Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 403 (23.11.1934)
- Date
- 1934-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Solle Z Off STIMME Nr. 40ä — 23. November 1931 Besuchet Emingers Gaststätten am Praterstern! blieben war. ausgebentet worden. Jeder halbwegs Orientierte hat um das Verbrechen gewußt und jeder Angehörige der deutschen Uelehrten-welt weiß, was und wie gefälscht worden ist. Jeder deutsche anthropologische Forscher kennt den Rass^nsohwindel. Fr muß nicht erst durch die Veröffentlichung der tschechischen Akademie belehrt werden. Und so dankenswert im Sinne der reinen AVisöonschaft das Unternehmen der Prager Gelehrten ist, so hoc.hsinn.ig es angelgt worden Ft, so vergeblich ist sein Mühen. Der einzige Erfolg wird der sein, daß in irgend einem der neuen deutschen Arizona-Kicker festgestolt werden wird, daß die Prager Professoren Juden sind oder daß sie von Juden bestochen worden sind. Von einem Land, in dem die „Weisen von Zion“ und der „Mythos des 20. Jahrunderts“ — den Koseuberg abgeschrieben hat, zur Grundlage des Sehulunterrichtes erhoben' worden sind, ist eine Einwirkung ernster wiesenechaftlichet Forschung nicht zu erhoffen« GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN i., Kärtnerslrafce Nr 61 Besllzer Ollo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Elf Juden im amerikanischen Repräsentantenhaus New York, 21. November (X. T. A.) Wie schon berichtet, ist Oberst Herbert H. Lehmann zum Gouverneur des Staates New York mit weit über zwei Millionen Stimmen wiedergewählt worden; er schlug seinen Gegner Moses, der ebenfalls Jude ist, mit über 800.000 Stimmen. Moses kehrt auf seinen Posten als Park-Kommissar von New York zurück. Der von den amerikanischen Nationalsozialisten gestützte Kandidat der „Recovery Party“, John F. Hylan, erhielt kaum 10.000 Stimmen. Hylans blamabler Mißerfolg wird allgemein als ein Zusammenbruch der deutsch-amerikanischen nationalsozialistischen Bewegung beurteilt. In das Repräsentantenhaus des 74. Amerikanischen Kongresses wurden elf Juden gewählt, Wiedergewähit wurden alle fünf jüdischen Kongreßmitglieder des Staates New York: Emanuei Ce Iler, Samuel D i ckste i n, William I. S ir o vi ch, T. A. Pey ser und Sol Bloom. Der Staat Connecticut entsandte zwei Juden in den Kongreß: H. P. Koppleman aus Hartford und William M. Citron aus Middletown. Beide sind Demokraten und im jüdischen öffentlichen Leben sehr aktiv. In Chikago wurde Adolph J. Sabath, in San Franzisko Frau Florence P. Kahn wiedergewählt. In Atlantic City (New Jersey) wurde der Republikaner I. Bacharach, in Pittsburgh der Demokrat Henry Ellenbogen gewählt. In das New Yorker Staatsparia ment wurden 23 Juden, alle Demokraten, gewählt, unter ihnen der Direktor des „Jewish Ibally Forward“, B. Charney Viadeck, mit 18.802 Stimmen. Der sozialistische Kandidat für den New Yorker Gouverneurposten, Charles Solomon, ein Jude, erhielt in New York City 79.234 Stimmen. Große Genugtuung herrscht unter den Juden Amerikas über die Niederlage de9 antisemitischen Kandidaten zum Repräsentantenhaus Louis T. McFadden, der zwanzig Jahre dem Kongreß angehörte und nun vom Demokraten C. Emler Dietrich geschlagen wurde. Im Jänner d, J. hatte McFadden im Kongreß von den „Geldjuden von Wall Street“ und der weltbeherrschenden Macht der „Internationalen Jüdischen Hochfinanz“ gesprochen und sich zur Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion* bekannt Er ernete dafür hohes Lob von Julius Streicher Im Nürnberger „Stürmer“. Der Board