Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 397 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 397 — 2. November 1934 DIE STIMME Seite 7 RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTG. 5 KOLLNERHOFG. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA- HEMDEN (von S 6 80 aufw.) Der jüdische Feigling llll!IIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIII!!llllll!lllll!^ Nibelungendank Der „Mitteldeutsche, Magdeburg vom 23. Oktober, berichtet über eine Versammlung der Ortsgruppe Dom der NSDAP, bei welcher „d er bekannte Reichstag sa b g e o r d n e t e Kunz e“, genannt „Kntippel-Kunzc“, sprach. Der Redner beschuldigte das Judentum als Urheber des Weltkrieges, wie auch als Zerstörer der Kampfkraft des deutschen Heeres und als Veranlasser der Inflation. Er schloß seine Ausführungen mit folgenden Sätzen. „Eine Frage der Selbsterziehung ist es, diesen Vernichtungskampf einzuloiten und erfolgreich zu beenden.“ Richard Kunze war schon im Vorkriegs- Deutschland, dann während des Krieges und in der ersten Nachkriegszeit als Radau- Antisemit bekannt. Er gründete den Deutsch-Sozialen Verein und stattete dessen Mitglieder mit Knüppeln aus seiner eigenen Knüppelfabrik zum Kampfe gegen die Juden aus. Er führte darum in der Öffentlichkeit den Namen „Knüppel-Kunze“. Vor einigen Jahren geriet er beim Baden in der Ostsee in eine Untiefe und versank. Ein jüdischer Arzt zog unter Einsatz des eigenen Lebens den bereits bewußtlos gewordenen Kunze aus den Wellen und rief ihn ins Leben zurück Der Arzt wurde dafür mit der Rettungs Medaille ausgezeichnet. Kunze aber stell ,e seine radauantisemitische Tätigkeit eine Zeitlang ein. Offenbar glaubt er heute, daß über die Geschichte seiner Lebensrettung durch einen Juden bereits Gras gewachsen ist, Ein neues jüdisches Todesopfer Julius Streichers Paris, 29. Oktober. (2. T. A.) Dem „Pariser Tageblatt“ wird aus M ü no h e n berichtet: Im Konzentrationslager Dachau wurde vor kurzem der jüdische Prokurist Erich Gans aus Nürnberg erschlagen. Eine Urne mit Asche ist seinen Angehörigen durch die Post zugestellt worden. Mit ihm istderneunte jüdische Gefangene aus der Stadt Streichers iu Dachau getötet worden, vier weitere befinden sich noch im Lager ohne Hoffnung auf Freilassung. Zu den beliebtesten Schlagworten des Antisemitismus und Nationalsozialismus gehört das Gerede von den jüdischen Drückebergern i.in Weltkrieg und von der jüdischen Feigheit sowie die Glorifizierung der arischen Tapferkeit und Selbstaufopferung. Über diese Kapitel reden insbesondere antisemitische Jugendliche gern, die zur Zeit des Weltkrieges noch nicht auf der Welt waren oder noch auf der Schulbank gesessen sind. Wer wirklich an der Front gestanden ist, weiß, daß die Kugel weder nach Rasse noch nach Konfession gefragt hat, und es wird wohl wenige gediente christliche Soldaten geben, die nicht gemeinsam mit jüdischen Kameraden an der Front gestanden sind. Viele glauben aber mit dieser unumstößlichen Tatsache hinter dem Berg halten und mit den Wölfen von der jüdischen Feigheit hn Weltkriege heulen z-u müssen. So mancher christliche Soldat und Offizier, der seine jüdischen Kameraden im Felde achten und schätzen gelernt hat, besudelt seine ehemaligen jüdischen Kameraden, und die Sache wird nicht dadurch besser, sondern ärger, daß er seinen ehemaligen jüdischen Kameraden, wenn er unter vier Augen mit ihm spricht, nach