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Die Stimme · 1934-11-20 · Heft 402 (20.11.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 402 (20.11.1934)
Date
1934-11-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Dl€ STIMME Nr. 402 — 20. November 1984 ii . .— Wie Sombart den Teufel gleichschaltet Biiiiii In volkswirtschaftlichen Fachkreisen war I werden, was wir erlebt haben. Deutlich man sich zwar schon längst darüber im I lassen sich die Wege erkennen, auf denen klaren, daß Herr Professor Werner Som*| Satan die Menschen auf seine Bahn gelenkt hart nicht als ernster Gelehrter zu be-1 hat.“ trachten ist. Nach seinem jüngst erschie-1 Für einen Wissenschaftler ist es denn nenen Buch Deutscher Sozialismus“ müßte I doch allzu bequem, dort, wo er historische es eigentlich auch dem Laien in national-1 und sozialökonomische Zusammenhänge ökonomischen Dingen klar werden,. daß I nicht sieht, sich einfach wie ein afrikani- Herr Professor Sombart eine Erscheinung I scher Medizinmann auf böse Geister, auf ist, die mit Wissenschaft gar nichts mehr da« böse Prinzip, auf den Teufel zu bezu tun hat, sondern zu der se&t dem Krieg I rufen lind Satan zur Erklärung historischer neben anderen Übeln sich immer üppiger | und wirtschaftlicher Vorgänge zu bemühen, ausbreiitenden Gilde der konj unkturpoliti* I Woher der Wind bei Herrn Professor sehen Schreiber gehört. Diese Erkenntnis I Sombart weht, wessen Geistes Kind dieser scheint sogar ihm selbst aufziiclämmern, I Ma.nn, der sich noch immer einen Gelehrdenn auf Seite 42 seines neuen Werkes Item schimpfen läßt, eigentlich ist, dafür sagt er ganz offen: „Dieses Buch will gar I folgende kleine Kostprobe: „Die Zahl der kein wissenschaftliches, sondern ein p o-1 Menschen wuchs nicht durch natürliche li tisch es Buch sein — was nioht be-1 Fruchtbarkeit, sondern durch den Trick deutet, daß es ein unwissenschaftliches I (sic!), daß durch die Technik in Verbin Buch ist.“ Der Nachsatz ist nur insoferne I diuig mit den Fortschritten4 der Medizin richtig, als Sombart zwar mit Wissenschaft-1 und Hygiene die Zahl der Todesfälle sich liehen oder scheinwissenschaftlicben Mit- J verminderte, daß daher die Rasse sich verteln und Methoden, aber nicht mit dem I schlechterte, die Völker vergreisen, daß die Ziel aller Wissenschaft, nicht im Dienst der | Verheißung in Erfüllung gehe, ,daß du Wahrheitserforschung arbeitet, lange lebest auf Erden4, ohne Rücksicht Nationalsozialistische Agitationsschreiber darauf, ob als Löwe oder als Schaf.44 Mit gibt es heute bereits so viele, daß Herr diesem letzteren Bonmot hat Herr Profes- Profeesor Sombart offenbar einsah, daß I sor Sombart übrigens eine diskrete kleine man mit noch mehr Geschreibsel dieser Art Anleihe bei Mussolini gemacht — ein Dikkeinen Hund mehr hinter dem Ofen hertator von wirklicher Größe ist eben außer vorlocken kann. Also machte er sich seinem Berufsrisiko, dem Attentat, auch geistig selbständig, erfand sich eine benoch der nicht geringeren Gefahr aussondere Art Sozialismus, einen deutschen gesetzt, von Herrn Professor Sombart pla- Sozialismus, dem er als „Sozialismus! giiert zu werden. für Deutschland“ verstanden wissen " Herr Professor Sombart beschreibt: „Es will. Er stellt sich die Aufgabe, „eine ein- I kamen vor allem die vielen Waren, die beiheitliche Ansicht der verschiedenen sozianahe so aussahen und schmeckten, als ob len Probleme der Zeit zu geben, wie sie *ie echt wären. Es kam die Zichorie, die sich vom Standpunkt nationalsozialistischer den Kaffee, die Margarine, die die Butter, Gesinnung aus gewinnen läßt.