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Die Stimme · 1934-11-02 · Heft 397 (2.11.1934) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 397 (2.11.1934)
Date
1934-11-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seit« S DH IY1MMI Nr. 357 — 2. November 1034 Ehre in den Kot gezerrt wird. Deshalb sei es wiederholt: Es wäre zu wünschen, daß die Festschrift des „Bundes Jüdischer Frontsoldaten“ in hunderttanisenden Exemplaren unter der christlichen Bevölkerung verbreitet würde, um die christlichen Kriegsteilnehmer, die heute von antisemitischen Schlagworten umnebelt sind, aufzurütteln. Den Männern, die den Mut gefunden haben, in dieser schweren Zeit so warme Worte für die jüdischen Soldaten zu finden, ist nicht nur der Dank der jüdischen Frontsoldaten und der jüdischen Bevölkerung, sondern auoh aller gerecht, denkenden Menschen sicher. Den warmen Worten sollten aber Taten folgen.- So dankbar wir Juden auoh für jede Bekundung der Gerechtigkeit uns gegenüber sind — wir dürfen nicht in den Fehler der Assimilation und ihrer Abwehrpropaganda verfallen. Den Kampf für unsere Zukunft werden nie andere für uns führen. Unsere Zukunft können nur wir allein gestalten. Und was die „Jüdische Feigheit“ anlangt, so ist sie durch tausende jüdische Kriegergräber und Kriegskrüppel am besten widerlegt. Da gibt es nur ein Prinzip: Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter. H. L. Menckens Meinung zur Judenfrage Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs i S 1*90 o. 2*60 Sdiwehater Brlu II.. Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-25 Hebräische Ansprache im itaüenb sehen Rundfunk Die erste hebräische Ansprache im italienischen Rundfunk wurde anläßlich dos Abschlusses der Levante-Messe in Bari vom dortigen Sender aus gehalten. Der Organisator des Palästina-Pavillons auf der Messe, Dr. S. Aisenstadt, gab einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Italien und Palästina und wies auf die Bedeutung des Besuches des Ministerpräsidenten Muss 0- 1 i n i im Palästina-Pavillon anläßlich der Messeeröffnung hin. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Einstellung der Güterschiffahrt auf der Donau nach der Levante macht die Speditionsfirma Ullmann, Rink & Co. darauf aufmerksam, daß sie ständig einen Sammelverkehr via Triest unterhält, in welchem Gütertransporte und Übersiedlungen prompt durchgeführt werden. Beist-ellung von Liftvans und sachgemäße Verpackung wird übernommen. Im „American Hebrew“ spricht ein amerikanischer Schriftsteller, H. L. M e n c k e n, seine Meinung zur Judenfrage aus. Er ist ein bedeutender Autor, und so druckt auoh das in Paris erscheinende „Neue Tagebuch“ Sohwarasöhiids den Aufsatz ab, nicht ohne einige Vorbehalte zu machen, die sich aber nur auf das heutige Deutschland beziehen. Und wie jeder, der von der Judenfrage spricht, richtiges und unrichtiges aussagt, so ist auoh in Menckens Äußerung einiges, dem man zustimmen kann; es sind dies Bemerkungen, von außen her gemacht, wie sie eben ein Mann macht, der die Oberfläche nicht verlassen kann und will. Im ganzen ist M e n c k e n auf die Juden nicht gut zu sprechen. Er sieht das Problem, sagt aber selbst „scheinbar“. „Das Problem des Juden ist, daß er scheinbar immer eine Art Fremdling bleibt und daß er dadurch in Zeiten politischer Wirren zu einer bequemen Schießscheibe für Demagogen wird.“ Das ist ein Wi-derspruch in eich. Ein Problem muß soharf sichtbar sein oder es ist kein Problem; und ein Problem mit „scheinbar“ gibt es nicht. Aber Mencken rottet das „scheinbar“ wieder aus und schiebt die Schuld für das ganze Problem den Juden zu: „Dieser Anschein der Fremdheit ist zum großen Teil von ihm (dem Juden) selbst hervorgerufen. Er erinnert die übrige Bevölkerung beständig an sein Judentum, das heißt, an seine Sonderrolle, und erregt so ihr Mißtrauen.