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Die Stimme · 1934-11-23 · Heft 403 (23.11.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 403 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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preis dieser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG * Nr. 403 I Wien, 33- November 1934 Redaktion und Administration; Wien, l Kämtnerstraße 28. Tel. R 27*4-85. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. Neue ermäßigte Tarife für Touristenreisen nach: NORDAMERIKA ZENTRAL¬ AMERIKA¬ PAZIFIK SÜDAMERIKA SÜDAFRIKA AUSTRALIEN H AMihrtenv. Bern?» „UUIIQ-lOSUIIin „"kt:-.. Oeneralagentur Wien, I. Kamtnerrlng 6. Telephon U 47*5*80 (16. Käslew $695) I 8. Jahrgang Der Stand der Minderheiten in Deutschland Berlin, 21. November. In Zukunft sollen nur noch rassenreine Deutsche im,Staats- und Kulturleben dies Deutschen Reiches wirken können, die Minderheiten werden davon ausgeschlossen. Sie werden, wenn es so weit ist, nur die Staatsangehörigkeit des Reiches besitzen, jedoch nicht die Reiohsbürgerschaft. Man plant deswegen für die polnische, jüdische - und wendische Minderheit die Errichtung von Nationalsten, -die als ihre Vertreter fungieren werden. Der mit der Ausarbeitung der kommenden Verfassung beauftragte Staatsgut Nicolai im Reichßinnenmiinisterium hat in einer seiner Veröffentlichungen als Ziel der kommenden Verfassung bezeichnet, daJß es sich darum handle., . ein für allemal festzusetzen, wer zum deutschen Volke gehöre und wer nicht. In der neuen völkischen Verfassung werde der Begriff „Deutscher“ zudnst zu umreißen sein und seine Abgrenzung gegenüber den übrigen Bevölkerungsteilen. Nicolai hat vorgeschlagen, diesen - Paragraphen der kommenden Verfassung etwa folgendermaßen festzusetzen: ^Deutscher ist, wer deutscher Abstammung ist, wobei das Blut entscheidet.“ Ferner schlägt er als weiteren Grundsatz vor;: „Reiohßangehörige n i c h t deutscher Abkunft dürfen sich nicht als Deutsche bezeichnen.“ Dabei stellt Nicolai als Ideal hin, daß alle Deutschen auch außerhalb des Reiches die Möglichkeit haben, im Deutschen Reiche aufzusteigen. Frage der Saarland-Juden vor dem Völkerbund Genf, 19. November (2. T. A.) Dr. Nahum Goldraann ist in Genf eingetroffen, um die jüdischen Interessen in der Saarfrage anläßlich der Sitzung des Völkerbundiates, die dem Saarproblem gewidmet ist, zu vertreten. "Von Genf begibt sich Dr. Goldmann für einige Zeit nach Palästina. Das Mitglied der Exekutive für den Weltkongreß Israel Jeffroykin wurde in der letzten Sitzung der Exekutive mit deren Leitung in Vertretung von Dr. Nahum Goldmann betraut. Palästina weist gteichgeschaltete Filme zurück Prag, 21. November. (2. T. A.) Palästina läßt deutschsprachige Filme nur darin importieren, wenn sie ein Zertifikat beibringen können, daß bei ihrer Herstellung der Arierparagraph nicht maßgebend war. Wie ' wir erfahren, ist demzufolge einer Reihe tschechoslowakischer Filme in deutscher Sprache, die ini Rarandow- Atelier zu Prag als deutsche Versionen gedreht worden sind und aus Verkaufsriieksicihten — die Filme sollen auch in reichsdeutschen Kinos gezeigt werden — nur gleichgeschaltete Besetzung auswiesen. das Einfuhr- Zertitika! nach Pakts'ina nicht erteilt worden. Der Kampf wider die Rasse Die tschechische Akademie der Wissenschaften veröffentlicht eine Schrift über „Die Gleichwertigkeit der europäischen Rassen und Wege zu ihrer Veredlung“. Die Schrift hat die Aufgabe, wissenschaftlich