Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 396 (30.10.1934)
- Date
- 1934-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIB STIMME S«it« 5 Sic essen von 30Groschen aufwärts vorzüglich Im RABEN-KEUfR Telcgr.-Bericht der »Stimme« London, 29. Oktober. Nack elfter Tag und Nacht ununterbrochen dauernden Sitzung wurde zwischen Ben Gurlon namens der Zionistischen Exe* kutive und Jabotlnsky namens der Welt-Union der Zlonl* sten-RevIslonlsten ein Anti-Terror-übereinkommen unterzeichnet, das eine friedliche zionistische Tätigkeit in der Galuth und Im Palästinaaufbau gewährleistet. * * * Diese uns bei Drucklegung des Blattes zisgehende Nachricht ist wirklich sensationell und wird überall freudigst begrüßt werden. ln dem unterstehenden Artikel „Entpolitisierung der Hi s ta d rut hu, erheben wir die Forderung nach einem allgemeinen Burgfrieden als Vorbedingung für die Herstellung normaler Verhältnisse in der Zionistischen Bewegung Das heute gemeldete Übereinkommen mit den Revisionisten entspricht der Forderung des Tages. Es ist tatsächlich geeignet, bei loyaler Anwendung einem schon bis zur Unerträglichkeit gediehenen Zustand ein Ende zu machen und zur Herstellung der geeinten zionistischen Front zu führen. Entpolitisierung der Histadruth! Nr. 896 -~ 80. Oktober 1984 jjHWMWBnsaassf m rn.‘v«i'.»fl^rwRSBBmBPwmswwamHPiwaMaaEWaBBWaHawWi PALÄSTINA MELDET: Palästina-Exekutive über die Vorfälle Isa HafSa Jerusalem, 25. Oktober. (2. T. A.) Die Palästina - Exekutive der Jewish Agency hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Vorfälle in Haifa am 19. Oktober streng verurteilt und ihrer Empörung über den brutalen Angriff Ausdruck gibt, durch den die Kette der Exzesse, die den jüdischen Namen in Palästina besudeln und die Atmosphäre vergiften, fortgesetzt wird. Wie groß immer der Unwille über die Haltung der Revisionisten in der Frage der Awodath Iwrith in Haifa sein möge, so rechtfertigt er doch keineswegs die Anwendung von Gewalt gegen eine Versammlung in geschlossenem Raum und die Verletzung der Versammlung^- und Redefreiheit. Die Tatsache, daß Revisionisten Versammlungen und Einzelpersonen in und außerhalb Palästinas angegriffen haben, bilde keine Entschuldigung dafür, daß Mitglieder der Histadruth in gleicher Weise Vorgehen. Von den Ereignissen sei die Exekutive im Hinblick auf die in London zur Sicherung urbaner Formen der inneren Auseinandersetzung geführten Verhandlungen besonders getroffen. Sie erklärt ihre feste Entschlossenheit, alle Maßnahmen zu treffen und ihren gesamten Einfluß aufzubieten, um eine W i ederholung der Anwendung von Gewalt im öffentlichen Leben zu verhüten und die Freiheit der Meinungsäußerung zu sichern, die ein unschätzbarer Besitz der Bewegung ist. Erklärung der palastmeasisclieu Arbeiter-Partei Die jüdische Arbeiterpartei Palästinas veröffentlicht eine Erklärung, in der sie die’Ausschreitungen in Haifa schärfstens verurteilt. In der Erklärung heißt es unter anderem: Der Zusammenstoß in Hadar Hacarmel zu Haifa artete in einen schweren Krawall aus, der 25 Verwundete, zum größten Teil Mitglieder des Rates der Histadruth Haowdim, zur Folge hatte. Die Verwundungen rührehi von Schlägen der Polizei her. Abgesehen von einem schwer verwundeten jungen Mann, bei dem sich eine Operation als notwendig herausstellte, zählt man keine Schwerverwundeten. Das Zentralkomitee der Arbeiterpartei Palästinas hat eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet. Die Ursache dieses Zusammenstoßes war die ungeheure Erregung der