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Die Stimme · 1934-10-30 · Heft 396 (30.10.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 396 (30.10.1934)
Date
1934-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Salt« 4 DU ITIMMI Vir. 890 — 80. Oktober 1W4 Werk des Friedens m ermöglichen. Wir appellieren an alle Parteien, daß sie ungesäumt den Burgfrieden bis zum nächsten Kongreß pro klamieren mögen, denn sonst kann das Werk des Friedens nicht gedeihen. An alle Arbei ter Palästinas möchten wir den Mahnruf richten, den Dizengoff in erschütternder Weise auegestoßen hat: ,,Ver f 1 uch t sei, wer die Hand erhebt gegen seinen Nächsten!“ Der VEREIN ZUR AUSSPEISUNG FÜR DIE BEZIRKE XII BIS XV sucht für einen Küchenbetrieb eine vollkommen versierte, alleinstehende KÖCHIN jüdischer Konfession, die aacfa in der Speisenver* leilun? geschult ist. Vorzustellen ira Sekretariat, XV., Herklotzgasse 21, von 16 bis 18 Uhr nachm. Zum Berner Prozeß Eine Äußerung von Medizinalrat Dr. Isidor Schalit. In der Wiener „Sonn- und Montagszeitung“ äußert sieb Medizinalrat Dr. Isidor Schalit über den bevor stehenden Berner Prozeß, in welchem die Fälschung der sogenannten ,.Pro tokolle derWeisen von Zion“ festgestellt werden soll, unter anderem wie folgt: Der ganze Kongreß spielte sich in Basel vor der großen Öffentlichkeit ab und konnte von jedermann kontrolliert werden. Die Sitzungen fanden vom 29. bis zum 31. August 1897 im Baseler Stadtkasino statt. Da dieses Gebäude in erster Reihe für Musikauf führungen geschaffen wurde, gab es darin gar keine abgesonderten und absperrbaren Räume, die zu Privatkonventikeln hätten benützt werden können. Alle Beratungen sind entweder rm Plenum oder — mit Rücksicht auf die Vielfältigkeit der beim Kongreß erschienenen Ländervertreter — in den Sitzungen der sogenannten Landsmannschaften abgehalten worden. Im Aufträge Herzls habe ich, der mittlerweile gestorbene Dr. Albert Donreich und der jetzige Direktor des Jewish Colonial Trust in London, Berthold Feiwel, den Kongreß organisiert. Herzl bewohnte ein bescheidenes Zimmer im Hotel „Drei Könige“, ich selbst wohnte im Hotel „Zum Storch“, Keiner der beiden Räume war auch bei weitem geeignet, eine Konferenz abzuhalten, und wir dachten auch niemals daran. Es nahmen aber auch drei Christen an dem Kongreß teil, und zwar der englische Oberstleutnant Bentwich aus London, der Seelsorger der Wiener englischen Botschaft Rev. Hechler und der deutsche Schriftsteller Freiherr v. ManteuffeL Sollte also der Kongreß die Absicht gehabt haben, eine jüdische Weltverschwörung zu organisieren, so hätten diese drei Persönlichkeiten daran ebenfalls Anteil gehabt. Die stenographischen Protokolle wurden vor einer Kommission geführt, der der beeidete Kammerstenograph des Wiener Reichsrates und spätere Direktorstellvertreter des reiobsrätUohen Stenographenbüros, kaiserlicher Rat Dr. Broch, und als Revisor der spätere Hofrat Dr. Taussig angehörten, zwei Persönlichkeiten, deren Name für die Authentizität des Textes in jeder Beziehung bürgt. Die Protokolle sind dann von mir herauqgegebem worden. Sie liegen hier bei mir. Das Umschlagblatt, das Sie hier sehen können, weist folgende Beschriftung auf: Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des I. Zionisten-Kongresses gehalten zu Basel vom 29./31. August 