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Die Stimme · 1934-11-23 · Heft 403 (23.11.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 403 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 403 — 23. November 1034 OIE STIMME Seite 5 jCaudc&wieUtc det oStUvMtf' // Jüdischen Sklaven Im Irak Alarmierende Nachrichten, die bei der Alliance Israelitc über das Los der kurdischen Juden im Irak eingelangt sind lenken die Aufmerksamkeit der jüdischen Öffentlichkeit wieder auf diesen Splitter unseres Volkes. Der Überlieferung nach halten sich die I Beziehungen zur jüdischen Religion, außer kurdischen Juden, die in Vorderasien, im Grenzgebiet der Türkei, Iraks und Persiens leben, für die Nachkommen der verloren gegangenen zehn Stämme. Nach den Angabon des jüdischen Weltreisenden Benjamin von Tudela sollen sie in diese Gegenden von den Assyriern ins Exil geführt worden sein. Nach einer alten Überlieferung, die schon Josepbus Flavius anfübrt, werden die Berge von Kurdisten mit dem Gebirge Ararat, bei welchem die Arche Noahs landete, identifiziert. Die kurdischen Juden sprechen noch heute aramäisch. Dio hebräische Universität in Jerusalem hat Dr. Josef R i w 1 i n boauf- tragt, das Aramäische der kurdischen Juden, die in Palästina wohnen, zu studieren A L L 1 N V RAN! FÜR KOKS, KOHLE UNO HOLZ IN ALLEN PREISLAGEN IV., PRESSGASSE 28 B 20-2-38 I.,PARKRING 12 R 20-3-57 Es ist auch beabsichtigt, eine Wissenschaft liehe Expedition nach Kurdistan zu entsen den. Einstweilen ißt aber dazu kein Geld vorhanden. Dr. Riwlin hat auch eine Schrift liehe Fixierung des Bibeltextes, in dem von den Kurden gesprochenen Aramäisch vor genommen. Während Benjamin v. Tudela die jüdische Bevölkerung in Kurdistan noch mit 25.000 Seelen angab, wurde ihre Zahl nach dem Weltkriege nur mehr auf 18.000 Seelen geschätzt. In letzter Zeit hat sich die Situation der kurdischen Juden sehr traurig gestaltet. Theoretisch sind sie frei, aber faktisch sind eie Sklaven der reichen Agas, der Großgrundbesitzer. Es kommen Fälle vor, wo ein Aga seine Juden einfach verkauft. Die kurdischen Juden beschäftigen sich hauptsächlich als Weber, Färber und Bauern. Es steht ihnen zwar frei, von einem Ort in den andern zu reisen, jedoch nur unter dem „Schutz“ ihres Aga, der ihnen seinen Schutz nur gegen entsprechende Bezahlung ange deihen läßt. Sie müssen auch für den Aga unentgeltlich Arbeiten leisten, so wie ets bei den leibeigenen Bauern in Rußland und in anderen Ländern üblich war. Die kurdischen Juden müssen abor außerdem noch Steuern zahlen, hauptsächlich Naturalabgaben, aus einem Teil ihrer Ernte oder gewerblichen Erzeugnissen bestehend. Diese Zustände eind möglich, obwohl nach den Gesetzen des Irak alle Bürger gleichberechtigt sind. Eine Flucht aus dem Lande ißt kaum möglich, da efi den kurdischen Juden verboten fet, ihre geringfügige Habe zu verkaufen. Die Abhängigkeit vom Aga geht sogar so weit, daß ihm bei Verehelichungen von Juden die Hälfte der Mitgift auegolicfert werden muß. Es Ist ihm auch gestattet, jüdische Mädchen zu zwingen, zum mohammedanischen Glauben flberzutret e n und Mohammedaner zu heiraten. Er übt auch die gesamte Gerichtsbarkeit aue und ißt Herr über Leben und Tod. Die Juden unterscheiden sich kaum von ihrer Umgebung, Sie tragen die landesübliche Tracht. Die Frauen gehen bunt gekleidet, tragen einen hohen Turban. Ohron- und Nasen ringe, Arm- und Fußbänder. Dem tiefen sozialen Niveau entsprechen auch dio k u 11 u r e 11 e n Verhältnisse der kurdisehon Juden. Sio sind außerordentlich abergläubisch und von einer unglaublichen Unwissenheit. Sie haben kaum mehr wenn .sogenannte Wanderrabbis in ihre Dörfer kommen. Soweit eie alß Sklaven im Hause ihres Aga leben, können ßie nicht einmal mehr den Sabbath beobachten, was sie sonßt tun. Aus Tradition beobachten sie noch die Speisegesetze und lassen ihre Knaben beschneiden. Ihre Rabbiner, die Chachamin, die in den größeren Städten sitzen, beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Schreiben von Amuletten gegen den bösen Bück, schlechte Träume usw. Im übrigen Ist ihr religiöses Leben durch die in ihrem Land befindlichen heiligen Stätten beeinflußt. So liegt zum Beispiel daß Grab des Propheten Ezechiel und das Grab E s r a s im