Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 405 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit© 4 DIE STIMME Nr. '405 — SO. November 1984 1 Das VolksbilciungM-eferat der Gemeinde "Wien hat Volkshoehse-hulkurse fiir die jiidUehe Bevölkerung geschaffen, die am "dti. November eröffnet wurden. Hiebei hielt Staatsrat Dr. Desider Friedm a u n im Namen der Kultusgemeinde folgende Ansprache: ..Als im Sommer d. J. von dem sehr geehrten Herrn Volksbikhmgsreferenten des Herrn Bürgermeisters der Stadt Wien der Kultusgemeiude die Absicht zur Kenntnis gebracht wurde, im Zuge der Reorganisation des Volksbildungswesens auch ein jüdisches Referat zu schaffen, wurde der Zweck dieser zu kreierenden Stelle dahin umschrieben, daß durch sie das gesamte jüdische Volksbildungswoseu im engsten Einvernehmen mit der Kultusgemeinde gefördert werden soll. In dieser Umschreibung des Zweckes des jüdischen Referates lag nach Meinung der Kultusgemeinde eine Anerkennung ihrer auf Jahre zurückroiehenden Bemühungen. Bestrebungen und Leistungen auf kulturellem Gebiete. Die Wiener Israelitische Kultu «gemein de kann für sich in Anspruch nehmen, daß es kein Gebiet jüdisch-geistigen Schaffens, jüdischer Bildung, jüdischen Wissens und jüdischer Erziehung gibt, das von ihr nicht mit vollem Verständnis und ernstem Bemühen gepflegt wurde. Eine große Anzahl von Vereinen und Institutionen, die auf dem angeführten kulturellen und -wissenschaftlichen Gebiet tätig sind, wurde unter ihrer Initiative ine Leben gerufen, gefördert und in ihrer Wirksamkeit und ihrem Bestand weitestgehend unterstützt. Wenn mit dem heutigen Tag eine jüdische Bildungsstätte, vornehmlich ermöglicht durch die freiwillige Mitwirkung von Rabbinern und Lehrern der Kultusgemeinde, zu den bestehenden segensreich wirkenden, von der Kultusgemeinde geschaffenen und geförderten Institutionen hinzuferitt, und das jüdische Volksbildungswesen in Wien hiedurch eine Vergrößerung erfährt, nimmt der Vorstand unserer Gemeinde von diesem Akte gerne Kenntnis und spricht die Erwartung aus, daß bei dem anläßlich der Errichtung des jüdischen Volksbildungsreferates betonten Grundsatz des einvernehmldchen Zusammenwirkens mit der Kultusgemeinde sich diese Anstalt harmonisch in jenen Rahmen des jüdischen Volksbildungswesens einfügen wird, der schon vorher von der Kultusgemein de geschaffen wurde. In ihrem Bestreben, die Verbreitung und Vertiefung jüdischen Wissens allüberall zu fördern, wünscht unserer Gemeinde durch mich dem heute inauguurierten Werk den besten Erfolg.“ Aus der jüdischen Presse ln Ein Synhedrion für Palästina. fllazioni Haklali“ (Tel-Aviv) schreibt Prof. Bograschoff: .,Es sei die Zeit gekommen, um in Erez Israel eine autoritative Körperschaft zur Regelung des inneren jüdischen Lebens einzusetzen. Die Einsetzung eines Obersten Gerichtshofes im Land, einer Art Synhedrion, zusammengesetzt aus allen Teilendes Jischuic, ausgestattet mit der Autorität zur Entscheidung aller jüdischen öffentlichen Fragen, sei das dring ende. Gebot der Stunde. Es sei die Pflicht der Allgemeinen Zionisten, die Initiative zu ergreifen und ohne jeden Aufschub eine derartige höchste autoritative Körperschaft zu gründen. Dieses Synhedrion