of Peputies berät: Die Lage der Juden in Polen, Deutsdiland und Österreich mmmmmmmmmmmmmmmammmmemmmmmmmmmmm Oberrabbiner Dr• Feucht• wang gegen die Missionspropaganda 1 Im dichtgefüllten Wiener Zentraltempel ln der Seitenstettengasse sprach Oberrabbiner Dr. Feuchtwang in seiner Sabbath- Predigt am 17. d. über die in der letzten Zeit, unter dem - Deckmantel der Verständigung zwischen Christen und Juden, eingeieitete Bekehrangsaktdon unter der Wiener Judenschaft. Er skizzierte Entstehung und Entwicklung der monotheistischen Religionen — des Christentums sowie des Islam —• die aus der Religion des Judentums hervorgegangen sind, und erklärte: Wir Juden sind unseren Schweeter- und . Tochterreligionen unendlich dankbar dafür, daß sie für die Verbreitung der göttlichen Lehre unter den Völkern der Erde, für die Verbreitung des Glaubens an den einzigen Gott und an die ewige Gerechtigkeit so viel getan haben. Wir schätzen und verehren ihre Stifter und würdigen deren Lehren, weil und insoweit sie Lehren der höchsten menschlichen Sittlichkeit und erhabener ethischer Grundsätze sind. Aber 3m tüeftflurant verlange auäbrilttllü) Seinen 25et» gefprlfyt mit Gauet&rutm •welchen Sinn hat es, mit diesen aus unserem Geiste hervorgegangenen Lehren wieder zu uns zu kommen und daraus künstlich eine „Judenfrage“ zu machen? Was will man denn von uns? Was man „Ordnung in der Judenfrage“ nennt, ist keine Ordnung, sondern eine Verwirrung. Diese „Ordnung in der Judenfrage“ strebt in Wahrheit eine V e r m i ndorung unserer Rechte an und ist im Grunde eine maskierte Judenfeindschaft. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang befaßte sich dann mit den Tendenzen der Zweimonatsschrift „Erfüllung“. Das jüdische Sein liegt offen und klar zutage. Da gibt es nichts Verborgenes und auch nichts zu verbergen. Es Ist auch ganz falsch, wenn man Im jüdischen Denken und Wirken „nur da« Menschliche“ sieht und das Göttliche in der jüdischen Religion übersieht. Wir Juden dienen dem Menschlichen und dem Göttlichen, aber nicht dorn Gottmenschen, Dahin führt uns kein Weg und keine „Erfüllung“. Wir Juden wollen den Frieden. Das will auch das Oberhaupt der Kirche in Wien (Kardinal-Erzbischof Innitzer). Feierlich schließe ich mich diesem edlen GeLtesfUrsten an. Aber Erfüllung muß verbunden sein mit. Treue zu uns selbst. Der Weg d> r Frfül ■\urj darf für hin kein Weg stiiij .ict Zuin Abfall fuhrt. London, 20. November, (2. T. A.) Der erste Teil der Sitzung des englischjüdischen Board of Doputies (Vertreterschaft der Gemeinden) war von einer 6eh rerregten Debatte Uber die Lage d er Juden in Polen ausgeftillt. Der Präsident des Board, Neville L.a-eki, führte aus, er nohme nichts von dem zurück, was er in der letzten Sitzung mit Bezug auf die Behandlung der Juden in Polen gesagt habe; die wirtschaftliche Verzweiflung der jüdischen Massen in Polen sei eine Folge des Strebens, das polnische Wirtschaftsleben zu „polonisiere n“, wobei die maßgebenden Kreise in Polen vergessen, daß ja auch die Juden Bürger Polens sind. Eine wirtschaftliche Unterstützung der polnischen Juden, fuhr Neville Laski fort, erfordere Opfer, die kaum zu tragen sind. Gerne möchte er den polnischen Juden eine erhöhte finanzielle Unterstützung zuführen, allein die Geldquellen reichen nicht hin; es bestünden ernste Verpflichtungen gegenüber den deutschen Flüchtlingen, und man müsse gewärtig sein, daß die spätere Entwicklung an der Saar neue Belastungen der Hilfsquellen, mit sich bringen wird. Die Institutionen des Board