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Die Stimme · 1934-11-30 · Heft 405 (30.11.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 405 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 405 — 80. November 1984 Dt« «TIMM« Satt« 5 Sie mit den An Stiiidtn der Welt! Amerika und Canada White Star * Repräsentanz: Wm,!. Kärntnsiving 4 :MZ Die Großmutter im deutschen Adel Bis zum 1. Jänner 1935 muß der gesamte I Adel mit dem Prädikat „di quinto foro“ deutsche Adel gemäß einer Verfügung des! (auf deutsch: Donneretagsmarkt) bekam. Adelsmarschalls, Fürsten von Bentheim, die; Der Stammvater der Grafen B e fc h u s y- England liefert die Yemenans Messer ai Aus Aden traf in Jerusalem eine telegraphische Mitteilung ein, daß mehrere jüdische Familien aus der südarabischen Halbinsel Yemen auf ihrer Durchreise nach Palästina, wo sie sich anzusiedeln gedachten, von der englischen Polizei in Aclen festgenommen und zurück nach dem Yemen abgeschoben wurden. Man ist um das Schicksal dieser jüdischen Familien besorgt, da im Yemen das System der Judenverfolgungen andauert und Juden, die Anstalten getroffen haben, nach Palästina auszuwandern, das Schlimmste zu gewärtigen haben. Schon seit einiger Zeit gehen die englischen Behörden in Aden, das unter englischem militärischen Protektorat steht und dem Vizekönig von Indien unterstellt ist, sehr scharf gegen nach Aden kommende yemenitiscbe Juden vor. Bereits im September d. J. mußten zahlreiche vor den Verfolgungen nach Aden geflüchtete Juden schnell Aden wieder verlassen und unter Lebensgefahr nach dem Yemen zurückkehren. An- ILLIONEN BEGEISTERT Parfüm, Puder, Em de Co'ogne VOLIN \RD, Grase-Paris scheinend hängt dieses strenge Vorgehen der Behörden in Aden gegen die yemenitischen Juden mit den Verordnungen der Palästina- Regierung gegen die illegale jüdische Einwanderung in Palästina zusammen. Die yemenitischen Delegierten auf den letzten Zionisten-Kongressen haben in ergreifenden Worten die Leiden der Juden des Yemen geschildert und auf die Schwierig keiten hingewiesen, die sich ihrer Auswanderung nach Palästina im Zusammenhang mit der Propaganda der arabischen Nationalisten entgegenstellen. Die Juden des Yemen werden aber nicht nur wegen ihrer Palästina- Liebe verfolgt, sie sind auch schweren Drangsalierungen auf religiösem Gebiete ausgesetzt. Nach dem arabischen Aufstand in Palästina im August 1929 hat der Iman Jahija des Yemen unter der Einwirkung einer Delegation palästinensischer Araber einen Erlaß herausgegeben, daß jüdische Waisenkinder zwangsweise dem Islam zugeführt werden. Versuche,-jüdische Waisenkinder aus dem Lande hinauszubringen, wurden schwer bestraft. Im Mai 1932 war auch Aden der Schauplatz ernstcT antijüdiecher Unruhen der Moslems; diese Vorgänge bildeten Gegenstand lebhafter Erörterungen im Londoner Joint Foreign Committee und in der Anglo-Jewish Association, sie wurden u,uch in der Indischen Nationalversammlung erörtert. Verlangen Sie auch im Restaurant, wie auch im Kaffeehaus ausdrücklich „Preblauer-Sauerbrunn“, das gesundheitsfördernde, erfrischende österreichische Mineralwasser. Ahnentafeln vorlegen, durch die der Nachweis der „Blutreinheit“ biß zum 1. Jänner 1800 zurück erbracht werden ßoll. Oberstleutnant von Bogen, Administrator der Deutschen Adelsgenossenschaft, hat kürzlich erklärt, daß die eingeleitete