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Die Stimme · 1934-11-20 · Heft 402 (20.11.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 402 (20.11.1934)
Date
1934-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 408 — 20. November 1934 DU STIMM! Sott® 5 "ÖVC* Ji'C&C&töchC' (44dM/C’V&li'ßi’ j Das Studienjahr 1934/35 der Jerusalemer | Universität, wurde vom Kanzler Dr. J. L. j Magnes mit einer Rede eröffnet, in der er zunächst des Todes B i a 1 i k s gedachte. Er begrüßt« dann die neuen Mitarbeiter: Prof. Julius Gutmann aus Berlin, Pro fessor Richard K o e b n e r aus Breslau, , Dr. Alexander D u s c h k i n aus Chikago, i Dr. Jakob Polotzky aus Berlin und Dr. Günther VV o 1 f s s o h n aus Berlin; fer- J ner Prof. Ludwig Halberstädter aus Berlin, Prof. Ernst Wertheimer aus Halle und Dr. Leonid Doljansky aus Berlin. Weiters teilte der Rektor mit: Neue Lehrstühle Infolge der Besetzung des Lehrstuhle für jüdische Philosophie mit Prof. Julius Gutmann haben wir hier jetzt vier Gelehrte, die die Geschichte der Philosophie, die Philosophie des Mittelalters, die jüdische und die islamische Philosophie, eowie die Philosophie der Neuzeit nach ihren verschiedenen Zweigen, von Descartes bis in die Gegenwart, lehren können. Auf dem Gebiet dor Literatur der Kabbala ist Prof. Gerhard S c h o 1 e m, und als Inhaber des Chaim Naohman Bialik-Lehrstuhls für die hebräische Sprache Prof. Torczyner bestätigt worden. Infolge der Arbeit Professors Richard Köbner auf dem Gebiet der neuen Geschichte findet der Schüler sechs Historiker, deren Lehre die alte griechische und römische Geschichte unter Betonung der hellenistischen Zeit, die allgemeine und die jüdische Geschichte des Mittelalters, die Geschichte der islamischen ■Völker, die Geschichte der Neuzeit seit der Renaissance, die jüdische Geschichte der Neuzeit vom soziologischen Standpunkt, und die Geschichte der internationalen Beziehungen umfaßt. Erforderlich wären noch Lehrstühle für die Geschichte des semitischen Orients im Altertum und die Geschichte des Zeitalters des Zweiten Tempels. Dr. V. Tschirikower ist zum Dozenten für griechische und römische Geschichte und Dr. S. D. Goitein zum Dozenten für islamische Geschichte ernannt worden. Dr. S u k e n i k, der sich bisher wichtigen Forschungen im Felde gewidmet hat, ist jetzt zum Dozenten für die palästinensische Archäologie von der älteren Bronzezeit bis zum byzantinischen Zeitalter ernannt worden. Dr. Alexander D u s c h k i n wird über pädagogische Methodik und pädagogische Verwaltung lesen. Vorgesehen ist für diese Abteilung auch ein Unterricht in der Psychologie und in dem Fundamenten der Pädagogik. Wir hoffen lebhaft, sagte Dr. Magnes, daß es Prof. Kurt L e w i n, der früher in Berlin dozierte, zur Zeit an der Cornoll- Universität arbeitet und jetzt zum Professor der Psychologie ernannt worden ist, möglich sein wird, nach Jerusalem zu übersiedeln. Die Schaffung einer psychologischen Abteilung im vollen Sinn des Wortes ist mit großen Ausgaben verknüpft; wir hoffen, daß die Freunde der Universität uns dazu verhelfen werden, diie nötigen Mittel zu beschaffen. Dr. Jakob Polotzkys Antritt als Instruktor für Ägyptologie wird die Entwicklung des orientalistischen Instituts zu einem Zentrum für die Erforschung der nahösfcliohen Kultur fördern. Besondere Mittel sind uns für die Erforschung der beiden folgenden Zweige der Musikwissenschaft zur Verfügung gestellt worden: der traditionellen jüdischen, auf der biblischen Grundlage beruhenden Musik, und der außereuropäischen Musik. Hoffentlich werden die Verhandlungen mit den für diese Fächer in Frage kommenden Kandidaten bald abgeschlossen sein. Bald wird auch der Inhaber de« vom Keren Kajemeth gegründeten Hermann Schapiro-Lehrstuhls für Agrarökonom i e ernannt werden. Dr. H. Pflaum wurde zum Dozenten für romanische Sprachen und Literatur des