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Die Stimme · 1934-11-16 · Heft 401 (16.11.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 401 (16.11.1934)
Date
1934-11-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 101 — 16. November 193-1 der unerschütterlichen Überzeugung. daß unsere Mitarbeit am Aufbau Palästinas und unsere vaterländische Gesinnung Dinge sind, die sieh vorzüglich miteinander verbinden lassen, Unsere Stellung liegt eindeutig und durchsichtig vor der ganzen Welt da. Unsere Hoffnung ist begründet, daß die Zahl der Christen im Wachsen begriffen ist, die es verstehen, daß wir für unser Volk ein Land brauchen, in dem es unter normalen Verhältnissen leben und sich frei entwickeln kaum. Im übrigen hat der Völkerbund die Schaffung einer nationalen jüdischen Hei m statte in P a 1 ä s t i n a unter seinen Schutz genommen und die Erwartung ausgesprochen, daß die Judenschaft der ganzen Welt an dem Aufbau Palästinas mitarbeiten wird. Die zionistischen Bestrebungen sind also von der ganzen Welt legalisiert. Über gewisse Verdächtigungen von assimilatorischen G r ü p p c h e n können wir mit der ihnen gebührenden Wertschätzung hinweggehen. Vor kurzem hat eine angebliche Jugendversammlung einer solchen Gruppe stattgefunden, in welcher ein Redner die Arbeit der Zionisten in Palästina herabgesetzt hat. Er hat das Aufblühen des Landes als eine Art Seheinkonjunktur hingestellt. Ich kann nicht zugeben, daß dieser Redner ein Sachverständiger für Aufbauarbeit ist. Die Jugend dieser Gruppe war von dieser Rede angeblich sehr begeistert. Wir können diesen Jünglingen leider nicht die Garantie der Bank von England erbringen, daß die Prosperität in Palästina noch 50 oder 100 Jahre andauern wird. Das ist aber, der Unterschied zwischen unserer Jugend und der Jugend der Assimilation: Die zionistische Jugend ist nach Palästina gegangen, als es dort fast nichts anderes gab, als die berühmten „Steine“, welche in jeder Unionversammlung Gegenstand der Belustigung waren, und als die Malaria in jenen Sumpfgegenden wütete, die heute durch die Arbeit unserer Jugend in blühende Felder umgewandelt sind. Es ist nicht alles wahre Jugend, was jung an Jahren ist. Unser Vorsitzender hat heute Worte des Nachrufes für Johann Kremen e z k i gesprochen. Der besaß mit 80 Jahren das Herz eines wahren Jünglings. Das gilt auch von S o k o 1 o w und U s s i s c hk i n und vielen andern bloß an Jahren alten Männern unserer Bewegung. Das andere Lager hat niemals wahre Jugend besessen, sonst müßte es sich in Respekt verbeugen vor dem Heroismus der Arbeit, die unter den schwierigsten Verhältnissen geleistet wurde. Der Redner kommt zum Schlüsse auf die Einigungsbestrebungen in der zionistischen Bewegung zu sprechen und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, daß man sich mit dem bisherigen formellen Frieden nicht zufriedengeben und die Verhandlungen bis zum Abschluß eines wahren Friedens fortsetzen wird. Bilden wir vor allem eine einheitliche zionistische Front, vielleicht wird ihr auch dann die jüdische Einigung folgen. (Langer, stürmischer Beifall.) Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz befaßte sich mit den unmittelbaren Aufgaben der Jüdischen Gemeinde, insbesondere mit der bevorstehenden Winterhilfsaktion, die von der Kultusgemeinde eben eingeleitet Avurde. Dr. Löwenherz, bekanntlich Finanzreferent der Gemeinde, schilderte in packender Weise das Elend der jüdischen Massen in Wien, dem durch sofortige Ak tionen teilweise Milderung gebracht werden müsse. Er schilderte die bereits kürzlich an dieser Stelle anläßlich der Pressekonferenz in der Kultusgemeinde hervorgehobenen Leistungen der Wiener Judengemeinde auf dem Gebiete des Fürsorgewesens und appellierte noch einmal an die Wiener Judenschaft, jener zehntausenden Wiener jüdischen Männer und Frauen dieser Stadt zu gedenken, die heute vor der Delogierung, ohne Mahlzeiten und ohne Heizmaterial der Verzweiflung preisgegeben sind. In den letzten Tagen — berichtet Dr. Löwenherz — sind für die Winterhilfsaktion etwa 40.000 Schilling eingegangen, die, zur Ehre des finanzschwachen jüdischen Mittelstandes, sei es festgestellt, zum überwiegenden Teile von dem kleinen jüdischen Mann geleistet worden sind. Es können nicht genug die jüdischen Gemüter aufgewühlt werden, die Hilfe, die heute nottut, zu leisten. In den letzten Tagen sind die Aufrufe des Bundeskanzlers zur Hilfe für die allgemeine Winterhilfsaktion erfolgt. Wir sind stolz darauf. daß die Juden Wiens die allgemeine Winterhilfsaktion mit großen Mitteln bedenken. Wir wissen, daß die reichen Juden Wiens, soferne es solche noch gibt, die Aufrufe des Bundeskanzlers mit großen Schecks beantworten. Wir sind auf diese jüdische Mildtätigkeit stolz. Wir müssen aber auch gleichzeitig von unseren Juden fordern, ihrer jüdischen in Not lobenden Mitbürger zu gedenken, die von niemanden anderen als von der Judenschaft Hilfe e r av a r t e n können. Die Durchführung der jüdischen Winterhilfsaktion der Jüdischen Gemeinde erfordert den Betrag von 150.000 Schilling. Dr. LöAvenhcrz appellert an die Versammlung, insbesondere an die jüdischen Frauen, Herolde dieser Hilfsarbeit zu Averden. Nach Schilderung der umfangreichen Tätigkeit der Gemeinde auf dem Gebiete der Jugenderziehung und der religiösen EinAvirkungen erinnert der Redner an die Vorsprache beim Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, dem bei dieser Gelegenheit das große jüdische Elend geschildert wurde und an die Intervention des Präsidenten der Kultusgemeinde im Unterrichtsministerium anläßlich des bekannten Scliulerlasses. Es ist selbstverständlicher Grundsatz unseres Handelns in allen Fällen, daß wir freiwillig auf keines unserer Rechte verzichten werden und für unsere Gleichberechtigung als pflichttreue, vollwertige Bürger dieses Staates, die wir sind, kämpfen werden. Die Wiener Kultusgemeinde, die schon heute via facti zur jüdischen Volkesgemeinde geworden ist, die allem Juden Wiens die Tore weit und breit geöffnet hat, sei ein Bollwerk im Kampfe um die jüdischen Rechte. Die Jüdische Gemeinde ist im vollsten Sinne des Wortes Volksgemeinde, da es nichts im jüdischen Leben dieser Stadt gibt, das nicht seinen Reflex in der Jüdischen Gemeinde hätte. Zum Schlüsse beglückwünscht Dr. Löwenherz den Präsidenten Dr. Friedmann zu seiner Berufung in den Staatsrat und drückt den Wunsch aus, er möge der Judenschaft Österreichs die Beruhigung bringen, daß sie in diesem Staate volle Rechte genieße. Als Schlußredner ergriff der Dr. Grünbaum schließt seine mit großen Beifall aufgenommenen Ausführungen mit der Abgabe einer prinzipiellen Er k 1 ä r u n g, daß der Zionistische Landesverband für Österreich als die stärkste zionistische Organisation alle zionistischen Gruppen dieses Landes zum Eintritt einiade, insofern sich diese Gruppen zur Disziplin gegenüber der zionistischen Weltorganisation und im zionistischenLandesverband verpflichten. Die Zeit sei zu ernst für Schneidermeister Adolf Singer III., Fasangasse 32, Tel. B 5U-7-60 ehern. Reglmctüsschnciflei des k. 11. It. ScliUtzenreg. 