Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 397 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Ä Dt! STIMM! Nr. 397 — 2. November 1934 oand. rer. com. Nusia Beiser - Salomon Kupfermann Wlan VI. Wien II. «mpfthlsn sich eis Verlebte Cheschwan 5695 ecbetn Volkes, demokrat. sondern Russe und Sozial- Der zweite Verhandlungstag. .4m Dienstag, dem zweiten Verbandiungstag, wurden weitere hervorragende jüdische und niohtjüdisohe Persönlichkeiten als Zeugen einvernomnien worden. Dr. Henri Sliosberg, ehemaliger juristischer Beirat im früheren russischen Innenministerium, sagte aus, die „Protokolle“ seien ihm um die Jahrhundertwende in Petersburg als Manuskript zu Gesicht gekommen; er sollte über sie ein Gutachten abgeben. Der Zeuge hatte den Eindruck, die „Protokolle“ seien eine lächerliche Fälschung, verfaßt zu dem Zwecke, nicht nur die Juden, sondern auch die für die demokratische Freiheit in Rußland kämpfende Partei zu diskreditieren. Nac-h seinen Kenntnissen über Rußland müßten die „Protokolle“ als Machenschaft der geheimen politischen Polizei (Ochrama), die eich mit derlei Fälschungen zu politischen Zwecken befaßte, bewertet werden. Der Zeuge hat seinerzeit m Paris eine Liga zur Bekämpfung des russischen Antisemitismus gegründet. Der nächste Zeuge, der frühere rumänische Deputierte und Senator Dr. Mayer Ebner, Czernowitz, hat als Delegierter dem I. Zionistenkongreß 1897 in Basel beigewohnt und hat ausnahmslos am allen Verhandlungen teUgenommen. Erörtert wurde die Lage der Juden in der ganzen Welt. Man verhandelte über die Ansiedlung von Juden in Palästina und die Schaffung eines öffentlichrechtlich geschützten Gemeinwesens. G eheime Sitzungen und geheime Protokolle gab es nicht. Es folgte die Einvernahme des Führers der bürgerlich demokratischen Bewegung in der Zarenzeit und Ministers des Äußern in der Revolutionsregierung Kerenski, Professor Paul Miljukow. Miljukow lebt gegenwärtig als Journalist und Wissenschaftler in Paris und gibt dort die russische demokratische Tageszeitung „Posledni Novosti“ heraus. Miljukow erklärte: Keineswegs organisierten die Juden etwa die russische Revolution. Sie machten etwa ein Prozent der Gesamtbevölkemng Rußlands aus und beteiligten sich in entsprechendem Maße an russischen politischen Bewegungen. Die Quelle der „Protokolle“ ist nachweisbar der Dialogue aux enfers von Maurice Joly, der arischer Abstammung war und angebliche Weltherrachaftepläne Napoleons III. dialogisch karikierte. Die „Protokolle“ wurden mehrmals niedergeschrieben. Das Niveau der satirischen Schrift von Joly ist etwas zu hoch für das Publikum, für das die „Protokolle“ bestimmt waren, und auch für die Fälscher selbst. Deshalb wurden Stil und l'ar- Stellung vergröbert. An die Stolle Napoleons traten die „Weisen von Zion“. Der Text stamme nicht von Nilus. Der Oberrabbiner von Stockholm, Dr. Markus Ehrenpreis, war Teilnehmer am I. Zionistenkongreß vom Jahre 1897 in Basel und war auch bei den Vorbereifcungsarbeiten durch Theodor Herzl in Wien zugegen. Auf dem Kongreß fungierte er als Schriftführer. Er gibt das Originalprotokoll des Kongresses von 1897 zu den Akten und erklärt, ein anderes Protokoll habe es nie gegeben. Man habe im übrigen beschlossen, das gesamte stenographische Protokoll zu veröffentlichen. Weder Theodor Herzl noch der Philosoph Ascher Ginzberg (Achad Haaan) könnten ein so schäbiges Machwerk wie die „Protokolle“ geschrieben haben. Dieser Prozeß, schloß Ehrenpreis, sei nicht bloß ein Prozeß