Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 396 (30.10.1934)
- Date
- 1934-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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PmIi dieser Mummt 20 g V. b. b. ttf«. -mnA. I WImm At«f f tu A I Redaktion und Administration Wien, > KärntnerstraQe 2b 1/ **»• I ▼▼ WOj vnUlvVr *79^ I Tel. R 27-4-85 RedaktlonssöhluB Montap und Mlttwooh vorm l\ JÜDISCHE ZEITUNG Dein Kind toll •inst auf geraden, gesunden Füßen stehen - dazu brauchen die zarten Fußknochen unbedingt eine state«, Dr. Hechts Spezialeinlasen fflr Kinder! Fahrendes Fachinstituf Bflndanen-mThnlnsEh II., Taboistrafte 22 teiephon R 47-1-8» Seit 32 Jahren für den Kinderfuß spezialisiert! SS. Ctaeschwan 5695) | 8. Jahrgang Johann KvemenessUy Abschied von Johann Kremenezky Von Dr. David Rothblum Gestern haben wir den Ältesten unter den Alten, die dem Rufe Theodor Herzeis als Erste gefolgt waren, zu Grabe getragen. Was sterblich war an Johann Kreunenecsky,.. haben wir zur ewigen Ruhe bestattet, sein Namen aber wird in der Geschichte des jüdischen Volkes fortleben in aller Ewigkeit. Denn was Theodor Herzl zur Verwirklichung . seiner unvergänglichen Gedanken yorkehrte, ist nie ohne Johann Kremenezky geschehen. Er war des Meisters intimster Freund, keiner stand des Führers Herzen so nahe wie er. Der junge Herzl war für Kremenezky der Künder großer Ereignisse, der Erlöser von der Judennot, der künftige Staatsbildner — der ältere Kremenezky für Herzl der gläubige Jünger, der ergebenste in der Gefolgschaft, der in allen Lagen, verläßlichste Freund. Die edle Einfachheit nnd «tille Größe in Rremenezkys Wesen konnten dem scharfen Führerauge Herzls von allem Anfang nicht entgehen. Und so entstand eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden Männern, die Kremenezky bis zn seinem letzten Atemzug wie ein heiliges Kleinod in seinem Herzen bewahrte. Die Erinnerung an diese Freundschaft war 'das Glück seines Lebensabends. Das von nicht alltäglicher Schönheit begnadete Gesicht des Verewigten nahm einen Schimmer von Verklärung an, wenn er von Herzl sprach. Kremenezky« Namen wird für immer, mit der Institution des jüdischen Nationalfonds verknüpft sein. Der Gedanke stammt von Prof. Hermann Scha/pira, doch Kremj’iezky hat ihn verwirklicht, ins Leben gerufen, a. ns gestaltet. Er war der erste Direktor des Keren Kajemeth. Mit einer Begeisterung, die nur im tiefsten Glauben wurzeln kann, hat, er den Grundstein für diese heiligste Einrichtung des jüdischen Volkes gelegt. Hätte er nicht soviel Liebe, Zärtlichkeit, Aufopferung, Zeit und Geld für diese Institution in den ersten Jahren ihrer Entstehung aufgewendet, der große Erfolg wäre bis heute nicht zu verzeichnen gewesen. Palästina wäro für uns nicht das geworden, was es heute ist. Denn ohne nationalen Boden gäbe es in Palästina keine historische Entwicklung und diese Entwicklung wird immer im geraden Verhältnis zum nationalen Bodenerwerb fortschreitend Erst der Nationalfonds hat das neue Palästina zu Erez Israel gemacht. Keren Kajemeth ist die Mutter der Chaiuzinuth. Und wie immer auch sich die Ereignisse in der Heimat entwickeln werden, der Geist der Chaluzim wird das Land errichten und erbauen! Der Geist der Chaluzim, der das Leben ira Heiligen Lande durchdringen muß, .der übe* dem Eeben im Heiligen Lande schweben muß, wie einst der Geist Gottes über den Wassern. Johann Kremenezky war ein Chalm. Als er sich zu Herzl schlug, war Zionismus keine Mode, für ihn keine persönliche Notwendigkeit und schon gar nicht eine Realität. Denn am Anfang war das. Ideal. Am Anfang war Gottes Wort, das fast zweitausend Jahre in