Säuberung des deutschen Adels so durchgreifend sein werde, daß künftighin kein Tropfen jüdischen Blutes in den Adern eines deutschen Adeligen fließen werde; man werde keinen ,,Herrn von Sbylock“ im deutschen Adel mehr finden. Dem „Völkischen Beobachter“ genügen aber die bisherigen Säuberungsmaßnahmen noch lange nicht, zumal bis jetzt nur etwa 2 Prozent des Mitgliedsbestandee aus der Adelsgenos senschaft ausgeschlossen worden seien. Das Blatt erklärt, man werde mindesten die Hälfte des deutschen Adel ausstoßen müssen, wo dann vielleicht an nähernd die Verjudung beseitigt sein wird In den Kreisen der Deutschen Adels genossenschaft erzählt man sich erschreck liehe Dinge über das Ergebnis der Suche nach der arischen Großmutter. Tatsächlich wird die Hälfte der Aristokraten nicht länger verbergen können, daß ihr blaues Blut entweder einen jüdischen Farbzusatz erhalten hat oder gar von „ganz gewöhn lieber semitischer Beschaffenheit“ ist. Da gibt es zum Beispiel die Freiherren von Wetzlar und Blankenstein, die von dem Wiener Juden Isaak Arnstein abstammen, der im Jahre 1762 den kaiser liehen Oberfaktor-Titel erhielt. Der Urahne der Freiherren von Biedermann war der 1769 in Preßburg geborene Händler Michael L a s s a r, der auch der Stammvater ver sehiedener anderer Adelsfamilien, so der Freiherren von Petzenstein und der Grafen Attens war. Die Freiherren von Born hatten den Berliner Bankier Julius Born, ver heiratet mit der Tochter des jüdischen Bankiers Blachstein, zum Stammvater. An der Urwiege der Herren von Breiten b a c h stand der kurhessische Hofjude Wolf aus dem hessischen Dorf Breidenbaoh daher dieser Familienname. Sein Sohn Eduard, schon getauft, wurde hessischer Minister. Baron Cohn erhielt als herzog Iich-anhaltischer Finanzrat und preußischer Hofbankier die Nobilitierung. Ein Sohn des jüdischen Frankfurter Arztes Samuel Dreyfuss erhielt 1867 den württembergischen Barontitel. Zwei seiner Töchter heirateten Adelige, die eine den Baron Novelli in Venedig, die andere den (heute gleichgeschalteten) Berliner Schriftsteller Dr. Ludwig von Wohl. Die Freiherren von Eichtal stammen von Aron Elias aus Leimen bei Mannheim. Die Barone von E m d e n ((heute in England lebend) sind Nachkommen des Hamburger Bankiers Moritz Emden, der mit Heinrich Heines Schwester, Charlotte, verheiratet war. Die Freiherren von Erlanger sind direkte Nachkommen des Frankfurter Rothschild- Prokuristen Ludwig Erlanger; diese Familie ist eng versippt mit dem Prinzen von Solms- Braunfels, nahem Verwandten des letzten Großherzogs von Hessen und des Grafen von Salm. Die sächsische Freiherren-Familie von Kaskel stammt von dem russischen Eisenbahnunternehmer Samuel Fränkel ab. Die Freiherren von G e rsonn, in Sachsen-Koburg „erbeingesessen“, stammen von dem württembergischen Juden Josua Gereon ab und sind verwandt mit dem bayrischen Freiherrn Tautphoeus. Der Karlsruher Bankier Samuel Haber ist der Ahnherr der Freiherren Haber von L i n s b e r g, der Herwärts von Bittenfeld, der Freiherren von Adlerstreu und dor Grafen von S c h ö n f e 1 d. Die Grafen von Seckendorf, deren einer Flügeladjutant und späterer Gatte der Mütter von Wilhelm II. war, ferner die Freiherren von Rothenfels, von Essdorf, von Kotzen und Aufsesz stammen zusammen von dem bayrischen Hoflieferanten Simon ab, der 1818 in München geadelt