1897. Wenn Sie auch nur ein Wort über Weltversohwörung oder überhaupt über Politik darin finden, dann haben die Gegner recht. Sie enthalten aber nichts anderes als die Reden und Gegenreden der verschiedenen zionistischen Richtungen bei der Erörterung des Herzischen Programms, Medizinalrat Dr. Schalit als Kronzeuge. Da meine führende Rolle bei der Einberufung und bei der Organisierung des Kongresses, weiters bei der Herausgabe der Protokolle dem Gericht, bekannt ist, wurde ich schon vor Monaten amtlich aufgefordert-, über dos Prozeßtheana auszusagen. Meine schriftlichen Äußerungen Jiegon bereits dem Gerichte vor und ich werde im Prozeß als einer der wichtigsten Zeugen figurieren. Da mit glaube ich den dreißigjährigen Streit um die „Protokolle der Weisen von Zion“ endgültig abschließen zu können. Aus der jüdischen Presse Weizmann — ein Maximalst Im „Nowy Dziennik“ schreibt L. R.: »ln den Reden von Weizmann und Brodetsky kommt eine scharfe Polemik zum Vorschein und es werden Postulate auf gestellt, die noch vor kurzem in diplomatischer Weise verschwiegen worden sind. Vergleicht man Weizmanns Politik aus dem Jahre 1931, die als eine Verzichtspolitik bezeichnet wurde, mit seiner Politik von heute, so läßt sich ein fundamentaler Unterschied bemerkbar machen. Die Gründe dieser Wandlung sind nicht zufälliger Natur und auch nicht auf die Einflüsse der Argumente der rechten Opposition zurilckzuführen, sie fließen aus der heutigen palästinensischen Wirklichkeit. Reute spricht Weizmann im Namen von 300.900 pa-1 lästinensischen Juden, die im. Lande die wichtigsten Positionen einnehmen und 25 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.“ ln der gleichen Zeitung schreibt 0. Thon über die Verhandlungen in London: „Wir verfolgen mit Sympathie und unseren besten Wünschen die Versuche einer Befriedung. Aus der Tatsache, daß die Verhandlungen andauern, ergibt sich Hoffnung für die Zukunft. Wir erwarten von den revisionistischen Führern, daß sie den Ernst der Situation einsehen und — wenigstens für die Gegenwart — ihre kranken Phantasien einer separaten Organisation vergessen werden. Der Revisionismus muß ehrlich und diszipliniert mitarbeiten.“ Im entscheidenden Stadium In der „Chwila“ schreibt Dr. Schwarzwald: für ,.. Man muß eine sachliche Plattform eine Koalition auf dem 19. Kongreß ,von einem Fenster bis zum anderen* schaffen. Unsere gegenwärtige äußere Lage er fordert eine nationale Koalitionsleitung, Wenn auch die Leitung in den Händen einer Partei ein leichteres und einfacheres Regie rungssystem darstellt, so ist jedoch in einer auf freiem Willen basierten Bewegung eine Koalitionsregierung die einzige, wenn auch schwierige und komplizerte Möglichkeit. Sie befriedigt niemanden absolut, da sie einen Kompromiß verlangt — also Opfer von allen Kontrahenten. Man kann solche Opfer nur bringen, wenn man über das Partei gefilhl himveg nur allgemein nationalen Zielen dient. Die erste, die dieses Postulat erfüllen muß, ist die Exekutive... Was die zionistischen Parteien anlangt, so fehlt ihnen der Sinn der Solidarität. Die Haupt auf gäbe des allgemeinen Zionismus ist auf dem Felde der Vereinigung und Organisierung des Volkes. Die Parteien müssen bei den Pertraktionen mit der Exekutive der Notwendigkeit einer nationalen Einigkeit gedenken.