Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 396 (30.10.1934)
- Date
- 1934-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 DII STIMMI Kr. SM — 80. Öfetober 1M4 mentsvollstreeker ernannthat. Er wohnte in der stillen Wasajrns.se im 9. Bezirk in einem vornehmen, alten Hause. Wollte Kremenezky einem Besucher eine Freude machen, dann öffnete er in seinem mit altväterlicher Vornehmheit eingerichte ten Arbeitszimmer den Rasten, der das Herzl-Archiv enthielt und zeigte dem Be sucher kostbare Dokumente. Johann Kremenezky genoß als Techniker namentlich auf dem Gebiete des Elektrizi tiitswesens. internationalen Ruf. Er erwarb sich um die technische Wissenschaft, und namentlich als einer der Begründer der Glühlampenindustrie Europas, solches Ansehen, daß ihm das Ehrendoktor a t derWiener Tech n i k und auch das Ehrenbiirgerrechi der Stadt Wien verliehen wurden. Ingenieur Kremenezky hatte in der Dresdneretraße im 20. Bezirk mit der Erzeugung von Glühlampen in einem kleinen Betrieb begonnen. den er zu einem der größten aus gestaltete. In den letzten Jahren hatte er sich von seinem Betrieb zurückgezogen, der in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Die Fabrik wandte sich auch später außer der Gltihlampenerzeugung anderen elektrischen Apparaturen und auch dem Radio zu. Die elektrische Industrie in Oster reich verdankt ihm jedenfalls viel von ihrem großen Ansehen im Ausland. Kremenezky hat auch den österreichischen Glühlampenexport organisiert, der seinerzeit auch Amerika und Südafrika erfaßte. Mit Kremenezky ist uns einer von den wenigen überlebenden Zionisten der alten zionistischen Garde entrissen worden. Sein Tod wird nicht nur in Wien, sondern in der ganzen zionistischen Welt tief betrauert werden. < Die Begräbnisfererlicbkeiten Nach Überführung des Leichnams auf dem Zentralfriedhof bezogen Mitglieder des Allgemein-zionistischen Jugendbundes Gdud Zeirim und Studenten beim Sarg die Ehrenwache. Sonntag um 12 Uhr mittags fand dann in der ZeTemonienhalle beim 1. Tor die Begräbnisfeierlichkeit statt. Nur ein Teil der Trauergemeinde fand Einlaß, tausende Personen konnten nicht mehr in den Saal gelangen. Vor dem Sarge lag ein mächtiges Gewinde aus roten Rosen mit einer blau-weißen Schleife: „Von Deinen Kindern und Enkeln'1,. weiters Kränze der Firmen der Joh. Kremenezky A. G., Siemens-Schuckert A. G., usw. Links und rechts vom Sarge hatten Chargierte der Jüdisch-Akademischen Verbindung „Maccabä a“, deren Ehrenbursch der Verstorbene war, und Chargierte der anderen zionistischen Verbindungen in voller Wichs und mit gezogenem, trauerumflortem Schläger Aufstellung genommen, ferner Mitglieder des Allgemein-zionistischen Jugendbundee Gdud Zeirim in ihren kleidsamen Uniformen. Die rituellen Funktionen versah Rabbiner Dr. S. Schwarz und die Oberkantoren M a r g u 1 i e s und P o s t o 1 o w. Auf Grund einer testamentarischen Verfügung des Verstorbenen wurden keine Reden gehalten. Rabbiner Dr. Schwarz sprach außer den vorgeschriebenen hebräischen Gebeten nur ein kurzes Gebet in deutscher Sprache, in welchem er das verdienstvolle Wirken des Verstorbenen für Palästina erwähnte. Dann setzte sich der Trauerzug zur Gruft der Familie Kremenezky in Bewegung. Der Zug wurde von den Vizepräsidenten der Kultusgeraeinde Dr. Löwenherz und D r. Ticho, die mit Amtsdirektor Regierungsrat Dr. Fuchs gelb erschienen waren, den Kultusvoretehern Kommerzialrat Albers, Graubart, Dr. Klaber und Dr. Plascbkes und Wa 11uch, dem Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes Dr. 0. Grünbaum und dem Kremenezkys letztes Wort an die Zionisten ln der dem 30. Todestag Theodor Herzls gewidmeten Herzt-Nummer der „Stimme“ hat Johann Kremenezky s. A. die folgenden Worte an die Zionisten gerichtet. Diese letzte öffentliche Äußerung Kremenezkys sei hier nochmals festgehalten. Die Red. „Afs ich vor zwei Jahren wiederum in Palästina war, habe ich gesehen, daß die jüdische Arbeit im Lande auch die Geographie zu ändern imstande war. Das Tote Meer kann nicht mehr seine alte Bezeichnung behalten. Durch unsere Arbeit haben wir cs zum wirtschaftlichen Leben erweckt. Dies Wunder, das altneue Land zum Aufblühen zu bringen, vermochte nur unsere Arbeit und Ausdauer. Unsere Erfolge werden größer