des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes gegen die Nationalsozialbten, sondern ein Prozeß der sechzehn Millionen Juden gegen ihre Ehrabschneider. Der schweizerische Nationalrat Dr. Parb8teln-Zfirich war ebenfalls Teilnehmer am Zionislenkongreß in Basel 1897. Er bestätigt die Echtheit des von der schweizerischen Landdesbibliothek seitens des Gerichtes ausgeliehenen offiziellen Protokolls; andere Pro tokoile habe es nicht gegeben. Direktor Tobler-Bern, ein Nichtjnde, gibt Auskunft über die den Freimaurern in den „Protokollen“ unterschobenen Absichten. Die Freimaurerei, erklärte er, habe in keiner Weise Beziehung zur zionistischen Bewegung. Verhandlungen über die „Protokolle" vertagt Bern, 81. Oktober. (Schw. Dep.-Ag.) Der Zionistenprozeß wurde abgebrochen und vertagt. Da« Gericht hat einem Beweisergänzungsantrag stattgegeben, obwohl ton seiten der Privatklägerschaft festgestellt wurde, daß die Beklagten schon nach dem ersten Termin Gelegenheit gehabt härten, einen Experten zu bestimmen. Die Forderung der Beklagten sei unter diesen Umständen eine Verschleppung. Der Vorsitzende schlug dem Anwalt der Beklagten vor, dem Gericht binnen vier Tagen die Verbindlichkeit des Experlenvorsc-hlages zu melden. In dem Fall, daß der Experte annimmt, sollen ihm die Akten während einer einmonatigen Frist zur Verfügung gestellt werden. Damit wurde die Verhandlung abgebrochen. ★ Mitteilungen Dr. Schalits Medizinalrat Dr. Isidor S c h a 1 i t schreibt uns: Die Wiener „Sonn- und Montagszeitung“ brachte letzten Montag ein Interview mit mir. In der Tat war vor einigen Tagen ein Mitglied der Redaktion unter Berufung auf eine amtliche Stelle bei mir erschienen, um Auskunft über den Berner Prozeß zu erbitten. Ich bin nicht gewohnt, mieh einer fremden Feder zu bedienen, wenn ich der Öffentlichkeit etwas zu sagen habe. Ich besorge das immer selbst. Von einem Interview war daher keine Rede. Ich lehne vor allem ganz entschieden die äußere Aufmachung dieses „Interviews“ ab, soweit sie meine Person betrifft, die gewiß in bester Absicht erfolgt war. Das „Interview“ enthält aber, von Details abgesehen, eine wesentliche Unrichtigkeit. Die Mitteilung, daß ich vom Gerichte aufgefordert wurde, auszusagen, und daß ich der Kronzeuge des Prozesses sein werde, ist in allen Punkten unrichtig. Ich hatte lediglich erwähnt, daß ich von der klägerischen Seite schon vor längerer Zeit um bestimmte Informationen ersucht wurde, und daß ich diesem Wunsche entsprochen habe. Es ist sicherlich von öffentlichem Interesse, wenn ich bei dieser Gelegenheit unabhängig von obiger Richtigstellung die Frage bekanntgebe, die der Schweizerische Israelitische Gemeindebund an mieh gerichtet hatte. Sie lautete: „Konnte irgend eine Wahrnehmung gemacht werden, dahingehend, daß Geheimsitzungen stattgefunden haben, bei welchen Äußerungen gefallen sind, wie sie die Protokolle enthalten: Er oberung der Weltherrschaft mit allen Mitteln, durch Lug und Trug, Verhetzung der Völker gegeneinander nsw.?