“ Der Jude kann es nie mandem recht machen. Er ist da und das ärgert die anderen; er bleibt da und das erinnert die anderen immer an ihn. Ein unbefangener Mensch würde der übrigen Bevölkerung sagen, es geht euch nichts an, daß der eine ein Jude, der andere ein Kattholik oder ein Quäcker ist, — Mencken ist nicht so unbefangen. Die Juden wollen nicht untergehen, alle Assimilationssucht ist vergebens, und was das ärgste ist, die Juden können nicht untergeben. Ja, sie wollen den Hitlerismus nicht schlucken und boykottieren die deutschen Waren. Das ist den Amerikanern nicht recht. Mencken sagt, daß die Forderung der Juden, deutsche Waren nicht mehr auszubieten, ein Anschlag auf die Entsohließungisfreihedt der Amerikaner war und Antisemitismus erzeugt hat. Nun ist doch die Sache so, daß der Hitlerismus den Juden den Krieg erklärt hat, und wenn die Juden die Kriegsansage aufnehmen und als solche behandeln, so sind sie nach der Meinung eines unbefangenen Menschen im Recht. Nach Mencken aber nicht. Er nennt Stephen Wises Auftreten „gefährliche Ka-priolen, die die Judenfresser mit einer Masse neuer Munition versorgt haben“. Als ob die das noch nötig hätten! Das jüdische Problem existiert also, und Mencken scheint e«s als unlösbar zu betrachten, zumal es 2000 Jahre lang nicht habe gelöst werden können. Jahresringe sind kein Beweis, und Amerika war bis 1492 unbekannt. Menc-ken meint, man könne das Problem wenigstens mildern. Alle, die jetzt als jüdische Führer fungieren, solle man zum Teufel jagen und an ihre Plätze würdige, gescheite und selbstlose Juden stellen. Niemand hat noch je die würdigen, selbstlosen und gescheiten Juden gehindert, an die Führerstelle zu treten, und jedenfalls haben die Juden bei der Wahl ihrer jetzigen Führer angenommen, es mit würdigen, gescheiten und selbstlosen Personen zu tun zu haben. Mencken, der sich wahrscheinlich sehr aufregen würde, wenn Juden den Amerikanern ihre Führer als unwürdig, unklug und korrupt hinstellten, mengt sich hier als Unberufener ein. Er bekommt erst dort Geltung und Autorität, wo er von den Amerikanern spricht. Die versteht er besser, und es ist nur zu unterschreiben, wenn er diel Juden vor den amerikanischen Politikern! warnt. Solange so ein Politiker die Juden; ausnützen kann, ist er für sie; sobald sin! ihm aber entbehrlich werden, läßt er sie fallen. Nun, diese Erfahrung haben die Juden auch in Europa gemacht, und zwiaß bei den sozialdemokratischen Gesinnungsgenossen Menckens. Es ist dankenswert, daß er diese Warnung auch für Amerika aussprieht. Das dritte Mittel Menckens zur Linderung des Judenprobleins besteht in dem Rat, „daß mindestens neun Zehntel der bestehenden jüdischen Organisationen aufgelöst werden und ihre Macher in der Versenkung verschwinden“. Und wenn sich dann wieder neue Organisationen bilden, was dann? Kurz, Mencken ist gegen das, was er „Separatismus“ nennt, daß die Juden Juden bleiben wollen und keinen Selbstmörderklub bilden. Wir fürchten, daß diese Separatisten mit, den Ratschlägen Menckens nichts anzufangen wissen werden. Das Problem der Juden ist überall das gleiche. Es kann nur von dem Juden gelöst werden. Wer uns Wohlwollen und Verständnis zeigt, wird gerne gehört. Wer uns aber den Rat gibt, zu verschwinden, möge erst daran denken, ob er dies auch seinem eigenen Volk raten würde. Gespräche mit Zionisten ,Die Weil wir letztens einige Eindrücke Palästinawerbers aus „Gesprächen Juden“ festgehalten haben (siehe Stimme“ vom 5. Oktober), so seien — schon aus Gründen verpflichtender Gerechtigkeit auoh gewisse Erlebnisse mit Zionisten nicht miit Stillschweigen übergangen Es mag freilich manchem schon an sich ein Widerspruch scheinen, daß der Werber seine Tätigkeit auch auf Zionisten erstrek ken muß. Aber das