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Die Stimme · 1934-11-02 · Heft 397 (2.11.1934) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 397 (2.11.1934)
Date
1934-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr, 397 2. November 1934 DIE STIMME Seite 9 9 Vortrag JOSEF KASTEIN Samstag, den 10. November 1934, präzise </29 Uhr abends, veranstaltet das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich im Festsaal des Gewerbe« Vereines, I., Eschenbachgasse 11, einen großen Vortragsabend, bei welchem der berühmte jüdische Historiker JOSEF KASTE IN über das Thema „Die jüdische Neuorientierung“ Kartcu erhältlich: Zion. Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28. Telephon R 27-4-86; Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a. Telephon R 43-305; Bücherstube Löwith, I., WoIIzeite 6, Telephon R 25-4 53f Büche/stube Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, Telephon B 25-6-75. Aus der jüdischen Presse Der Irak und die Juden. „Da war“ bespricht die Unterdrückung der zionistischen Tätigkeit im Irak. Die Vorfälle im Irak richten sich aber nicht nur gegen den Zionismus, sondern haben ausgesprochen antisemitischen Charakter. Die zionistische Exekutive sollte diplomatische Schritte unternehmen, um mit der Regierung des Irak in Kontakt zu kommen und sie über Zweck.und Ziel des Zionismus aufzuklären: Weiters sollte die Exekutive die Regierung des Irak auf den peinlichen Eindruck aufmerksam machen, den es im internationalen politischen Leben erwecke, daß Irak, ein erst kürzlich unabhängig gewordenes Land, eine kleine Minorität schlecht weiter kümmern. Koschere Küchen. „H atoa r“, das misrachistische Organ in Jerusalem, erinnert daran, daß seit der Sitzung des A. C. sechs Monate vergangen sind. Damals hätten die Arbeite?'} ührer versprochen, daß sie koschere Küchen errichten würden, das sei aber bis heute nicht geschehen. Der Misrachi habe damals gehofft, daß diese Erklärungen freiwillig gegeben worden seien und nicht als Resultat eines Druckes von außen und er habe gehofft, daß das Versprechen gehalten werden würde. Es sei aber durchgedrungen, daß die Küchen nach wie vor nicht koscher geführt werden. Das Blatt meint sarkastisch, daß die Arbeiterführer, die augenscheinlich eine Allianz mit der. Agudas Jisroel geschlossen hätten, sich und die Beschwerden des Misrachi nickt kümmern. Das Erziehungsproblem. „Bust?iai<t (Tel-Aviv) schreibt: Die Organisation der Lehrer hat der Stadtgemeinde Tel-Aviv und anderen Körperschaften in den Kolotiien, die ihren Kindern eine andere Art der Erziehung angedeihen lassen wollen, den Krieg erklärt. Dieselben Lehrer, die sich auf ein uniformes System der Erziehung festgelegt haben, sagen aber nichts gegen die Ilistadi'uth, die unabhängig vom Waad Hachmuch vorgehe und ihre eigenen Lehrmethoden durchführe und ihre Schulen öffne und schließe, wann es ihr beliebt. Mit anderen Worten, die Gemeinde Tel-Aviv und die anderen Körperschaften sollen sich den Entscheidungen des Kongresses fügen, aber das solle nicht für die Schulen der Linken gelten; die hätten die Freiheit, zu tun, was sie wollen. Kontinentalpolitik oder Zionismus. In der „Sei bst weh r“ schreibt C. Z. Klötzel in einer Erwiderung an Felix Stössinger: „Welche Politik Europa treibt und welche England in Europa, kann und soll uns nur soweit interessieren, als sich daraus praktische Rilckicirhungen auf Palästina ergeben, und zwar solche, die einigermaßen greifbar sind, und nicht in einer Zukunft schweben, deren allzu „iceite Sicht“ selbst das