Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 397 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20g V. b. b. Heute 10 Seiten stark JÜDISCHE ZEITUNG The ASHRAI BANK Coop.Soc.Ltd. P. 0. B. 119, Telephone 963-964 (able Addresse: „ASHRAIBANK" Tel-AVIV TEL AVIV nmiiHHiiHiiimiiimumiHiiiiMiMiimMimmriMuiiiiiiMiimmümrimHmniuiiiimmmimimtiitmiim ~=~ 1 Ausführung sämtl. Bankgeschäfte | -iimmifimfiriHHimiimiimiimiiinmiimimminirriMimimminmiinfiMimMiiiininimmnimiiMuin I The I | PALESTINE ASHRAI BANK LTD. | 1 Hadar Hacarmel | 1 P. 0. B. 950, Telephone 344 | I (able Addresse: „ASHRAIBANK" HAIFA | M HAIFA I 51 Nr. 397 | Wien, *. November 1934 I SS., asShtS f (»4 Cheschwan 5695) | 8. Jahrgang Präsident Dr. Friedmann in den Staatsrat berufen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii it dem 1. November ist die neue österreichische Verfassung in Kraft getreten* Schwere politische Kämpfe, die den Staat bis nahe an die Katastrophe heranbrachten, hat es gekostet, ehe der erste Akt zu dem Erneuerungswerk vollendet werden konnte. Es mußten die Parteien, die die Bevölkerung ln starre, politisch fast bewegungslose .Gruppen teilten, erst beseitigt werden, ehe die neue Ordnung ihre erste Etappe er- Staatsrat Dr. Desider Friedmann , , >*;V + | '» Reichte. Nun hat der Bundespräsident die Berufung der Mitglieder des Staatsrates, des Kulturrates und des Wirtschaftsrates vollzogen. Diesmal noch auf Grund von Erkennungen; in einem späteren Zeitpunkt wird sich die Zusammensetzung dieser Körperschaften, die durch Delegationen den Bundesrat zu bilden haben, auf Grund von Gesetzen vollziehen. Bei der Auswahl der Mitglieder des Staatsrates wurden die Bestimmungen der Verfassung genau beobachtet, die da besagen, daß in diese Körperschaft der Bundespräsident auf die Dauer Von zehn Jahren verdiente charaktervolle Bürger beruft, von denen nach ihrem bisherigen Verhalten und nach ihren bisherigen Leistungen volles Verständnis für die Bedürfnisse und Aufgaben des Staates zu erwarten ist. Die Funktion des Staatsrates ist die Prüfung der Regierungsentwürfe zum Zweck der Wahrung der Gomeininteressen und die Genehmigung politischer Staatsverträge mit gesetzänderndem Charakter. Der Staatsrat ist somit die eigentliche politische Körperschaft. Unter den für diese zweite Kammer Ausgewählten befindet sich der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgomeinde Dr. Desider F r i o d m a n n. Die Regierung hat erkannt, daß dieser Mann die pezialverkehr | nach Palästina Gütertransporte, Llftvans-Ubersiedlungen Ullmann, Rink 9t Co. Wien 4 Kurrentg. 12 Tel. U 22254 Voraussetzungen erfüllt, die die Verfassung vorschreibt, und die jüdische Bevölkerung Österreichs nimmt seine Ernennung mit Genugtuung auf. Sie begrüßt es, daß der Kämpfer für jüdisches Recht, der Zionist von Rang und Ansehen, in den Staatsrat berufen ist. Der Bundeskanzler hat die Inkraftsetzung der Maiverfassung mit einer Rundfunkrede eingeleitet. Er betonte die Gleichheit aller vor dem Gesetz und führte weiter aus, daß jeder in diesem Staate die gleiche Möglichj keit haben müsse, zur Verantwortung und auch zum Tragen der Verantwortung zu gelangen. Man darf mit vollem Recht diese grundsätzlichen Erklärungen als Bekenntnis