Arbeiter gegen die Revisionisten, die den beim Bau des Samuel Jud geführten Kampf um jüdische Arbeit gebrochen haben. Palästinareisen zu den günstigsten Bedingungen Abfahrten allwöchenilüch Auskünfte imd Anmeldungen: Intern. Reise* und Herkehrsbliro „Universal11 I., Kärntnerring 3 (9—12, 3—6) LMmsMBsnMnn Palästinaeinwanderung litt September Nach amtlicher Mitteilung sind iin September diesos Jahres 4804 Personen, davon 4585 Juden, in Palästina eingewandert. Unter den Juden waren 459 sogenannte Kapitalisten mit einem Eigenbesitz von mindestens 1000 Pfund. Englische zionistische Führer bei Wauchope London, 28. Oktober. (2. T. A.) Wie die English Zionist Federation mitteilt, hat der gegenwärtig auf Urlaub in London weilende High Conuniseioner für Palästina, Genoral Sir Arthur Wauchope, eine Abordnung der Federation, bestehend aus dem Vorsitzenden der Exekutive der Federation Rev, M. L. P e r 1 z w e i g, Paul G o o d m a n, Unt/erhausmitgüed B amott Jänner, Le Vay Lawrence, Chefredakteur Morris Myer und L. Bak- «t a n s k y, empfangen. Der High Commis* sioner erörterte mit der Abordnung informativ eine Reihe von Angelegenheiten betreffend die derzeitige Lage in Palästina. In London werden von der Exekutive I Friedensverhandlungen mit den einzelnen zionistischen Parteien geführt und in Paläj stina hauen sich einstweilen poale-zionistij sehe und revisionistische Arbeiter gegenseitig die Köpfe ein. Wir haben kürzlich in der „Stimme“ ausgeführt, daß die erste Voraussetzung für gedeihliche Friedensverhandlungen die Herstellung eines allgemeinen Burgfriedens ist. Wie richtig .unsere Meinung war, erhellt aus den traurigen Vorgängen, die aus Palästina gemeldet werden. Es wird unmöglich sein, die richtige Atmosphäre für die Friedensverhandlungen der Führer zu schaffen, so lange die Geführten auf das Faustrecht eingeschworen sind. Die bisherigen Nachrichten sind nicht sehr klar bezüglich der Entstehungsursache des Konflikts. So viel gellt aber aus diesen Nachrichten hervor, daß es d i es m a 1 poalezionistische Arbeiter waren, die eine geschlossene revisionistische Versammlung überfielen. Es sind daher poale-zionistische Arbeiter schuldtragend oder zumindest die Urheber der traurigen Vorfälle. Das scheint auch aus den Verlautbarungen der Arbeiterpartei hervorzugehen, und die Arbeiterpartei würde gut daran tun, falls sie sich der Schuld ihrer Anhänger bewußt ist, die Schuldtragenden durch Ausschluß aus der Partei exemplarisch zu bestrafen. Damit würde sie am beeten dokumentieren, daß sie gegen jede Anwendung von Gewalt und gegen jeden Terror ist, und daß ihr die Herstellung friedlicher Beziehungen zwischen den Arbeitern verschiedener Parteirichtung wirklich am Herzen liegt. Die Bedeutung der Vorfälle in Haifa ist wesentlich größer, als dies sonst bei Versammlungsraufereien am Platze ist. Raufen sich in einem anderen Lande Versammlungsteilnehmer, dann schreitet die Polizei ein, die demselben Volke angehört wie die Raufenden. Hier aber haben englische Polizisten mit ihren Gummikntttteln jüdische Köpfe eingeschlagen. Die Tragik dieser Vorfälle besteht darin, daß wir auf der einen Seite immer nach der Autonomie und nach dem eigenen Staate schreien und auf den anderen Seite gezwungen sind, den englischen Polizisten zu Hilfe zu rufen. Wann werden endlich die verantwortlichen Führer dies einsehen und durch entsprechende Einflußnahme auf ihre Anhänger einen Zustand herbeiführen, der ein so peinliches Einschreiten des englischen Polizisten überflüssig macht? Gerade