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Die Stimme · 1934-11-23 · Heft 403 (23.11.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 403 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seit« ö DIE STIMME Nr. 403 — 23. November 1934 Die BefriediingsaKtion Deutsch-Jüdische Flüchtlinge gründen Gemeinden Eine Gruppe in Chile eingetroffener de titsch-jüdischer Flüchtlinge hat gemeinsam mit seit Jahren hier wohnenden deutschen und ungarischen Juden eiue Kultusgemeinde gegründet und geht nun daran, eine Synagoge nebst Vensammlungs- und Kulturzentrum (Bibliothek usw.) zu errichten. Führer der Gemeinde sind Hugo Hochschild, Pablo L e v i, H. Tischa u e r, Josef K o 1 ni sch, Leon Rosenthal und Nathan Gärtner. Eine Gruppe junger Juden gründete einen „Jüdischen dramatschen Verein“ und wählte zu dessen Ehrenpräsidenten den früheren Präsidenten der Zionistischen Föderation von Chile, Moses F eiwowitsch, und zum Ehreinvizepräsidenten Salomom Schlimow. — Aus Teheran wird gemeldet: Nachdem die seit den Kriegsjahren in Teheran, der Hauptstadt Persiens, wohnende kleine G-ruppe russischer Juden durch neu zugezogene deutsch-jüdische Flüchtlinge sich vergrößert hat, schritten die Russen und die Deutschen gemeinsam an die Gründung einer asc-hkenasischen Gemeinde und Synagoge. Am vergangenen Simchat Thora- Fest wurde die Gemeinde feierlich einge- ■weiht. Führer der Gemeinde sind Salomon Haschander, Baruch Wadmani und Jehuda Arkin. Der Verein der Buczaczer in Wien gratuliert herzlidut seinem AussdiußmitgUede, Herrn Efraim Lenz und seiner Frau Gemahlin anläßlidiihrer Silbernen Hochzeit. Drei Jüdische Gejlügelhändler in New York niedergeschossen Die unter den Geflügelhändlern ln New York bestehende Spannung hat ßich in einem Attentat auf drei jüdische Geflügelhändler entladen, die in einem Miethause von unbekannten Tätern niedergeschossen wurden; zwei Händler, der 30jährige Abraham Cohen und der 36jährige Max Livingston, sind tot, der 28jährige Irving Bernstein wurde schwer verletzt ins Hospital eingeliefert. Bernstein erzählte der Polizei, er sei i n einem Drohbrief aufgefordert worden, den Geflügelhandel einzustellen. Rabbiner Naohman H. Ebin, Vorsitzender der Kaschruth-Kommission, erklärte, seiner Meinung nach habe dieses Mordattentat nichts mit dem Bann des Rabbinats ge^en Benutzung von Geflügel ohne Kaschruth-Stempel zu tun; es handle sich vielmehr um einen persönlichen Racheakt. Rabbi Ebin erklärte weiters, daß die Händler von 72 (von insgesamt 132) Geflügelmärkten in New York eich schriftlich verpflichtet haben, sich der rabbindschen Kontrolle zu unterwerfen und das für die religiöse jüdische Bevölkerung bestimmte Geflügel mit Kaschruth-Stempeln des Rabbinats versehen zu lassen. Hingegen haben 700 Fleischhändler in Bronx, dem hauptsächlich von Juden bewohnten New Yorker Stadtteil, beschlossen, aus Opposition gegen den rabbinischen Bann Geflügel mit Koscher-Etiketten vom Handel auszuschließen. Marmorsaal de. Nationalhauses (Hotel National) II., Taborstraße 18 für Tanzabende, Hochzeiten, Veranstaltungen usw. zu vergeben. Auskunft Hausverwaltung Telephon Nr. R 47-4-38. Montreals Bürgermeister hein Antisemit Montreal, 21. November. (2. T. A.) Der Bürgermeister von Montreal, Camilien Hood, hat in einer großen jüdischen Versammlung eine Ansprache gehalten, in der er versicherte, die über ihn verbreiteten Gerüchte, er sei Antisemit, «eien unzutreffend; er sei ein Freund der Juden und werde eich stets für die Verteidigung der Interessen der Minderheiten