“ Ich antwortete darauf: Es gab k e i n e g e heimen Sitzungen. Es fanden, wie immer bei derartigen Veranstaltungen, neben den Plenarsitzungen auch Komiteesitzungen statt, um das vorliegende Material zu sichten und für die Plenarsitzungen vorzubereiten. Diese Sitzungen waren nie geheim. Die Mitglieder dieser Komitees waren vielmehr verpflichtet, alle Details der Komiteeberatungen ihren Gruppen, resp. Landsmannschaften zur Entscheidung vorzulegen. Diese Komitees dienten nur der Arbeitserleichterung, da die Beratungen des Kongresses in wenigen Tagen beendet werden mußten. Und ee sollte ein großes Werk geschaffen werden, eine neuo Organisation mit einem neuen Programm und neuer Zielsetzung. Es ist eine Verleumdung, wenn behauptet wird, daß in diesen Sitzungen oder in den nachfolgenden Sitzungen der einzelnen Gruppen und Landsmannschaften auch nur ein Wort gefallen ist, daß irgend eine Stelle in den Protokollen der Weisen von Zion rechtfertigen könnte. Es ist aber auch eine große Dummheit. Denn am ersten Kongreß kamen Menschen zusammen aus den verschiedenfiten Ländern, aus den verschiedensten Milieus, aus den verschiedensten Einstellungen, ja aus den verschiedensten Kulturkreisen. Es ist eine Dummheit, zu glauben, daß solche Menschen, die einander nicht kannten und zu einander erst Vertrauen gewinnen mußten, an solchen welturastürzenden Ideen teilnehmen und eich preisgeben würden. Es ist ferner eine Tatsache, daß sich unter den Gästen des ersten Kongresses Geheimagenten der politischen Polizei fast aller Länder in großer Anzahl befanden. Der Zio nistenkongreß war für Europa etwas Neues. Es konnte eine Zusammenkunft von Kommunisten sein oder eine Konferenz extremster Sozialisten, die starke Teilnahme von Studenten ließen einen solchen Verdacht aufkommen. Es konnte auch ein Aufstand in den türkischen Provinzen beabsichtigt sein, die türkische Regierung war durch den armenischen Aufstand und die Agitation der Jungtürken sehr mißtrauisch geworden. Es konnte aber auch ein getarnter Nihilisten kongreß sein, es fuhren so viel Russen nach Basel. Es war also alle Ursache vorhanden, daß die gesamte politische Polizei Europas diesem Kongreß ihre besondere Aufmerksamkeit schenkte und ihn von zahlreichen Geheimagenten überwachen ließ, die selbstverständlich Bericht erstatten mußten. Wenn nun auch nur ein Hauch von dem wahr gewesen wäre, was in den „Protokollen der Weisen von Zion“ behauptet wird, hätte auch nur eine einzige europäische Regierung die zionistische Organisation in ihrem Staate geduldet? Aber gerade das Gegenteil fand statt. Nach dem ersten Kongreß wurde Dr. Herzl vom Kaiser Wilhelm, der weder Revolutionär noch Anarchist oder Nihilist, noch Förderer einer jüdischen Weltherrschaft war, in Berlin empfangen und in dieser Audienz wurde der Empfang einer zionistischen Deputation im kaiserlichen deutschen Zeltlager vor den Toren Jerusalem« beschlossen. Eine Demonstration der deutschen Regierung von größter politischer Bedeutung. Blau-WelB Wien-Haifa auf dem Landwegin nicht ganz4Tagen! Abfahrt des ersten Sonderzuqes: Samstag, den 17. November, 19.20 von Wien-Oatbahnhof Sch af« und Speisewagen. Rituelle «Gehe Aufkllnltp, Kartenverkauf ÖSTERREICHISCHES VERKEHRS-BUREAU Wien, I., frledrkhstraße. 7 Telephon B 27-500 Inf'Htnntionen : OSTERR. PALÄSTINAAMT Wien, I., Kärnlnerstraße 28. Telephon R 27-4-E6 PALÄSTINAFAHRTEN Wien, f,# franz-Josefs-Kal 7-9. Telephcn R 28-0-65 Endteimln der Einzahlungen: 10. Nov. 1934 Ich möchte zum Schlüsse einem eventuellen Ein wand begegnen, daß es doch geheime Sitzungen gegeben haben konnte, von denn ich nichts weiß. Es gab in jenen Tagen nichts, von dem ich nicht wußte. Ich. gehörte zur engsten Umgebung Herzls. Ich war mit meinem verstorbenen Freunde Donreieh der Manager des ersten Kongresse« und ich war auch «sein politischer Sekretär bis zu «einem Tode. Und ich erkläre unter Eid, daß weder beim ersten Zionistenkongreß noch bei irgend einem, anderen Kongreß oder einer zionistischen