jetzt stehen wir in sehr ernsten Verhandlungen mit der Mandatarmacht in der Frage des Gesetzgebenden Rates. Gerade jetzt, wo das Judentum in vielen Ländern der Galuth zusammenbriebt, blicken Millionen Juden nach Palästina, das ihnen als das einzige Land erscheint, das ihnen eine bessere Zukunft bereiten kann. Es ist keine Übertreibung, wenn wir sagen, daß die Vorfälle in Palästina bessere a.ntizionistische Propaganda bedeuten, als es sonst von antizionistischer Seite möglich wäre. Was ist nun der tiefere Grund dieser häßlichen Vorfälle? Es ist die Frage der „Histadruth Haowdim“, der allgemeinen Arbeitergewerkschaft, aus welcher bekanntlich die Revisionisten ausgetreten sind und eine eigene Gewerkschaft gebildet haben. Ebenso bekannt ist, daß die misrachistischen Arbeiter zwar noch der „Histadruth“ angehören, sich aber eine gewisse Autonomie innerhalb der Histadruth erkämpft haben. Weniger bekannt ist es, daß in den Kreisen der allgemein-zionistischen Arbeiter, die der „Histadruth“ angehören, vielfach Änlaß zu Klagen besteht, und daß der Weltverband der Allgemeinen Zionisten der Frage der Stellung der allgemeinen Zionisten zur Histadruth sein besonderes Augenmerk zuwendet. Die Exekutive in London hat kürzlich eine Verlautbarung über die zwischen der Exekutive und dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten geführten Friedensverhandlungen erlassen. Richtiger hätte es wohl heißen sollen, daß es sich um Friedensverhandlungen zwischen dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten und den Führern der Arbeiterpartei unter Hinzuziehung einiger Mitglieder der Exekutive gehandelt hat. In der Verlautbarung der Exekutive hieß es: , „Es fand eine ausführliche Aussprache über die Arbeitsverhältnisse in Palästina statt, und zwar sowohl über die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, als auch zwischen den Arbeitern Belbst. Es wurde vereinbart, eine Entscheidung in dieser Sache zu vertagen, bis die Leitung des Weltverbandes (der Allgemeinen Zionisten) in. der Lage ist, auf Grund einer Beratung mit ihren palästinensischen Mitgliedern zu diesen Problemen Stellung zu nehmen.“ Daraus geht hervor, daß zwischen Allgemeinen Zionisten und Histadruth Haowdim Spannungen bestehen, deren Lösung noch aussteht. Wenn man weiter hört, daß Meir Großmann für die Jiulenstaatspartei Verhandlungen mit der Histadruth führt, so muß man zu dem Schlüsse kommen, daß die Histadruth Haowdim, trotz der Tatsache, daß sie im Lande eine gebietende Macht darstellt, heute isoliert ist, und daß es keine zionistische Gruppe gibt, die mit ihr nicht Differenzen hat. Damit sind wir zum Kernpunkt dos Problems gelangt. Es wird in Palästina so lange nicht Ruhe geben, so lange das Problem der Histadruth Haowdim nicht eine allgemein befriedigende Lösung gef u n d e h h a t. Es ist bekannt, daß derzeit die Arbeiterpartei durch die Histadruth faktisch eine WWWWWWWWWWWWIWWWWh liillll If Monopolstellung besitzt, daß sie aber diese Monopolstellung auch gesetzlich verankern will. Aus diesem Grundo ließ sie beim XVIII. Kongreß durch eine Resolution so eine Art Heiligsprechung der Histadruth vornehmen. Daß diese Heiligsprechung wertlos geblieben ist und nur Makulaturpapier erzeugt hat, das erfährt die Histadruth heute in Palästina täglich und stündlich. Die Histad.ru o!» ist auch deswegen kein einheitliches Gebilde, weil ihr radikale Elemente angehören und weil sie viele tausende Anhänger zählt, die nur gezwungenermaßen, aus rein persönlichem Interesse, ihre Mitglieder