Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 397 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite DIE STIMME Nr. 3i>7 — 2. November i&i4 Besuchet Eminsers Gaststätten am Praterstern! jähriges Jubiläum als Konsulent des Bundesministeriums fdr ITnterricht für Bibliothek?-, Mittelsehuhvcsen und jüdische Angelegenheiten. GASTS IÄ N E FDR JEDERMANN .. Kärtnerslra^e Nr 61 Besitzer Otto Kaserer WIENER RAIHAUSKELLER volkstümliche Preise ln allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Olto Kaserer Juden st6ren die Beflledumtsaktlnn Kenn dich aus... Etwas für den Staatsanwalt. Da flattert uns eine Flugschrift auf den Tisch, verfaßt nach dem bewährten System, antisemitische Gesinnung mit Geschäft zu verbinden. Auf der ersten Seite heißt es: „Kenn dich aus,,,“ beim Einkauf in der Mariahilferstraße! Ausgabe: Herbst 1934. Preis 15 Groschen. Teil 1. 'Mariahilferstraße vorn Getreidemarkt bis Neubaugasse. Dieser Platz verzeichnet sämtliche Geschäftsläden des angegebenen Straßenzuges und die Namen ihrer Inhaber. Die schwarz gedruckten Geschäfte sind in christlichem (arischem) Besitz, die rot gedruckten in jüdischem. Bei .gemischtem Besitz ist ein roter Punkt vor gesetzt. Gleichartige Pläne für Wiener Geschäftsstraßen sind in Arbeit. Die Erhebungen erfolgen mit allergrößter Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt. Wer dennoch eine einzelne Unrichtigkeit festzustellen vermag, ist höflichst gebeten, diese dem Herausgeber Ludwig Haberman, Wien, X., Riepeistraße 2, bekanntzugeben. Mitteilungen ohne Absenderanschrift bleiben grundsätzlich unbeachtet. Dann heißt es: „Dieser Plan ist zunächst ein Probedruck, der nur an einen geschlossenen Personenkreis ausgegeben wird, damit allfäilige Unrichtigkeiten dem Herausgeber mitgeteilt werden können, ehe -or allgemeine Druck erfolgt.“ Anschließend sind die Straßenzüge schematisch eingezeichnet und bei jeder Hausnummer sind die einzelnen Firmen unter Anga.be der Branche fein säuberlich rot oder schwarz gedruckt. Bei manchen Firmen, deren Gesellschafter nicht ausschließlich Juden sind, ist ein roter Punkt vorgesetzt. Eigentümer, Herausgeber, Verleger der Flugschrift und für den Inhalt verantwortlich ist Ludwig Haberman, Wien, X., Riepeistraße 2. Der Druck stammt von Karl Nakladal, "Wien, I., Ebendorferstraße 11. Die letzte Seite der Flugschrift ist mit Annoncen von schwarz eingezeichneten, also arischen Firmen der in der Flugschrift behandelten Straßenzüge ausgefüllt. Diese Firmen reflektieren offenbar nicht auf jüdische Kundschaften. 4 Geschäft ist Geschäft. Herr Haberman will ein Geschäft machen, indem er zwar nicht ausdrücklich, aber ganz unmißverständlich für den Boykott der jüdischen Geschäfte Propaganda macht. Eine derartige Propaganda erfolgt genau nach nationalsozialistischer Methode, ist also an sich eine verbotene Betätigung nationalsozialistischer Gesinnung. Diese Art von Propaganda steht aber auch mit strafrechtlichen Bestimmungen im Widerspruch. Wir sind nicht gesonnen, uns derartiges bieten zu lassen. Das Wort hat nun der Staatsanwalt! Die Abendausgabe der „W iener Neuest e n N a c h r i e li t e n“ vom 30. Oktober schreibt: „Nichts wäre den Juden unangenehmer,1 als eine Befriedungsaktion, die die öster reichischen Nationalen umfaßt. Die amtliche Mitteilung über die Einleitung von Be sprechungen mit nationalen Vertretern, die am Sonntag veröffentlicht wurde, haben im jüdischen Lager wie eine Bombe gc wirkt.