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Die Stimme · 1934-11-06 · Heft 398 (6.11.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 398 (6.11.1934)
Date
1934-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 DII STIMM« Nr 398 — 6. November 1934 Seit dem Zusammenbruch des zaristischen Rußland, führte der Sachverständige Loosli weiter aus, besteht der Zweck der „Protokolle“ darin, die Öffentlichkeit aller Länder zu überzeugen, die gesamte Judenheit unterstehe einer geheimen, nichts weniger als die Weltherrschaft mit allen, auch den verwerflichsten Mitteln anstrebenden Oberleitung. Diese Anklagen sind so ungeheuerlich, daß man voraussetzen dürfte, diejenigen, die sie erheben, seien davon restlos überzeugt und auch namentlich in der Lage, die Beweise der Echtheit der „Protokolle“ zu erbringen. Dieser Mühe unterziehen sich die Herausgeber nicht: aus Gründen, die nach dem Obengesagten ohneweiters klar sind. Das Fätscherwerh der Ochrana Auf Grund von Urkunden steht fest, daß die Sammlung von Grundlagen für die Fälschung der „Protokolle“ bereits im Jahre 1884 begann. Es besteht jedoch die Wahrscheinlichkeit, daß die Sammelarbeit der russischen politischen Geheimpolizei, der Ochrana, schon früher begonnen hat. Als erwiesen ist zu betrachten, daß die „Protokolle“ in ihrer annähernd endgültigen französischen Fassung unter der Anleitung Ratschkowskys, Leiter der russchen politischen Geheimpolizei im Ausland, im Jahre 1905 in Paris angefertigt und später noch ergänzt wurden. Die Fälschung diente internen russischen Motiven und sollte dem Zaren beweisen, daß die Juden es seien, welche sich gegen die damalige russische Staats'erfassung verschworen und die jüdische Weltherrschaft anstrebten. Damit sollte dem Zaren weisgemacht werden, daß die russische Bevölkerung mit seinen Regierungsmethoden angeblich zufrieden sei. Die an der Aufrechterhaltung des Absolutismus interessierten Kreise wollten verhindern, daß der Zar auf den Gedanken komme, Reformen einzuführen, die ihre Macht hindern könnten. Der Fälscher Ratschowsky ist eine düstere Gestalt, die erwiesenermaßen auch in anderen Fällen vor Fälschungen und Provokationen nicht zurückschreckte. Der Text der „Protokolle“ wurde dann später noch von S. A. Nilus erweiternd gefälscht. Die Beweise Die Frage, ob Beweise vorliegen, daß die „Protokolle“ aus politischen Motiven gefälscht worden seien, muß bedingungslos bejaht werden. Der Sachverständige stellt in Übereinstimmung mit einer im Jahre 1921 von der großen englischen Zeitung „Times“ durchgeführten Untersuchung fest, daß die „Protokolle“ judenfeinilichen und anderen politischen Zwecken dienten. Ohne die „Protokolle“ wäre dies nicht oder dann nur in viel geringerem Maße möglich gewesen. Sie boten den Anlaß zu Judenpogromen und schürten im Volke, namentlich im national-sozialistischen Deutschland, den Haß gegen das Judentum. Die Verbreitung dieser Schrift hat also überall, wo sie sich auswirkte, furchtbare Folgen gehabt Nicht eine Behauptung der Befürworter der Echtheit der „Protokolle“ hält einer unbefangenen, ernsthaften Prüfung stand. Überall, wo der Wahrheitsbeweis versucht wird, verwickeln sich die Beweisführer in Widersprüche. So oft es gelingt, einem Gewährsmann festzuhalten, erweist er sich bei näherem Zusehen ausnahmslos als ein Mensch von recht zweifelhaftem sittlichen Wert, wenn nicht gar als Berufsfälscher oder .Verbrecher. Der Roman Goedsches Außer der bereits erwähnten Hauptquelle der „Protokolle“, nämlich das 1864 erschienene Buch von Joly, „Dialogues aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu“, ist als wesentliche Quelle unter anderen der Roman „Biarritz“ des antisemitischen Schriftstellers Goedsche, genannt Sir John Retcliffe, im Abschnitt „Der Judenfriedhof zu Prag“ zu bezeichnen. Dieser Roman erschien bereite im Jahre 1868. Der Sachverständige kommt zu dem Schluß, daß die „Protokolle“ in literarischer Hinsicht unter den Begriff der Schundliteratur fallen, und zwar unter die schlimmste Sorte der Schundliteratur, die darin besteht, in verleumderischen, unterschiebenden Druckerzeugnissen, bewußt und gewollt, darauf auszugehen, ihre Leser zu verrohen, die Sittlichkeit und Rechtssicherheit zu erschüttern, gröbliches Ärgernis zu erregen und das Schamgefühl wie das Gewissen ihrer Leserschaft dermaßen irrezuführen und zu betäuben, daß sie sich zur Begehung von eigentlichen? rechtswidrigen Handlungen bereitfinden läßt. Freimaurer und Juden In einem besonderen Abschnitt des Gutachtens behandelt der Sachverständige die Freimaurerfrage, insbesondere die Frage über die Zusammenarbeit der Freimaurerlogen mit der behaupteten sogenannten „geheimen jüdischen Regierung“. Dabei Die Fälschung, genannt „Protokolle der Weisen von Zion“, ist eines der wichtigsten Agitationsmittel der Nationalsozialisten. „Die Protokolle der Weisen van Zion“ wurden in Millionen Exemplaren verbreitet, so zuirn Beispiel von Hitlers Adlatus Alfred R o s e n b e r g. Es ist nun interessant, die den „Weisen von Zion“ in den Mund gelegten Äußerungen mit den im nationalsozialistischen Deutschland herrschenden Verhältnissen und Grundsätzen zu vergleichen. Wir bringen tieferstehend einige Leseproben. Die Zitate sind dem Buch von Alfred Rosenberg „Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik“, 15. Auflage, erschienen im Deutschen Volksverlag Doktor E. B o e p p 1 e, München, entnommen. Es wird sich empfehlen, bei der Lektüre dieser Zitate statt der Worte „Nichtjuden“ und „nichtjüdisch“, die Worte „Arier“ und „arisch“ zu setzen. Denkt man dann noch an die Äußerungsformen des nationalsozialistischen Systems, dann müßte man glauben, „Protokolle der Weisen vom Hakenkreuz“ vor sich zu haben. Wir lassen nun einige Zitate wortgetreu folgen: „Jede Handlungsweise der Masse hängt von einer zufälligen oder künstlich zusammen gebrachten Mehr- Schliche in der Staatskunst, zu den törichsten Entschlüssen hinreißen läßt, um in den Staat den Keim der Gesetzlosigkeit zu 'pflanzen.“ (Seite 37.) * ,J)ieses Mittel (Hinterlist) ist das einzige, um zum Ziele zu gelangen, das uns vorschwebt. Daher dürfen wir nicht zurückschrecken vor Betrug, Bestechung, Verrat, sobald sie zur Erreichung unserer Pläne dienen.“ (Seite 42.) * „Unser Reich muß die Schreckensherrschaft, den Terror, errichten, um einen Minden und unbedingten Gehorsam zu erzwingen.“ (Seite 43.) * „Wir erscheinen gewissermaßen ais die Retter der Arbeiter aus dieser Knechtschaft, indem wir ihnen vorschlugen, in die Reihen unseres Heeres von Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten einzutreten. Diese Richtungen unterstützen wir grundsätzlich, weil wir der Arbeiterschaft einen allgemeinen Menschheitsdienst im brüderlichen Sinne Vortäuschen.“ (Seite 54.) * „Unsere Macht beruht auf dem dauernden Hunger und der Schwäche des Arbeiters. Kur in diesem Zustand muß er sich in jeder Beziehung unserem Willen unterordnen, da er in seinen eigenen Kreisen aus eigner Macht keine ]Hilfe findet, um uns Widerstand zu leisten.