zur Demokratie auffassen, auch wenn sie in einer neuen und bisher noch unerprobten Form erscheint. Die jüdische Bevölkerung hat immer gern und selbstlos an dem Gedeihen dee Staates mitgewirkt. Sie nimmt gern Anteil an der Verantwortung. Sie hat einen ihrer Besten an die-. Spitze ihrer Gemeinschaft gestellt, und es erfüllt sie mit hoher Befriedigung, daß die Regierung dies wahrgenommen hat. Dr. Friedmann ist vom Vertrauen der Mehrheit, der national gerichteten Mehrheit der Wiener Judenschaft auf seinen verantwortungsvollen und schwierigen Posten gestellt worden; die Umsicht und Klugheit, mit der er die Gemeinde führt, hat ihm das Vertrauen aller Kreise erworben. Die Regierung anerkennt dieses Wirken, indem sie ihn jetzt in die höchste Körperschaft berufen hat. Darin spricht sich auch die Anerkennung aus, daß die Beschäftigung mit den Sorgen der jüdischen Gemeinschaft, die Wahrnehmung und Förderung ihrer Interessen in die Kriterien fällt, welche die Verfassung als Vorbedingung für die Mitgliedschaft zum Staatsrat aufstellt. Er arbeitet für das Volk, in das er hineingeboren worden ist, und er widmet sein Wissen dem Staat, in dem er lebt, aus der guten bürgerlichen Überzeugung heraus, daß das Wohl aller das Wohl des einzelnen ist und daß Treue und Ergebenheit für den Staat mit der Treue für das eigene Volk in engster Verbindung sein muß. Das ist strenge und eindeutige Logik, es ist auch ehrenhaftes Denken. Nichts anderes als die vorbildliche Tätigkeit in seinem Amt hat die Regierung zu ihrem Vertrauensbeweis für Dr. Friedmann veranlaßt. Er tritt in den Staatsrat auf Grund seiner persönlichen Eignung, bleibt aber auch in dieser neuen Eigenschaft Sachwalter der jüdischen Bevölkerung. Dr. Friedmann gehört der Zionistischen Weltorganisation au. Überall in der Welt, wo Juden um die Renaissance des jüdischen Volkes bemüht sind, hört man auf sein Wort. Die Zionistische Weltorganisation schult auf der ganzen Welt jüdische Männer in dor Verwaltung, sie lehrt sie die Arbeit für die größere Gemeinschaft, sie schließt sie als dienendes Glied dem Ganzen an. Aus dieser Schule, die den Blick ins Weite, auf die Welt richtet, kommt Dr. Friedmann, in ihr hat er seine Fähigkeiten ausgebildet, und mit der Anerkennung dieser charakterbildenden Herkunft ausgestattet, kommt er in den Staatsrat, der in Österreich das ruhige, beharrende und in öffentlichen Dingen sachkundige Element darstellt. Es ist oft von Gegnern des Zionismus über den doppelten Patriotismus des Zionismus gespottet worden. Die hämische Unterstellung, die darin liegt, ist wiederholt durch die Tatsachen entkräftet worden. Der Vorschlag des Bundeskanzlers, den Zionisten Dr. Friedmann für den Staatsrat zu ernennen, räumt mit diesem Spuk auf, und er schließt sich folgerichtig der vor kurzem erfolgten Berufung des Zionisten Dr. Ehrlich in den Rat der Stadt Wien an. Der Zionist ist staatstreu und volkstreu. Bundeskulturrat Hofrat Dr. Frankfurter _I In den Bundeskulturrat ist als Vertreter der israelitischen Religionsgenossenschaft der gewesene Leiter der Universitätsbibliothek Ho f ra t Dr. Salomon Frankfurter berufen worden. Auch seine Ernennung ist ein glücklicher Akt der Bundesregierung, die in ihm einen wertvollen und