sein und wir werden allen Gefahren trotzen können, wenn wir in unserer Treue für Palästina jeden Parteihader vermelden werden. Bleiben wir stets tapfer in der Arbeit und vorsichtig in unseren Worten. Unpersönlich müssen wir der Sache dienen und dürfen unsere Kräfte nicht zersplittern. Dies ist der Sinn und die Lehre des Lebens und Wirkens unseres großen Führers Theodor Herzt. Das Vermächtnis Herzls muß noch in Erfüllung gehen. Und das ist die Währung des einheitlichen Willens des jüdischen Volkes im politischen Sinnei“ Vizepräsidenten Dr. Paul Berger eröffnet. Bei der Zeremonienhalle bildeten die Mitglieder der Herzl-Klubs Spalier. Daran schloß sich ein dichtes Spalier von Angestellten und Arbeitern der Firma Joh. Kremenezky A. G. und zahllosen Wiener Zionisten. Der Sarg wurde von Alten Herren der I. A. V. Macoabäa zum Grabe getragen. Dem Sarge folgten die drei Söhne und die Tochter des Verstorbenen, sowie die Enkelkinder, dann die Freunde des Verstorbenen, Direktor M. R e i c h e n f e 1 d, Medizinalrat Dr. Ieidor Schallt, Dr. David R o t hblum, das Präsidium des Keren Kajemeth mit Adolf Böhm und Dr. Tartakow e r an der Spitze, das Präsidium des Keren Hajessod mit Hofrat D r. Werner und Professor Freud, das Präsidium der W i z o, Delegationen aller Bezirkssektionen und Wizogruppen, Vertreter zionistischer Jugendbünde und s t u d e n t.i s c h e r Organisationen, sowie der verschiedenen zionistischen Gruppen, sowie des Bundes Jüdischer Frontsoldaten. Ferner waren erschienen: Für die Technische Hochschule Rektor Professor Kann und Professor Reitbofer, für den Gewerbeverein Regierungsrat Dr. Richter und D r. E i d 1 i t z. Ferner waren vertreten: Der Hauptverband der Industriellen, der Wiener Industrielein verband, der "'erband der Elektrizitätsindustriellen sowie zahlreiche andere Korporationen. Am offenen Grabe sang Oberkantor Margulies das El mole rachamim und dann kollerten die Erdschollen auf das Grab Johann Kremenezkys. Tausende defilierten vor seinem Grabe. Mit Kremenezky, um den sich schon bei seinen Lebzeiten die Legende rankte, ist uns wieder eine Säule der alten zionistischen Garde dahingerafft worden. Kremenezkys Andenken aber wird ewig fortleben. Wenn heute tausende und tausende Chaluzim glücklich auf Keren Kajemeth-Boden leben, so danken sie ee in erster Linie Kremenezky, dem Gründer und Förderer des Keren-Kajemeth, dessen Andenken im jüdischen Volke in alle Ewigkeit fortleben wird. Eine Kremenezky-Ehrung In allen Wiener zionistischen Kreisen wird spontan der Wunsch geäußert, Kremenezkys Andenken in Palästina sichtbar zu verewigen. Die Landeskonferenz des Koren Kajemeth wird hierüber Beschluß fassen. aus aller Welt Der Familie Kremenezky kommen aus dem ln- und Ausland viele Trauerkundgebungen zu. Das Zionistische Landeskomitee hat der Familie des Verstorbenen eine Beileidskundgebung übermittelt, die die unvergänglichen Verdienste des Johann Kremenezky würdigt und der Trauer des Landeskomitees Ausdruck gibt. Exekutive London kondoliert: Die Exekutive in London telegraphierte dem Zionistischen Landeskomitee: ' Die zionistische Gesamtwelt steht trauernd am Grabe Kremenezkys, dessen ehrwürdige Gestalt wie eine leuchtende Säule aus den Tagen Herzls in die heutige Generation hineinragte. Sein arbeitsreiches Leben treuester Pflichterfüllung im Dienste des Volkes sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des Zionismus. Übermittelt Freunden und Familie den Ausdruck unserer tiefsten Anteilnahme. Exekutive. Jevish-Agency, Jerusalem, telegraphiert, Di© Zionistische Exekutiv© Jerusalem sandte folgende Beileidsdepesche: Mit Johann Kremenetzki ist der letzte derjenigen dahingegangen, die mit Theodor Herzl von Anfang an in enger Freundschaft und örtlicher Verbundenheit für den Zionismus und Palästina gearbeitet haben Sein Leben war seit mehr als einem halben Jahrhundert der Verwirklichung unserer Hoffnungen geioidmet. Seine schöne Menschlichkeit und seine Hingabe an unsere Sache haben ihn zu einer einzig dastehenden Persönlichkeit in unserer Bewegung gemacht. Wir sprechen den Hinterbliebenen unser herzlichstes Beileid aus. Exekutive der Jewish-Agency Sokolow Ruppin. ' Trauerkundgebung Ussischkins: Von M.M. Ussischkin, dem Präsidenten »d«8 Keren