Theo?'etisieren darüber schicer macht,.. Für den Zionismus sollten zweierlei Erkenntnisse maßgebend sein. Zunächst die Tatsache, daß irgen dein ,Bekenntnis1 der Juden, zu welcher europäischen Politik auch immer praktisch gleichgültig und wirkungslos ist, die betreffende Politik nur komprimittieren kann und von niemandem verlangt oder erbeten wird.., Wir können es uns nicht leisten, uns um einer politischen Theorie willen in einen ständigen Gegensatz zu bringen zu England, in der höchst unbegründeten Hoffnung, daß ein nebelfernes Paneuropa uns seinen mächtigen Beistand leihen wird... Aber die zionistische ,WeUpolitik‘ kann nicht in der Hinneigung zu einem Theorem bestehen, das ganz außerhalb unserer Gedankensphäre liegt, sondern wir müssen zurückfinden zu dem Axiom, daß die Judenfrage ein Weltproblem — kein ,kontinentaleuropäisches* — ist... Wir sind eben im Begriff, in einen überaus schweren und gefährlichen Konflikt mit der englischen Mandatarmacht einzutreten und wir werden genötigt sein, unseren Standpunkt einmal wieder vor aller Welt zu verteidigen... Wir haben aber nicht das mindeste Bedürfnis, eine prinzipiell den englischen Interessen entgegengesetzte Haltung einzunehmen ... Wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen, aber wir haben iceder die Möglichkeit noch die Absicht, in sie einzugreifen, weder zugunsten Englands, das unseres Beistandes nicht bedarf, ga?iz gewiß aber nicht zu seinen Ungu?isten...“ Führer der „Judenstaatspar* tei“ lehnt einen jüdischen Richter ah Wie wir vor kurzem berichteten, hat die Jerusalemer „lton Mejuchad“, das Organ der „Judenstaatspartei“, amVorabend des Rosch Haschanah-Festes auf der ersten Seite in sensationeller Aufmachung einen Brief veröffentlicht, den der Leiter der Universitätsbibliothek, Dr. Hugo Bergmann, an den Herausgeber einer linksgerichteten hebräischen Zeitschrift, einen Advokaten Stein., gerichtet haben soll, worin er diesen rauf^ fordert, sich dafür einzusetzen, daß Doktor Bergmann in den Legislative Council gewählt wird, wofür ihm der Briefschreiber 40 Pfund zur Verfügung stellt. Bergmann hat darauf der Presse mitgeteilt, daß dieser Brief eine unsinnige Fälschung dar stellt und daß er gegen die Zeitung Klage überreicht hat. Dazu meldet die „Jüdische Rundschau“: Bei der Verhandlung am 15. Oktober amtierte ein jüdischer Friedensrichter. Nun erklärte der Vertreter des Blattes der „Judenstaatspartei“, daß er den jüdischen Friedensrichter ablehne und Verweisung vor einen britischen fordere. Dies bedeutet nichts anderes als eine Verschiebung auf lange Zeit, da gegenwärtig, wie bei der Verhandlung mitgeteilt wurde, kein britischer Friedensrichter zur Verfügung steht. Falls diese Meldung den Tatsachen entspricht, wäre sie das Gegenteil einer Propaganda für den Judenstaat. Zwischen Worten und Taten ist da ein gewaltiger Unterschied. Man kann nicht auf die Dauer den Mangel an Programm dadurch wettmachen, daß man sich mit großer Ausdauer als alleinigen Pächter des Judenstaatsgedankens anpreist und gleichzeitig Ghettoassimilation betreibt und zum „Puritz“ rennt. Sotoweitschik litauischer Generalkonsul für Palästina Dr. Max S o 1 o w o i t s c h i k, einst Minister für jüdische Angelegenheiten in der Regierung Litauens und später Mitglied, der Zionistischen Exekutive in London, der vor einigen Monaten seinen ständigen Wohnsitz in Palästina genommen hat, wurdo zum Generalkonsul Litauens in Palästina an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurflektretenden 78jährigen Dr. Simon Rosenbaum, ernannt. Doktor