Fleisch ist oft schwächer als der Geist, und es läßt sich nicht ver schweigen, daß es Leute gibt, die stets be reit sind, mit großartigen Gesinnungen zu prunken, anderseits aber jede L e i s t u n vermissen lassen. Stellt man nun einen solchen zur Rede - was manchmal schneller und leichter gesagt als getan ist — um ihm mit sanfter, aber an des j Gewisse Leute überraschen einen mit der mit] Erklärung, sie seien Revisionisten geworden; Es entsteht ein Streit. Chane Doby sagt sich, daß sie gut getan hat, diesen Weibern keine Geschichten zu erzählen, und eie freut sich, daß es ihr gelungen ist, sie zu ärgern. Sie hat schon einigemal vor ihnen ausgespuckt und den Versuch gemacht, davonzugehen, doch kehrte sie 'immer wieder zurück, um auf einen Fluch oder auf ein Schimpfwort zu antworten. Einige Müßiggänger bleiben stehen und ee bildet eich ein Kreis um die streitenden Frauen. Plötzlich schreit einer: „Ein Polizeimann!“ Sofort kommen die Weiber zu eich und eilen nach verschiedenen Richtungen davon. „Heda, Jüdinnen!“ schreit der Polizeimann und sucht die Weiber einzuholen. Er merkt gleich, daß Chane Daby mit den vollen Körben nicht so rasch laufen kann, und auf diese hat er es abgesehen. „Oh, Mütterchen, Mütterchen“, seufzt Chane Doby angsterfüllt, als sie sich vom Polizisten verfolgt sieht. „O Gott! 0 Gott! 0 Gott!“ Inzwischen fällt eine Birne zu Boden. Dieser folgt eine zweite und eine dritte und bald fallen viele zugleich. Gott im Himmel! Herr der Welt!“ stöhnt Doby und fühlt, daß die Füße sie nicht mehr tragen können. Sie hätte sich so gern umgesehen, um zu erfahren, wohin die Birnen gekollert sind, aber von allen Seiten wirl sie ermuntert, weiterzulaufen: „Schneller! Schneller! Schneller!“ Die Juden wollten nicht, daß sie in die Hände des Polizisten fällt. Sie dürfen ihn nicht zurückhalten, und so stehen sie gespannt und warten, während eie unausgesezt schreien: „Schneller! Schneller! Schneller!“ Chane Doby rennt in einen Hof und verst.r'-kt sich in einem Geschäft. Ate der Polizei mann zürn Tor komm^ »t sie verschwunden. i» Chane Er bleibt stehen, wischt sich den Schweiß von der Stirn und blickt auf die Juden, die ihm gefolgt sind, mit bösen Blicken. Die Juden sind erfreut, daß ihm die Frau entschlüpft ist, doch hüten sie sich, ihn zu reizen. Sie sind schlau und verhalten eich ruhig. Doch er erkennt an ihren strahlenden Gesichtem, daß eie über ihn triumphieren So treibt er sie mit Flüchen und Schlägen auseinander und beschließt, vor dem Tore stehen zu bleiben und zu warten. Einige Juden laufen in den Hof, um Chane Doby im Notfälle beizustehen. Chane Doby wagt in ihrem Versteck kaum zu atmen. Mit Schmerz denkt sie an die verlorenen Birnen. Das Obst , ist ihr ganzes Vermögen... Und sie war so glücklich gewesen. Vielleicht straft sie Gott dafür, daß sie den Händlerinnen nicht die volle Wahrheit erzählt hat? ... Und sie verflucht die Marktweiber, die an dem ganzen Unglück schuld sind. Von den Birnen, die Chane Doby auf ihrer Flucht verloren hat, wird ein Teil von den Fuhrwerken zerquetscht, die übrigen werden von Lastträgern aufgehoben. Verlegen lächelnd blicken sie umher, als schämten sie sich des Gedankens, der in ihnen aufsteigt. Eine Weile betasten sie die Birnen und überlegen, ob eie dieselben der Händlerin nicht zurüokgeben sollten. Doch als einer in eine Birne hineinbeißt, folgen die anderen seinem Beispiele. „Es sind ausgezeichnete Birnen1, ruft einer aus. Ein anderer hebt einige Birnen vom Boden auf, betrachtet sie von allen Seiten und steckt sie in die Tasche — für die Kinder. Dann geht er in den Hof, öffnet die Tür zum Geschäft, wo Chane Doby versteckt ist, steckt den Kopf hinein und sagt freundlich: „Bleibt noch drinnen, Frau. Der Polizeimann steht noch vor dem Tor.. deutlicher Mahnung seinen Mangel zionistischer