müssen gehalten, die Verpflichtungen gegenüber den deutschen Juden dürfen nicht vernachlässigt werden. American Joint Distribution Committee und JCA hätten große Summen in die Darlehenskassen der Juden in Polen investiert, aber zu einer durchgreifenden Besserung der Lage dort würden weitere große Summen benötigt. Die Jewish Agency tue ihr Bestes, um die polnischen Chaluzim mit Palästina-Zertifikaten zu versehen, Agency und Board arbeiten hierin Hand in Hand. Leonard G. Montefiore, Präsident des Joint Foreign Committee (Ausschuß zur Vertretung der auswärtigen jüdischen Interessen), unterbreitete den Bericht de« Committee, dem unter anderem zu entnehmen ist: Die deutsche Regierung maoht angesichts des nahenden Winters Anstrengungen, um die katastrophalen Konsequenzen ihrer Sozial- und Wirtschaftspolitik abzu wenden und hat zu diesem Behufe einen Feldzug gegen „Nörgler und Kritikaster“, ,,Preistreiber und Hamsterer“ eingeleitet, Prominente Führer, wie Grohe und Julius Streicher, nützen diesen Feldzug zu einer gefährlichen Judenhetze aus. Ihre ununterbrochene antijüdischo Boykottagitatlon hat sichtlich mehr Erfolg als die von einigen offiziellen Kreisen immer noch , gemachen Anstreu^uii^ jn^ das Wirtschaftsleben von der Rassegesetzgebung freizuhalten. Montefiore kam dann auch auf Österreich zu sprechen. Je ein Jude sitze im Staats- und im Kulturrat, während in den Korporatione für Industrie, Handel und Finanz die Judenheit unvertreten ist. Zum Schluß beglückwünschte Montefiore den Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Deslder Friedmann, zu seiner Berufung in den Staatsrat und Doktor Jakob Ehrlich zu seiner Berufung in den Wiener Stadtrat; beide beglückwünschte er zu der Haltung, die sie in der Verteidigung der jüdischen Rechte und Interessen einnehmne. Zum Schluß nahm der Board of Deputies die folgende, von P. Horowitz eingebraohte Resolution an: „Im Hinblick auf die fortdauernde antiijüdischo Politik in Deutschland beetätigt der Board erneut als ein allgemein gültiges Prinzip die Erklärung des Präsidenten, daß kein sich selb st achtender Jude mit deutschen Waren handeln oder deutsche Dienste benutzen wird, solange diese antijüidißche Politik andauert.“ 95. S « h u 11 a h r Tel. U 46-4-37 Neues Wiener Konservatorium Musikvereinsgebäude, I., Bösendorferstraße 12 Untorricht in Gesang, Klavier und allen Orohecterinstramenton von den ernten Anfilngmi bin zur künstlerischen Ausbildung. Eigono Kindernbteilang-. Anmeldungen und Aufnahmeprüfungen (»glich vor- und nachmittags ans- 8 c h I i e ß 1 i c h Im Muslkvoreiosgebkudo. Internationale Boykott Konferenz in London London, 20. November. (£. T. A.) Wie der JTA mitgeteilt wird, ißt die „Internationale Unparteiische Konferenz zur Organisierung und Intensivierung des Boykotts deutscher Waren und Dienste in der ganzen Welt“ für den 26. und 27. November nach London einberufen worden. Der Konferenz werden Delegierte aus den meisten europäischen Ländern, a/u« Amerika und Ägypten beiwohnen. Hauptziel der Konfornz ist die Koordinierung aller von Körperschaften und Einzelpersonen geleisteten Arbeit für Wiederherstellung der politischen und rellgiö«en Freiheit in Deutschland. Den Vorsitz wird der amerikanische Anwalt Samuel Untermyor führen. Der amerikanischen Delegation gehören außordem noch der Redakteur dos „Christian Century“, Dr, Paul Hutchinson, der Katholiken! Uhr er James Beamte^ I Frau Me Ad oo und die Vorsitzende der Frauen ah t eil ung der Anti-Nazi League, Frau M. Harris, an. Die International