solle sich mit allen inneren Problemen, z. B. Erziehung, jüdische Arbeit, mit dem Problem der Bodenspekulation, der finanziellen Tätigkeit, der nationalen Institution, den Besprechungen zwischen den einzelnen Parteien usw. befassen. Ein derartiger Oberster Gerichtshof würde dem Waeid Leumi nicht konkurrieren, er würde einen ganz anderen Charakter haben, würde durch seine Zusammensetzung nicht parteipolitisch gefärbt sein, er würde daher nicht politisch, sondern ein wirkliches Synhedrion der repräsentativen Männer des ganzen Jischuic sein.“ Friede im Vorraum. In der „Chwila“ schreibt Dr. Schwarzbart: Der Verfasser wendet sich gegen die radikalen Elemente der zwei Flügelparteien und spricht die Hoffnung aus, daß die gemäßigten Führer der Linken, die immer ihren tiefen Patriotismus bezeugt haben, siegreich hervorgehen und die Extremisten in ihrem Lager bezähmen werden. Davon hänge die Zukunft des 19. Kongresses ab. Was Jabotinsky anlangt, so müsse er jetzt beweisen, daß seine Organisation die von ihm immer proklamierte Einheitlichkeit und Disziplin aufbringen kann und seinem Befehl Folge leistet. Zur Befriedungsaktion ln der „Ostjüdischen Zeitung“ schreibt Dr. Mayer-Ebner: wenig also bisher erreicht zu nauti) „So im Zionismus. (Cersein scheint, ist mit dieser Londoner Konvention dennoch viel gewonnen. Sie verstopft die Quelle weiteren blutigen Haders und schafft eine Atmosphäre, in der man sich in Ruhe wird auscinandcrsctzcn können. Bei einigem guten Willen auf beiden Seiten wird sich eine Plattform für eine gedeih liehe Zusammenarbeit im Rahmen der Zionistischen Weltorganisation finden, und es ist anzunehmen, daß Jabotinsky, der Filh rer, der von seinen Leuten unbedingten Ge horsam fordert, auch sich gegenüber die Notwendigkeit einer zionistischen Disziplin gelten lassen irird. Niemand will den Zionisten-Revisionisten das Recht verkümmern, im Rahmen der Gesamtorganisation einen Sonderverband zu bilden und für die eigene Auffassung Anhänger zu werben. Jeder Zionist und jeder Sonderverband, alle müssen die Beschlüsse und Richtlinien der gesetzlichen Instanzen respektieren. Zu außenpolitischen Aktionen sind nur die Organe des Kongresses legitimiert. Die sogenannte Petitionsbewegung, deren Mißerfolg übrigens eklatant ist, ist abzublasen. An Stelle der Sabotierung der Fonds hat eine aufrichtige und rückhaltlose Förderung derselben zu treten. Es bleibt jeder Partei, also auch den Revisionisten, das Recht Vorbehalten, bei den Kongreßwahlen um die Erlangung der Mehrheit zu streiten und auf diesem demokratischen Weg für den Sieg der eigenen Anschauungen, aber auch für die Übernahme der Verantwortung, die mit der Leitung verknüpft ist, Vorkehrungen zu treffen. Wird also eine Ordnung auf dieser Basis geschaffen, dann wird die heißerstrebte Befriedung der Weltorganisation zur glückverheißenden Tatsache werden.“ Der Friede und die Friedensstörer. ln „Noicy Dziennik“ schreibt Dr. 0. Thon: „Die Einzelheiten des Abkommens sind noch nicht bekannt... und als Gerüchte anzusehen. Wenn Jabotinsky und Ben Gurion ein Abkommen getroffen haben, so haben sie das im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit getan, und jeder von uns wird diesen Vertrag honorieren können. Die hysterischen Proteste der Extremisten von beiden Seiten dürfen die Einigung nicht stören.