24 und der Flieger-Abteilung Elegante Herrenklcidung, tadellos passend, zu billigen i'reiscn. Auch aus mitgebrachten Stoffen nutzlose Debatten, für Rechthaberei und Opposition um jeden Preis. Er reiche die Hand allen, die mitarbeiten wollen und appelliert an die Anwesenden, den zionistischen Bezirkssektionen beizutrelen und für die zionistischen Ideale unter der Wiener Judenschaft zu werben. Südafrikanischer Innenminister gegen die Grauhemden Präsident des Zionistischen Lan• deshomitees, Dr» Oskar Grünbaum, Restaurant Rillet •^3 ßestrenommterte Küche ^2 Reichhalt’ge Menüs AS 1'99u.2‘60 Schwechater Bräu 11.. Hammerpurgstallgasse j (nächst Salztorbrückt Telephon A 41-0-25 das Wort, der unter anderem folgendes ausführte: Es ist der in dieser Versammlung erwähnten vergreisten Jugend zu viel Ehre angetan, wenn man von ihr so viel spricht. Unsere Gegner haben der jüdischen Gemeinschaft nichts zu sagen. Die Reden der heutigen Versammlung aber beweisen, daß nur wir es sind, die mitten im realen jüdischen Leben stehen, auf Leistungen hinweisen wollen und die Ereignisse seit 30 Jahren vorausgesagt haben. Wir Zionisten waren und sind es, die den Weg dorthin gewiesen haben, wo Rettung für das jüdische Volk möglich ist: nach Erez Israel. Aber Herzls Mauschel lebt noch immer und geifert. Was geschähe heute mit den deutschen Juden, wenn Palästina nicht wäre, wer hat für die Jugend die jüdische Erziehung verlangt, wer hat sie vor der Taufe und der Konfessionslosigkeit nach dem Krieg bewahrt? Wer hat die Jüdische Gemeinde vor dem Zusammenbruch in den Nachkriegsjahren gerettet? Der selige Wiener Oberrabbiner, der Zionist Prof. C h a j e s und der zionistische Vizepräsident Dr. Fried m a n n. Die Unionisten sprechen zu ihrer Jugend über Scheinkonjunktur in Palästina. Unsere zionistische Jugend aber schichtet sich um, lernt hebräisch und bereitet sich für die Alijah vor. Das Wiener Palästina-Amt Avird tagtäglich von hunderten jüdischen Männern und Frauen bostürmt, darunter solchen, die gesinnungsgeinäß Assimilanton sind. Sie alle wollen nach Palästina gehen. Unser Mitgefühl gilt all diesen Männern und Frauen. Aber Avir müssen gleichzeitig sagen: Wer nach P a 1 ä stina will, muß sich in der zioni stischen Bewegung bewährt ha ben, muß zionistisch gekämpft haben. Kapstadt, 12. November. Anläßlich des Jahresbankettes ehemaliger Hörer der Universität Kapstadt hielt der südafrikanische Minister des Innern J. H. Hofmeyer eine Ansprache, in der er an die ehemaligen Hörer den eindringlichen Appell richtete, für Toleranz und Wahrung des Bürgerfriedens einzutreten und die Ausbreitung des dem südafrikanischen Volke wesensfremden Antisemitismus zu verhindern. Der in den letzten Jahren nach Südafrika importierte Antisemitismus sei den besten Traditionen Britisch- und Holländisch-Siidafrikas fremd und stehe zu ihnen in einem feindlichen Gegensatz. Die Völker Südafrikas seien freiheitsliebende Völker und als ein Avesentliches Element der Freiheit sei ihnen stets Duldsamkeit erschienen. Duldsamkeit sei der wahre Eckstein der Freiheit. Durch Duldsamkeit zeige eia Volk sich seiner Freiheit wert. Der Minister hielt eine scharfe Abrechnung mit der im letzten Jahre entstandenen antisemitischen Grauhemden - Bewegung, die planmäßig und offen versuche, einen Teil der Bevölkerung zum Haß gegen den anderen aufzureizen. Die Bestrebungen, Rassenfeindschaft und religiöse Intoleranz zu verbreiten, können nur zu gesellschaftlichem Verfall führen. Diese Saat hätte bereits ihre bitteren Früchte gezeitigt und die Fortsetzung dieser Bestrebungen erfülle die gutgesinnten Männer und Frauen des Landes, die die iibenviegende Mehrheit der Bevölkerung