtig der Idealzustand der Judenheiten in Europa nur Toleranz zu sein scheint. Und auch dieses bescheidene Ideal ißt nur noch in den wenigsten Ländern verwirklicht. ] seit vielen Jahren bewährt und als die besten anerkannt, sowie alle Maschinen zur Erzeugung von T«igwaren usw. liefert billigst ln$. Ludwig Mandl Spezialmaschinenfabrik Wien, XVII., Wallgasse Nr, 78-80 Erklärung der österreichischen Regierung durch den Gesandten im Haag Die I. T. A. meldet aus Amsterdam, 5. d. M.: Der Redakteur der Amsterdamer. Wochenschrift „Centraal Blad voor Israelieten in Nederland“ hatte eine Unterredung mit dem österreichischen Gesandten im Haag, Herrn G. A l e x i c h, über die Lage, der Juden in Österreich. Bei dieser Gelegenheit übergab der Gesandte dem Redakteur! eine schriftlich fixierte Erklärung der österreichischen Regierung, in der der Behauptung, daß die jüdischen Bürger in Österreich minderberechtigt seien, als die anderen Bürger, strikte entgegenge.-* treten wird. Wenn die Juden, heißt es ln der-Erklärung weiter, aus öffentlichen. Funkr tionen oder aus Funktionen an staatlichen Institutionen, wie Hospitäler usw. entlassen werden, so geschehe dies nicht, weil die Entlassenen Juden sind, sondern weil sie als radikale Marxisten bekannt sind oder, gar sich an dem Aufstand beteiligt haben. Wenn die Österreich!-* sehe Regierung politisch kompromittierte Personen entläßt, so tut 6ie dies ohne Unterschied der Zugehörigkeit des Entlassenen zu der einen oder der an- , deren Religion. Es sei nicht wahr, daß die jüdischen Angestellten der Credit-Anstalt in Wien entlassen werden sollten. In der neuen Verfassung Österreichs vom 1. Mai 1934 — so wird weiter erklärt — ist die Freiheit des roligiösen Bekenntnisses und die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz zum Grundsatz erhoben worden. Die Einrichtung religiös geteilter Klassen an den höheren Schulen geschah nach einer, Ordnung, die in Österreich bis 1923 in Geltung war. Die österreichische Regierung tritt ferner der Behauptung entgegen, daß der katholischen Kirche in Österreich mehr Rechte als den Kirchen anderer Religionen eingeräurat wurden. Die katholische Kirche verfügt über religiöse Fonds, aus denen die Kosten für ihren Kultus bestritten werden, während die Juden und die Protestanten, die über; solche Fonds nicht verfügen, für diese Kosten selbst aufzukommen haben. Diese Meldung enthält offenkundige Unrichtigkeiten. Es ist nicht wahr, daß die jüdischen Ärzte und Beamten entlassen wurden, weil sie radikale Marxisten sind oder gar weil sie sich am Februaraufstand beteiligt haben. Es ist weiter unrichtig, daß rl i A T<T n 4L Imn C4 i. j. 1. _ f (N i . AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER r\\/ STUBERLPREISE V ALT-WIEN IM GRINZINGER KELLER w TÄGLICH MUSIK DER KAPELLE AUERBACH.« KONZERT, JAZZ, STIMMUNG. Ml?WIRKEND: STIMMUNGSSANGER HANS BLASCHEK UND VIOLINVIRTUOSE R. OHLENSCHAGER die Katholiken vom Staat keine Subventio nen zur Erhaltung ihres Klerus erhalten. Im Budget für das Jahr 1934 erschien f ti r d e n katholischen Klerus eine Post von 14 Millionen Schilling eingesetzt, für die Protestanten 600.000 Schilling, während für die Juden koin Betrag vorgesehen war. Sie haben auch nichts erhalten. Es wäre daher angezeigt, daß die österreichische Regierung sich über die Authentizität der vorstehenden Meldung äi Bern und die entsprechenden Richtigstellungen voinehmen würde.