kurdischen Gebiet. Nach A 1 k o s c h, nördlich von Mossul, pilgern die Juden jährlich zum Sehabuotbfpßte, um beim Grab des Propheten Nach um be liehe Grab deß Daniel und seiner drei Co fährten und das Grab deß Jona in Nebi- Junis bei Mossul. Außerdem gibt es verschiedene Orte, die als Landungsplatz der Arche Noah bezeichnet werden. Die Regierung des Irak unternimmt nichts für die kurdischen Juden. Eß ist auch zweifelhaft, ob das in ihrer Macht liegt, da die Agas große Selbständigkeit genießen. Eß ist daher kaum möglich, die Juden aus ihren Wohnstädten herauszuzieheti und in die größeren Städte des Irak, insbesondere nach Mossul zu verpflanzen, da sie sich in diesen Städten kaum fortbringen könnten. Die einzige Möglichkeit zur Rettung der kurdißchen Juden würde in ihrer Über fübrung nach Palästina bestehen, wo sich heute bereits ungefähr 5000 kur dische Juden befinden. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt in Jerusalem, die übrigen in Jaffa, Saffed, Tiberias und in den Siedlungen in Galiläa. Abgesehen von den in Kfar Baruch angesiedelten kurdischen Juden sind die meisten Lastträger, kräftige und sehr primitive Menschen, zum großen Teil Analphabeten. Man muß. Mittel und Wege suchen, um die kurdischen Juden aus ihrem Exil zu retten, in dem sie sich sicher schon seit 2700 Jahren, seit den Zeiten Sanhe sondere Zeremonien zu verrichten. Weiters befindet sich auf kurdischem Gebiet, in T a- [ bits befinden, ßie jüdisch zu erzielen und nura, die sogenannte Grotte des Propbe-1 in Palästina zu freien und glücklichen Menten, Eljahu, ferner in K i r k u k das angeb-1 sehen zu machen. Von unserem Bukarester Korrespondenten. Wie in der großen zionistischen Organisation, so ist auch in den verschiedenen Landesorganißationen in der letzten Zeit eine Tendenz zur Pazifizierung und Konzentration der Kräfte zu bemerken, die letzten Endes zu einer Einigung und friedlichen Mitarbeit unter den verschiedenen Gruppierungen und Parteien führen muß. Dasselbe ist nun auch in Rumänien, besonders in Altrumänien, der Fall. Aus Gründen, die hier COOPERATIVE SOC. LTD. Gegründet 1918 Stammkapital Pfund 50.000 Zentrale: Tel-Aviv;Filialen: Jerusalem, Hai ja. Bankgeschäfte aller Art. Ausführung zu den günstigsten Bedingungen. Korrespondenten in allen Handelszentren der Welt. Unseie Aktien trugen in den letzten Jahren 6% Dividende p. a. Wichtig für Touristen: Travellers Cheks sind in unseren Büros erhältlich. zu erläutern zu weit führen würde, ist die jetzige zionistische Leitung in Altrumänien nicht der Ausdruck der realen Kräfte im rumänischen Zionismus, und zählt daher einen großen Teil der Zionisten in Bukarest und der Provinz zu ihren Gegnern. Allgemeine Zionißten und Linke sind in der gegenwärtigen Landesleitung überhaupt nicht vertreten, hingegen ist dor Präsident der zionistischen Organisation ein Mitglied der im Lande äußeret schwach vertretenen „Judenstaatspartei“ und die übrigen amtierenden Mitglieder Anhänger der heute fast ausgestorbenen radikalen Gruppe. Durch Fehler, die nicht rechtzeitig eingesehen wurden, ist zwischen der so zusammengesetzten Führung und der oppositionellen Mehrheit eine unangenehme Spannung entstanden, die nicht verfehlte, auf dio zionistische Tätigkeit im allgemeinen und auf das Prestige der Bewegung im besonderen schwächend einzuwirken. Nun haben mehroro vernünftige und verantwortungsvolle Zionisten der vorschiödenen, sich befehdenden Richtungen den großen Schaden, der dadurch für die ganze Bewegung entsteht, eingesehen, und seit einigen Monaten sind Verhandlungen ira Gange, um eine Aussöhnung zwlschon den verschiedenen Parteien herbeizuführen und so ein normales zionistisches Leben zu ermöglichen. Der springende Punkt bei diesen nicht uninteressanten Verhandlungen ist, daß die allgemeinen Zionisten, getreu den Prinzipien des berzlianisehen Zionismus, eine Verquickung von Laudespolitik mit dem eigentlichen Zionsgedanken ableknen, wiewohl sehr viele allgemeine Zionisten privatim selbst Landespolitik treiben und vielfach in der jüdischen Partei tätig oder mit derselben Ideell verbunden sind. Die radikalen Mitglieder der Landesexekutive, später auch die ganze Leitung, haben diese alte Forderung des allgemeinen Zio aismus schließlich angenommen und