wie vor seiner besonderen Wertsehätzung versichert. Als kürzlich der „Bund Jüdischer Frontsoldaten“ in Wien beim Helden denkmal des jüdischen Soldutenfriedhofes eine Gedenkfeier abhielt, bei welcher nach einer Anregung unseres Freundes Direktor W i 11 i n 100 Grabsteine zur Aufstellung gelangten, wurden von christlicher Seite bemerkenswerte Reden gehalten. Der „Bund Jüdischer Frontsoldaten“ hat sich nun der dankenswerten Aufgabe unterzogen, die Äußerungen hoher Militärs zu veröffentlichen, die ihm aus Anlaß der jüdischen Heldengedenkfeier zugegangen sind. Er hat eine Festnummer seiner Zeitung „J ü d ische Front“ herauegegoben, in welcher der Verlauf der Feier mit zahlreichen Bildbeigaben geschildert wird und er bringt Äußerungen hervorragender Heerführer über da,s Verhalten der jüdischen Soldaten und Offiziere an der Front. Wir lesen Beiträge des ehemaligen Chefs des k. u. k. Goneralstabes Generaloberst Artur Arz, Freiherr von Straußenburg, des Generalobersten S a r k o t i c und eiuer Reihe anderer hervorragender Generäle. Es seien hier wahllos einige Äußerungen herausgegriffen: General der Infanterie Hugo M e i x n o r von Zweienstamm schreibt: „Der erste Soldat meines Korps, der für mutiges Verhalten bei Wegnahme eines russischen Grenzwachhauses mit der silbernen Tapferheitsmedaiüe 2. Klasse ausgezeichnet wurde, war ein jüdischer Gefreiter." Feklmarec.ball-Leutna.nt Eugen L ii f t n e r Edler von Krinnerstorff schreibt: „Der erste, den ich für die Beteilung mit der goldenen TapferkeitsmedaiUe in Vorschlag brachte, war der jüdische Fähnrich Dr. Jur. Bretk, Mittelschulprofessor in Iglau." Generalmajor Heinrich Edler von T e n n e r schildert, wie eim jüdischer Landsturminfanterist, der von seinen Kameraden Kobi (Jakob) gerufen wurde, während des beständigen Gewehrfeuers freiwillig aus einem nächstgelegenen Kampfgraben einen verwundeten Kameraden in die eigene Linie rettete und wie er vollkommen erschöpft und zersebunden mit dem Verwundeten auf dem Rücken eintraf. „Kobi“ erhielt dafür die große silberne Tapferkeitsmedaille. Das sind nur einige Beispiele. Was aber die Festnummer der „Jüdischen Front“ besonders wertvoll macht, ist die Gesinnung, die in den Äußerungen hoher Offiziere zum Ausdruck kommt. Es ißt das eine Gesinnung, von der man wünschen würde, daß sie nicht nur einem beschränkten Kreis von noch da.zu jüdischen Lesern, sondern der ganzen christlichen Öffentlichkeit in hunderttausenden Exemplaren zugänglich gemacht würde. So schreibt zum Atis^ezet^tnefe Btifnen Von David Pinski Chane Doby geht mit zwei vollen Körben Birnen über die Straße. Sie geht nach der linken Seite geneigt, denn der Korb in der rechten Hand ist groß und schwer. Mit derben Schritten bewegt eie sich vorwärts, von frohen Gedanken bewegt. Ein Lächeln spielt um ihre Lippen. — Sie ist zufrieden mit Gott, mit sich selbst, ja, mit der ganzen Welt, und die Sonne lacht so hell und warm, weil ihr — Chane Doby — so fröhlich zumute ist... Am liebsten hätte sie laut aufgelacht und sie sieht sich nach allen Seiten um, ob keine Bekannte zu sehen ist, der sie von ihrem großen Glück erzählen könnte. Und was für ein Glück! Wie kam ihr nur der Einfall, heuto zu Swideneki, dem Gärtner, zu gehenV Sie glaubt, daß sie durch einen Traum darauf gekommen war. Hatte sie doch in der letzten Nacht soviel geträumt... Doch nein! Ihr träumte ja nur, daß sie mit Beile, der Krämerin, wegen eines Pfundes Salz in Streit geraten war. Und Beile ist ja schon seit zwei Monaton tot. — „Ja, streiten, das konnto sie. Sie soll es mir nur verzeihen“, denkt Chane Doby. — Und am Morgen, als sie kaum dio Augen öffnete, kam ihr plötzlich der Gedanke, daß sie einmal zu Swidemki gehen könnte... Gestern war Chane Doby noch voll Sorgen. und sie hatte zu Gott gefleht: „0 Gott, allmächtiger Vater, giib. daß ich etwas verdiene!