einsotzen. Erklärungen Ben Gurions Triest, 21. November. (2. T. A.) David Ben Gurion, der politische Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish Agency und Führer der Histadruth Hapoalim, der sich auf dem Wege von London nach Palästina kurze Zeit in Triest aufhielt, erklärte bei einem Empfang der Vertreter der italienischen und ausländischen Presse über die Aussichten seiner Verhandlungen mit dem Führer der Revisionisten W. Jabotinsky zur Herstellung des inneren Friedens im Zionismus unter anderem: Es wurde zunächst ein provisorisches Abkommen getroffen, die definitive Verständigung wird erst nach zwei Monaten gegenseitiger Probe zur Unterzeichnung gelangen. Wir sind, sagte Ben Gurion, heute die M e h r h e i t spartei im Zionismus und erstreben für den kommenden Kongreß ein Vertrauensvotum der breiten jüdischen M a s s s e n. Es ist unser Wunsch, daß uns das gelingt, was der früheren Exekutive nicht gelungen war: eine Verständigung zwischen den verschiedenen Fraktionen zu erreichen. Palästina tut heute mehr denn je eine geeinte Front zum Kampf für die Interessen des Jischuw not. Der Schlüssel zur Lösung dieser Frage liegt zweifellos in den Händen der Revisionisten. Von ihrer Einstellung zu der Histadruth und zum Palästina-Aufbau im allgemeinen hängt in einem großen Maße das Gelingen des I Friedenswerkes ab. Die Revisionisten müssen sich als einen Bestandteil der Zionistischen Organisation ansehen und mit uns auf dem politischen und gesellschaftlichen Boden Zusammenarbeiten. Ich erwarte auch, daß der Boykott gegen die nationalen Fonds aufhört. Gleiche Rechte bedingen gleiche Pflichten. Auf die Frage eines Journalisten über die Reaktion, die das Abkommen mit Jabotinsky in den sozialistischen Kreisen Palästinas hervorgerufen hat, erklärte Ben Gurion, für das Abkommen sei auf der Seite der Histadruth vorläufig er als alter Kämpfer in den Reihen der Arbeiterschaft allein verantwortlich. Es sei falsch, nicht an die Disziplin der arbeitenden Massen zu glauben. Bei uns herrscht eiserne Disziplin, der sich jeder einzelne unterwerfen muß. Erklärung der Revisionistischen Union Paris, 21. November. (2. T. A.) Das Exekutivkomitee der Union der Zionisten-Revisionißten erläßt die folgende Erklärung: „In mehreren jüdischen Zeitungen sind letztens Mitteilungen über die Verhandlungen, die zwischen den Vertretern der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation und dem Exekutivkomitee der Revisionistischen Weltunion geführt worden waren, sowie über angeblich getroffene Vereinbarungen erschienen. Das Exekutivkomitee hält es für seine Pflicht, festzustellen, daß diese Verhandlungen strikt konfidenziell und unter der gegenseitigen Verpflichtung, nichts über ihren Inhalt zu verlautbaren, geführt wurden. Aus diesem Grande ist das Exekutivkomitee nicht imstande, die erschienenen Mitteilungen in merito richtigzustellen. Das Exekutivkomitee hält eß aber für nötig, zu erklären, daßfastalle obenerwähnten Pres semitteilungen unrichtig oder entstellt sind und daß die Verhandlungen auf einer Baßis geführt wurden, die fast nichts Gemeinsameß mit den in der Presse wiedergegebemen Auffassungen hat. Das Exekutivkomitee bedauert eß aufß äußerste, daß durch die Unverantwortlichkeit und Sensationsgier einzelner Personen entstellte Mitteilungen in die Öffentlichkeit lanciert wurden, die nur dazu angetan sein können, die Weiterführung von wichtigen und verantwortungsvollen Verhandlungen ungünstig zu beeinflussen.