nun sind nur noch einige formelle Fragen, wie die der Beteiligung an der Landesleitung und dem Zentralrat der zionistischen Organisation Rumäniens, die Einberufung der nächsten Landeskonferenz usw., zu ordnen, damit ein normales zionistisches Leben im Lande beginnen kann. Unabhängig aber von der Lage im Innern der zionistischen Organisation gellt die zionistische Arbeit frei und erfolgreich vor sich. Die beiden Grundfonds, K. K. L. und K. H. haben im Jahre 5694 recht gute Resultate erzielt, die Einkünfte der Vorjahre wurden übertroffen lind der Pahißtinagedanke hat in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung immer festeren Fuß gefaßt. Die gerade jetzt unter Beteiligung von mehreren Dutzend Delegiertinnen und der Vertreterin der Wizo-Welexokutive, Frau Dr. Klompus, in Bukarest tagende Landeskonferenz der rumänischen Wizo hat wiederum gezeigt, daß diese unter der Präsidentschaft der durch ihre vielseitige und segensvolle Tätigkeit bekannten Frau Marguerite Margulies stehende Organisation zu den bestbewährten in der zionistischen und praktisch-palästinensischen Arbeit tätigsten Körperschaften zählt. Als kulturelle und aktiv-jüdisebe Organisation hat die rumänische Wizo hierzulande mehrere Kindergärten und Schulen ins Leben gerufen oder unterhält solche, ferner ein hebräisch-rumänisches und rumänisch-hebräisches Wörterbuch herausgegeben, und für ihr Hauptwerk, die Mädohenfarm „Aianot“ in Ness-Ziona (Palästina), imnior weitere Opfer gebracht. Es ist daher kein Wunder, daß dio hiesige Wizo von den in den übrigen Provinzen Rumäniens vorhandenen Gruppen und auch von ausländischen Schwesterorganisationen als Muster und Vorbild genommen wird. Wir hatten dieser Tage das Glück, den bekannten Violoncell* Virtuosen, Herrn J o a- Frlihlingsmärchen mit Ciaire Fudis-Kaufmann der berückend schönen Sängerin Maris Wetra dem berühmten lenor Ida Wüst, Llvlo Povanelli. Jakob Tiedtke, Hubert v. taeyerinck Musiki I. Milde-Meissner Ab heute i Löwen-Kinolll.j Margaretner BürqerkinoV., Stafa-Ki o V Ii.; Flieger-Kino IX.; Royal- Kino XVII.j Kalvarienberg-Kino XVII. üfiSSü Robert Malier Ces. m. b. H. jnünüü« Carl Froehlichs Meisteroperette chim Stutschewsky, in Bukarest zu begrüßen und zu hören. Der Künstler, den Ihr Korrespondent seit etwa 18 Jahren nicht mehr spielen hörte, erscheint heute, in der Vollblüte seines musikalischen Könnens, reicher, umfassender und eindrucksvoller als in den Tagen, wo er in der Zürcher Philharmonie seine ersten großen Siege feiern durfte. Die rumänische .Öffentlichkeit, die sich auf gute Musik versteht, hat ihn warm und gut aufgenommen, die von ihm hier gegebenen Konzerte erfreuten sich großen Zuspruchs. Als echter jüdischer Künstler hat Stutschewsky selbstverständlich die Gelegenheit wahrgenommen, in Bukarest auch zwei rein jüdische Konzertabende zu schenken, den einen in der B. B.-Loge, den andern im Rahmen eines von der Wizo organisierten festlichen Abend. Die Cellovorträge des Herrn Stutschewsky haben überraschend und begeisternd' gewirkt. Stutschewsky wird von nun an auch in Bukarest, wie in so vielen anderen Großstädten, Freunde und Verehrer haben: sein ernster und reicher Beitrag zur Verbreitung und Vertiefung der'jüdischen Musik wird von allen maßgebenden jüdischen Kreisen voll gewertet. Fairen sie mit len mlten Stillten Her Veit! nach Amerika und Canada Cunard White st« Repräsentanz: Wien, I. Kärntnerifng 4 Oberrabbiner von Amsterdam gestorben Amsterdam, 20. November. (Z. T. A.) Der Oberrabbiner von Amsterdam, Abraham Samson O n d er w i j z e r, ist im Alter von 72 Jahren verstorben. Oberrabbiner Onderwijz-er verfaßte ein'; holländische Übersetzung des Pentateuchs nebst einer erklärenden Übersetzung des Raschi-Kommentars (Amsterdam 1895). Er gründete den Verein „Bezalel“ zur Förderung der religiösen und ökonomischen. Interessen jüdisohor Handwerker und Handelsangestellter in Amsterdam. Israel Cohen besucht Spanien und Portugal London, 20. November. (2. T. A.) Der Sekretär der Zionistischen Weltorganisation, Israel Cohen, begab sich zu einem einmonatigem Besuch nach Spanien und Portugal zur Erledigung offizieller Aufträge der Zionistischen Organisation und des Keron Hajessod.

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