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Die Stimme · 1934-10-30 · Heft 396 (30.10.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 396 (30.10.1934)
Date
1934-10-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 896 — 80. Oktober 1984 011 STIMM! fette 3 Ttlf Die Millionen dies Baron Hirscß Kürzlich fand in London die Generalversammlung der J. C. A. (J e w i s h C o 1 o n ieation Association) «statt, bei welcher der sechs undsiobzlgjährige Sir Leonard L. Cohen alä President demissionierte. An seine Stelle trat Sir 0 firn o n d d’A vigdor-Goldemtd. Der abtretonde Präsident berichtete über die Tätigkeit der J. C. A. in Südamerika, Palästina, Polen, Rumänien und Kanada und erwähnte, daß die jüdischen Siedler in Argentinien 265.000 Hektar Land bearbeiten und daß die von ihnen erzielte Ernte im letzten Jahr einen Weit von 863.087 Dollar hatte, um 89.000 Dollar mehr als im Jahre 1982. Er referierte Uber die von der J. C. A. patroniaierten Kreditkaseen in Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Tschechoslowakei und Türkei. Es gibt derzeit 580 Kreditkassen mit 207.615 Mitgliedern. Diese Tätigkeit der Kreditkassen wurde auch auf Estland, Litauen, Lettland, Österreich, Palästina, Polen und Beesarabien ausgedehnt. Ähnliche Kreditkassen werden auch in Deutschland gegründet. Derzeit bestehen dort bereits 42 derartige Kassen. Sir Cohen referierte auch über das Hilfswerk für die deutschen Juden und die Kooperation mit dem vom Völkerbund eingesetzten hohen Konunteeär für die Flüchtlinge. Soweit könnte man annehmen, daß alles in bester Ordnung eei. Durch eine Zuschrift von J. Brutzkus in ,,The Je wich Chropicle“ wird man aber einigermaßen nachdenklich gestimmt. Wir hören da nämlich, daß die Verwaltung des ganzen Vermögens liier J. C. A. zu einer, wie wir meinen, berechtigten Kritik Anlaß gibt. Brutzkus erinert daran, daß die J. C. A. ^ron Baron Maurice de Hirsch im Jahre 1891 gegründet wurde, um den Juden im Osten Europas zu helfen. Das Anfangskapital der J. C. A. waren zwei Millionen Pfund Sterling, wozu Baron Hirsch später noch eine Schenkung von aiii t .„$41! * 9 P en Pfund hinzufügte. Dieses Kapital eollte für die Aneiedmng russischer Juden in Argentinien dienen und es wurden tatsächlich in den Jahren 1892 bis 1897 in Argentinien qOOO jüdische Familien angesiedelt. Im «jahre 1896 starb Baron Hirsch und vermachte. die Aktien der J. C. A. den jüdischen Gemeinden von Brüssel, Berlin und Frankfurt, sowie der Anglo Jewish Association in London. Jeder dieser Erben erhielt 5000 Aktien. 1 Nach dem Tode des Baron Hirsch ließ iie Aktivität der J. C. A. nach. Ihre Geschäftsführung vollzieht sich seither eozuigen unter Ausschluß der Öffentlichkeit, tuch der finanzielle Status ist nicht begannt und er scheint nicht gerade hervor- ^end zu sein. Die Zahl der jüdischen Ansiedler in Argentinien at seit 40 Jahren nicht zugeo m m e n und Experimente der J. C. A. verschiedenen anderen Ländern haben fchiffbruch erlitten. Das jüdische Volk, der eigentliche Erbe der Millionen dee Baron Hirsch, weiß nicht, was mit diesen Millionen geschieht, die zum Beispiel bei dem Elend der Juden in Deutschland und Polen gut zu verwenden wären. Brutzkus besuchte das Büro der J. C. A. in London, konnte aber nur die Finanzberichte seit dem Jahre 1928 erhalten. Daraus konnte er ersehen, wer jetzt die Aktieninhaber sind. Nach dem von Baron Hirsch hinterlaesenen Testament ist die Übertragung