M. Soloweitschik ist ein bekannter Gelehrter und Mitherausgeber der großen Jüdischen Enzyklopädie. AUS DER PROVINZ Die Linzer Kultusgemeinde - zionistisch Dr. Morgenstern — Präsident. Aus Linz wird uns berichtet: Ein fast sechszehnjähriger Kampf ist erfolgreich beendet worden. Im Wege friedlicher Vereinbarungen ist es gelungen, im Vorstand der Linzer Kultusgemeinde die Mehrheit zu erobern und das Präsidium mit einem unserer ältesten und treuesten Gesinnungsgenossen zu besetzen. Nach langem Bemühen haben die Herren der bisherigen Mehrheit eingesehen, daß sie nicht mehr die Mehrheit repräsentieren und haben, um einen Wahlkampf in der gegenwärtigen Zeit zu vermeiden, durch Einräumung zweier ihrer Mandate die zionistische Mehrheit ermöglicht. Dadurch sind Neuwahlen unnötig geworden und das gegenwärtige Verhältnis ist neun Zionisten zu sieben Demokraten. Es muß bei dieser Gelegenheit festgestellt werden, daß auch bisher ein zufriedenstellendes Verhältnis zwischen den beiden Gruppen des Vorstandes bestand und insbesondere muß vom bisherigen Präsidenten und nunmehrigen Ehrenpräsidenten der Gemeinde, Herrn Kommerzialrat Benedikt Schwager, gesagt werden, daß er die Geschäfte der Gemeinde durch Jahrzehnte in vorbildlicher Weise leitete und den Bestrebungen des Zionismus immer volles Verständnis entgegenbrachte. Seiner Verdienste und seines Wirkens soll an anderer Stelle noch eingehend gedacht werden. Leider aber muß auch festgestellt werden, daß die Revisionisten im letzten Moment durch einen vermeidbaren Exodusdie Konzentration aller 'Zionisten - derzeit verhinderten, doch kann -vielr leicht gehofft werden, daß. in - absehbarer Zeit — besonders angesichts des abgeschlossenen Burgfriedens In der Weltorganisation — jene Beruhigung eintreten wird, die es ermöglichen wird, eine Vereinigung aller Gruppen im Vorstande durchzuftihren. Präsident Dr. Morgenstern, der seit vielen Jahren an der Spitze der Linzer zionistischen Ortsgruppe steht, und zu den Prominenten des österreichischen Zionismus' gezählt werden darf, hielt anläßlich der Übernahme der Geschäfte eine Programmrede, in welcher er unter anderem die Verdienste des bisherigen Präsidenten würdigte, aber auch den Entschluß der bisherigen Mehrheit würdigte, die unter Hintansetzung aller Prestigefragen, der Entwicklung Rechnung tragend, freiwillig ihre Position aufgab, um jüngeren Menschen, die dem lebendigen Judentum dienen wollen, Platz zu machen. Wieder ist ein Schritt vorwärts gelungen. Wir wollen hoffen, daß unserem Beispiele bald alle anderen Kultusgemeinden folgen werden, damit der zu schaffende Gemeindebund in die Lago komme, im Sinne des zionistischen Gedankens und Wirkens eino ersprießliche Tätigkeit zu entfalten. KUNSTCHRONIK Jüdische Künstlerspiele (II.. Praterstraße 34). Freitag, den 2. November, findet die Erstaufführung der Komödie „G o 1 d e n e Glücken“ in drei Akten von Wolf, Musik von Zeit, mit der beliebten Soubrette Sevilla Pastor und Primadonna Erna Siegler sowie dem ganzen Ensemble des Bukarester jüdischen Theaters. -— Sonntag, nachmittags halb 4 Uhr, „Goldene Glücken“ in der Abendbesötzung bei halben Preisen. Jüdische Kultur8telle. Sonntag, don 4. November, Führung durch das Theater in der Josefstadt. Treffpunkt % 11 Uhr Büfmentür Piaristengasse. Leitung: Prof. Dr. Oskar S t r n a d. Wiener Jüdischer Gesangverein! Jeder Jude und jede Jüdin kommt in den Wiener Jüdischen Gesangverein singen. Die Proben unter der Leitung von Israel Brand mann finden jeden Dienstag, M8 Uhr abends, im Konzerthaus, Holländersaal, statt, JÜDISCHER KALENDER 2. b’s 8. Kov. 1934 24. (hesdwen 1. Klslew 5695 Fiel ag (2. hov.) Salbith-Emgang . . . . 