“ Er betreibt die Pflanzenfette, die die Tierfett« ersetzalso ein Denken mit Voraussetzung, nämlich ten; es kamen die genagelten Schuhe statt unter der Voraussetzung der Richtigkeit der genähten, die gegossenen und gestanzten der nationalsozialistischen sogenannten j Metallwaren statt der getriebenen und ge- Weltanschauung, genau so wie vor sechs schmiedeten, die gepreßten Lederwaren bis sieben Jahrhunderten die Scholastik ein statt der geschnittenen, die gedruckten Denken mit Voraussetzung, nämlich unter l Muster statt der gewebten; es kamen Tal- Voraussetzung des christlichen Dogmas ui und Tombak, Kunstwolle, Kunstseide, war. Daraus folgert, daß Sombarts „Be-1 Kunstleder, Kaliko, Pappe, Zelluloid, See streben, alle Schlagworte aufzulösen“, ge-1 gras“ --was beschreibt Herr Prorade an jenem Punkt aufhört, wo es am I fessor Sombart eigentlich hier? Das notwendigsten wäre, nämlich bei der Auf- Deutschland von heute, wie jeder unbefan- Iösung jener zahllosen leeren Schlagworte gene Leser auf den ersten Blick glauben made in Germany, wie sie noch niemals muß? 0 nein: Das angeblich erledigte kairgend eine politische, nationale oder relioitalisbische oder materialistische Zeitalter, giöse Bewegung in solchen Massen und?ol a.n dem er bemängelt, daß ihm die „Auscher Hohlheit produziert hat wie eben der riebtung auf eine überragende Idee“ fehlte. Nationalsozialismus. „In der unermeßli- Den Sozialismus z. B. erkennt Herr Prochen Schriftenflut, die eich mit der nationafessor Sombart nicht als Bolche tiberragenlen Erhebung über uns ergossen hat, werde Idee an, selbstverständlich aber dessen de-n allzuhäufig Theorien entwickelt, die rassenechtes Kind, den Nationalsozialismus, dieser Aufgabe (Klarheit zu schaffen) nicht rn seinem Feldzug gegen dieses Zeitalter gewachsen sind. Man bleibt notwendig im leistet sich Herr Professor Sombart die er- Sehlagwort stecken und verfertigt daraus heiternde Feststellung: „Es kann keinem Theorien für den Tagesgebrauch44. So sagt Zweifel unterliegen, daß die Menschen un- Sombart selbst, der seine Nazi schließlich <erer Zeit im Durchschnitt dümmer sind als kennen muß. I die Menschen früherer Zeiten, ein Gelehrter Sombart beginnt seine Arbeit damit, daß des XVII. und XVIII. Jahrhunderts war er (zum wievielten Male?) das ökonomiklüger als einer des XIX. und XX. Jahrsche Zeitalter kritisiert und verneint, „jene hunderts, ein Schäfer klüger als ein Faabsterbende Zeit, in welcher die Wirtschaft brikarbeiter, eine Hausfrau klüger als eine allen übrigen Bereichen der Gesellschaft Studentin.“ Herr Professor Sombart ver- und Kultur ihr Gepräge aufdrückte“. Er fällt hier in den gerade bei ihm so häufigen bestreitet selbstverständlich, ein Anhänger Fehler, zu generalisieren — er sollte insder materialistischen Geschichtsauffassung besondere die Gelehrten nicht nach seinen zu sein, erklärt aber schon im nächsten eigenen Verhältnissen beurteilen. Satz seine Überzeugung, daß „die materia- In endlos langen Erörterungen besehäflißtische oder richtiger gesagt die ökonotigt sich Herr Professor Sombart weiter mische Gesohichtstheorie für das abgelaumit der Frage „was ist deutsch?“ und antfene Zeitalter, aber nur für. dieses zu Recht wortet auf Seite 143: „Der Deutsche hört besteht“. Dann macht er die Entdeckung, gerne und freut sich eines klaren und daß während des XIX. Jahrhunderts die scharfen Kommandos“ (ist diese Sprache westeuropäische Menschheit in die Irre genoch deutsch?), er folgt dem Führer, aber gangen sei und eine Zeit des Niederganges nur weil und insoweit er in diesem die erlebt habe, wobei er sich auf Meinungs- Verkörperung einer Idee erblickt, er unteräußerungen Goethes, Carlyles, Nietzsches wirft sich nicht der Person, sondern der und anderer längst verstorbener großer durch diese vertretenen Sache. Deshalb Geister beruft, die sich daher nicht mehr dagegen wehren können, von Herrn Professor Sombart als Zeugen, Gesinnungs- und Parteigenossen geführt zu werden. Suid diese Festeteilungen Sombarts nichts weniger als originell, so sind es um so mehr seine Ansichten Uber die Ursachen des Niederganges der europäischen Menschheit. Sie verdienen es, wörtlich zitiert m werden: „Nur wer an die Macht des Teufels glaubt, kann verstehen, was sich in den letzten anderthalb Jahrhunderten in Westtreiben wir auch keinen Heroenkult, wir sdnd das Volk der Legalität, der Loyalität, der Autorität.