sind. Trotzdem glauben wir, daß das Problem der Histadruth verhältnismäßig leicht seine befriedigende Lösung finden kann. Die erste Voraussetzung hiezu ist, daß die Histadruth das wird, was sie zu sein behauptet, nämlich eine unpolitische Gewerkschaft. Heute ist die Histadruth aber gerade das Gegenteil davon. Sie ist der verlängerte Arm der poale-zionisti» ßchen Partei, da die Führer der poale-zionistischcn Partei gleichzeitig die Führer der Histadruth sind und weil die Histadruth in ihren Schulen und Institutionen poale-rionistischo Politik macht. Dieser Zustand muß radikal geändert werden. Die H i e t adruth muß sich auf rein gewerkschaftliche Agenden beschränken und die Politik den politischen Parteien überlassen. Wenn sie sich dieser Forderung entgegenstellt, dann ist es ihr nicht ehrlich darum zu tun, die Befriedung der Arbeitsverhältnisse in Palästina herbeizuführen. Dann könnte es dazu kommen, daß dem Beispiel der Revisionisten noch andere Gruppen folgen, und das Fazit wäre eine kaum erträgliche Verschärfung der Verhältnisse in Palästina. Wir grenzen uns mit aller Deutlichkeit von der sogenannten Politik J a b o t i ns k y s ab, der die Histadruth „z e r» brechen“ will. Die Histadruth besitzt in Palästina Ambulatorien, Spitäler, Erholungsheime und eine Krankenkasse. Diese gewiß eine nützliche soziale Arbeit leistenden Institutionen zu schädigen oder gar zu vernichten, wäre ein Verbrechen. Der Kampf um die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse in Palästina darf also unter keinen Umständen darauf ausgehen, dieHistadruth zu zerbrechen. Der Kampf aller vernünftigen Elemente in Palästina muß darauf ausgehen, die Histadruth faktisch zu entpolitisieren und zu einem Werkzeug zu machen, das die Interessen aller Arbeiter, mögen sie welcher zionistischen Gruppierung immer angehören, in gleicher Weise wahrnimmt und verteidigt. Die Organe der Histadruth müssen sich jeder politischen Beeinflussung ihrer Mitglieder;, enthalten. Das Problem der Histadruth wurde jahrelang verdunkelt, indem man immer das Märchen von der unpolitischen Gewerkschaft auftischte. Das hatte für die Poale-Zion den Vorteil, daß das Geld der Zionisten, insbesondere der Allgemeinen Zionisten, der Histadruth reichlich zufloß und ihr ermöglichte, ihre wirklich imponierenden und segensreichen Institutionen zu errichten. Heute ist es klar, daß die Histadruth die stärkste Festung der Poale-Zion ist, und daß sie eine einseitig politische Tätigkeit ausübt und den Widerspruch aller zionistischen Gruppierungen hervorruft. Die Lösung des Problems der Histadruth darf von der Tagesordnung nicht mehr verschwinden, und es liegt heute, wenn man von den Revisionisten absieht, ausschließlich bei der Arbeiterpartei, ob eine befriedigende Lösung in der Frage der Histadruth möglich ist. Es liegt uns ferne, die Behauptung aufzustellen, daß etwa die Histadruth oder die Poale-Zion als solche an den blutigen Arbeiterkonflikten die Schuld trägt. Ebenso aber lehnen wir es ab, eventuelle Behauptungen von Übergriffen unverantwortlicher Elemente ernst zu nehmen. Es wurde, wie uns scheint, auf der linken und auf der rechten Seite der Arbeiterschaft Palästinas Wind ge3ät und nun erntet man Sturm. Es wäre gefährlich, die Vorfälle in Palästina als unbedeutend hinzustellen. Sie sind ein Alarmsignal für den Jischuw und für die ganze zionistische Welt. Wir möchten daher in diesem ernsten Augenblicke unseren Appell an die gesamte Arbeiterschaft Palästinas und an die Histadruth richten, und sie beschwören, das