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Die Stimme · 1934-11-16 · Heft 401 (16.11.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 401 (16.11.1934)
Date
1934-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 401 —- 16. November 1934 Besuchet Emlnsers Gaststätten am Praterstern! Österreich kann keine Schichte seiner Be-1 vOlkenmg entbehren. Es braucht auoh die' Juden. Die ..jüdische Monopolstellung41, von ehr die ..betont-nationalen“ Emigranten und ihr Anhang immer schwätzen, ist eine dumme und lächerliche Erfindung zugereister Ignoranten, die sich im Berufsleben nicht durchsetzen können und ihre persön- \ liehe Unfähigkeitauf Kosten der jüdischen ' Geist erarbeit er korrigieren wollen. Sie haben damit Deutschland ruiniert und sie, wollen Österreich ruinieren. Es darf keinen ( nnmerus clausus und es kann auch’, kein Verhandeln darüber geben. Die Vertreter der Judenschaft, die vom Volk berufen worden sind, können mit voller Legitimation sagen, daß sie alle Kraft für die Allgemeinheit einsetzen werden, und das jüdische Volk wird ihnen gerne folgen. Eß fordert nur sein Recht. Die Gleichheit vor dem Gesetz hat Mussolini in seiner großen Rede am letzten Samstag als gewaltige Errungenschaft gefeiert, die vom Faschismus noch gefestigt wird. Zu diesem Gmn.dsa.tz hat eich der Bundeskanzler in seiner Genfer Völkerbundrede bekannt. Diese Gleichheit nehmen wir für uns ebenso in Anspruch wie die Gleichheit vor der Arbeit, ln der Arbeit für die Gesellschaft kann kein Rassen- oder nationales oder konfessionelles Moment entscheidend sein; einzig und allein die persönliche Eignung und die Achtung vor dem Gesetz. Das ist die Richtschnur dor Judenschaft. ©idjtfefoenbeit Miauet (djafft ftc&cr Sinbcrmig eine Srfttttur mit Cauerftrumt Aus der „Erfüllung“ : Die von uns anehrfach erwähnte Zeitschrift „Die Erfüllung“, welche P. Bichlmair .in dem Artikel „Christen und Juden“ eingeführt hat, liegt uns nun vor. Ihre Aufgabe logt Kardinal I n n i t z e r in dem Ivinleitungswort in folgender Weise dar: „Die Erfüllnug“ will in dieser wirren und trüben Zeit eine Stimme des Geistes und der Wahrheit sein. Ihr Ziel ist, die r eligiöse Schau des jüdischen Seins Juden und Christen zu vermitteln. So ist sie berufen, Mauern niederzulegen, die Menschen durch Unwissenheit und Zwietracht, durch Irrtum und Schuld vor einander anifgeriohfcet haben. Sie wird da- . durch den Frieden dienen — und nichts ist beute notwendiger, als dieses — aber nicht einem falschen, sondern dem wahren Frieden, der a.us der Wahrheit kämmt, die aus Gott ist. In diesem Sinne gTüße und segne ich die Zeitschrift und alle ihre Leser.“ Die Zeitschrift wird im Auftrag des Paulus werk es mit kirchlicher Erlaubnis von Johannes Österreicher heraaisgegeben, der aus der jüdischen Religion ausgetreten ist. Wir geben im folgenden einige Zitate aus den wichtigsten Aufsätzen des ersten Heftes. Sie informieren sehr rasoh über Zweck und Ziel de*r Zeitschrift. Es handelt sioh nicht etwa um eine Aussprache von Volk zu Volk, sondern einfach — im Sinne des Pauluswerke3 — um Mission. Aus dem Vorspruch: Unsere Zeitschrift-will-letzlich: die Erfüllung der Bitte Christi, die das Anliegen des wahren Menschen ist: „Daß alle eins seien!“ * Aus: „Johannes Österreicher, Die Juden, frage“: „Immer wieder verfolgt und vertrieben, irrt Israel umher — — — und kann das Hell nicht finden, weil es nicht dort sucht, wo es allein zu finden ist: in Christus.