Pflichterfüllung vorzuhalten so verwandelt sich oft flugis der Angeklagte in den Ankläger. Die beste Parade ist be kanntlich der Hieb und so müssen denn die verschiedentlichen „Unzufriedenheiten“ her halten. Man ist „unzufrieden“: mit, der „Richtung“, mit der zionistischen „Politik mit der Exekutive, mit England, mit dem Zionistischen Landeskomitee, mit den Man dataren in der Kultusgemeinde, mit dein Ausschuß einer Bezirksgruppe. So werden einem unnütze und zeitraubende Debatten aufgenöbigt; Debatten, deren Ernst oft von vorneherein im Frage steht, da es sich meist um ein Scheingefecht handelt, mit der Ab sicht provoziert, die eigene fragwürdige Haltung durch „Argumente“ au stützen. In manchem Falle stimmt man solchen,, alten Zionisten“ in allem zu, hütet sich absieht lieh, Widerspruch laut werden zu lassen und gestattet sich schließlich die Frage, was diese oder jene Auffassung, Ablehnung, Verstimmung denn eigentlich mit den über aller Diskussion stehenden Grund- und Kardinalpflichten des Zioni sten zu tun habe? Es kann nicht behauptet werden, daß es in jedem solchen Falle gelingt, Erfolg zu erzielen, denn bekanntlich gibt es einen jüdischen Typus, der geneigt ist, „mit der Thora b’roges“ zu sein, weil er sich mit dem Synagogenfunktionär zerstritten hat. Und was soll man erst von jenem sagen, der doch nur so tut, „als ob“? Auf andere trifft man, bei denen das Ressentiment wenigstens subjektiv ehrlich ist. Solch einer wettert gegen die „linke“ Exekutive, wie wenn die Forderung der Exekutive gälte und nicht Palästina! Manche sind leichtfertig genug, um in totaler Verkennung der gesamten zionistischen Gegebenheiten kurzerhand den „Steuerstreik“ als Kampfmittel gegen einen ihnen nicht genehmen „Kurs“ zu postulieren, um sofort die eigene Loyalität zu erklären, die darin besteht, daß man nur für sich selbst diesen >S»• 1111!| unkt bezieht, ohne auf andern in gleichem Sinuc, einzuwirken. iiiiiüiiii und wären daher zum Boykott der nationalen Fonds vepflichtet; Bekenntnis ztf einer Disziplin, die man vorher nie s<J rigoros gebamdhabt hat! Einen Typus gibt es, der „nicht imstande*1 ist, für Paläs tinazweoke etwas zu erübrigen, weil er für so viele andere nationale Zwecke „Opfer bringt“, (die man meistens nicht kontrollieren kann.) Er zählt allerlei Dinge auf, die nach seiner Meinung ungeheuer wichtig sind, — für Palästina langt es eben nicht mehr... Dabei beteuert er unentwegt, er sei ein „giuter“ Zionist vonl größter Gesinnungstreue und tut sehr entrüstet, wenn ihm dies abgesprochen wird. Wir kennen einen zionistischen Akademiker, der, selbst zionistisch vollkommen! undnformiert, andere in seinem Verbände davon abhält, zum Aufbau Palästinas beizusteuem; wir kennen vernünftige Menschen von immerhin zionistischer Gesinnung und Vergangenheit, die sich auf Niohtwisser berufen, die sie — oft unter Anführung der tollsten Gerüchte — veranlaßt haben sollen, ihre Beiträge fiir Palästina-Zwecke einzustellen. Wir haben hier ein paar Typen von Zionisten herausgegriffen. Es sind natürlich nur Randfiguren, ohne verallgemeinernde Absicht hin/gezeichnet, aber sie genügen doch, um das Gesamtbild zu verunzieren. Jedenfalls täte — und das dürfte nicht bloß für unser engeres Milieu gelten — eine nachdrückliche innerzionistische Offensive not, um in den weitesten Kreisen von Zionisten eine entsprechende „öffentliche Meinung“ durchzusetzen und allgemein das Bewußtsein zu verankern, daß es Grundsätze gibt, die zu den zionistischen Selbstverständlichkeiten gehören müssen und deren Befolgung über allen Parteiungen, Sondermeinungen und Empfindlichkeiten; stehen muß. A. F. Voraus muß man denken# sich sichern — versichern Phönix Allgemeine Verafdierungi« Ges«/ Wien/IX./ AlserpInfxJ 46149080 199999^

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