“ GOfaBOUlM* Meisterwerte. Ein Ciepin^tfnv vizi £rnsr£Unisditi4. 'WOLFGANö LIEBENEINER als Chopin SYBILLE SCHMITZ als äeorge Sand. RICHARD ROMANOWSKYals Chopins Jreund GUSTAV WALDAU als bissiger Kritiker HANNA WAAG als ChopinsJagendgeliebte . HANSSCHLENKals dränge rSissctr JJcgio t Beta, von, CBoZvarryp MUSIK FRIEDRICH CHOPIN ' " URAUFFÜHRUNG I ELITE-KINO '• IMPERlAL-KINO *■ OPERN-Kl NO X SCHOTTE NR IN&LUSTSPIE LTHEATER*FL OTTEN-KINO* MONOfOl' LUX.-fit,«Vk- GEJ■ /W S H Kinoprogramme der Woche KREUZ-KINO Prolongiert! 1., Wollzelle 16 Tel. R 24-2-16 mit Richard Talmadge Beginn: 4, V46, ‘/aß. V»10 Uhr 11. Roten8ternf>nsse 7a Telephon R 40-0-23 LeoDOldstiüter Volkskino Vom 30. November biB 3. Dezember NEUES PROGRAMM! Wochentags */i6, V«8, ‘/»10 Uhr, Sonn- und feiertags 7«4 Ubr III., Landstr. Hauptstr. 25/271 Telephon B 53-0-92 Vom 30. November bis 3. Dezember Rochus-Kino Vom 30. N( Königin Christine mit Greta Garbo VI., MariahUferstraße 371 Telephon B 20-203 Vom 30. November bis 3. Dezember SCHAFFER-KINO i 30. Noverab NEUES PROGRAMM! Beginn Ueberfiährung der GebeEne Adolf Stands nach Palästina Unter dem Vocrsitz des Vizepräsidenten der Israelitischen Kultußgeme/inde Doktor Josef L ö w e n h e r z ist ein Komitee zur Überführung der Gebeine des einstigen ostgaiizißchen Zionistenführers und Parlamentariers Adolf Stand nach Palästina gebildet worden. Adolf Stand wird in Tel-Aviv neben Dr. Leo Reich beigesetzt werden. Voraus muß man denken/ sich sichern — versichern Phonix j 11 s j i i | i U.iiii 111 liiiilili Allgemeine VevsidFierungs« Ges», Wien, IX., Alierplals 3 Die Jüdische Industrie Palästinas Jerusalem (Paloor). Um 21 Prozent hat sich der Umfang der Arbeit in der jüdischen Industrie Palästinas im Laufe eines halben Jahres, von Februar bis August dieses Jahres, vergrößert. Dieser schnelle Wachstum der palästinensischen Industrie wurde auf Grund genauer Berechnungen der Statistischen Abteilung der Jewish Agency in Jerusalem festgestellt. Bei der vorigen Gesamtzählung der jüdischen Industrie im Februar dieses Jahres waren in 1056 Unternehmungen 11.848 Arbeiter beschäftigt. Bei der letzten Zählung im Monat August dieses Jahres, also sechs Monate später, waren in diesen Unternehmungen, zu denen in den sechs Monaten 84 neue Fabriken hinzugekominon waren, 14.302 Arbeiter beschäftigt. Die Steigerung beträgt also 2500 Arbeiter oder 21 Prozent. Eine besonders starke Steigerung hatten in dem genannten halben Jahre die jüdischen Industrieuntemehmungen folgender Branchen zu verzeichnen: Holzindustrie 25 Prozent, Lebensmittel 23 Prozent, Metallindustrie 21 Prozent, Leder 21 Prozent. Eine starke Ausdehnung hat auch die Textilindustrie, die Bekleidungsindustrie und die chemische Industrie erfahren. Im Zusammenhang mit der Ausdehnung der jüdischen Industrie Palästinas sind im letzten Jahre auch dlie Arbeitslöhne im größten Teil der Industriezweige um zirka 10 bis 15 Prozent gestieg e n. Der 'durchschnittliche Arbeitslohn in den einzelnen Zweigen der jüdischen Industrie ist jetzt folgender: Mechaniker 30 bis 45 Pt. täglich; Textilindustrie: Weber 30 bis 40 