“ (Seite 12.) „So schleppt es (Israel) sein Kreuz, weil es das Kreuz nicht liebt, muß selbst Kreuztrügor sein, bis es an den gla/ubt, der einst über Jerusalem« Straßen das heilige Kreuz in göttlicher Liebe getragen.“ (Seite 13.) „Die ganze Problematik, die mit der heutigen Existenz des jüdischen Volkes Zusammenhänge, die Judonfrage wurde geboren an jenem Tag, da der Menschensohn am Kreuze starb,-. So kann ihre letzte Lösung nur Lösung der Schuld sein. Und diese Lösung müssen wir vorbereiten.“ (Seite 14.) „Die Stadt aber, in die heute Israel gehen muß, ist Rom. Ist die katholische Kirche.“ (Seite 16.) Aus: „Die Juden und wir Heidenchristen“ von Karl Thleme: „Voraussichtlich wird die endzeitllche Bekehrung des Volkes Israel zu Christus dadurch erfolgen, daß es Heidenchrteben gegeben werden wird durch opferrautigee Einspringen für den Juden-diesen davon zu über/, ‘"gou, daß ...der von seinen Vätern gekreuzigte Jesus der verheißene Messias ist.“ (Seite 19.) * Aus: ,,Sinai“ von Johannes Österreicher: „Sinai ist das Glück und der Segen Israels, seine Vollendung aber kommt durch Christus.“ (Seite 33.) * Aus: „Vom Wesen des Evangeliums“ von Josef Dillersberger: „So erscheint die Offenbarung des Dreieinigen, soweit es in diesen Dingen überhaupt ein menschliches Urteil gibt, als das vollendete, jedenfalls als das vielseitigere, größere Götterbild.“ (Seite 37.) * Aus: Jaques Maritain in einem Brief an Cocteau: „Wir müssen die Unruhe in der jüdischen Jugend mit viel Liebe, Wachsamkeit und Achtung verfolgen.-Wenk die fleischlich gesinnten Juden nicht aussterben, so gibt es auch wahre Israeliten, in denen kein Falsch ist Können sie dochzu der Frage, in welche Herzen und auf welche Lippen der Gesang der entthronten Synagoge ubergegangen ist.“ (Seite 45.) * Ein Vorläufer Es ist interessant, zu erwähnen, daß im Jahre 1837 bis 1839 in Deutschland und Österreich eine starke Missionsbewegung eingedeiitet wurde, die große Anstrengungen machte, in den Kreisen der Juden Anhänger zu finden. So berichtet der Wiener Polizeidkektor Amberg, daß ein Neophyt, ein gewisser Dr. Michael Klein, an den Wiener Juden Biedermann einen Breif gerichtet habe ,4er sioh auf verschiedene Umtriebe unter den Israeliten beziehe“. Unter anderem soll auch der Stuttgarter Kanonikus und Schriftsteller, Ludwig Hofacker, ein asketisch-mystisch veranlagter Mensch, Anhänger der Swedenborgschen Ideen, versucht haben, die Juden für die Gründung einer neuen Kirche (des neuen Jerusalem) zu gewinnen. Er vertrat den Standpunkt, daß die Juden „Anhänger der alten n o ah s c h e n Kirche“ sind, die ihre Fortsetzung in der von ihm begründeten neuen findet. Da die deutschen Völkerschaften Abkömmlinge der Istraeliton sind, liege es im Interesse der von ihm begründeten Kirche, die Juden unter dem Schutze der neuen Kirche m organisieren. Auch Hofacker trat mit Biedermann durch dessen Frau, die eine Tochter -dos jüdischen Bankiers in Stuttgart, Pfeifer, war, in Verbindung. Außerdem hatte ihn die Vorsteherin des Stuttgarter Katharinen-Stiftes, Luise von Bär, bei ihrer Schülerin Rebekka Hofmann von Hofraannsthal, die ebenfalls die Tochter eines Stuttgarter Bankiers war, eingeführt. Dieee beiden Frauen soilton ihm behilflich sein, auf die Wiener bekannten und reichen Juden einzuwirken (Wr. Archiv des Ministeriums fies Innern: Polizeiakten Dr, Klein, Fa«. 