4 Ihr SO Samstag (3. Kov.) Si.bba h Ausgang . . . 5 Ihr L0 Rosch-Chodesch Klslew: Dcnrr.rstag, 8. November Wothenab.dinlit. Chaje Sarah Zionistischer Vortragskatender Freitag, den 2.November 1934, y2S Uhr abends« 2. Bezirk, Sektion II, Praterstraßo 13. Onegg Sabbath; Rabbiner Dr. Gerstl ‘ „Bibblische Vorträge; Oberkantor Rottenberg „Gesänge“. 2. Bezirk, Sektion Prater, II„ Jungstraße 8; Onegg Sabbath mit Vortrag. Rabbiner Doktor Krieg. 20. Bezirk, Sektion XX, Jägerstraße 30. Onegg Sabbath mit Bibelvortrag. Isaak Schön-, feld. Samstag, den 3. November 1934, 8 Uhr abends. 2. Bezirk, Sektion II und Klub Erez Israel, Praterstraße 13. Musikaiisch-Literarischeir Abend. Programm: S. Schwager (Rezitation), Sarah Stukkert (Klavier), David Tendier (Gesang), Einakter „König der . Schporrer“ (nach Zangwill). Theatergruppe des Klubd „Erez Israel“. 2. Bezirk, Verein Zionistischer Höchschüler „Theodor Herzl“, II., Krumbaumgasse 10, .Vortrag: Kurz über .„Kibuziuth“. 20. Bezirk, Sektion XX und Wizo, XX., Jägerstraße 30, Geseliigkeiteabend unter. Mitwirkung der Schauspieler der jüdischen Bühne«. Sonntag, den 4. November 1934. Baden bei Wien, Zionistische Orstgrup.pe Baden, Prof. Julian Silberbusch; „Schicksals-, fragen dos jüdischen Volkes“. 2. Bezirk, Sektion II, II.,' Praterstraße 13, five o’clock.; ■ Montag, den 5. November 1934. 2. Bezirk, Sektion II und Klub Erez Israel, H. , Praterstraße 13, 8 Uhr abends, Prof. Dr. K* Kupfer: „Volk und Land in der nachbiblischen Zeit.“. ■— Vortragszyklus. Hebräische Kurse unter Leitung von Jizchak Herzhergv Für Anfänger: Montag und Donnerstag %8 bis -%9 Uhr abends; für Vorgeschrittene: Dienstag und Mittwoch ¥j8 bis Uhr abends. Dienstag, den 6. November 1934, um 8 Uhr abends. 1 Bezirk, Wizo I, I., Jordaugasso 7, Dr. Henny Lichtenstein: „Werk und Aufgaben der Wizo“. 5 Uhr nachmittags. 3. Bezirk, Sektion III, III., Hegelgasse 3, Dr. Z. F .Finkeistein: „50 Jahre nach der Kattowitzer Konferenz“. 3. Bezirk, Wizo III, Wiener Ring-Cafe, I. , Stubenring 17, Generalversammlung. 20. Bezirk, Sektion XX, und Wizo, Jägerstraße 30, Oberbaurat Ing, Ludwig Fischers „Umschichtung durch jüdische Lehrwerkstätten.“ Mittwoch, den 7. November 1934. 1. Bezirk, Festsaal des Ing- und Architekten- Vereines, I., Escheubachgasse 9, Dr. Anton Sattler, Leitender Sekretär der Kammer für Gewerbe, Handel und Industrie: Die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas und Österreich. H8 Uhr abends. Donnerstag, den 8 November 1934, 8 Uhr abends. 2. Bezirk, Sektion II und Klub Erez Israel, II., Praterstraße 13, Prof. Julian Silberbusch: „Krise und Lösung“. 6. Bezirk, Sektion VI/VII und Wizo, VI., Loquaiplatz 11, Dr. Hugo Groß: Lichtbildervortrag Uber Palästina. K9 Uhr abends. 18. Bezirk, Sektion XIII und Wizo, XIII., ftietzinger Hauptstraße 22, Cafö Hiotzinger Hof, Gesellschaftsabend (mit Bridge, Rummy, Tarock usw.). Gäste aus anderen Bezirken herzlich willkommen. Die Arbeit des Keren Kafemeth Selbstkontingentierung für das Jahr 5695. Die Selbstkontingentierung wurde von der Sektion XIII bereits teilweise du rohgeführt. Bel der Hochzeit Leopold Berger—-Hans! Sternberg wurden für den Keren Kajeraeth der Botrag von 100 S gesammelt Der Keren Kajcmeth entbietet ^em Gg. Elias Borger, dem KKL.-Kommissflr der Zionistischen Sektion Professor Julian Sllberbusdi: ,StUUksalsfeagec des jüdische*. Volkes'

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