Pt.; qualifizierte Schneiderinnen 27^ Pt.; gelernte Maschinisten 45 Pt.: Bäcker 8 biß 11 Pfund monatlich; Schriftsetzer 9 Pfund monatlich; Tischler 45 bis 65 Pt. täglich. Viel höher sind die durchschnittlichen Arbeitslöhne im Bauwesen. Delfiner Silk Industry Ltd. Tel-Aviv (Palnews). Das im Jahre 1924 gegründete Unternehmen hat nach zweimaliger Sohiließung im Laufe der Jahre den Betrieb im August 1932 wieder eröffnet. Am 1. Juli 1933 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umge wandelt, deren Aktionäre die Herren Del fmer unef Johanoff sind. Die Fabrik ist von Herrn Delfiner an die Aktiengesellschaft, deren Kapital 4000 Pfund beträgt, verpachtet. In die Fabrik sind 30.000 Pfund investiert. Sie wurde nach der Wiedereröffnung mit neuen Anlagen ausgestattet. Die Fabrik ist voll beschäftigt. Aus der Landwirtschaft Kurze Nachrichten. In den Keren Hajessod-Siedlungen hat die Getreidewirtschaft, die anfangs auf brachliegenden Feldern Ernten von 300 bis 400 kg pro Hektar erzielte, derzeit infolge rationeller Bearbeitung und Düngung eine Steigerung auf 1200 bis 1500 kg pro Hektar und im abgelaufenen Jahre sogar auf 1800 bis 2000 kg pro Hektar aufzuweison. Arabische Kühe haben einen jährlichen Milchertrag von 600 Liter. Kühe in den jüdischen Wirtschaften bringen im Emek durchschnittlich 3800 Liter jährlich, in den Gebirgsgegenden 6000 Liter, in Einzelfällen 7000 bis 8000 Liter jährlich. Restaurant Rillet -\]£I2 Bestrenomrnierte Küche Reichhaltige Menüs & 11*90 u. 2*60 SchwechaterBr^u H Hnmnu'rpi.irgstallf’asbc \ (nächst Spl;»rnrhri‘irk< Telephon A 41-0-25 Heimat-Kino %4, V46, V48, V4IO Uhr IX., Porzellangasse ll| Telephon A18-0-76 Vom 30. November bis 3. Dezember Uraufführung I GINE Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonnu. Feiert, ab 3 Uh* IX., Währingerstraße 12 Telephon A 18-3-96 Vom 30. November bis 8. Dezember Vom 30. Novem! Königin von Paris (NANA) mit Anna Sfen Täglich: 4, a/ft6, Vs8, */*10 Uhr Zur Versorgung des jüdischen Marktes aus jüdischen Wirtschaften fehlen noch! 10.000 bis 12.000 Liter täglich. Die Ver^ kaufsgesellschaft „Temwa“ hat im abgelam fenen Jahre 9,000.000 Liter Milch, 80 Pro** zont mehr als im Vorjahre, abgesetzt. Im abgelaufenen Jahre wurden 4 Millionen! Eier auf den Markt gebracht, 34 Millionen Eier wurden importiert. Arabische Hühner legen durchschnittlich 60 Eier jährlich, die Hühner in den jlidL sehen Kolonien 150 Eier jährlich. Im abgelaufenen Jahre haben dio jüdischen Wirtschaften 2500 Tonnen Gemüse verkauft, das sind nur 20 Prozent des Bedarfes. Kartoffel bringen 12 bis 15 Pfund pro Dunain. Im abgelaufonon Jahre wurden zirka 800.000 Weinstöcko und 900.000 Obstbäume neu gepflanzt. Die Gesellschaft „Jachin“ pachtete vom Keren Kajemcth in Kirjath Anawim 2000 Dunam Boden zur Anlage von Obst- und Traubonkulturen. Die Bodenverteilung im Wadi Chawarit (Emek Chefer) ist beendet. 1420 Familien orhielten 80.000 Dunam, und zwar: 1. der Mittelstand, 573 Familien, 10.865 Dunain; Mitglieder der Histadruth, 487 Familien, 9080 Dunam; 3. verschiedene Organisationen, wie Jemeniten, Vorhand ehemaliger Legionäre, Ifapoel Hamisrae.hi usw., 260 Familien, 4190 Dunam. Als Reserve für Arbeitslager verblieben 550 Dunam. 17978684