1501 e. a. 1889). Hofacker und Luise von Bär standen unter dem Einfluß d"* englisoh*» Schriftsteller« Wolf, der um diese Zeit in einem Buch den Beweis zu erbringen versuchte, daß die „deutsch e u Völkerschaften“ Abkömmlinge von Juden seien, daß daher eine Wiedervereinigung der Deutschen mit den Juden Europas zu erfolgen habe, um auf diese Weise eine neue Religion verbreiten zu können. Über das weitere Schicksal dieser Bemühungen ist nichts näheres bekannt. Fest steht nur, daß sie sich schließlich verlaufen haben. Die Tragödie der Saar-Juden Saarbrücken, 12. November. Der Rabbiner von Saarbrücken, Dr. R ü 1 f, wendet sich in einer Kundgebung gegen die gegen die Juden an der Saar gerichtete Hetz-Propaganda des Nürnberger Gauleiters Julius Streicher, die darauf hmauegebt, für den Fall eines für Deutschland ungünstigen Ausfalles der Saar-Abstimmung die Juden zum Sündenbock zu machen. Daß die Juden das Saarland terrorisieren, wie Streicher behauptet — führt Dr. Rtilf aus —, behauptet nicht einmal die nationalsozialistische Presse. an der Saar. Wir fragen: Wenn in D i 11 i n g e n in einem Cafe ein junger Mann, nur weil er Jude ist, blutig geschlagen wird; wenn Püttlingen über Nacht mit Plakaten „Kauft nicht bei J u d e nl“ überschwemmt wird, und in Saarbrücken dieselbe Mahnung auf kleinen Zetteln an die Schaufenster jüdischer Geschäfte geklebt wird; wenn in ländlichen Bezirken die Frauenschaften ihren Mitgliedern verbieten, in jüdischen Geschäften zu kaufen und sich von jüdischen Ärzten behan- W I R BERATEN Sie IN ALLEN BAU- und GRUNDSTUCK- ANGELEGENHEITEN FÜR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HÄiFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTUR-BURO" AN DIE REOAKTION DER „STIMME" dein zu lassen; wenn an mehreren Orten Inhaber von Cafes und Restaurationen die Juden bitten, ihr Lokal zu meiden, weil sie sonst d o n Boykott zu befürchten haben; wenn jüdische Geschäftsinhaber in Saarbrücken Drohbriefe erhalten; wenn die Mauer des jüdischen Friedhofes in »Saarbrücken mit einer riesigen Inschrift „J u d e n t o d beseitigt Saarlands N o t“ besudelt wird; wenn die Drangsalierung jüdischer Kinder in den Schulen derartige Formen angenommen hatte, daß die sonst sehr zurückhaltende Schulabteilung der Regierungskommission mit einem ungewöhnlich scharfen Erlaß gegen solche Roheiten einsohreiten mußte, — was ist e.s dann; jüdischer Terror oder Terror gegen die Juden? Der überheizte Kessel der politischen Massenleidenschaften braucht ein Ventil. Dafür muß der Jude herhalten. Das gilt besonders für den Fall eines Mißerfolges der sogenannten „Deutschen Fron t“. Dann wird nicht etwa die wahnwitzige Gewaltpolitik des gegenwärtigen Systems die Schuld haben, — sondern d i o Juden des Saar gebiet es werden die Schuld aufgebürdet bekommen. Das wird mit kalter Überlegung bereits heute vorbereitet. Streicher ist ein vorausschauender Mann. Er muß rechtzeitig seinen Juden zur, Hand haben. Deshalb hat er jetzt die saarländischen Juden entdeckt. Der Mörder von Dachau - Leiter aller Konzentrationslager Deutschlands Der Leiter des Konzentrationslagers Dachan, Gruppenführer der S. S., Eick e, ist von Himmler zum Leiter aller Konzentrationslager Deutschlands ernannt worden. Die