Mittelalters befördert. Der Universitätsverlag hat zwei philosophische Werke in Druck gegoben: Loekes „Versuch über den menschlichen Verstand“ und Platos „Protagons“. Durch diese Veröffentlichung ist die van Herrn Prof. Roth horausgegebene Reihe klassischer philosophischer Werke, die jetzt 13 Bände umfaßt, wesentlich bereichert worden. Der diesjährige dritte Band der geisteswissenschaftlichen Zeitschrift „Tarbitz“ wird dom 800. Todestage Maimonirles’ gewidmet sein. Ferner befindet «ich im Druck der erste Band der von Dr. Goitein herausgegebenen Handschrift de« islamischen Historikers Baladhuri. Außerdem werden diese« Jahr noch zwei Bände von Hermann Cohens „S e h r i fton über das Judentum“ erscheinen. Auf naturwissenschaftlichem Gebiet sind zwei Gelehrte aus Deutschland für die beiden wichtigen Zweige der physikalischen Chemie und der theoretischen Physik gewählt worden. Inzwischen wird der Aufbau der Abteilung für Physik dadurch vervollständigt, daß Dr. S. S a m b u r s k y den etatmäßigen Posten eines Dozenten für experimentelle Physik eingenommen, und Dr. E. Alexander und Dr. G. Wolfssohn zu ordentlichen Assistenten für Physik ernannt worden sind. Das Kuratorium hat Prof. A. F r ä nk e 1 s Ernennung für reine Mathematik bestätigt. Ferner sind folgende Beförderungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaften zu erwähnen: Dr. A. Eig zum etatmäßigen Dozenten für Botanik; Dr. L. Picard zum etatmäßigen Dozenten für Geologie; Dr. B. A m i r a zum Dozenten für Mathematik; Dr. A. Reifenberg zum Dozenten für angewandte biologische und Kolloidalchemie; Dr. M. Frankel zum Dozenten für Biochemie. Frau Dr. Th. R a y ß zur ordentlichen Assistentin für Physiologie der Pflanzen und Kryptogamen. Das Krebsinstitut. Wie wir seinerzeit ankündigten, haben wir von anonymen Gebern 40.000 Pfund Sterling für Krebsforschung erhalten. In diesem Zusammenhang hat das Universitätskuratorium Prof. L. Halberstädter mit der Radiobiologie, und Dr. L. Doljansky mit der Zellenphysiologie betraut. Eine besonders zu diesem Zweck ernannte Kommission hat Pläne für Krebsforschungs- Laboratorien auszuarbeiten; hoffentlich wird der Beginn dieser so wichtigen Arbeit nicht mehr lange hinausgeschoben werden. •Im Krankenhaus „Hadassa“ ist für Professor E. W e r t h e i m e r, der zum Professor an der Universität ernannt worden ist, ein Laboratorium für pathologische Chemie und Physiologie eingerichtet worden. Doktor A. Geiger wurde zum Dozenten für Physiologie befördert. Dies sind die ersten Schritte zur Gründung einer Abteilung für Physiologie. Bezüglich der Schaffung des medizinischen Zentrums sagte Dr. Magnes, daß die intime Verbindung zwischen der Universität und der Hadassa vor ihrer Verwirklichung steht. In den mit der Medizin zusammenhängenden Fächern sind folgende Beförderungen zu Dozenten vorgenommen worden: Doktor L. Olitzky für Serologie; Dr. G. Mer für Epidemiologie; Dr. O. Theodor für medizinische Entomologie und Dr. G. Wittenberg für Helminthologie. Der erste akademische Senat. Heute zählt die Universität 21 Professoren, 25 Dozenten, 8 Instruktoren und ordentliche Assistenten, ferner 27 weitere wissenschaftliche Arbeiter. Der gesamte wissenschaftliche Stab zählt also 81 Mitglieder. Das Universitätskuratorium hat infolgedessen beschlossen, daß es an der Zeit sei, dem Universitätsrat den Namen eines „Senates“ zu geben und ihn mit allen einem Senate zukommonden Funktionen zu betrauen. Die erste Sitzung des Senate« hat bereits stattgofunden. Professor S. Klein ist zum Vorsitzenden der engeren Senatskommission gewählt worden. Diese engere Kommission besteht aue vier Senatsmitgliedern, die gleichzeitig Mitglieder des neuen Universitäts-Exokutiv-Komitee« sind. Der ehrenamtliche Schatzmeister der Universität, Herr S. Schocker, ist Mitglied des Exekutivkomitees. Ferner wurden in da« Exekutivkomitee auch einige der in