der Aktien an dritte Personen ausdrücklich verboten. Zu seinem Erstaunen stellte Brutzkus fest, daß fast die Hälfte der Aktien Eigentum von vier Personen geworden ist. Brutzkus meint, daß es sich zwar um ehrenwerte Personen handelt, daß aber der letzte Wille des Baron Hirsch nicht respektiert wurde. Wie oben angegeben wurde, hat Baron Hirsch der J. C. A. zwei Millionen Pfund als Anfangskapital und acht Millionen Pfund nach seinem Tode zukommen lassen. Von seinem Verlassenschafts vermögen erhielt der englische Staat an Erbschaftssteuer 1 lA Millionen'Pfund. Nach dem letzten Finanzberichte besaß die J. C. A. am 1. Jänner 1933 nach den damaligen Kursen Bonds, die einen Wert von 4,289.000 Pfund betragen. Der Kassäst a n d betrug 250.000 Pfund, der Wert der Ländereien in Argentinien und anderwärts, sowie die Höhe der Forderungen an die Kolonisten in Argentinien beliefen sich auf 3,379.000 P f u n d. Während des Krieges hatte die J. C. A. Verluste in der Höhe von 661.000 Pfund. Diese verhältnismäßig geringen Verluste gehen auf die ausdrückliche testamentarische Bestimmung des Stifters zurück, daß Anlagen nur in Regierungsanleihen Englands, Frankreichs, Belgiens, Hollands, der Schweiz, Deutschlands und der Vereinigten Staaten gemacht werden müssen. Man sieht also, daß Baron Hirsch die Zukunft weise vorausgesehen und das Kapital der J. C. A. vor weitgehenden Entwertungen durch Inflation geschützt hat. Die Anlagen ln österreichischen Werten hat Barpn Hirsch ausgeschlossen. Das in Österreich für die jüdischen S c h u 1 e n i n Galizien hinterlegte Kapiatl ist bekanntlich auch durch die Inflation verloren gegangen. Baron Hirach wollte, daß sein Kapital so rasch als möglich Kolonisationszwecken zugeführt wird und dacht© nicht an dauernde Anlagen. Er wollte, daß die Hälfte des Kapitals für Bodenkauf und die zweite Hälfte für Ansiediungszwecke verwendet wird. Trotzdem beschränkte sich die Verwaltung der J. C. A. darauf, nur die Zinsen des Kapitals zu verwenden und im Jahre 1921 erwirkten die Verwalter eine gerichtliche Entscheidung, wonach es ihnen gestattet ist, das Kapital nach ihrem Gutdünken wohltätigen Zwecken zuzuführen. Seither fand eine Anlage des Kapitals in Eisenbahnpapieren verschiedener Länder, in Hypotheken usw. statt. Der letzte Wille des Baron Hirsch wurde also verletzt und es ist zweifelhaft, ob die erwähnten Gemeinden, welche die Aktien erbten, von diesen Schritten der Verwaltung der J. C. A. überhaupt Kenntnis haben. Nun berichtet aber Brutzkus über ein ganz ungeheuerliches Faktum. Im Jahre 1927 gaben die Direktoren der J. C. A. der russischen Regierung vier Millionen G.o 1 d d o 11 a r, wogegen sich die russische Regierung verpflichtete, dieses Geld jüdischen Kredit kooperativen in Rußland als Darlehen zu geben. Bald darauf aber liquidierte die russische Regierung diese Kreditgenossenschaften, eignete sich diese vier Millionen Dollar an und gab das Geld nicht zurück. Hier wurde, wie Brutzkus sagt, gegen die ausdrücklichen Bestimmungen der J. C. A. gearbeitet und es ist die moralische Verpflichtung der jüdischen Gemeinden von Brüssel, Berlin, Frankfurt und London auf die genaue Einhaltung des Testamentes und auf die Aufhebungen der 1921 von. den Direktoren veranlaßten Bestimmungen zu drängen. Wir möchten darüber hinaus noch sagen, daß diese Transaktion der J. C. A. unverantwortlich ist. Die Direktoren müssen mit Blindheit geschlagen gewesen sein, wenn sie