“ Die Jerusalemer Wahlen Im „Boustnai“ schreibt R. Renb eni über die Jerusalemer Wahlen unter anderem: „ln Jerusalem hatten die Juden nach ihrer Zahl Anspruch auf 65 Prozent der Mandate, erhielten aber nur 50 Prozent, ln Haifa sind die 33.000 Juden 50 Prozent der Bevölkerung. Trotzdem erhielten sie nur 33 Prozent der Mandate. Das kommt daher, daß die Regierung das Wahlrecht an den Besitz der Staatsbürgerschaft knüpft. Das sei aber unrichtig. Jeder Jude, der sich in Palästina dauernd niederlasse, müsse das Wahlrecht erhalten, denn er sei in sein eigenes Land zurückgekehrt, wo ihm alle Rechte zustehen müssen“ Inder gegen die Judenverfolgung in Deutschland Die in London lebenden Inder hielten eine politische Konferenz ab, in der eine die Judenverfolgungen in Deutschland sehr scharf verurteilende Resolution angenommen und ferner beschlossen wurde, sich dem in England geführten Boykott deutscherWaren und Dienste anzuschließen. Die Koiiferenz sandte an Mahatma Ghandi und an den indischen Nationalkongreß Telegramme, in denen Ghandi und der Kongreß aufgefordert werden, den Boykott deutscher Waren und Dienste für ganz Indien zu proklamieren. Henlein und die Judenfrage Anknüpfend an die letzte Heerschau Konrad H e n 1 e i n s, des Führers der Sudetendeutschen Heimatfront in Böhmisch- Leipa, führt die „Selbstwehr“ aus: „... Uns interessiert konkret die Einstellung der neuen Formation zur Judenfrage. Wir glauben nämlich, daß heute jede deutsche Gruppe, mag sie sich mm Partei oder Front nennen, allen Grund hat, ihre Ansicht über die Judenfrage zu publizieren. Denn sonst läuft sie Gefahr, verdächtigt izu werden, daß sie sich von der reichsdeutschen, zur Staatsräson gewordenen Meinung über Juden und Judentum nicht distanziert. Es ist sehr beachtlich, daß Konrad Henlein keinen Anlaß fand, in seiner programmatischen Erklärung der Judenfrage Erwähnung zu tun. Daß er sich sohin bestimmt nicht distanzierte. In manchen Punkten fand er vorsichtig und mit demütigem Respekt Unterschiede zwischen seiner Heimatfront und dem offiziellen Nationalsozialismus... Herrn Henlein dürfte es vielleicht bekannt geworden sein, daß der Nationalsozialismus in Deutschland mit Regierungsakten den Rassegedanken zum ideologischen Träger des Dritten Reiches gemacht hat, daß eine Gleichschaltung stattgefunden bat, daß auf Grund von Gesetzen Juden, nur weil sie Juden sind, aus allen öffentlichen und den maßgebenden privaten Stellen vertrieben wurden, daß Juden, nur weil sie Juden sind, von allen Hochschulen und den meisten anderen Schulen ferngehalten werden .... daß Juden getötet, gefoltert, grundlos eingekerkert wurden, nur weil sie Juden sind. Der Führer der Sudetendeutseben hat zur Judenfrage g eschwiegen. Sein Schweigen war beredt.“ Preußische Akademie der Wissenschäften gedenkt Fritz Habers Berlin, 25. Oktober. (2. T. A.) Soeben ist das amtliche Protokoll der öffentlichen Sitzung der Preußischen Akademie der Wissenschaften anläßlich der Leibniz-Feier erschienen. Etwa den dritten Teil des gesamten Protokolls (10 Seiten) nimmt eine Gedenkrede des Geheimrates Bodenstein auf den vor einiger Zeit verstorbenen berühmten Chemiker und Nobelpreisträger Fritz Haber ein. Bodenetein schilderte Fritz Habers Lebenslauf und seine nicht hochgenug einzuschätzenden Verdienste um Deutschland und deutete an, daß dieser große Gelehrte wegen