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Die Stimme · 1934-11-09 · Heft 399 (9.11.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 399 (9.11.1934)
Date
1934-11-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z Oll STIMM! Nr. 399 — 9. November JM4 Besuchet Emlnsers Gaststätten am Pratersternt Minister Benesdi über die Minderheitenvertrfise In der Plenarsitzung des tschechoslowakischen Parlaments am 6. November, erstattete der Minister des Äußern Dr. BeneS ein großes politisches Expose, in dem daa Problem der Minderheitenvert rilge einen wichtigen Platz einnahm. Minister Dr. BeneS führte hierzu unter anderem a.us: Wir erachten vor allem das Verlangen nach Verallgemeinerung des Minderheitsschutzes moralisch als be rec.htigt. Wir respektieren ferner den Stand punkt der anderen Regierungen hinsichtlich der Minoritäten und haben nichts dagegen wenn sie eine Abänderung der bis herigen internationalen Bestimmungein an streben. Dies hängt lediglich vom Stand punkte der betreffenden Regierungen ab Hierbei wirft sich für uns die Frage auf, ob es zweckmäßiger ist, über die Minderheit» frage (und andere ähnliche Fragen) bilate Tale oder multilaterale (kollektive) Ver träge oder gar keine zu haben. Von diesem Gesichtspunkte aus ist die allgemeine tschechoslowakische Doktrine in den Minderheitsangelegenheiten folgende: Die tschechoslowakische Regierung hält unter allen Umständen ihre in ternationalen Minderheitsverbindlichkeiten ein und wird sie e i n h a 11 e n. Wenn allgemein über eine Änderung der Minoritätsverbindlichkeiten verhandelt werden würde, würde sie den Weg beschreiten, der in den Minderheitsverträgen selbst vorgeschrieben ist. Sie selbst verlangt eine solche Änderung heute nicht und hat nicht die Absicht, in dieser Angelegenheit initiativ etwas zu unternehmen. weitaus geringer war, als es ihrer Bevölkerungsquote entsprechen würde. Judenschaft Estlands als Minder• heit anerkannt Tallinn, 5. November. (2. T. A.) Nach einem soeben erschienenen Sonderdekret des Staatspräsidenten von Lettland wird jede Nationalität, die mehr als 3000 Seelen zählt, a 1 s Minderheit anerkannt. Da in Estland gegenwärtig 3500 Juden leben, ist die estländischo Judenschaft, die schon bisher eine Kulturautonomie besaß, nunmehr auch politisch als Minderheit anerkannt. Bekanntlich besteht an der Universität in Dorpat ein Lehrstuhl für jüdische Wissenschaften. Von Ben Gurion bis Jabotinsky GASTSTÄTTE FÖR JEDERMANN iKarlnersfrafce Nr 61 ® Besitzer Otto Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Die Juden und die Boden• reform in der Tschechoslowakei Am 11. Mai 1934 erklärte im englischen Unterhaus der Earl of Winterton im Zusammenhang mit einer Kritik an der nach dem Kriege in der Tschechoslowakei durchgefiihrten Bodenreform, daß fast der ganze Boden in der Tschechoslowakei jüdischen Finanzleuten gehöre, über Anregung der Jewish Agency wurde daraufhin im Pr:,ger Abgeordnetenhaus e an die tschechoslowakische Regierung die Anfrage gerichtet, wieviel Boden anläßlich der Bodenreform den Juden zugewiesen worden sei. In dieser Woche wurde nun die Antwort der Regierung auf diese Interpellation im Abgeordnetenhaus orteilt. Die tschechoslowakische Regierung stellte darin fest, daß im Zuge der Bodenreform 718 Juden insgesamt 5996 ha Boden erworben haben. Dieses Ausmaß repräsendiert nur 0>47 Prozent der gesamten Zuteilung im Zusammenhang mit der Bodenreform. Laut der Volkszählung von 1930 leben in der Tschechoslowakei 356.830 Juden. die 2-42 Prozent der gesamten Bevölkerung bilden. Daraus ist ersichtlich, daß der Anteil der Juden an der Bodenreform Die zionistische Presse in allen Ländern) tu r der Welt widerhallt vom Jubel über das in London zwischen Jabotinsky und Ben G u r i o n geschlossene Friedens Übereinkommen. Seit den Tagen von San Remo gab es keinen solchen Jubel in der zionistischen Presse. Verlegenes Gestammel oder noch beredteres Schweigen herrscht in den antizionistischen Blättern. In diesem Zusammenhang sei die arabische Zeitung „Al J am a Al Isla mu zitiert, die in ihrer Ausgabe vom 22. Oktober über die Zusammenstöße zwischen revisionistischen und poale-zionistischen Arbeitern in Haifa schrieb: „Die Juden waren niemals ein organisiertes Volk. Sie standen immer im Konflikt und Streit untereinander. Die Einigkeit, die nach den Angaben der jüdischen Presse in der Einwanderungsfrage herrscht, ist eine rein künstliche. Die bis zum Blutvergießen führenden Zusammenstöße unter den Juden sind der beste Beweis dafür, daß sie unfähig sind, sich zu einigen. Das zeigen am besten die Zusammenstöße in Haifa. Wenn es die Araber nur verstehen würden, diesen Zustand auszimiitzen, dann müßte es ihnen gelingen, unter den Zionisten einen Brand zu entfachen, und die Zionisten würden sich gegenseitig vernichten.