Palästina lebenden Mitglieder des Kuratoriums gewählt: die Herren MonachemUssischkin, Berl Katzeü* femsalem, n e 1 s o n, Sclmiarjahu Lcwi n, Max S c h 1 ö s s i n g e r. Vorsitzender dos Senats und des Exekutivkomitees ist der Kanzlei-. Der Generalsekretär der Universität, Herr S. Ginsberg, ist der Sekretär des Senats und des Exekutivkomitees. Landwirtschaftliches Institut in Rechoboth. Bezüglich der Eröffnung eines landwirtschaftlichen Instituts in Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Versuchsstation können wir zu unserer Fronde Günstiges mltteilen. Da« Exekutivkomitee der Jewish Agency und das Universitäts- Kuratorium haben sich Uber den Aufbau dieses neuen Instituts verständigt. Wir hoffen, daß die Studenten der Landwirtschaft, die ihren ernten Universitätskurs abgeschlossen haben, vom Jahre 1935/36 ab ihr Studium programmgemäß in Rechoboth werden fortsetzen können. Das Davis-Laboratorium für Biologie ist jetzt fertiggestellt. Dringend benötigt werden noch weitere Laboratorien, teils zu naturwissenschaftlichen, teils zu medizinischen Zwecken. Hoffentlich wird e« möglich sein, mit den Arbeiten am Rosenbaum- Bau für jüdische Wissenschaften im kommenden Winter zu beginnen. Die Bibliothek wächst mit derartiger Geschwindigkeit, daß wir uns um Vergrößerung der Bücher - magazino kümmern müssen. Augenblicklich enthält die Bibliothek mehr als 283.000 katalogisierte Bände; 30.000 weitere Bände warten noch auf Katalogisierung. Infolge der europäischen Ereignisse, besonders in Deutschland und in Polen, sind dieses Jahr speziell große Sammlungen kostbarer Werke auf zahlreichen Gebieteu eingetroffeu. Weitere große Sammlungen werden demnächst erwartet. Die Büchermagazine wurden seinerzeit für 300.000 Bände berechnet, eine Zahl, die aber bereits Ende dieses Jahres erreicht sein wird. Das Budget — 49.000 Pfund;; Das für das Jahr 1934/35 vorgeschlagene Budget beträgt 49.000 Pfund Sterling. Nicht enthalten sind in dieser Summe die Kosten für die Errichtung neuer Gebäude, ferner eine Anzahl neuer Sonderausgaben, für die besondere Fonds vorhanden sind. Wir haben gehofft, dieses große Budget mittels -vermehrter Zuwendungen aue Amerika, Palästina, Polen, Südafrika und der Tschechoslowakei zu decken. Leider erhalten wir soeben aus Amerika die Nachricht, daß es infolge der gegenwärtigen Lage dort zweifelhaft ist, ob wir die volle Summe bekommen werden, über die man sich auf der New-Yorker Tagung im Mai dieses Jahres geeinigt hatte. Falls das zutrifft, werden wir vor einem Defizit stehen. Da« bedeutet, daß wir um verstärkte Unterstützung aus Palästina und anderen Ländern werden bitten müssen. Zum erstenmal hat die palästinensische Regierung jetzt drei kleinere Zuwendungen für Forschungsarbeiten an der Hebräischen Universität beigesteuert. Wir nehmen mit großer Freude die Nachricht entgegen, daß die Regierung sich an den Ausgaben für den Bau des neuen Krankenhauses beteiligen will. Wir hoffen, daß sie auf dem einmal beschrittenon Weg vorwärts gehen und auch anderen Zweigen unserer Arbeit eine größere Unterstützung angodeihen lassen wird. Der einzige neue Fonds, der im vergangenen Jahr zu den bereits bestehenden Universitätsfonds hinzugekommen ißt, ist die 50.000-Dollar-Stiftung des Herrn Jakob G. Epstein aus Baltimore (USA.). Dank sei ihm auch hier für seine immerwährende Hilfe erstattet. Durch dio Freigebigkeit eines anonymen Gebers, der der Universität 8600 Pfund zur Verfügung stellte, und die dauerndo Hilfsbereitschaft Felix Wa-rburgs und seiner Gattin, dio 9240 Dollar stifteten, ist es der Universität im vergangenen Jahr ermöglicht worden, ihre gesamten äußeren Schulden zu tilgen. Somit ist die Universität gegenwärtig frei von jeglichen Schulden äußeren Gläubigern gegenüber. Dio Erweiterung . der Universität wurde zum Teil durch dio Uiiterstützungsgekler für die ans Deutschland geflüchteten Ge* lehrten