Federation of Trade Unnons wird durch ihren Präsidenten Walter Citrino vertreten «ein. Der englische National Council of Labour entsendet den Vorsitzenden der British Labour Party, W. A. Robinson, den Führer der Londoner Arbeiterschaft und früheren Arbciteminister Herbert Morrison und andere. Aus Frankreich kommt der berühmte Anwalt de Moro- Giafferi, ans Belgien der prominente unitarische Führer Rev. Tessonier. WIR BERATEN SIE IN ALLEN BAU- »no GRUNDSTÜCK- ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HÄiFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTU R-B 0 R O" AN DIE REDAKTION DER „STIMME" Hochkommissar MacDonald über die Saarfrage Rom, 20. November. (2. T. A.) Der Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge, James MacDonald, wellte einige Tage in Rom, wo gegenwärtig die Saarkommfesion tagt. Vor seiner Abreise erklärte er dem JTA-Vertreten „Ich wurde vom Untere taatssekretär Flavio Suvich und vom Vorsitzenden der italienischen Delegation in Genf, Baron A 1 o 16 i, der auch der Saarkommission vorsteht, empfangen. Ich besprach mit den italienischen Staatsmännern die Aspekte des Flüchtlingsproblems, auch im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Plebiszit an der Saar und fand bei ihnen viel Verständnis für dde Wichtigkeit und Dringlichkeit-, eine Lösung des schweren Problems der Seßhaftmachung der deutschen Flüchtlinge zu finden. Die Haltung der italienischen Regierung in der Flüchtlingsfrage ist gerecht und vernünftig. Ich wurde auch vom Unterstaatssekretär im Vatikan, Kardinal P a c e 11 i, empfangen. Auf die Frage, ob eine Änderung der Haltung der Hitler-Regierung zur Judenfrage zu erwarten sei, erwiderte MacDonald, es gäbe keine Tatsache, auf die eine solche Annahme oder Hoffnung sich stützen könne. Was aber die Lage der Juden In Österreich betrifft, so besteht kein Grund zur Aunahme, daß dort exklusive Maßnahmen, gegen Juden, wie etwa in Deutschland, ergriffen werden würden.“ Statt Einbürgerung - staatenlos Eine Wiener Korrespondenz hat ins Aus* lanrl telegraphiert: „Die österreichischen Behörden und die jüdischen Führer dementieren, daß 76 Heiraatrecht(Bürger)-Dokumente als ungültig erklärt werden.“ Die Ita meldet hiezu: Von den offiziellen jüdischen Führerpereönlichkeiten hat, soviel wir wissen, keine ein solches Dementi erlassen. Wae daß angebliche behördliche Dementi anbelangt, von dessen Echtheit wir ebenfalls nicht voll überzeugt sind, so ist darin von einer ^Ungültigkeitserklärung“, also Annullierung von HeimatsrochtsfBtirger)-Dokumenten die Rede, während iu der Meldung bloß von der „Anfechtung von Heimatsrecht-Zusicherungen“ die Rede war. Dio Tatsache der Anfechtung von 76 Heimatrecht-Zusicherungen heim Bundesgerichtshof läßt eich nicht aus der Welt schaffen. Eß hat aber dabei nicht sein Bewenden. Wie aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, sind noch zirka 410 Fälle in Vorbereitung, dio ebenfalls angefechten werden sollen, wenn dio Anfechtung der bereits gemeldeten 76 Fälle, hinsichtlich welcher die Entlassungen aus dem alten Staatsverbando bereits erfolgt sind, im gewünschten Sinno ausfällt. Die Betroffenen werden staatenlos sein, wonn dio Regierung beim Bundesgerichtshof siegt. Demnach sind zirka 500 Menschen, denen die Gemeinde Wien bereit« die Aufnahme in den Heimat verband zugesichert hatte, was man früher als fast sichert) Einbürgerung zu betrachten pflegte, da altes weltero nur Formalität war, von der Annullierung d i o s o r E i n b ü rgorungs - Zueicherungon bedroht.