Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 407 (7.12.1934)
- Date
- 1934-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. jüdische zeltung «HM Die vorzüglichen, großen Luxusscfiiffe „GERUSAIEMME“ UND„P||SNA“ der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr) führen nur eine erste und eine Touristenklasse Auch in der Touristenklasse höchster Komfort (zwei* und mehrbettige Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, l.f Kärntnerring 6, Tel. U-47*5>60 jun I |irsAM mm nA*nttt1to«i f||«s I Rudaktlort und Administration: Wien, I., Mirn-Aurel-StraBa 6. 407 I W 1611g 7# nezemuer ly^94 I Tel.: U 22-3-m. RediktionaschfuO Montaf und Mittwoch vorm. I (1. Tebeth 5695) | 8» Jahrgang Das Hule-Geblet jüdisch! Jüdische Vertretung beim Völkerbund Jerusalem, 3. Dezember. Gestern ist ein offizielles Communiqul der Palästinaregierung erschienen, welches die Übergabe der Konzession Uber die großen Bodenausmaße von Hule an die Juden bestätigt. Die Konzession wurde offiziell am 29. November durch den Leiter des politischen Departements der Jewish Agency, S h e r t o k, im Namen der . Exekutive Übernommen. 70.000 Dunam erstklassiger Boden ' Der neuerworbene Boden in Hule, der jetzt in jüdischen Besitz übergegangen 1 ist, umfaßt ungefähr 70.000 Dunam und befindet sich im Norden des Landes, un- ~ tveit' der syrischen Grenze. Nach den notwendigen. Assanierungsarbeiten wird dieser , neue Boden erstklassiges Bearbeitungsfeld abgeben, welches sich sehr gut für ge-' mischte landwirtschaftliche Ansiedlung eignen wird, wenn die Wasserversorgung gesichert sein wird. Nach vorläufigen statistischen Messungen und Schätzungen können auf dem neuerworhenen Boden ungefähr 7000 Familien neu angesiedelt werden., Laut einer Abmachung werden auf einem Teil des neuen Bodens die arabischen Pächter weiter verbleiben. Die Realisierung dieses neuen Kolonisationsprojektes wird Investitionen von über einer halben Million Pfund erfordern.’ Diese Summe ist bereits-diurOli verschieden- Stellen gesichert; Der Übergang solch großer Bodenäusmafie in jüdischen Besitz bät sicherlich eine große Bedeutung für die gesamte jüdische kolonisatorische Arbeit in Palästina. * Die Bedingungen des Kaufes Die - Konzession war bekanntlich in den Händen einer Gruppe arabischer Effendis aus Syrien, die die Konzession noch vor dem Kriege von der türkischen Regierung erhalten hatten. Die Frage des Ankaufs dieser Konzession wurde im Laufe der letzten Jahre mehrfach erwogen, jedoch ßcheiterten die Verhandlungen immer wieder an der zu hohen Kaufßumme, die die Konzessionsinhaber forderten, wie den hohen Investitionen, die die Austrocknung der Sümpfe erforderlich macht. Wie wir nunmehr erfahren, hat die Paleßtine Land Development Company die Konzession für L. P. 150.000 gekauft. Die Regierung hat den Verkauf bereits bestätigt — allerdings nur unter äußerst drückenden Bedingungen: die Palestine Land Development Company muß, nachdem sie das ganze Gelände trockengelegt hat, der Regierung kostenlos ein Drittel des Gebietes abtreten. Die Sanierung des Geländes wird sich schätzungsweise auf A Million Levante Pfund stellen. Da das Gebiet, das für die Bearbeitung in Frage kommt, zirka 50.000 Dunam beträgt, stellen sich die Kosten des Bodens nach Abgabe des Regierungsdrittels also außerordentlich hoch. Vor der Mandatskommission Die Frage der Huleh-Böden hat auch schon die Mandats-Kommission des Völkerbundes beschäftigt. In der Sitzung der Kommission im November 1932 erwiderte Sir Arthur Wauchopo als der Bevollmächtigte der Mandatarmacht