Konferenz, sei es in Plenarsitzungen, Kommissionen oder „geheimen“ Konferenzen, auch nur ein Wort, eine Äußerung oder gar ein Plan laut wurde, für eine Eroberung der Weltherrschaft, wie da« Pamphlet es behauptet. Mit bestem Dank und Zionfigruß Ihr ergebener Dr. S c h a 1 i t, Aus dem Dritten Reich Die Juden im Saar-Gebiet Wie berichtet, hatte der Leiter der „Deutschen Front“ ira Saargebiet, B ü r c k e 1, erklärt: „Wenn die Juden auf gewisse kulturelle Gebräuche und die Finanzspekulation verzichten, dann wird ihnen an der Saar kein Haar gekrümmt werden.“ Dazu bemerkt das „Nachrichtenblatt der Synagogen-Gemeinden des Saargebietes“ u. a.: „Da« ist bemerkenswert und eigenartig. Besonders, wenn man weiß, wie schwer sich das Judenproblem an der Saar stellt, welche Schicksalsfragen sich aufwerfon, welche Tragödien eich vorbereiten. Lvwa« hindert unsere Feinde an der Saar, d i e volle Wahrheit zu sagen. Dürften Bio offen reden, wir würden merkwürdige Dingo zu hören bekommen über die Art, wie man mit uns umzugehen beabsichtigt. So aber werden aus streitbaren Hetzern gutmütige Redner; sie kennen die Abneigung der Welt gegen einen allzu fauetdicken Judenhaß Man braucht in der Saarfrage eine günstige Weltmeinung und richtet deshalb auch das Judenproblem danach ein. Manche Juden an der Saar erheben darauf ein Freudengeschrei. Sie preisen die Weisheit einer so maßvollen Politik. Sie sprechen viel von der vortrefflichen Haltung der gemäßigten Richtung, die wohl zu unterscheiden sei von dem wüsten Radauantisemitismus vorjähriger Ausgabe. Es ist die alte Inkonsequenz, eine Autorität auszuspielen, die man grundsätzlich bekämpfen muß, die alte Halbheit, der alte über Kleinem aus dem Juden“ die Zuschrift eines „D. I., Saarbrücken“, die mit den Worten schließt: „...Für uns Saarländer sind die Juden zu einer Plage geworden. Um so sehnlicher wünschen wir die Einverleibung mit dem Reiche, damit wir endlich von dem Joch der Juden und der Fremdherrschaft befreit werden. Heil Hitler!“ In der gleichen Nummer des „Stürmer“ wird berichtet: „In Saarbrücken haben sich jüdische Emigranten in einem Schießklub zusammengefunden. Dio Scheiben beso heu aus Bildern nationalsozialistischer Führer. Es wird geschossen auf Hitler, Gooring, auf Goebbele, Frick, Heß usw. Daß die aus Deutschland davongelaufenen Juden solches machen, kann nicht überraschen. Würden sie die Möglichkeit haben, anstatt auf ihre Bildnisse auf dio Führerköpfe iu Natura zu schießen, dann würden sie es tun. S i e s i n d eben Juden und tun, was ihnen der, Talmud zu tun gebietet.“ Fehler, das Große Auge zu verlieren. Wer sein Recht fordert, seino freiheitlichen Ziele verfolgt, der muß Angriffo auch dann zurückweisen, wenn sie in Watte gewickelt sind. Wir sind in einer Situation, über dio man mit inhaltslosen Phrasen nicht hinwegkommt. Und für falsche Loyalität wird die gerechto Strafo nicht ausbloiben.“ Drohungen Streichers. Das Oktober-Heft (Nr. 48) des von Julius Streicher herausgegebenen „Stürme r“ bringt unter dem Titel „Saargebiet und Kinoprogramme der Wethe KREUZ-KINO Jubiläums-Programm: I., Wollxelli» 16 Tel. R 24-2-16 »» <1 Beginn: 4, 8/A V»8, ‘/*10 Uhr LeoDomstfldter Volkskino II. RoteimternKHBSe 7a Tfilenlion H 40-0-23 Vom 2. bis 8 November : mit Jan Klepura und Martha Eggerth Wochentags */,6, '/4s, '/,I0 Uhr, Sonn un<1 leiertURK ‘M Uhr KINO Vom VI.. Mai'ahflferslraPe 37 Telephon B 20-203 bis 5. Novenihoi: Paul Hörbiger und Grell Theimer Beginn : */,4, ‘/A ‘/A ‘/410 Uhr