in Saarbrücken erscheinende „Deutsche Freiheit“ schreibt dazu: Eickens Stammlager Dachau ist das Lager, das die meisten Morde und die sohlimmsten Mißhandlungen aufweisen kann. Über 50 Ermordete und deren Mörder können namentlich genannt werden! Ganz besonders grausam eu masse mißhandelt wurde in Dachau die Judenkompagnie, die aus etwa 60 Juden bestand, die fast alle aus dem Gau Julius Sreichers stammten. Von politisch in Nürnberg und Fürth tätig gewesenen Juden wurden zwölf verhaftet, davon wurden in Dachau neun ermordet, nur zwei wurden entlassen: ein 69jähriger Arzt und sein Sohn nach 14monatiger Haftdauer. Entlassen wurde von den in Nürnberg verhafteten nichtpolitischen Juden bis jetzt nur einer. Von den insgesamt in Dachau Ermordeten ist der größte Prozentsatz Juden. Im Lager Dachau sind heute immer noch 60 Juden, die dort seit eineinhalb Jahren schmachten. Gewiß, viele dieser Juden sind von den heimatlichen Behörden freigegeben, aber die Bayerische Politische Polizei weiß, daß die meisten dieser Juden „lebende Greuel“ sind, weil sie von den Schultern bis zu den Ferse« häufig fingerdicke Narben haben, die von Hunderten von Schlägen mit dem Ochsenziemer herrilhren. Der Gruppenführer Eicke lehnt systematisch jede Entlassung eines Juden ab. Seit ungefähr einem »Jahr ist nun Eicke däzu übergegangen, systematisch die durch ihre geistige und politische Schulung ihm als gefährlich erscheinenden Juden wegz u r ä u m e n. Begonnen hat diese Attacke mit dem Mord an dem Lagorarzt L)r. K a t z. Gleichzeitig mit Katz kamen in den Arrest der bekannte Rechtsanwalt Dr, Rose nf e l d e r und Dr. Stic b o 1. Dieser Arrest ist der „organisierte Mord“ des Lagerkommandanten Eicke. In den vollständig dunklen Zellen, die g om auorto Betonsärge sind, werden dilo Oofancrmen langsam zu Tode gequält. Das Lager hat im März nur den Sarg von Stiebel ausgeliefert, Rosenfelder wurde iin Lager verscharrt. Seit April 1933 war im Lager Dachau der Jude Erich Gans, Prokurist. Im April 1934 wurde er in den „Arrest“ gebracht. Im Oktober 1934 bekamen die Eltern die Nachricht vom Tode ihres einzigen Sohnes, der in sieben Monate langer Dunkelhaft zu Tode gequält wurde. Eicke scheint es ein OK GASTSTÄTTE FÖR JEDERMANN I., Kärlnersfrahe Nr 61 Besitzer ülfo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Olto Kaserer Vergnügen zu machen, seine Opfer erst noch ein paar Monate zu quälen, ehe er sie umbringt. Max Hans K o h n, ehemaliges Mitglied des Republikanischen Stmdontenbundes Erlangen, befindet sich seit März 1933 in Schutzhaft. Wenn das Ausland nicht tibor sein Leben wacht, wird or eines der nächsten Opfer Eickes soin. Max Hans Kohn ist derart mißhandelt worden, das sein Rücken von sich üborkreuzonden fingerdicken Narben übersät ist, außerdem hat man ihm ein Stück des Finger« abgeschlagen. Eine« Tages, nachdom er wieder einmal mit der Judonkompagnio in dor berüchtigten „Kiesgrube“ ganz besonders schwor bei der Arbeit mißhandelt wurde, bekam er den Befehl: „Laufschritt, marsch, marsch!“ Kohn rannte ungefähr 5 0 »S e h r i 11 e, daraufhin wurdo auf ihn gesclios.»en — also ein fingierter F 1 u c h t v q rs u c h. Der mit dem Mord beauftragte »S. S.-Mann traf Kolm nicht tödlich, trotzdem er viermal schoß. (Weitere Nachrichten aus Deutschland auf Seite 7.)

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