bilden, mit Besorgnis. Der Minijstei Avies in diesem Zusammenhang auf den vom Justizminister und Vizepräsidenten des Ministerrates General S m ti t s vor einem Jahre erlassenen Aufruf hin, in dem dieser nachdrücklich vor der Zulassung der antisemitischen Propaganda in Südafrika Avarnte lind die antisemitischen Agitatoren darauf aufmerksam machte, daß die Schuld für etwaige Unruhen ausschließlich ihnen beigeinessen Averden würde. Ungeachtet dieses Appelles sei die BcAvegung fortgesetz Avorden. Die Geduld der Regierung sei jedoch nicht unbegrenzt. Es sei möglich, daß die Regierung sich in nicht allzu ferner Zeit genötigt sehen werde, einzu greifen, um die Interessen des Landes zu schützen. Möglicherweise Averde sich in diesem Zusammenhang die NotAvendigkeit ergeben, besondere getzliche Maßnahmen zu treffen. Alle, die es mit Südafrika gut meinen, müßten mithelfen, dieses Übel aus dem Volke zu bannen. Die Exzesse in Polen Warschau, 14. November. (2. T. T.) Die aus Anlaß des dritten Jahrestages der von unbekannter Hand erfolgten Tötung des antisemitischen Studenten WaclaAvs k i begonnene Uimihewelle ist noch nicht zum Stillstand gekommen. An den Warschauer Hochschulen wurden in Massen antisemitische Proklamationen verteilt, die Hochschulbehörden schritten ein und verboten die weitere Verbreitung. In Lemberg wurde gegeu das Lokal des Brith Trumpeldor in der Chopin-Straße Nr. 5 eine Petarde geworfen, die das Lokal vollständig verAvtistete. Die Petarde war in eine Ausgabe des antisemitischen „Kurjer Lvovski“ cingewickelt. An den Lokalen der „Hitachduth“ und der jüdischen Studentenverbindungen „Gordonia“ und „Busliah“ wurden die Schilder heruntergerlssen. In Krakau wurden jüdische Passanten von den nationalistischen Studenten schwer verprügelt. In Wilna und in Krakau wurden einige Bomben geworfen. Der Senat der Jagiellonischen Universität in Krakau kündigt für den Fall der Fortsetzung1 der Unruhen schärfste Maßnahmen an. In Warschau hat am 13. d. M, die politische Polizei in den Wohnungen mehrerer Mitglieder des aufgelösten radikal-nationalen Lagers, die unter dem Namen „Nationales Revolutionäre« Lager“ eine konspirative Tätigkeit entfalteten, Hausdurchsuchungen vorgenommen und F1 u g z o 11 e 1 judenhetzerischen Inhaltes soavIo Aufrufe an die Bevölkerung zur Organe 'orung von Überfällen auf Juden in Massen beschlagnahmt. Die Kot unter den Jüdischen Kim dern in Warschau Die Verelendung unter den jüdischen Massen Warschaus steigt von Tag zu Tag. Die Leitungen der Schulen der jüdischen Gemeinde und der Talmud Thora teilen mit, daß oft unterernährte Kinder während dos Unterrichtes ohnmächtig Averden. In das Magazin der jüdischen Armenhehörde brachen mohrero Kinder aus der Nachbarschaft ein und nahmen Kartoffoln an sich; sie erklärten, sie könnten es nicht mehr mit ansehen, wie ihre jüngeren Geschwister zu Hause verhungern. Kinoprogramme derWodie KREUZ-KINO Prolongiert: i., Wollzeil lfl Tel. R 2-4-2-10 mit Robert Montgomery Beginn: 4, */a8. U^IO Uhr leopoiditddler Oolhsltino il. l{otL‘iisturnuasse rpitenhon R 40-0-23 Vom 115. bla 10 November: 7a Wochentags */,0, /«I0 Uhr, Soun und teierlaga 7,4 Uhr VI., Marahilferslraße 37 Telephon B 20-2U3 Vom 13. biB 15. Novembui Liane Haid, Paul Hörbiger in Besuch am Abend Boginn : */,4, ‘/»P, 1 <,10 Uhr Heimat-Kino Telephon A W 0-76 Uraufführung! LII Dagover — Paul Hörbiger Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonn u. Le ert, ab Uotiiprk-Kino IX., Wlihrlngerstraße 12 Telephon A 18-8-96 Täglich: 4, %ß, V*8, */*10 Uhr

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