annabmen, daß die heutige russische Regierung bereit gewesen sei, den Juden in Rußland, zu helfen und ihnen durch Kreditgewährung zu Existenzgründungen usw. zu verhelfen. Man stelle sich vor, wie heute Palästina aussehen könnte, wenn vier Millionen Go.lddollar, das waren fast 30,000.000 Schilling, dem Keren Kajemeth übergeben worden wären, um in Palästina Boden zu kaufen und neue Siedlunge« punkte zu erschließen. Es ist gar nicht auszudenken, welchen Aufschwung Palästina genommen hätte und um wieviel gesünder dio heutige Wirtschaftslage Palästinas wäre, wenn durch Landkäufe für vier Millionen Goktdollar die Bodenspekulation eingedämmt worden wäre. Die Direktoren der J. C. A. haben cs, wie Brutzkus schreibt, zu verantworten, daß das jüdische Volks vermögen um vier Millionen Golddollar geschädigt wurde. Die J. C. A. besitzt aber heute noch ein Kapital von Wi Millionen Pfund. Die Judennot ist aufs äußerste gestiegen und die J. C. A. kauft und verkauft Wertpapiere und verwendet nur die Zinsen für ihre statutarischen Zwecke, Hier ist eine; Angelegenheit, welche das ganze jüdische Volk angeht und ee müssen Mittel und Wege gefunden werden, um eine weitere bürokratische Verwaltung der 4% Millionen Pfund zu verhindern und dio Verwendung des das notleidende Galuth und für sichern. Kapitals für Judentum der Palästina au Latzhi-Bertholdt gegen die ICA* leltung Warschau, 26. Oktober. (2. T. A.) Lt jetzt in Warschau weilende bekannte jüdische Politiker und Publizist W. Latzki- Bertholdi richtete in einer Pressekonferenz scharfe Angriffe gegen die JCA und fragte, warum nicht jüdische Emigranten jetzt auf JCA-Boden in Argentinien angesiedelt werden. Die JCA besitzt heute noch in Argeni tinien 100.000 Hektar guten Bodens, den sie an Italiener verpachtet, statt daß sie die jüdische Kolonisationsarbeit fortführt. Latzki kündigte das Zusammentreten einer Konferenz der jüdischen Emigranten- Hilfsgesellschaften Polens. Lettlands und Der Verband jüdischer Ingenieure und. Techniker für den Aufbau Palästinas gibt tiefbetrübt Nachricht von. dem Hinscheiden seines Ebreftmitgliedes und Mitbegründers, des Herrn Johann Kremenezky Die unvergänglichen Verdienste des Verblichenen um den Verband sichern ihm ein ehrendes Gedenken. Der Keren Kajemeth Oesterreich gibt hiemit Kenntnis vom Heimgang Johann Kremenezkys des Schöpfers des Keren Kajemeth, seines ersten Direktors und Organisators, dessen Herz am Donnerstag, den 25. Oktober 1934, %4 Ubr nachmittag«, zu schlagen aufhörte. Sein Name bleibt für alle Zeiten mit unserem Werke verbunden* Seine irdische Hülle wurde Sonntag, den 28. November, um 12 Uhr mittags, su Grabe getragen. Am 25. Oktober 1934 verschied nach kurzem Krankenlager im 86. Lebensjahre unser innigstgeliebter, fürsorgender Vater, Großvater und Bruder, Herr Johann Bürger der Stadt Wien, Ehrenbürger der Technischen Hodisdiule Wien, Ehrenbürger der Stadt Tel-Aviv. Die Beerdigung hat Sonntag, den 28« d. M., stattgefunden. Lotte Heymann, geborene Kremenezky, Josef Kremenezky, Alexander Kremenezky, Theodor Kremenezky als Kinder. Anne Marie Kremenezky als Schwiegertochter. Sämtliche Enkelkinder und Anwerwandte. 23482348232323485353482323484853234853485323534823535348485353535323235323530200000201010102480002000200005353230201000002234848235300010002535348535348532348234801000100010001010000000102000200000101000002000201000100010202010208000100

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