wurde. Die Freiherren von Wimteretein sind in weiblicher Linie Nachkommen des Wiener Juden Abraham o e 1. Dio Fürsten und Grafen H e n c k e 1 von Donnersmarck sind Nachkommen jenes jüdischen Handelsmannes Lazarus Henkel, der 1590 in Wien den Titel ,,Seiner kaiserlichen Majestät Hofjude und Handelsmann“ erhielt und später den ungarischen H u c war ein Schweizer Jude namens Hugo, j der damals nach schweizerischem Brauch! „Bethäueli-Hugo“ (wahrscheinlich, weil er die Synagoge betreute) genannt wurde. Daraus entstand der stolze Name Bethusy- Huc. Die Fürsten und Herzoge von K r o y, die einst ganz oben auf den Stufen zum Königsthron standen, stammen von einem . im 18. Jahrhundert in Frankfurt eingewanderten Rüdesheimer Handelsmann S i m on j Rothwohl ab. Die bayrischen Freiherren ' von P e r f a 11 haben durch Heirat sehr jüdisches Blut in sich aufgenommen. Der Erzieher des jetzigen Königs von Italien, der spätere italienische Kriegsminister Graf Ottolenghi, stammt nachgewiesener- J maßen von einem deutschen Juden ab, der hausierend durch die Gegend von Ettlingen zog. I Das sind nur einige Namen aus einer Fülle. Viele von diesen nicht reinrassigen Herren haben dem Nationalsozialismus mit viel Geld auf die Beine geholfen und viele von ihnen waren stramme SA- und SS- Führer. Bisher sind von den rund 13.000 Mitgliedern der deutschen Adelsvereinigung schon über 400 ausgeschlossen! worden, weil sich' ihr Blut als jüdisch vermischt erwiesen hat. Nach dem 1. Jänner 1935 wird sich diese Ziffer gewaltig erhöhen und es ist sogar möglich, daß die garantiert Reinrassigen in der Adelsgemeinschaft in die Minderheit geraten. In diesm Zusamenhang sei erwähnt, daß auch die englische Prinzenfamilie Battenb e rg — nahe Verwandte des englischen Königshauses und der Exkönigin von Spanien, die eine Battenbergerin ist — jüdischer Abstammung, ist. Ihr Ahnherr war ein Hofjude auf dem Gute Seiffertsdorf in Sachsen, wohin er durch die engen politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Polen und Sachsen aus Polen gekommen war. Er nahm später den Namen ALLEN VORAN! DAUERBRANDOFEN FÜR KOKS, KOHLE UND HOLZ IN ALLEN PREISLAGEN IV., PRESSGASSE 28 B 20-2-38 LPARKRING 12 R 20-3-57 Haugk an, sein Sohn trat in die polnische Armee ein und wurde später russischer Generalleutnant. Dessen Tochter, Hofdame der russischen Kaiserin Maria, heiratete den Bruder der Kaiserin, den Prinzen Alexander von Hessen, und erhielt dem hessischen Fürstentitel von Battenberg. I. Wollzelle 34, Telephon R 26-4-31 Ab Freitag den 30. November, täglich 8-30 h •o Ein Kaufhaus des Humors in 24 Abteilungen von Artur KAPS Musik von Bruno UHER mit Franz Engel Tu/o tfegns Gerda J,nn,Fiemmln5 Music Hall, New York Redlich Fobes Bergörp Paris Lola v. Hübner, Gustav Wagner, lohn Pullmann Musikalische Leitung: Robert Schwarz Die Bevölkerungsbewegung unter den Juden in Deutschland Die Jüdische Telegraphenagentur erfährt über die weiteren Ergebnisse der Volkszählung von 1933 Zahlen, die das Bild der Bevölkerungsbewegung bei den deutschen Juden in verschiedenen Punkten ergänzen. In Preußen ist, wie bekannt, die jüdische Bevölkerung von 404.446 auf 361.826 Seelen zurückgegangen, das heißt die Abnahme um 42.620 Personen oder 10-5 Prozent hat den Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung Preußens von 1*06 Prozent im Jahre 1925 auf 