“ Selten noch wurde eine Zeitung rascher Lügen gestraft als diese arabische Zeitung. Der Londoner Pakt zwischen Jabotinsky und Ben Gurion ißt Tatsache geworden und gibt zu guten Hoffnungen für die weitere Entwicklung Anlaß. Diese Hoffnungen sind sowohl außenpolitischer wie innenpolitischer Natur. Die Entscheidung der Mandat armacht über die Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates steht vor der Tür. In dieser Frage waren sich schon vor dem Londoner Pakt alle Parteien einig. Jetzt aber muß England damit rechnen, eine geschlossene zionistische Front vor sich zu haben, die unter dem Eindruck eines Friedensschlusses steht, der innere Zwistigkeiten nicht in die Erscheinung treten läßt. In innenpolitischer Hinsicht glauben wir der allgemeinen Freude über den Friedensschluß keinen Abbruch zu turj, sondern daß Fundament eines dauernden Friedens bauen zu helfen, wenn wir vor Übertreibungen warnen. Wir dürfen nicht daran vergessen, daß sich die Differenzen zwischen den einzelnen Parteien nach wie vor hart im Raume stoßen, wenn sie auch hoffentlich von nun an ihre äußerlich erkennbaren Anzeichen nicht mehr in gesprengten Versammlungen lind blutigen Köpfen finden werden. Der Friedenssohluß in London hat aber, was in der jüdischen Presse oft übersehen wird, eine neue innenpolitische Situation geschaffen. Bisher war es infolge der tief bedauerlichen Form des politischen Kampfes nicht möglich, in aller Ruhe die politischen Differenzen zu überblicken und für ihre loyale Austragung zu j sorgen. Jetzt aber glauben wir, daß durch; den Burgfrieden die richtige Atmosphäre geschaffen wurde, um Friodenßverhandlungen moritorischer Nazu führen. das Man schmiede aber Eisen, so lange es noch heiß ist. Zwei große Probleme sind zu bereinigen. Das erste Problem geht die Revisionisten an. Die Union der Zionisten-Revisionieten muß ihr V e r h ä 11 n i s zur Zionistischen Weltorganisation einer grundlegenden Änderung unterziehen. Wenn die Revisionisten ernsthaft den Frieden wollen, dann können sie nicht weiter zwischen Tür und Angel stehen bleiben. Der Friedensschluß in London kann doch nur bedeuten, daß sie in der Zionistischen Organisation bleiben wollen, und da inuß das Wort Jabot.inskys zum Durchbruch kommen, der beim Kongreß im Jahre 1925 sagte: „Der Kongreß mag gegen mich oder für mich sein, das macht nichts aus. Mit euch habe ich eine Verständigungssprach e.“ Er wird sich auch daran erinnern müssen, daß er seinerzeit im „Rasswjet“ sehr richtig schrieb: „Wer einer Organisation angehört, muß sich entweder den Normen dieser Organisation fügen oder aus treten.“ Denkt er jetzt nach dem Friedensschluß von London so, dann ist die einzige Konsequenz, daß die Revisionisten innerhalb der Organisation verbleiben und sich jener Disziplin fügen, die wir alle freiwillig auf uns genommen haben. Der Friedensschluß von London würde aber nur eine Episode mit einem bitteren Nachgeschmack bleiben, wenn Jabotinsky und seine Anhängerschaft weiter zwischen Tür und Angel stehen bleibt. den Revisionißten die e h rl i c h e E i n o r dn ung in die zionistische Organisation, dann muß man von den Arbeitern verlangen, daß der Zankapfel aus der Welt geschafft wird, der im Monopol der Histadruth II a o w d i m liegt. Das ist das zweite Problem. Seine Lösung ist in erster Linie Sache der Linken, die sich bald einer geschlossenen Phalanx aller anderen Parteien gegenüber sehen wird. Bisher war nicht zu erkennen, daß die Arbeiterschaft bereit ist, in diesem Punk te nachzugcben und die Histadruth zu entpolitisieren. Wir haben schon kürzlich darauf hingewiesen, daß