der Wüste verhallte. Und als Herzl kam und den Judenstaat träumte, war auch schon Kremenezky unter den Ergriffenen und Begeisterten. Er, der bis dahin abseits stand und schon damals ein Leben reich an Arbeit hinter sich hatte. Hart war dieses Leben und schwer geprüft in den Anfängen. Als aber Herzl in die Geschichte des jüdischen Volkes trat, stand Kremenezky bereits auf wirtschaftlich weithin sichtbarem Posten. Der Renaissancegedanke Herzig erfaßte ihn aber mit voller Kraft und Wucht, wie Gottes Wort den Propheten. Und sj wai Kremenezky ein Chaluz am Jüdischen Nationalfonds und blieb es bis zum Lebensende. Er war auch ein Chaluz an der Industrie, das erste Ziegelwerk in Palästina war seine Gründung. Kremenezky verfolgte die Ereignisse in Palästina mit wachem Äuge und wachsendem Interesse, trotz seines hohen Alters, buchstäblich bis zur letzten Stunde seines Lebens. Kaum drei Tage vor Eintritt der Gehirnblutung, die die Katastrophe ’ herbeiführte, traf ich ihn zur Abendstunde in diö Lektüre des letzten Heftes der „Palästina“, Zeitschrift vertieft. Sein Gesicht war leicht gerötet, das Auge klar und dag ganze Wesen von jener Seelenruhe erfüllt, die ihn stets auszeichnete und ihm das Gepräge eines Weisen gab. Nichts' wies daraufhin, daß der Faden seines Lebens nur noch so' dünn gesponnen war. Gottbegnadet wie sein Leben, war auch sein Tod. Schmerzlos und sanft. Der Tod wirkte bei ihm erschütternd durch die Tat* saehe an sich, nicht aber durch Begleit* erscheinungen, die geeignet, wären, dis Er* innerung an' das Erlöschen seines Lebenslichtes irgendwie zu trüben. In Schönheit aufgelöst, lag er auf dem Sterbebette, als sein Atem sachter und seichter wurde. Und als der letzte Atemzug getan war,' legte Dr. Schnierer, der treue Weggenosse Kre* menezkys, der Jahrzehnte lang in ungewöhnlicher Hingebung über sein Leben wachte und vom Krankenlager nicht gewichen war, das Hörrohr ang Herz des Freundes und sagte erschüttert: „Aus!“ Und die um das Sterbelager Johann Kremenezkys standen, brachen in Tränen aus. Und ganz Israel wird den Verlust beklagen und Johann Kremenezky nie vergessen. Kremenezkys Lebenslauf Johann Kremenezky wurde im, Jahre 1850 in Odessa geboren und studierte in Wien und Paris. Schon ira Jahre 1896 schloß er sich Theodor Herzl an und. war bis zum Jahre 1905 Mitglied des Engeren Aktionskomitees. Im Jahre 1905 gründete er den JüdischenNationalf o n d s (Keren Kajemeth . Lejisrael), den zentralen Bodenkaufsfonds, dessen eifrig: eter Mitarbeiter er Zeit seines Lebens geblieben ist.. In der ersten Zeit der Tätigkeit des Nationalfonds sprach man in Wien scherzweise vom Kreme-Nationalfonds. In seinen, letzten Lebensjahren propagierte Kremenezky die Idee, daß einzelne Zionisten die Spesen des Wiener Büros des Keren Kajemeth Lejisrael (Miete, Gehälter usw.) durch besondere Spesen decken sollten, im H e r z 1 - K1 u b, dessen Mitglied er war, und leistete hiefür persönlich jeden Monat einen größeren Betrag. Kremenezky beteiligte sich auch persönlich am Aufbau Palästinas, das er noch vor zwei Jahren besuchte. Im Jahre 1920 gründete er mit Boris Goldberg unter großen Opfern die Silikat-Ziegelwerke und interessierte sich auch sonst für die industrielle Belebung Palästinas. Seine ganzo Liebe galt Palästina und immer wieder zeigte er seine Freigebigkeit. So unterstützte er zum Beispiel das unter Leitung Yellins stehende Lehrerseminar. Die Stadt Tel-Aviv ernannte Kremenezky zum Ehrenbürger. Kremenezky hatte das besondere Vertrauen Theodor - Herzls genossen, der ihn a.ueh zu seinem Testa- PP >| -. lifll SÄ S&vixi ' n' N ' -VVfe s*-: -rxXvX^XvXv ■> % ppp lipfil ■X-XvX-X PPS