“ (Seite 55.) * „Um die öffentliche Meinung zu beherrschen, müssen wir Zweifel und Zwietracht säen, indem wir von den verschiedensten Seiten solange einander widersprechende Ansichten äußern lassen, bis die Nichtjuden sich in dem Wirrsale derselbe sich nicht mehr zurechtfinden und zu der Überzeugung kommen, daß es am besten sei, in staatsrechtlichen Fragen überhaupt keine Meinung zu haben, da dem Volke in diesen Dingen der nötige Überblick fehle, und nur derjenige sie wirklich üb er sc hauen kommt das Gutachten zum Schluß, daß für ein solches Zusammenwirken nicht die geringsten Anzeichen vorhanden seien. Im übrigen wird die Freimaurerfrage als solche überprüft, und zwar insbesondere in bezug auf die Vorwürfe, die den sogenannten „geheimen Gesellschaften“ gemacht werden. Bei den Freimaurerlogen handle es sich lediglich um geschlossene Gesellschaften, die in ihrer Struktur ähnlich zu bewerten seien wie die Genossenschaften und die Aktiengesellschaften. Die Satzungen der Logen würden absolut den Anforderungen entsprechen, die unser Zivilgesetzbuch in bezug auf das Vereinsrecht stellt. Geheim seien bei den Freimaurerlogen lediglich „ihre Symbolik und ihr Brauchtum“. könne, der das Volk selbst leitet.“ (Seite 63.) * „Wir haben die nichtjüdische Jugend verdummt, verführt und verdorben. Dieses Ziel wurde von uns dadurch erreicht, daß wir ihre Erziehung auf falschen Grundsätzen und Lehren auf bauten, deren Lügenhaftigkeit uns sehr wohl bekannt war, die wir aber trotzdem oder gerade deswegen anwenden ließen.“ (Seite 73.) * „Der Präsident wird die bestehenden Gesetze, die eine verschiedene Deutung zulassen, stets in unserem Sinn auslegen; er wird sie außer Kraft setzen, wenn wir ihn auf die Notwendigkeit solcher Maßnahmen verweisen. Außerdem wird er das Recht haben, neue Gesetze von kurzer Dauer, ja selbst Änderungen der Verfassung vorzuschlagen. Zur Begründung braucht er ja nur zu sagen, diese Maßnahmen seien für das höchste Wohl des Staates erforderlich.“ (Seite 79.) * „Unmerklich werden die letzten Spuren eines jeden verfassungsmäßigen Rechtes verschwinden, bis schließlich die Zeit gekommen sein wird, in der wir offen jede Regierungsgewalt im Hamen ^unserer Selbstherrschaft an uns reißen werden.“ (Seite 81.) * „Es ist uns schon jetzt gelungen, die Gedankenwelt der nichtjüdischen Gesellschaft in einer Weise zu beherrschen, daß fast alle Nichtjuden die Weltereignisse durch die bunten Gläser der Brillen ansehen, die wir ihnen aufgesetzt haben. Schon jetzt ist kein Staat auf der. ganzen Welt imstande, sich davor zu schützen, daß uns alles bekannt wird, was die Nichtjuden in ihrer Dummheit ein Staatsgeheimnis nennen.“ (Seite 88.) * „W ir werden jeden unb armherzig hinrichten lassen, der sich mit der Waffe in der Hand gegen uns und unsere Herrschaft auflehnt.“ (Seite 109.) * „An Stelle des Humanismus und der Erlernung der alten Geschichte, die weit mehr schlechte als gute Beispiele bietet, werden wir die Beschäftigung mit den Richtlinien der Zukunft in den Vordergmnd rücken. Wir werden aus dem Gedächtnis der Menschheit alle Tatsachen der Geschichte streichen, die uns unbequem sind und mir diejenigen übrig lassen, bei denen die Fehler der nichtjüdischen Regierungen besonders hervortreten.