ermöglicht. Mit Hilfe der zuge- «icherton Geldmittel kann ein Dreijahrs* Programm durchgeführt werden. Das Kuratorium hat jedoch beschlossen, daß mart Anstrengungen machen sollte, uni diese Frist mindestens auf fünf Jahre zu verlängern. Es wird also nötig sein, Doch mehr Fonds und andere Geldmittel für die deutschen Flüchtlinge zu finden. Gegenwärtig haben wir liier zehn deutsche F1 U c h 11 i n g e als wissenschaftliche Arbeiter: zusammen mit den vorerwähnten Ernennungen beträgt ihre Zahl in diesem Jahre 17. Die Anzahl der Studierenden steht für dieses Jahr noch nicht fest. Mehr als 1000 Aufnahmsgesuche sind eingelaufen; in Ordnung befunden wurden die Zeug nis«e von etwa 800 Antragstellern. A- Ende des vergangenen Jahres betrug Zahl der an der Universität Studieren«511 280, inbegriffen die Forschungsstudent1. Vom vergangenen Jahr werden sich, wii erwarten ist, mehr als 200 Studenten weder einsehreiben. Man kann natürlict inl Augenblick nicht sagen, wie viele der, Neuen ordnungsgemäß am Unterricht tpAV nehmen werden. Zu verzeichnen ist da« gute Gelingen der Tel-Aviver Außenkurse, die beim Publikum viel Anklang gefunden haben. In der vergangenen Winterszeit haben sich für diese Kurse 473 Hörer, zum größten Teil mit Mittelschulbildung, eingeschrieben. Die Kurse finden unter den Auspizien des Tel- Aviver Zweiges der Gesellschaft der Freunde der Universität statt. Sie werden diese« Jahr im November beginnen und nur während des Wintersemesters durohgeführt* Kanzler Dr. Magnes schloß seine Rede mit folgenden Worten: Die heutige Zeit ist eine Zeit der Gefahr nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die ganze. Welt. Die Luft ist mit Sprengstoff geladen; der geringste Funke kann sie zur Entzündung bringen. In einer solchen Zeit muß die Universität dem jüdischen Volk mehr, als in irgend einer anderen Zeit die Möglichkeit bieten, eine warmherzige, klardenkende, idealistische Jugend zu' erziehen, ein Geschlecht mit streng wissenschaftlicher Schulung, das das geistige Erbe Israels hütet und es zu bereichern trachtet. Diese Werte sind in sich gut, was auch mit Welt und Mensch geschehen mag. Sie sind nicht nur für eine kleine Elite gut, sie sind gut für das ganze Volk, für jeden Menschen, der dazu befähigt ist, sie aufzunehmen. Kulturpropaganda Italiens in Palästina Rom, 12. November. * Die italienische Regierung hat den jüdisch-italienischen Schriftsteller Dr. Aldo Sorani mit der Mission betraut, die Kenntnis italienischer Literatur und Kunst in Palästina durch eine Reihe von Veranstaltungen zu verbreiten. Dr. Sorani, der in Italien als Literaturkritiker einen Namen hat, ist auch im jüdischen öffentlichen Leben aktiv tätig. Die italienische Regierung hat vier Italienisch-Lehrer nach Palästina delegiert, und zwar drei nach Tel-Aviv und einen nach Haifa. Tschechoslowakische Handels* Hammer ln TebAvlv und Haifa - Laut Mitteilung der Tsohechoslowakisch- Palästineußischen Handelskammer in Prag fanden unlängst konstituierende Generalversammlungen der Ortsgruppen der Tschechoslowakischen Handelskammer im T e L Aviv und Haifa, beide unter großer Teilnahme führender Persönlichkeiten des palästinensischen Wirtschaftslebens, statt. In beiden Versammlungen wurden aufrichtige Sympathien für die Tschechoslowakei und für ihren Präsidenten Masaryk kundgegeben. In Tel-Aviv, wo sich gleichzeitig das Kammersekru-ariat befindet, wurde zum Präsidenten Eliahu L e v o n t i n, Direktor der Anglo-Palestine Bank, gewählt; in das Kammerpräsidium wurden Dr. Viktor G r ü n w a 1 d, Konsul der Tschechoslowakischen Republik, Friedrich Sonnenfeld, Direktor der Continental Steel Trading Co. (Schwestergesel'«ohaft der Kontinentalen Eieenhandels-Gesellschaft Korn & Co.), sowie S. Tolkovsky, Generaldirektor des Verbandes der palästinensischen Citrus« Exporteure, gewählt.

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