auf eine Frage von Lord L u g a r d, die Böden am Huleh-Seo seien fruchtbar, aber ihre Besiedlung stoße auf juridische Schwierigkeiten, da bereits vor dom Kriege, die türkische Regierung einem Konzessionär i gewisse Privilegien gewährt habe. Er fügte 1 hinzu, daß für die Trockenlegung des Gebietes etwa eine Million Pf und benötigt werden würde. In dem Bericht der-Mandatsregierutig .an die Mandatskommission vom Jahre 1923 wurde mitgeteilt, daß „ein Abkommen mit den syrischen Inhabern der Ottomanischen Konzession für Trockenlegung und Urbarmachung der Huleh-Sümpfe getroffen wurde, demgemäß die Konzession in einer wesentlich verbesserten Form unter der Bedingung bestätigt wird, daß die Konzessionäre ein Mindestkapital von 100.000 Pfund innerhalb eines Jahres auf bringen und eine Betriebsgesellschaft gründen“. Der Beginn der Trockenlegung bevorstehend Mit den Drainage ar bei t. en im Huleh-Gebiet wird bereits in allernächster Zeit begonnen. Diese Arbeiten werden innerhalb dreier Jahre beendet sein und zwar so, daß in jedem Jahre ein Drittel des Bodens trocken gelegt und besiedelt wird. Die Beschaffenheit des Bodens ist bereits erforscht, er eignet sich hervorragend für alle Arbeiten von Bodenkultur. Das Gebiet liegt an der syrischen Grenze, aber ganz auf der palästinensischen Seite. Die Transaktion bei der Erwerbung der Hüleh-Konzession wurde von der Palestine Land Development Company in Gemeinschaft mit Herrn S m i 1 i a n s k y, der Palästinensischen Arbeiter-Bank und der Palestine Labour Contracting Organisation Jachiin mit Bewilligung der Palästina- Regierung durchgeführt. ¥ Wie es heißt, sollen die Bedingungen, unter denen die Huleh-See-Konzessdon erworben wurde, drückende sein. Trotzdem ruft die Nachricht allenthalben Freude hervor. Das Zionistische Landeskomitee für Österreich hat die Zionistische Exekutive zur Erwerbung der Huleh- See-Konzession beglückwünscht, Die Saar-Vorschläge des Dreierkomitees des Völkerbundes sind dem Plenum vor- ‘gelegt worden. Sie bestehen aus zwei Teilen. Der eine enthält die vom Komitee autonom formulierten Texte für die status-quo-Definition, das heißt für den Fall des für Hitler: Deutschland ifhgünstigen Ergebnisses der Abstimmung; der andere trifft Vorsorge für die Rückgliederung des Gebietes an Deutschland. Es handelt sich demnach um Eventualabkömmen, die erst nach dem 13. Jänner Lebenskraft erhalten werden. Frankreich liat durch Laval erklären lassen, daß es den Ausgang der Abstimmung zur Kenntnis nehmen wird; für Deutschland hat der Außenminister'N eu rat h die Erklärung abgegeben, . daß alle Bewohner des Saargebietes, -also nicht nur die.Stimmberech- ■ t i.g-t e n, gegenjede ' Repressalie infolge 'ÜreT politischen' Haltung vor der Abstimmung geschützt' werden sollen; Während dih’es Jahres sollen alle Bewohner, die sich irgeddwie benachteiligt fühlen sollten, das Recht haben, sich an das: Oberste Abstimm u n g s ge r i c h t zu wenden. Später kann ein Mitglied ■ des Völkerbundrates, wenn es-mit der Haltung der deutschen Behörden gegenüber einem Einwohner des Saargebietee. in bezug auf die Anwendung oder. Auslegung der erwähnten 'Schutzbesfcimmungen nicht einverstanden ist, verlangen, daß der betreffende Fall dem Haager Schiedsgerichtshof unterbreitet werde. Diese Erklärungen haben im gegenwärtigen Zeitpunkt nur akademischen Wert. Die letzte Entscheidung steht nicht beim Völkerbund, sondern bei den Saarländern selbst. Doch sind selbst diese platonischen Zusicherungen Deutschlands vom Dreierkomitee selbst durch die Feststellung abgeschwächt