kenntnisreichen Mitarbeiter an dem Kulturwerk erhält. Er ist ein Historiker von Weltruf, ein namhafter jüdischer Gelehrter und dem modernen jüdischen Leben eng verbunden als Kurator des von seinem Onkel, dem unvergeßlichen Oberrabbiner Doktor Chajes, dem Führer und Großen in Israel, geschaffenen Chajes-Gymnasiums. Ein vornehmer, im besten Sinne konservativer, in den Traditionen österreichischen Beamtentums erzogener Mann, wird Hofrat Doktor Frankfurter das Judentum würdig repräsentieren. ¥ Slaalsval Dokiov Desider Friedmann Der in den Staatsrat berufene Dr. Friedmann wurde 1880 in Boskowitz (Mähren) als Sohn eines angesehenen jüdischen Kaufmannes, der durch Jahre das Amt eines Kultusvorstehers dieser alten Gemeinde innehatte, geboren und genoß eine gute jüdische Erziehung. Er besuchte das Gymnasium in Brünn, wo er unter Leitung hervorragender Lehrer sein jüdisches Wissen erweiterte. Nach Absolvierung der Wiener Universität und des Gerichtsjahres war er als Anwärter in der Kanzlei des berühmten Verteidigers Dr. Viktor Rosenfeld tätig. Dr, Friedmann gehörte vom Beginn seiner Aus dem Inhalt: Am 2. November 1917 wurde die Balfosir-Deklaraüon erlassen. (Seite 3) Die Fälschungen der »Protokolle der Weisen von Zion« entlarvt. Ausführlicher Bericht unseres Spezial« korrespondenten über den Prozeß in Bern im Innern des Blattes. Studentenzeit der zionistischen Bewegung an. Er war Präsident des Verbandes der mährischen jüdischnationalen Verbindungen und Mitglied der Wiener zionistischen Verbindung „Libanonia“. In der Wiener zionistischen Bewegung steht er seit vielen Jahren in den vordersten Reihen, war wieder«', holt Präsident des Zionistischen Landesko- mitees für Österreich, Delegierter bei den - zionistischen Kongressen und Mitglied des-1 Kongreßgerichtes der Zionistischen Weltorganisation. In der Gründungsversammlung des Councils der Je wich Agency wurde er zum Mitglied gewählt. Dr. Friedmann ist seit zwölf Jahren ununterbrochen Kultus Vorsteher und bekleidete in der schweren Zeitperiode 1920 bis 1924 das Amt eines geschäftsführenden Vizepräsidenten. Nach dem zionistischen Kultuswahlsieg im Dezember 1932 wurde Dr. Friedmann einstimmig zum Präsidenten der Kultusgemeinde gewählt. Auch als Rechtsanwalt genießt Doktor Friedmann große Wertschätzung; er ist seit Jahren Mitglied des Disziplinarrates der Wiener Rechtsanwaltskammer. * Bundeskulturrat Hofrat Pro* fessor Dr, Frankfurter wurde am 9. November 1856 in Preßburg geboren. Er trat 1884 in den Dienst der Wiener Universitätsbibliothek und war in den Jahren 1919—1923 deren Direktor. Er ist einer der Gründer des Vereines der Freunde des humanistischen Gymnasiums und Präsident des Jüdischen Museums sowie Präsident des Kuratoriums des hebräischen Chajes-Realgymiiasiums in Wien. Er ver* öffentlichte Werke auf verschiedenen Gebieten der Archäologie lind Epigraphdk, der Pädagogik, der Geschichte und der Bibliographie, darnnter eine Arbeit über „Hebräische Büchertitel“ (1906) und über „Das alt jüdische Erzie-i h ii ii g s wesen im Lichte moderner Bestrebungen“ (1910). Hofrat Frank« furter feierte kürzlich sein fünfundzwanzig« Vil., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTRASSEÜ aSaBBSSHMMBaaiiniiMHiHSSSSSaSS ■gScfafia