-Das eifrige Bestreben der jü disehen Blätter, die Befriedungsaktion m i t Störungsfeuer zu belegen, verrät mit voller Deutlichkeit, wie sehr die Juden den inneren Frieden, die Verständigung zwi sehen den bodenständigen Bevölkerungs schichten zu verhindern suchen. Sie in erster Linie sind die Interessenten am Unfrieden im Lande.“ Man muß wissen, wie die „Wiener Neuesten Nachrichten“ bis zur Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuß geschrieben haben, um die jetzt geäußerten patriotischen Sorgen des Blattes, daß „die Juden“ die Befriedung Österreichs verhindern wollen entsprechend einzuschärfen. Nicht nur „die Juden“, sondern auch das christlichsoziale „N e u i g k e i t s W e 11 b 1 a 11“, weite „bo denständige“, patriotische Kreise der christlichen Bevölkerung und die den rollenden Millionen Berlins nicht zugängliche Aublandpresse sehen in den „österreichischen Nationalen“ wichtigtuerische Gruppen und Grüppchen, die sich österreichisch-patriotisch tarnen oder vorgeschoben werden, um auf diesem Wege zu erlangen, was den Drahtziehern in München und Berlin mit Böllern und Höllenmaschinen nicht gelungen ist. Noch viel schärfer äußert sich die „Reichepost“ über die Angelegenheit. Sie erklärt, daß die bei der Regierung erschienenen Personen unmöglich als Nationalsozialisten „verhandeln“ konnten, da es doch Vertreter jener politischen Richtung seien, deren Organe noch vor vier Monaten mit ganz anderen Absichten und zu ganz anderem Zweck im Bundeskanzleramt erschienen sind. Das Blatt hält diesen Gruppen und Personen vor, daß sie sich weder von dem Nationalsozialismus, noch von der Terrorpolitik distanziert hätten. E3 handle heute sich nicht um ein Bekenntnis zur Nation, sondern zu Österreich. Diese Ausführungen des führenden po- RESTAURANT ROTH 11., PratersfraBe 94 Tal. R 47-0-41 empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: SuoDe.fasch.Lungenbraten, Gern., Mehlspeise S —*95 Suppe. Braten, Gemüse. Mehlspeise . S 1*30 Suppe. Braten oder '/4 Huhn, Gemüse, Kompott. Mehlspeise.S 1*60 Kalbs- und Rindsbraten ä la carte . . . S —*90 10 dkg gebratenes Gansl.S -*39 litischen Organs lassen genau erkennen, wer ein Interesse daran hat, die Befriedung Österreichs zu sabotieren. Die Juden haben es nicht nötig gehabt, zur Regierung zu lau fen und ihr vaterländisches Empfinden, ihre bedingungslose Loyalität zu beteuern. Es gibt niemanden, der daran zweifeln würde Aber wer immer wieder hetzt und schürt und immer wieder den Feuerbrand der Rassenpolitik in das österreichische Vaterland werfen will, das sind die Kreise, deren Repräsentanten bis zum 25. Juli und bis zur Einsetzung der Militärgerichte die Blätter und Personen gewesen sind, die sich vaterländisch tarnen und denen es auf einmal dringlich wird, Posten zu erhalten. Wir wollen nur zwei Porträts der Menschen bringen, die Österreich „befrieden“ wollen: Zwei kleine Porträts: Nr. 1 ist Herr Dr. Walter Rieh 1, der zwar mit Habicht böse, sonst aber Nationalsozialist ist. Er nimmt sogar für sich das Recht in Anspruch, der Gründer des Nationalsozialismus zu sein und diesen schönen Namen lange vor Hitler erfunden zu haben. Nr. 2 Ist Herr Ing. R e i n t h a 1 e r, den Hitler seinerzeit taxfrei zum österreichischen „Bauernführer“ ernannt hat und der mit dem Leiter des Rutsches vom 25. Juli, Dr. Wächter, der Reichstagseröffnung in der Berliner Kroll-Oper beiwohnte. Näheres hierüber in dem von der österreichischen Regierung herausgegebenen Braunbuch. Derselbe Ing. Reinthaler hat kürzlich in Salzburg eine „Nationale Aktion“ gegründet, die behördlich verboten wurde. Ingenieur