“ grammpunkt hegt? Immer wieder wird nacht außen dieser Zusammenhang verschleiert* * als sei die Histadruth wirklich bloß eine! Gewerkschaft zum Schutze der Arbeiter, das heißt aller Arbeiter ohne Unterschied der politischen Überzeugung. Dochi s c li o n § 1 der Histadruthstatut en heißt „Arbeiter“ nur den, den keinen andern „a u s b e u t e t“. EeJ geilt eben nicht um eine wirtschaftliche! Vertretung der Interessen der Arbeiter* schaft als eines der Berufsstände, nach welchen sich im ewigen Wechsel die Nation; gliedert, sondern um die Kampfrüstung gegen den diffamierten, infamen Feind, der aus dem Volk zu dessen Hell ansgemerzt werden müsse. Und die Mapai beherrscht mit erdrückender Mehrheit und einem fein ersonnenen System von Bindungen die Histadruth gleich einer Menge anderer Institutionen, welche vermeintlich nur der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Förderung des Arbeiters dienen und anfangs wenigstens zum Großteil aus Spenden des Gesamtvolks anfgebaut wurden. Dabei sind sie allesamt ebenso viele politische Mittel, um die Herrschaft der Mapai über das werdende Nationalheim aufzu richten und festzu halte n. Kurioser Klassenkampf übrigens: als Freund gilt jeder, auch ein x-fach verstockter Heuchler, wenn er nur die rote* Kokarde trägt, und als Feind selbst den Schwer- und Schwarzarbeiter, wenn er sich' eine andere Uniform beilegt. Die Organisation der Histadruth gilt diesem Feind von FESTSAAL IM INDUSTRIEHAUS WIEN, I., SCHWARZENBERGPLATZ NR, 4 Mittwoch, den 5. Dezember 1934, um 8 Uhr abends Jüdischer Liederabend JOSEF FEUER dar bekannte Interpret des Jüdischen Volksliedes Chsnukkah-Lichtzünden unter Mitwirkung des Männerchore de« Jüdischen Oesangsvereines. Leitung Israel Brandmann. Hebrä« '■ isohe und Jüdische Volkslieder. Am Klavier: Gideon May Karten im Vorverkauf bei: Jüdische Kulturstelle, II., Aspembrückeng. 2, Buchhandlung Moses Rath, II., Taborstraße 20, Kaufhaus Brüder Schiffmann, II., Taborstr. 48 außen, ist aber auch der Aufgabe angepaßü* jeden Versuch einer Auflehnung aus dem eigenen Lager zu ersticken. Deshalb das Einhämmern des Ideals vom Klassenkampf und jenes Netz von Abhängigkeiten: Friß und sing mein Liedl Man studiere! doch W. P r e u ß : „Die jüdische Arbeiter-* bewegung in Palästina“, eine, garantiert sozialistische Quelle! Unbestritten, daß H i s '£ a 3 r u ifc K Großes für das Palästina -Auf-* bau werk geleistet hat; was B. aufzählli und manches mehr: durch ihre Initiative hat sie Arbeit oft überhaupt erst geschaffen, breite Volkskreise für sie umgeschichtefi und erzogen, die Lebenshaltung der Arbeiten geschützt und nach jeder Hinsicht gehoben* aber — und dieses aber bleibt stehen! all diesen verdienstvollen Leistungen bietet ein Paroli jene Zweideutigkeit* welche die Histadruth und die andern vorgenannten Schöpfungen der Mapai als Hebel der Klassenkampfpolitik mißbraucht. Diese Politik vergiftet die Herzen' ihrer eigenen Adepten und zerreißt den Jischuw in zwei feindliche Heerlager, die, zum Gaudium unserer übermächtigen Dränger von draußen, sich grimmig zerfleischen. Doch bleiben wir auf Bieguns Spur! Er nennt als ersten Vorwurf im „Kreuzzug4^ gegen die Histadruth, sie treibe die Löhn«; hoch und ruiniere die Wirtschaft. Das zu entkräften, schreibt B.: „Haltet den Dieb!4* Alle Schuld treffe nur die bürgerlichen' Bodenspekulanten und Mietwucherer, welcho die Lebensmittel verteuern (?) und so den Arbeiter zwingen, zumal in der Stadt, höheren Lohn zu fordern; ach nur Nominallohn, denn ihr Reallohü sinke und sinke, bis ins Unerträgliche! Daher die schlimme