“ Sie hallo Gott aufgozählt, wieviol Gold sie braucht und wozu sie es braucht, und er hat eiugesehen, daß sie im Rechte war... „Ja, wenn Gott will, kann er helfen!“ All das möche sie den Händlerinnen erzählen. Sie sollen wissen, was für einen barmherzigen Gott wir haben, und wie gut Chane Doby bei ihm angeschrieben steht... Neben dem Trottoir steht Riwy Jente. „Sie gönnt niemandem einen Groschen Verdienst und mit ihr darf man nicht viele Worte machen“, denkt Chane Doby, aber sie will ihr wenigstens das Obst zeigen. Erzählen wird sie ihr nichts. Und sie geht auf die Händlerin zu. Riwy Jente erkennt schon an Chane Dobys Gesicht, daß etwas Besonderes vorgegangen sein muß. „Was trägst du Gutes?“ fragt sie und sieht Chane Doby forschend an. Diese steht stolz und vergnügt vor Riwy Jente, die Körbe in der Hand und lächolt, ohne zu antworten. Riwy Jente nimmt dio Birnen in Augenschein und Chane Doby fühlt sich jetzt als die glücklichste auf der Welt. „Feines Obst! Wo hast du es gekauft?“ fragt Riwy Jente. „Feines Obst“, wiederholt Chano Doby verdrossen — nur Riwy Jente kann «ich eo schmucklos ausdriieken. „Zuckerbivnen sind es und sie zerfließen auf der Zunge“, setzt sio stolz hinzu. „Wo hast du säe gekauft?“ fragt Riwy Jente noch einmal. Chano Doby merkt, daß der Neid aus ihr spricht und eie antwortet lakonisch: „Ich hab’ sie halt gekauft.“ Riwy Jente wird jetzt ernstlich böse und möchte Chane Doby beleidigen, aber sie hält sich zurück und fragt: ,,Wieviel hast du gezahlt?“ „Oh, eine Kleinigkeit“, antwortete Chane Doby. „Vielleicht etwas teuer?“ „Hahaha! Sie sind doppelt so viel wert, wie ich sie gezahlt habe. Verlaß dich darauf“, antwortete Chane Doby. Riwy Jente nennt nun einen Preis, aber Chane Doby ruft lachend: „Die Hälfte davon. Ich soll so leiben mit dir, die Hälfte davon.“ „Das ist halb umsonst“, stößt Riwy Jente hervor. „Da hast du recht“, sagt Chane Doby. Ihr Gesicht strahlt vor Glück und Stolz, und sie will sich entfernen, aber Riwy Jen tos Zorn reizt sie noch, ein wenig zu bleiben und ihr von Gott und von ihrem Traum iu der vergangenen Nacht zu erzählen. So plaudert sie denn eine Weile und blickt vergnügt auf die Händlerin. „Nun erzähl’ mir endlich, wo du dio Birnen gekauft hast“, drängt Riwy Jente. „Wo? Ich habe sie nicht gestohlen! Mit gutem Geld habe ich sie bezahlt.“ Riwy Jen tos Augen sprühen Feuer und ihre Lippen beben. Chano Doby will sich nun entfernen, aber da kommen zwei aridere Marktweiber mit vollen Körben daher. ,,Guten Tag“, ruft ihnen Chane Doby zu und kehrt Riwy Jente den Rücken. „Guten Tag“, antworten die Marktfrauen. „Was sagt ihr zu ihren Birnen?“ fragt Riwy JtMite voll Zorn. Stolz blickt Chane Doby auf die Händlerinnen, die die Birnen nicht genug loben können. „Schöne Birnen“, rufen sio. „Wio teuer hast du sie bezahlt?“ Riwy Jente nennt den Preis, während Chane Doby lächelnd dio erstaunten Geaichtor der Marktfrauen mustert. „So wohlfeil“, rufen dio Händlerinnen und können sich vor Überraschung nicht fasson. ,,Wo hast du sie gekauft?