Reinthaler hat auch ein Programm dieser „Nation a- 1 e n Aktion“ ausgearbeitet, dessen Endphase die Aufhebung dos Verbotes der nationalsozialistischen Partei und der Einzug nationalsozialistischer Minister in die Regie rung sein sollte. Einem ähnlichen Trick ist seinerzeit Hugcnborg zum Opfer gefallen und mit ihm die Deutschnationalen im Reich. Der Erfolg Ilugcnbcrgs ist bekannt. Er hieß Hitler. Die österreichische Regierung will nicht das Schicksal Hugenbergs teilen. Sie will Österreichs Selbständigkeit erhalten und sic weiß: Wer vom Nationalsozialismus ißt, stirbt daran. Die „Wiener Neuesten Nachrichten“ aber verdrehen entzückt die Augen und schimpfen auf „die Juden“, um darüber hinwegzutäuschen, daß die von den „österreichischen Nationalen“ der Regierung kredenzte schwarz-weiß-rote (oder gar schwarzrot-goldene?) Pastete, genannt Befriedungsaktion, braune Giftbazillen enthält. Diese Bazillen wirken rasch und sicher. Niemand hat Appetit darauf, auch nicht die „bodenständigen“ Bevölkerungsschichten. Kein vernünftiger Mensch kann also glauben, was die „W iener Neuesten Nachrichten“ auf Seite 1 in großer Aufmachung verzapfen. Wer es aber dennoch glaubt, der merkt die Absicht und wird verstimmt, wenn er auf Seite 5 desselben Blattes an unauffälliger Stelle liest: min r i UND ANGELEGENHEITEN FDR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HA'iFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTUR-BORO" AN DIE REDAKTION DER .STIMME" „Die Wiener Burschenschaft ,Ostmark*, eine der bedeutendsten n a t i o-> n a 1 e n Korporationen (Sperrdruck von uns und nicht in den „Wiener Neuesten Nachrichten“. Die Red.) wurde vorn Bundeskanzleramt auf Antrag der Polizei aus staatspolizeilichen Gründen aufgelöst.“ Warum so verschämt? Andere Zeitungen wußten mehr zu berichten. Die Burschenschaft „Ü s t m a r k“, eine der bedeutendsten nationalen Korporation e n, hat unter den nationalsozialistischen Terrorbanden eine der bedeutendsten Rollen innegehabt. Eine Reihe ihrer Mitglieder waren tüchtige — Boinbenwerfer, Komitadschis der Münchner Mörderzentrale. Die „Wiener Neuesten Nachrichten“ lieben den Ausdruck „Jüdischer Dreh!“ Was sie verzapfen ist wohl „Nordische List“. Die Burschen lind Füchse einer wohlhonorigen deutschen Burschenschaft „Ostmark“ waren tüchtige Böllerfabrikanten und Bombenwerfer. Sie würden es sicher ebenso gut verstehen, vor dem Bundeskanzleramt Friedensschalmeien zu blasen, wenn — ja, wenn man sie nicht eingesperrt hätte. Aber die „Ostmark“, sagen die „Wiener Neuesten Nachrichten“ auf Seite 5, war eine der bedeutendsten nationalen Korporationen“ und auf Seite 1 sagen sie: „Sie (die Juden) sind die Interessenten am Unfrieden im Lande.“ Jerusalem (Palcor). Nach den von dem Einwanderungsdepartement der Jewish Agency gesammelten Ziffern sind augenblicklich in der Diaspora nicht weniger ais 120.000 junge Leute in den verschiedenen Chaluzorganisationen or ganisiert. 30.000 Mitglieder dieser Organi sationen befinden sich augenblicklich auf Hachschara und bereiten sich für die Ein Wanderung nach Palästina vor. Allein in Polen (einschließlich Galiziens) gibt es insgesamt fast 700 Hachscharagruppen, in denen die Mitglieder der Chaluzorganisa tionen ihre Hachschara durchmachen. In Polen besteht ferner eine besondere Chaluz Organisation von Handwerkern und gelern ten Facharbeitern, „Haowed“, mit mehr als 8000 Mitgliedern, die eine besondere kulturelle und soziale Vorbereitung durchmachen Neben den auf Hachschara befindlichen Chaluzim sind in den Palästina-Ämtern