seiner jüdischen Abstammung auch unter dem Kaiserreich nicht seinen Verdiensten gemäß gewürdigt worden war. Als Vizewachtmeister zog er ins Feld und wurde zum Hauptmann befördert. Bei dieser Rangerhöhung blieb es auch, als er zurückberufen worden war und Außerordentliches zur Vermehrung der technischen Kampfmittel leistete. Er war der Organisator des deutschen Gaskampfes, der sich vor Ypern zum erstenmal erfolgreich bewährte; er erfand die Abwehrmittol gegen die feindlichen Gasangriffe, rettete dadurch viele Tätigende deutscher Menschenleben und stärkte den deutschen Durchhaltewillen. Er war nicht nur ein großer Wissenschaftler und Techniker, sondern auch ein großer Organisator und Wirtschaftler. Aber Fritz Haber w a r J u d e, wie die überwiegende Mehrzahl seiner Mitarbeiter auch. Damit war der Konflikt mit dem neuen nationalsozialistischen Staat gegeben, er erbat am 2. Mai 1933 seinen Abschied, der er, der tief Gebrochene, nicht lange überlebte. Geheimrat Bodenstein schloß : „Wir empfinden teilnehmend die Tragik seines Schicksals und trauern um ihn als um einen der unseren, der Großes für Wissenschaft und Wirtschaft im Sinne von Leibniz geleistet hat.“ Hofrat Dr, Benfamin Rappaport gestorben Der ehemalige Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, ist in Wien im Alter von 92 Jahren verstorben. Hofrat Dr. Rappaport ist fast vierzig Jahre lang im Staatsdienst tätig gewesen und fungierte zuletzt als Stellvertreter des Finanzprokurators. 1908 wurde er auch in den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, eieben Jahre später in das Vertreterkollegium, 1910 zum Vizepräsidenten und 1920 zum Präsidenten der Kultusgemeinde gewählt. Dieses Amt mußte Doktor Rappaport schon ein Jahr später aus Gesundheitsrücksichten zurücklegen, er blieb jedoch noch lange Zeit nachher Obmann der jüdischen Versorgungsanstalt. In der am 24. d. stattgefundenen öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes hielt Präsident Dr. Friedmann dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. „Haboneh“, Bund zionistischer Ingenieur« und Techniker, I„ Hegelgasse 3. Mittwoch, den 31. d. M., um M9 Uhr abends, spricht Herr Dozent Dr. Josef Friedjung über das Tliemad „Der Arzt als Erzieher“. Gäste willkommen! Kinoprogramme der Wodie BURG-KINO I„ Opernring 19 Telephon B 20-3-99 Uraufführung Anna Sten m Die Königin von Paris Beginn: 7*4, 7a6, Vj8, V»10. Karten im Vorverkauf 1., Wollseile 1« Tel. R 34-2-1« KREUZ-KINO Polizeiwagen Nr. 17 mit Tim Mc. Coy Beginn: 4, 7*6, Va8, 7*10 Uhr ROTENTURMINO Telephon1 £1^29-1 59 Jleginn: 4, 7*6, %8, 7*10 Uhr Uraufführung Anna Sten m Die Königin von Paris leopoidstödter Volkskino TelephonBRrSXa8 Vom 2«. Oktober bis l. November t G'schichten aus dem Wienerwald mit Magda Schneider« Wolf Albach- Retty, Leo Slosak Wochentags */,6. */48, V,10 Ohr, Sonn- und feiertags V«4 Uhr SCHAFFER-KINO VL, MariahilferstraQe 37 Telephon B 20-203 Vom 20. Oktober bis 2. November > Adolph« Menjouy George Rafft, Frances Drake CHUIITA Beginn: '/,4, '/.6. '/.8, V.10 Uta Sektion Prater und Wlse II., JungstraBe 8 Mlttwodi, den 31. Oktober 1934, 8 Uhr abends: Dr. Oskar Qrflnbaum, Präsident das Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich: „Kernprobleme des Zionismus und deren Lösung"

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