Landflucht (?); doch der! Histadruth gebühre der Ruhm, ihre Leute' aufs Dorf hinaus zu mobilisieren, dort „d a n k der erkämpften Löhne“ zu kolonisieren und überdies der städtischen' Industrie die nötigen Käufer zu stellen.,, Das wahre Gesicht der Histadruth Von Dr. Egon Michael Zweig (Jerusalem) Vorbemerkung: Der Autor sandte den folgenden Artikel im August d. J. an die „Selbstwehr“ zur Veröffentlichung in der Rubrik „Freie zioniß tische T r i b ü n e“, in der Angehörige ver sebiedener Richtungen zu Wort kommen. Dow Biegun, einer der aus Erez in die Tschechoslowakei entsendeten Emissäre der Linken, hatte in der „Freien Tribüne“ diffamierende Angriffe gegen alle Zionisten gerichtet, die der Histadruth kritisch gegenüberstehen, als wären sie durch Geldgier verführte Verräter von Volk und Land Die „Selbstwehr“, die Dr. Zweig kurz vorher zur Mitarbeit eingeladen hatte, brachte aber trotz Urgenz seine Äußerung auf die Angriffe Dow Bieguns nicht. Wir lassen nun die Äußerungen Dr. Zweig3, denen prinzipielle Bedeutung zukommt, folgen. * In der „Freien zionistischen Tribüne“ raxf Dow Biegun im Aufsatz „D e r;ampf um die Histadruth“ mit hesen um sich, gleich Steinblöoken handch, Minderinformierte zu verblüffen. Mit erlaub, ich werfe zurück. Dies zeige, daß 3 Widerspruch gibt, daß offene Fragen laffen, die jeder ehrliche Zionist studieren njß, bevor er sich zu einem Urteil durchngt. Biegun geht von der These aus, das mutige Palästina sei ein Schulbeispiel dair, daß die ökonomischen Verhältnisse ihr wesentlich die ideologische Haltung rer Träger bestimmen. — Nein! D i e anze Heide ngeschachte des idischen Volkes, des jüdischen eistes ist ein Dementi der majrialistischen Geschichtsauffassung und Erez Israel drück dem das Siegel auf. Wie belegt dem B. seine These? Durch die höhnende Fest Stellung, daß die bürgerliche! Schichten hierlands mit ihrer „n e u e i Ideologie vom reinen, von herzliani sehen Zioniemui durch nichts als das Strebei vereint werden, möglichst vie zu verdienen und die Positioi der organisierten palästinen siechen Arbeiterschaft zu ver nichten.“ Ha, kühn und ein Faustschlag den Burganim, die er ßo allesamt als Heuchler entlarvt! Freilich sind „die alten Kolonisten“ darunter, vom Geschlecht jener Bilu, deren Ruhm als unserer ersten Chaluzim unvergänglich bleibt, und neben den Neuei nge wand er ten, „die gestern noch blutwenig vom Zionismus wußten“, viele Patrioten, die seit Herzl unter der Fahne stehen. Und es ist „merkw ü r d i g“, höchst merkwürdig, daß all dieße Fronten sich jetzt gegen links zu schließen beginnen... B. schiebt als Paradepferd die Histadruth Haowdim vor. Er klagt, sie werde von jenen Geldßcharrern — oh, über die Yeiiin, Klausner, Kuk, Tschernichowsky! — angefcjndet, ja, man suche sie mit den unfairsten Mitteln zu zerstören. Warum sagt B. nicht offen, diese Histadruth ist das wichtigste Organ der politischen Fraktion Poale Zion, hierzuland Mifleget Poalim sohel Erez Israel oder kurz Mapai genannt, welche den Klasse nkampf im Verband der II. Internationale als Hauptpro- Zionistisches Landeskomitee und Zionistische Bezirkssektion Prater 4 Thema: „Aktuelle jüdische und zionistische Probleme“ Samstag, den 24. November 1934, 8 Uhr abends Zionistische Massenversammlung Gasthaus „Zum Radfahrer“, vis-a-vis Cafe Rotunde, Ausstellungsstraße R6dll6rS Dr. Josef Ldwenherz, Vizepräsident der Isr. Kultusgemeinde Dr. Oskar Grfinbaum, Präsident des Zion. Landeskomitees für Österreich

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