0-91 Prozent im Jahre 1933 zurückgehen lassen. In den einzelnen Provinzen Preußens hat dieser Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu erheblichen Verschiebungen geführt. Während bei der Volkszählung des Jahres 1925 über dem durchschnittlichen Anteil der jüdischen Bevölke rung in Preußen von 1*06 Prozent Berlin mit 4*29 Prozent und H e s s e n-N.a s s a u mit 2*20 Prozent lagen und nur die Grenzmark Posen-Westpreußen mit 1*03 Prozent an den durchschnittlichen Anteil der Juden Preußens an der Gesamtbevölkerung fast heranreichte, betrug der jüdische Anteil an der Berliner Bevölkerung im Jahre 1933 3*78 Prozent, in Hessen-Nassau 1*82 Prozent. Dem durchschnittlichen Anteil von 0*91 Prozent kam wiederum die Grenzmark mit 0*82 Prozent von allen übrigen preußischen Provinzen am nächsten. War im Jahre 1925 in der Provinz Sachsen mit 0*25 Prozent der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung der einzelnen preußischen Provinzen am kleinsten, so war 1933 Schleswig- Holstein mit 0*20 Prozent die Provinz mit den wenigsten preußischen Juden. Die Abnahme der jüdischen Bevölkerung betrug dort 25 Prozent In Württemberg lebten nach der Volkszählung von 1925 10.827 Juden, das heißt 0*42 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nach der Volkszählung von 1933 waren es nur noch 9938 Personen jüdischen Bekenntnisses oder 0.37 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Abnahme betrug während dieser Jahre 889 die Personen oder 8*2 Prozent Über Verteilung der Juden auf Stadt und Land, beziehungsweise auf die verschiedenen Kommunen gibt die Volkszählung von 1933 folgende Aufschlüsse: Während 24*58 Prozent der Gesamtbevölkerung in Gemeinden unter 1000 Einwohnern lebten, waren nur 10*28 Prozent der württembergischen Juden — und zwar in 39 Gemeinden dieser Größenklasse von weniger als 1000 Einwohnern — ansässig. Auf diese Klasse entfielen insgesamt 1022 Juden. Die Gemeindegrößenklasse von 1000 bis 10.000 Einwohnern umfaßt mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Württembergs, während von der jüdischen Bevölkerung nur rund 20 Prozent mit 1969 jüdischen Einwohnern in 96 Kommunalgemeinden dieser Größenklasse vorhanden waren. In der Gemeindegrößenklasse von 10.000 bis 100.000 Einwohnern finden sich nur rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, dagegen lebten über 25 Prozent der Juden Württembergs — 2539 Juden — in 24 Gemeinden dieser Klasse. Die Gesa-mtbevölkerüng in der Großstadt Stuttgart betrug 1933 414.794 oder 15*39 Prozent der gesamten württembergischen Bevölkerung; demgegenüber konzentrierten sich mehr als 44 Prozent aller württembergischen Juden, nämlich 4408 Personen, in Stuttgart. In konfessioneller Hinsicht zeigen die Ergebnisse der Volkszählung von Württemberg die anhaltende Schrumpfung der Synagogengemeinden. Von 160 Orten mit jüdischer Bevölkerung lebten in 130 weniger als 50 Juden, das heißt in 130 von 160 Fällen (81*25 Prozent) waren praktisch lebensfähige Synagogengemeinden nicht mehr vorhanden. Nur 17 Gemeinden mit zusammen 1305 Seelen erreichten eine Größe von 50 bis 100 Seelen pro Gemeinde, damit also die knappe Grundlage, die das Eigenleben einer SviiagogengotneimTe er Fordert. Eine noch «reringere Aim-hl. n■* 'ir a 13 Gemeinden, hatten größeren Umfan;' Auf

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