“ Das alles ist bei Herrn Professor Sombart ernst und keineswegs ironisch gemeint. Ein agitatorisch so dankbares Problem wie die Judenfrage darf ein „Gelehrter“ vom Schlage des Herrn Sombart selbstverständlich nicht unausgeschrotet lassen. Da schreibt er (Seite 192) über die Judenfrage: „Das Pereonenproblenn liegt in der Frage eingeschlossen, ob di« Menschen rein jüdischen Blutes in einem Lande wie Deutscheuropa und Amerika zugetragen hat, denn : larid bei der Besetzung leitender und vernur als Teuf elsworh kann gedeutet j antwortungsvoiier Steilem völlige Gleichberechtigung mit. den übrigen Reichslän denn haben sollen oder nicht, ganz tinab hängig davon, wer sie als Geist und Cha rakter sind und welche Achtung sie als Mensch verdienen. Diese Frage verneinen wir — ohne jede Begründung.“ Hier arbei tet Herr Professor Sombart mit einer Methode, deren Anwendung von National Sozialisten gewöhnlich als „typisch jüdisch“ hingestellt wird. Schon die Fragestellung an und für sich ist eine zweckbewußte Ver drehung, da bekanntlich in Deutschland nicht nur Menschen rein jüdischen Blutes sondern auch nur entfernt jüdischer Ab stammung von der Besetzung nicht nur lei tender und verantwortungsvoller, sondern praktisch auch der meisten übrigen Stellen ausgeschlossen sind, ganz unabhängig da von, wer sie nach Geist und Charakter sind und welche Achtung sie als Mensch verdienen. Nicht der Inhalt seiner These, aber diese Art von Argumentation läßt es begreiflich erscheinen, daß Herr Professor Sombart auch bei dem von ihm so heiß umworbenen Nationalsozialismus sich verdächtig und mißliebig gemacht hat, zumal ihm auch einige bekannte Ansichten gegen das strenge Dogma des Natio Sozialismus angekreidet werden. Er spricht von „inneren Juden“, er generalisiert munter dranflos, kämpft mit Hilfe der Verallgemeinerung, jenes Kampfmittels, das Antisemitismus und Dummheit in trautem Verein seit jeher als Kampfmittel gegen Juden und Judentum verwendeten und da® wie kein anderes Unheil über die ganze Welt gebracht hat. Was die Schreibweise Sombarts betrifft, die mit gehäuften und gesteigerten Argu menten arbeitet, um über die Schwäche des Einzelargumente hinwegzutäuschen, so haben wir im obigen einige ausreichende Kostproben gegeben. Nach dem oben Gesagten wird mian es verständlich finden, wenn wir es kategorisch able.hnen, an Herrn Professor Sombart und sein neuestes Werk den Maßstab einer streng wissenschaftlichen Kritik anzulegen, seine pseudowissenschaftlichen Irrlehren mit ernsten wissenschaftlichen Argumenten zu bekämpfen. Trotzdem empfehlen wir Sombarts Buch zur Lektüre —: als Dokument eines geradezu beispiellosen menschlichen, ethischen und wissenschaftlichen Tiefstandes. Kuriosa aus dem Dritten Reick Der Vater Nichtarier, der Sohn Arier Die neue Rechtsanwaltsordnung in Deutschland verbietet es einem arischen Rechtsanwalt, sich mit einem nichtarischen zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen. Die Reichskammer für Advokaten hat jetzt in einem Urteil entschieden, daß eine Gesellschaft, die aus Vater und Sohn bestand, aufgelöst werden müsse. Es ergab sich nämlich der groteske Tatbestand, daß der Vater, ein angesehener Justizrat, eine jüdische Großmutter hat, also „Nichtarier44 ist, während der einer späteren Generation angehörende Sohn bereits als „Arier“ gilt. Kinoprogramme der Wodie KREUZ-KINO Prolongiert: 1., Wollzfille iS Tel. R 24-2-1« mit Robert Montgomery Beginn: 4, '/«ß, */,8, ‘/«10 Uhr leopoldstfldter Volkskino TeI«phon^R f* Vom 20. bis 22 November. MASKERADE mit PAULA WESSELY, ADOLF WOHLBRÜCK, HANS MOSER Wochentags 7,0. 