Kajemeth, Jerusalem, traf folgendes Telegramm ein: Die in innigem Gedenken an unseren teuren Freund Johann Kremenetzhy im Konferenzsaal des Keren Kayemeth versammelten Trauergäste sprechen seiner Familie wie auch der ganzen zionistischen Familie in Wien und Österreich ihr tiefstes Beileid aus zum Hinscheiden des Mitbegründers der zionistischen Organisation und des Ersten Vorsitzenden und Leiters des Nationalfonds, dem er seine volle Arbeitsfähigheit und Liebe sein Leben lang geweiht< Ussishkin. Beileiddepesche Dizengoffs: Auch M. Dizengoff, der Bürgermeister vod Tel-Aviv, dessen. Ehrenbürger Kremenezky; war, sandte ein überaus herzliches Beileidstelegramm. Ein Beileidstelegramm des Bürger* meistert Schmitz Der Bürgermeifiter der Stadt Wien, Herr Richard Schmitz, sandte an die Familie Kremenezky ein herzlich gehaltenes Beb leidste! egramm. WIR BERATEN SIE )N ALIEN BAUuh» GRUNDSTÜCK- ANGELEGENHEITEN FÜR PALÄSTINA DURCH UNSER BÜRO IN WIEN UND HAIFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTUR-BOR O* AN DIE REDAKTION DER ,S TIMME" Die österreichischen Nationalen Ein am 28. d. ausgegebenes amtliches Kommunique teilt mit, daß über Antrag des Bundeskommissär für Heiraatdienst der Bundeskanzler und der Vizekanzler eine Reihe von Personen aus dem nationalen. Lager zu einer Aussprache empfangen haben. Die Eingeladenen haben ihre Meinungen über die auf die nationalen Gruppen bezüglichen Fragen dargelegt. Die Regierung hat die Voraussetzungen für eine Mitarbeit nationaler Kreise bekanntgegeben: bedingungsloses Bekenntnis zaim österreichischen Gedanken, für die innere und äußere Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs und loyale Unterstützung der Bestrebungen der Regiemng. Das Kommunique schließt mit den Worten: „Für weitere Fühlungahme stehen die Wege offen.“ Es handelt sich, wie man weiß, im Wesen um die bekannten Vorschläge des Ingenieurs Rheintaller, die auf die Eingliederung der bisher verbotenen Nationalsozialisten in die Vaterländische Front hinauslaufen. Es ist ein Programmentwurf vorhanden, der bi drei Etappen durchtgeführt werden soll. Bef, diesen Verhandlungen wird jedenfalls dar* auf Rücksicht genommen werden müssen, daß auch die bedingungslose Anerkennung der verfassungsmäßig gewährleisteten absoluten Gleichberechtigung und der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz gewahrt, wird. Der Abbau der Jüdischen Ärzte Nachdem die Versicherungsk^sse für kaufmännische Angestellte in Wien kürzlich ihre jüdischen Ärzte auf den Abbauetat gesetzt hat, folgt nun auch die Kranken-: kasse der Industrieangestellten diesem Beispiel. Diese Kasse hat jetzt 10 Ärzten gekündigt, davon neun Juden. Das Verhältnis der bei dieser Kasse versicherten jüdischen Angestellten zu den nichtjüdischen ist aber 70:30. Es ist fast Brauch geworden, mit jeder umfangreichen Kündigung von Juden auch einem Nichtjuden zu kündigen, wobei der Christ zuletzt doch auf dem Posten belassen wird (es sei denn, er wäre ein ganz unverbesserlicher Marxist“), während die Kündigung bei den Juden definitiv ist und ihre Stellen mit Nichtjuden besetzt werden. Auch die Versicherungskasse für kaufmännische Angestellte hat nach Kündigung der neun Juden zehn Ärztestellen zur Besetzung ausgeschrieben. Um bei den Neueinstellungen keinen „Fehlgriff“ zu tun. hat die Kasse neue Fragebogen für die Kartothek angelegt, in denen die seit dem Februar in Mode gekommenen neuen Personaldaten „Zuständig Beit wann?“ und „Religion seit wann?“ ausgefüllt worden müssen. Also nicht allein die „östler“, sondern auch die Getauften sollen unter die Lupe genommen werden. Vortrag JOSEF KASTEIN Samstag« den 10« November 1934« präzise */*9 Uhr abends« veranstaltet das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich im Festsaal des Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, einen großen Vortragsabend, bei welchem der berühmte jüdische Historiker JOSEF KASTEIN über das Thema V9 Die Jüdische Neuorientierung fti sprechen wird. Karte« erhältlich: Zion. Landeskomitee, I- Käratnerstraße 28. Telephon R27-4-86; Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a. TelephonR48-806; Bücherstube Löwitb, I., Wollzeile 6, Telephon R26-4 58; Bücherstube Lanyi, I., Käratnerstraße 44, Telephon B 26-6-76. I