worden, daß die Souveränität Deutschlands nicht beschränkt wird. , Für die Juden des Gebietes von Wichtigkeit sind die politischen Vereinbarungen. Sie enthalten die Erweiterung der ersten beiden deutschen Garantiezusageu für alle Abstimmungsberechtigten und alle seit drei Jahren im. Saargebiet .ansässigen Nichtabstimmungsberechtigten, gleichgültig welcher Religion, Rasse und Staatsangehörigkeit, auf die Dauer eines Jahres; des weiteren das freie Auswanderungsrecht und das freie Recht auf Annahme einer anderen Staatsangehörigkeit während eines Jahres für die 'Saarbevölkerung, ebenso das Recht auf freie Verfügung über Grundbesitz, Liegenschaften und Kapitalien seitens der Auswanderungswilligen, alles innerhalb der einjährigen Schutzfrist. Das sind, wie man sieht, Vereinbarungen, die deutlich erkennen lassen, was man vom Dritten Reich her besorgt hat. Die Vorgeschichte der Verhandlungen, die Berichte der Regierungskommission und der vom Vatikan entsendeten Delegation, lassen diese Befürchtungen als gerechtfertigt erscheinen und so ist ein Akkord zustandegekommeii, der. fast wie ein Vertrag nach einem Kriege aussieht. Die-Juden erhalten eine Atempause vor einem Jahr. Was hernach geschehen, soll, ist offen gelassen: worden und man darf wohl annehmen, daß sich die Akkordanten darüber einig sind, daß nach einem Jahr diedeutsche Reichsgesetzgebung im vollen Ausmaß auf das Saargebiet wird ausgedehntwerden können. Es ist aber auch nichts bekannt worden:über die Frage, wer .während dieses Übergangsjahres die Verwaltung inne hat. Könen die deutschen Beamten und Polizisten sofort einsetzen, dann wird das . Abkommen trotz aller papierenen Zusicherungen im selben' Augenblick in die Luft gehen und der- Völkerbund und alle sonstigen Interessenten werden den Juden wieder einmal ihr Mitgefühl ausdrücken, aber sonst keine praktische Hilfe leisten. Vielleicht wird Frankreich, das eben jetzt in großzügiger Art 6000 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland die Arbeitserlaubnis erteilt, sich der 4000 Saar-Juden anehmen und sie auf irgend eine Art gemäß seiner moralischen Verpflichtung stützen. Von England kann man, wie die Erfahrung lehrt, kaum etwas erwarten. Für den Fall der Rückgliederung des Saarlan.des würde demnach wieder ein Teil des jüdischen Volkes eingekerkert oder entwurzelt werden. Dies verschlimmert die politische Schwäche des Judentums und bringt eine neue Schicht in eine wirtschaftliche Katastrophe, bringt eine neuerliche Vermehrungdes Hasses in den Wohnländern der Juden. Denn böses Beispiel verdirbt gute Sitten und stärkt schlechte. Das ist die Situation, die vor uns steht und auf die wir uns einrichten nfüssen, eine Situation, die nach einheitlichem, rechtzeitigem Handeln schreit. Das Judentum hat in Genf keine Vertretung und wenn man auch mit aller Anerkennung die Tätigkeit des Vorsitzenden des Komitees der jüdischen Delegationen Dr. Goldmann hervorheben muß, dem allein die Festsetzung einer wenigstens einjährigen Schutz: frist durch sein Eingreifen in Rom zu danken ist, so zeigt doch diese Tatsache, daß eine vom ganzen Judentum autorisierte Vertretung viel mehr lütte erzielen können. Dr. Goldmann hat in Rom auf den Minderheitenschutz hingewiesen; durch den Schutz der Zentral Vereinsjuden ist es seinerzeit hintertrieben worden, daß Deutschland die gleichen Bestimmungen in den Friedens vertrag von Versailles aufnahm. Wäre dies erfolgt, so wäre den Juden Deutschlands viel BESTE QUALITÄTEN | ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH ,v- »“'Tä: j| 4J-5-40