7,8, 7,10 Uhr. Sonn- und feiertags 7,4 Ubr VI., Mariahllferstralle 37 Telephon B 20-2U3 Vom 20. bis 22. November: SCHAFFER-KINO Vom 20. bis Neues Programm Beginn : 7,4, */*6, *1*8, ‘'»10 Uhr Heimat-Kino GUGS IX., Porzellangasse 19 Telephon A18-0-76 Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonnu. Feiert, ab 3 Uhr IX., Währingerstraße 12 Telephon A 18-3-96 Votivpark-Kino Neues Programm Täglich: 4, 3/*6, i/38, 1/410 Uhr JÜDISCHER SPORT Die Judennase — arischen Ursprungs? Lord Raglan, der englische Anthropologe, sprach im Londoner Radio über Anthropologie und erklärte, es gäbe heute keine reinrassigen Völker mit Ausnahme vielleicht isolierter Stämme, wie Eskimos oder Kongo- Pygmäen. So etwas wie eine jüdische Rasse gibt es nicht. Messungen haben gezeigt, daß nur etwa ein Viertel der Juden die sogenannte jüdische Kose hat, und diese jüdische Käse unter den Juden stammt vom Hetiter- Einschlag, die der alpinen Rasse angehörten und eine arische, nicht eine semitische Sprache sprachen. Schönes Nußholz-Speisezimmer, Teppich, Küche, Vorzimmerk',sten und diverses wegen Übersiedlung preiswert zu verkaufen. Unter „Nur an Private“ an die Administration 2^ZIMMERW0HNUNG Stadtnäbe, nettes Haus, l. Stock, Vorzimmer, Küche. Innenklos.. Gas, Elektrisch,Telephon, hofseifig, licht, ruhig, kleiner Zins, gegen Übersiedlung*- und Investitionskosten-Eisaf'/ abzugeben. Unter „Eventuell komplett mö bliert“ an die Administration, Zwei Niederlagen der Hakoah Die letzten zwei Meisterschaftskämpfe brachten der jüdischen Mannschaft ebensoviele Niederlagen. Am Feiertag verlor die Hakoah gegen die Austria 1:2, wobei dieser Mißerfolg recht unnötig war. Die Austria, die sechs Niederlagen en suite erlitten hatte und an letzter Stelle rangiert, vermochte gerade bei der Hakoah nach langer Zeit einen Sieg zu landen. Schon bei diesem Kampf ließ sich ein allgemeiner Formrückgang der gesamten Mannschaft feststellen — lediglich L ö w y im Tor der Hakoah konnte restlos befriedigon —, ein Formriickgang, der im sonntägigen Kampf gegen Wacker, der 3 :4 verlorenging, trotz des knappen Resultats und trotz unleugbar besseren Spiels noch nicht überwunden werden konte. Der leichte Form« rückgang Donnen fei ds wirkte sich insbesondere in der schwachen Schußkraft aus. Allerdings haben auch die anderen Forwards des Hakoah-Sturms keine Heldentaten zu vollbringen vermocht. Löwy befriedigte, trotz der drei Tore, im allgemeinen. Schwach und unsicher war die Verteidigung A m s t e r—W e i ß, die nur selten reine Befreiungsstöße zustandebrachto. Das schwache Spiel der Halvesreihe in der ursprünglichen Aufstellung mit Platsch ok als Mittelläufer und St roß als linken Half brachte gleich in der ersten Phase des Kampfes die Hakoah mit zwei Toren in Nachteil; in der geänderten Aufstellung B r e i tfeld, Stroß. Platschek ging os bei weitem bessor, ja, die Hakoah vermochte jetzt sogar eine merkliche Überlegenheit geltend zu machen. Mit zwei Toren im Nachteil ging die Hakoah in die Pause. In der 5. Minute nach dor zweiten Spielhälfte, die die jüdische Mannschaft weit mehr in Angriff sah, holto Donnenfeld mit herrlichem Schuß einen Treffer auf, der aber wenige Minuten später durch einen dritten Wacker-Erfolg wioder weltgemacht wurde. Drei Minuten später konnte Mausner den Stand auf 2:3 für Hakoah bringen und in der 35. Minute gelang es Zwiebel aus einem Eckstoß gleichzuziehen. Ein in der letzten Spiolminute ziemlich unerwartet erzielter Treffer ( durch Walzhofer brachte wioder Wacker in (Führung-, womit die i-■ T icrlage der Blauj Weißen besiegelt wurde. Makkabäuo* 01674182^413890710 02762319

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