die in London mit dem Welt verband der Allgemeinen Zionisten stattgefundenen Besprechungen in der Frage der Histadruth kein Resultat gehabt haben. Wer alßo glaubt, daß es jetzt nur an Jon Revisionisten liegt, damit ein dauernder Friede hergestellt wird, der irrt. Es wird ebenso von den Linken ab hängen, ob eine dauernde friedliche Atmosphäre geschaffen werden kann. Wenn die Arbeiterschaft in der Frage der Histadruth nicht wesentliche Konzessionen macht, wenn sie vielmehr die Verewigung ihrer hundertprozentigen Macht in Palästina anstrebt, dann wird ßie die Verantwortung dafür treffen, daß der Unfrieden weiter andauern und die Schlagkraft der Organisation schwächen wird. AUSKUNFT AN DIE REDAKTION ftct§ baä aitbetoä^rte äfterre Wdie SflineraMfer Ebenso aber wie die Revisionisten die Konsequenzen aus der geänderten innerpolitischen Situation ziehen müssen, müssen das auch die Linken tun. Ee muß anerkannt werden, daß Ben Gurion und Jabotinsky in London oin großes Maß von Verantwortungsgefühl und diplomatisches Geschick aufgebracht haben, um den Friedensschluß zu ermöglichen. Niemand hat das Recht, anzunehmen, daß der Londoner Pakt von der einen oder von der anderen Seite mit einer Mentalreservation geschlossen wurde: bei den Linken, um den peinlichen Eindruck des verdammenewerten Überfalls auf eine kleine Schar revisionistischer Arbeiter zu verwischen, und bei den Revisionistrn, um aus der Sackgasse, in der sie sich derzeit befinden, herauszukommen, und bei beiden Parteien um alles beim alten zu lassen. Wir müssen vielmehr daran glauben, daß der gute Wille auf b o i d e n Seiten vorhanden Ist. Die Gerechtigkeit erfordert es daher, daß sich beide Parteien iim Interesse der Einheit der Organisation und ihrer friedlichen Entwicklung jene Opfer unterlegen, die notwendig sind, um den Frieden ungeachtet aller politischen und wirtschaftlichen Differenzen zu sichern. Verlangt man von RATEN SIE IN ALLEN und GRUNDSTUCK- ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HAiFA UNTER „ARCHITEKTUR-BURO" ~ DER .STIMME» DBSMBBBBBBDraBBMi Wir wissen, daß die Fronten bei Ben Gurion und Jabotinsky nicht endigen. Die linke Front geht von Ben Gurion nocli weiter nach links und die rechte Front von Jabotinsky noch weiter nach rechts. Gelingt es, die Radikalsten der Radikalen in beiden Fronten zur Raison zu bringen, dann glauben wir, daß auch in der Frage der Histadruth ein gerechter Friedensschluß möglich ist. Handeln die Linken klug, dann mttescü sie ihre Situation, die sich durch den Londoner Pakt geändert bat, rechtzeitig erkennen, tum nicht eine Niederlage zu erleiden. Sie müssen sich darüber klar sein, daß insbesonders die Allgemeinen Zionisten die ungeheure Wichtigkeit der Bereinigung des Konfliktes um die Histadruth mehr und mehr erkennen und daß die Allgemeinen Zionisten im Interesse der allgemein-zionistischen Jugend weder eine Fortdatier ■ des derzeitigen Zu stand es dulden, noch ein faules Kompromiß zulassen können. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten wird bei der Bereinigung des Konfliktes zwischen den Flügelparteien das Zünglein an der Waage sein und ein entscheidendes Wort mitzuepreclien haben. Wir alle wollen hoffen, daß dieser politische Kampf allseits fair geführt werden wird. Es soll in diesem Kampf weder Sieger noch Besiegte geben, nur Zionisten, die jedes Partoiprestige hintan setzen, um den wahren Frieden in der Organisation zu sichern. Beh konz. Realbüro Ing.M.Mühlbauer Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwlsdienkredile, Gebäudeverwallung Büro? hranz Jose|s-Kal 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung« ll„ Vorgarlemfr. 150, Tel. R-41-8-88 ZIONISTISCHES LAMPESKOMITIE FÜR ÖSTERREICH ' Festsaal des Hotel Continental. Wien, ITaboretraße Nr. 4 i MD NT AG. DEN 12. NOVEMBER, ttftUHR ABENDS ZIONISTISCHE MASSENVERSAMMLUNG E8 werden sprechen: Rat dir Stadt Wien, Dr. JAKOB EHRLICH, Staatsrat Dr. DiSIDER FRIBDHft^v, PrSsIttir «er Ku l;ui>'<emiin(ti1 Präsii den! des Zionistischen Landaskomltaas für Österreich Dr. OSKAR GRÜNBAUM, Vizepräsident der Kuttus^emelntie, Dr. LÖWENHERZ Üben i „JÜDISCHE ZEITFRAGE N“

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