der Rassentheorie entgegenzutreten, die bewußt oder unbewußt die von der Forschung erkannten Tatsachen zu Zwecken der Agitation für nationalimperialistische Tendenzen verschweigt und noch offene. Fragen im Intersse der erstrebten Ziele als gelöst hinstellt. In der Abwehr -dieses mörderischen Beginnens finden die tschechischen Gelehrten Unterstützung auch in den Schrifteneiniger deutscher Anthropologen, deren Stimme freilich in dem Lärm der Rassenlügner verhallt. So bat Felix von Lu-, sch an die Ergebnisse seines Buches „Völker, Rassen, Sprachen“ in zehn Sätzen znsaimemngefaßt, von denen drei in lapidarer Form lauten: „Es gibt keine ah sich minderwertigen Rassen“ — „Es gibt in jeder Rasse minderwertige Individuen“ — „Der Unterschied zwischen den . verschiedenen Rassen ißt, besonders was die moralischen Eigenschaften und die Intelligenz angeht, nicht entfernt so groß, als der zwischen einzelnen Individuen ein und derselben Rasse“. Aber nicht nur dieser Forscher, auch älle anderen, die sich mit der Rassenfrage beschäftigen, sind dazu gelangt, eine Verwendung des Begriffes zu politischen Zwecken abzulehnen. Dort, wo dies tatsächlich erfolgt ist, handelt es sic-h um offenen Mißbrauch me.hr oder weniger feststehender Erkenntnisse oder um die Arbeit von dilletantischen Pfuschern, die in aller Welt isoliert geblieben sind, nur nicht im Bereich der deutschen Nation. Die Rassenlehre im politisch-tendenziösen Sinn ist seit dem Jahre 1870 an den deutschen Hochschulen heimisch; sie müht sich um zwei Dinge: erstens, nachzuweisen, daß die deutsche Rasse, die sie als germanische oder nordische auszeichnet, vermöge ihrer besonderen Hochzucht, . ihres heldischen Sinnes und ihrer technischen Erfindungsgabe, das Recht auf die Weltherrschaft hat; zweitens, soll die jüdische, semitische Rasse als eine minderwertige, von Wuchergeist und gröbster materialistischer Denkungsart beherrschte Gesellschaft stigmatisiert werden, die aiuf die Weltherrschaft aus ist. In dieser Konkurrenz' um die Weltherrschaft also würden die! beiden Rassen aufeinanderstoßen, und da die germanische im Besitz der stärkeren Muskeln, der Waffen, der Macht und der Unbedenklichkeit ist, hat sie sich zunächst mit aller Kraft auf die jüdische geworfen. Das augenblickliche Ergebnis kennen wir. Es ist — um dies heldisch auszudrüoken — eine supponierte Mamöveridee, die mit dem Kriegsreglement ausgeführt wird. Mit allen Mitteln des Krieges, wie wir sie aus der großen Zeit des seelischen Aufschwunges von 1914 bis 1918 kennengelernt haben: mit Gewalt, mit List, mit Verdrehung und Entstellung, mit VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTRASSE Ö Zum Empfans Dr. N. Goldmanns bei Mussolini Wie bereits mitgeteilt, ist Dr. Nahum Gold mann, Präsident des Comit6 des D61£gations Juives und des Exekutivkomitees für den Jüdischen Weltkongreß, vom italienischen Regierungschef Benito Mussolini empfangen worden. In Doktor Goldmanns Begleitung befand sich Dr. Angelo S a c e r d o t i, Grand Rabbin von Rom und der jüdischen Gemeinden Italiens. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird über den Verlauf der Unterredung mitgeteilt: In der Unterredung unterbreitete Dr. Goldmann dem italienische!? Regierungschef eine Darlegung der gegenwärtigen jüdischen Situation und lenkte seine Aufmerksamkeit auf einige besonders aktuelle Fragen, die die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern betreffen, wie auch auf das Problem der Sicherung der M i n o r i t ä t en r e c h t e für die jüdischen Gemeinschaften, denen solche Rechte durch die Friedensverträge zugesichert worden sind. Dr. Goldmann unterrichtete auch den italienischen Regierungschef über die Ziele und Organisationsformen des künftigen Jüdischen Weltkongresses. Der Regierungschef Mussolini nahm lebhaftes Interesse an allen erörterten Fragen und betonte insbesondere auch seine Sympathien für den Jüdischen Weltkongreß, für den sich bekanntlich der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens, die offizielle Vertretung der italienischen Judenheit, von Anfang an ausgesprochen hat und an dem sie, ebenso wie es an den Genfer Weltkonferenzen der Fall war, teilnehmen wird. \ BESTE QUALITÄTEN (SfctESi '-■'•'OFflft ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH lv- “““K ü 43-5-5(1 Fälschungen und mit einer alle überkommenen Grundsätze von Treue und Ehrlichkeit verlachenden Skrupellosigkeit. Zur Führung dieses Krieges ist eine eigene Rasse — und in dieser Beziehung ist der Ausdruck voll anwendbar — entstanden. Sie trägt ein braunes Hemd und das Hakenkreuz und nennt alles, was nicht ihres Sinnes und ihrer Richtung ist, jüdisch. Vor allem jüdisch ist der Wille zur Wahrheit, zur Unbefangenheit und zur Vorurteilslosigkeit. Dann ist jüdisch alles, was dem nationalistischen Expansionsdrang nicht genehm ist oder ihn hindern will. Das ist; eine den Verhältnissen sich anpassende Theorie. Solange Deutschland. mit Polen, bös war, galt Polen als jüdisch; heute ist es arisch. Solange deutsche Ingenieure in Rußland an dem Ausbau der Kriegsindustrie verdienen und pour le roi de Prasse wirken konnten, waren die Sowjets nationalbolsohewistisch; seit sie die Waffenfabriken und die Kanonen beschlagnahmt haben und ßelbst erzeugen, sind sie wieder Juden. Briand, Clemenceau, Benesch und eine Zeitlang auch d’Annunzio sind Juden oder Judengenossen. Die Japaner wurden, als sie Tsingtau eroberten, als einer der alten zehn Stämme des jüdischen Volkes beschimpft; heute sind sie wieder eine den Nordischen nahestehende, durch heldischen Sinn sich auszeichnende Rasse. Bis auf Widerruf natürlich. Wer „a Jud“ ist, bestimmt heute Goebbels, für sich selbst einer der typischen Repräsentanten n ordisch-germanischer Nation: blond, hochgewachsen, blauäugig, im Krieg dekoriert. Auf allen Wegen spüren diese braunen Rassenmenschen dem Judentum und dem jüdischen Geist nach. Nicht nur die Großmutter bekommt noch im Grab entscheidende Funktion; wer mit Juden verkehrt, privat oder geschäftlich, wer mit ihnen sachlich diskutiert, ist selbst für die Feme reif. Gegen die jüdische Bibel und alle, die in ihr ein unschätzbares Werk menschlicher Einsicht verehren, ist der ganze braune Heerbann aufgeboten und die ganze deutsche Wissenschaft ist in den Dienst der Sache getreten. Teils aus Furcht vor dem Konzentrationslager, teils aus langjähriger Sympathie für jeden antijirdischen Akt. Diese Wissenschaft hat in den langen Jahren der Vorbereitung für das Dritte Reich zu den Fälschungen geschwiegen, durch die das Judentum zur Rasse der Verbrecher an Geist und Wirtschaft gestempelt worden ist. Die Wissenschaft der deutschen Hochschulen ist ruhig und teilnahmslos beiseite getreten, als die „Geheimnisse der Weisen von Zion“ mit Anwendung ungeheuerlicher Geldmittel zum meistverbreiteten Buch gemacht wurden. Und dieses Werk i»t dje angewandte deutsche Bassenkunde, ist "in dem russielien Original, das unbemerkt ge-

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