“ (Seite 116.) * „Sobald die Zeit gekommen sein wird, die Macht des Papstes endgültig zu zerstören, wird der Finger einer unsichtbaren Hand die Völker auf den päpstlichen Hof hinweisen. Wenn sie dahinstürzen werden, um Rache zu nehmen für jahrhundertelange Unterdrückung, dann wollen wir als angebliche Beschützer des Papstes auf treten und ei% größeres Blutvergießen verhindern. Durch diesen Kunstgriff werden wir in die innersten Gemächer des päpstlichen Hofes gelangen und dieselben nicht eher verlassen, bis wir hinter alle Geheimnisse gekommen sind, uiul bis die ganze Macht des P ap sttumes völlig gebrochen ist“ (Seite 126.) Die Protokolle der Weisen vom Hakenkreuz -k Die zionistische Sektion Prater gratuliert ihren Vorstandsmitgliedern Herrn und Frau Elias Berger anläßlich der Vermählung ihres Sohnes Leopold mit Fräulein Hänsi Sternberg und wünscht herzliches aiu bin Polen für Hitler Wie aus Warschau telegraphiert wird, fand dort im jüdischen Theater Kaminski eine von der jüdischen Organisation zur Bekämpfung des Hitlerismus einberufene Volksversammlung statt, in der das Mitglied des Jüdischen Parlamentsklubs Rosmarin und andere Redner gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland Protest erhoben. Der Vertreter der Warschauer Regierungskommissariats forderte die Einstellung der Angriffe gegen das Dritte Reich. Als diese Aufforderung keine Wirkung hatte, ordnete der RegierungsVertreter die Auflösung der Versammlung an, untersagte die Verlesung der Resolutionen und widersetzte sich auch der Abseiwlang einer Begrüßungsdepesche an den Bund jüdischer Gemeinden der Schweiz, der in Bern den Prozeß gegen die antisemitischen Eidgenossen betreffend die „Protokolle der Weisen von Zion“ führt. Das Theater wurde sodann durch Polizei geräumt, die Teilnehmer an der Versammlung gingen erbittert auseinander. Morddrohungen gegen die deutschen Juden Wie deutsche Zeitungen berichten, hat in einer Mitgliederversammlung der NS-Hago, Hamburg, der Hauptabteilungs 1 eiter Pg. Willi Hoffmann erklärt: „Die Juden- und Emigrantenhetzer im Auslände sollten nicht glauben, daß die Partei und das deutsche Volk für immer still zusehen werden, wenn die Hetze im Ausland gegen Deutschland andauere (schlägt mit der Faust auf den Tisch). Wenn aus dem Saarkampf sich kämpferische Verwicklungen ergeben, oder es gar zu einem Kriege kommt, dann werden wir nicht zurücksehrecken, diese ganze Judengesellschaft mit Stumpf und Stiel auszurotten. Nicht nur die männliche Bevölkerung muß daran glauben und wird erledigt werden, sondern aue.h die Frauen und die Kinder, denn dann ist die ganze Judenfrage für uns in Deutschland erledigt.“ Neue Jüdische Bodenhäufe in Cypern Saloniki, 30. Oktober. (2. T. A.) Wie aus Cypern mitgeteilt wird, wurde dort soeben von einer Gruppe englischer Juden ein neuer Bodenkomplex von 3000 Dunam von Oorangenpflanzungen erworben. Durch die Zuwanderung von Juden nach L a r n a c a (Cypern) ist die Gründung einer jüdischen Gemeinde in dieser Stadt möglich geworden. Die Gemeinde hat eine Schule errichtet und zwei Lehrer aus Palästina angestellt, die von der Regierung besoldet werden. Kinoprogramme derWodie KREUZ-KINO «'ÄS Jublläums-Programm: Jpflft-Moide-Seaialiüneo“ Beginn: 4, #/*6, V,8, V*10 Uhr leoDOldsfddter Volkskino Totenhon8R r4f?-0-28 Vom 2. bis 8 November: Mein Hen rall ul Dir mit Jan Klepura und Martha Eggerth WoehentußB */,0, '/t8, '/,Iü Uhr, Sonn- und lelertaßw V,4 Uhr SCHAFFER-KIM VI Tdepbon1 Br20-2ü3 3? Vom 6. bis 8. November« fcMtBiiptaiiiiiMti mit Gustav Fröhlich, O ga Tschachowa Beginn» %4, 7*6» 7*8, 7*10 Uhr

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