“ Drei Paar Augen sind erwartungsvoll auf Boispiel Feldmarschal - Leutnant Franz W e i ß - T i h a n y, Ritter v. M e i uprugg: „Für mich hat es nur kaiser- und königliche, aber keine katholischen, evangelischen, griechischen, mohammedanischen, somit auch keine jüdischen Soldaten gegeben. In meinem ganzen 4V\jä/irigen wechsele vollen Frontkriegsdienst, in 135 Tagen der von mir geführten Gefechte ist kein einziger Versager an Tapferkeit oder sonstiger Soldatenpflicht vorgekommen, also auch keiner eines jüdischen Frontsoldaten. Daraus ist ersichtlich, daß diese gleich denen der andereü Bekenntnisse für Kaiser, König und Vaterland heldenhaft gestritten und gelitten haben." Billige Klingen sind billig. Sanft, gründlich, rassig und preiswert ist natürlich nuf Generalmajor Eugen Büttner schreibt: „Ich habe meine Untergebenen vor dem Feinde nicht nach Rasse und Konfession gefragt und sie, falls sie ihre Pflicht für Kaiser und Vaterland erfüllt haben, ohne Unterschied in gleicher Weise als treue Soldaten und Kameraden geschätzt und geehrt" Generalmajor Alois Dichtl Edler v. Jörge n reuth schreibt: „Ich hatte sehr gute opferwillige Freunde israelitischen Bekenntnisses unter meinen Kameraden. Schneidige Reiter, brillante Fechter unter ihnen und brave Unteroffiziere, arbeitsam und enthaltsam, schaffend! Brauchbar! ln erhöhtem Maße!" Liest man in der heutigen haßerfüllten Zeit derartige Äußerungen aufrechter christlicher Männer, dann wird es einem seltsam ums Herz. Diese aus ganzer Seele kommenden Äußerungen muten anachronistisch an, denkt man daran, wie das jüdische Volk heute insbesondere unter dem Einfluß der nationalsozialistischen Bewegung beschimpft, besudelt und seine Chane Doby gerichtet, aber sie fühlt, daß sie mit diesen Frauen von ihren Angelegenheiten nicht sprechen darf... Und doch — wie gern hätte sie alles, alles erzählt. Wie ihr gleich beim Erwachen der Gedanke an den Gärntner gekommen war und wie zuvorkommend Swiderski sie behandelt hat. Sagte er doch, daß er nur ihr diesen billigen Preis gewähre. Die anderen werden viel mehr bezahlen müssen... Die zwei Händlerinnen werden ungeduldig und sehen Riwy Jente fragend an. „Sie macht ein Geheimnis daraus“, sagt diese und verzieht das Gesicht zu einer Grimasse. „Ein Geheimnis“, protestiert Chane Doby. „0 nein! Es ist ganz und gar kein Geheimnis.“ „Also, dann gestehe es endlich. Wenn du die Birnen nicht gestohlen hast, kannst du es ja offen heraussagen ...“ Chane Doby sagt sich, daß sie hier nichts mehr zu suchen hat. Sie will fortgehen, aber die Weiber stellen sich ihr in den Weg, „Seht nur, wie sic es nicht gestehen will“, ruft Riwy Jente verdrossen. „Du hast wohl Angst, was?“ „Warum sollte ich Angst haben? Ich habo wahrhaftig keirio Angst“, entgegnet Chano Doby und will sich entfernen. „Wie gut eie ist! In jener Welt soll ihr so gut sein“, ruft Riwy Jente stichelnd. Am liebsten hätte sie Chane Doby einen Stoß versetzt, damit sie die Birnen verschütte. ,,Was du mir wünscht, soll dir allein begegnen“, gibt Chane Duby zurück. „Warum schimpfst du? Bin ich dir etwas schuldig? Habe ich bei dir etwas genommen?“ „Mehr würde dir nicht fehlen“, ruft Riwy Jente wutentbrannt. „Mit dir würde ich schon fertig werden ... Die Augen würdo ich dir auskratzen. .“ Und Riwy Jente beschließt, wenn Chane Doby ihr nähor kommt, ihr doch den Stoß zu versetzen.