der einzelnen Länder auch mehrere tausend Einwanderer anderer Kategorien registriert, die Zertifikate fordern und den gesetzlichen Einwanderungsvorschriften entsprechen. Nach den Ziffern des Jerusalemer Einwanderungsdeparteanents warten augenblicklich in den Diasporaländern auf die Einwanderung auf Grund von Zertifikaten mindestens 65.000 bis 70.000 Personen, ohne Berück sichtigung ihrer Familienangehörigen. Arabern in Jerusalem Jerusalem Jerusalemer (Palcor). Stadtrat Die Wahlen zum haben anscheinend zu einer ernsten Spaltung innerhalb der arabischen Oppositionspartei geführt. Die Tatsache, daß der bisherige Jerusalemer Bürgermeister und Führer der Oppositionspartei, Ragheb N as ch a s c h i b i, bei den Wahlen nicht durch einen Parteigegner, sondern durch seinen bisherigen Parteigenossen, Dr. C h a 1 d i, besiegt worden ist, mußte zu einem Riß in der arabischen Opposition führen. Im Hinblick auf die Gefahr, gleichzeitig mit dem Bürgermeisteramt auch die Führung seiner Partei zu verlieren, berief Naschaschibi vor einigen Tagen eino Konferenz der Führer der Oppositionspartei nach Jaffa ein. Die Konferenz zeigte jedocl den inneren Riß innerhalb der Opposition noch deutlicher. Von den arabischen Bürgermeistern des Landes, die sich fast ausschließlich aus dem Lager der Oppositionspartei rekrutieren, erschienen nur drei. Die übrigen achtzehn waren nicht anwesend. Auch die Jugendgruppen und die neugeschaffene Arbeiterorganisation, die unter dem Patronat der Oppositionspartei entstanden .ist, erschiruien j. nicht zur Konferenz. Auch von seiten mancher Oppositionsführer, die sich an der Konferenz beteiligten, mußte sich Ragheb Naschasehibi den Vorwurf anhören, daß er die Führung der Partei zu Zwecken der persönlichen Karriere benütze und daß er sie nur dann belebe, wenD er sie persönlich brauche. Trotzdem hat die Mehrheit der Erschienenen die Stellung Naschaschibis gestützt und seinen Vorschlag angenommen, die Aktivität der Oppositionspartei zu stärken, baldigst eine allgemeine Konferenz zur Behandlung der Frage des Legislative Counc i J einzuberufen und Neuwahlen zum Obersten Moslemischen Rate zu fordern, der jetzt ein Werkzeug in der Hand des Mufti sei. Die Konferenz beschloß ferner, den Überwinder Naschaschibis bei den Jerusalemer Wahlen, Dr. Chaldi, aus der Oppositionspartei u u sz ii schließen. * Minner rttätllrt) em^foljlcn @<merE>vumt Die Flagge Palästinas Jerusalem (Palcor). In der letzten Zeit ist eine ganze Reihe jüdischer Gesellschaften entstanden, die eine direkte Schiffsverbindung zwischen Palästina und den verschiedenen: europäischen Häfen herbeiführen wollen. Im Zusammenhang hiermit ist dio Frage der Registrierung der Schiffe dieser Gesellschaften ala palästinensische Schiffe und ihro Versorgung mit Navigationszougnisson der palästinensischen Haferibohörde aufgetaucht. Die Exekutive der Jewish Agency hat sich ln dieser Frage mit der Palästina-Regierung in Verbindung gesetzt. In den Verhandlungen ist festgestellt worden, daß dio bestehenden Gesetze ausreichen und dio Registrierung der Schiffe ermöglichen. Dio Regierung hat der Hafoubehörde dio erfor lerlichen Weisungen erteilt. Die Schiffe, die in den palästinensischen Häfen registriert werden, sollen dio offiziell© Fahne P a 1 ä s t i n a s führen. Nach einem bereits vor oinL'cn Jahren erlassenen Gesotz wird als Fahne Palästinas dio F a h n c Großbritanniens mit der englischen Aufschrift „l’aläit.ina“ angesehen werden; die Aufschrift wird in einen). Kreis in der Ecko der Fahne stellen.