Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 395 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 998 — 26. Oktober 1994 DIB STIMM! Bett# 5 SBSSSB&3 PALESTINE KUPAT-BANK COOPERATIVE SOC. LTD. Gegründet 1918 Stammkapital Pfund 50.0(10 Zentrale: Tel-Aviv; Filialen: Jerusalem, Ilaij'a. Bankgeschäfte alter Art. Ausführung zu den günstigsten Bedingungen. Korrespondenten In allen Handels- Zentren der Well. Unsere Aktien trugen in den letzten Jahren 6’% Dividende p. a. Wichtig für Touristen: Travellers Cheks sind ln unseren Büros erhältlich. AUS DEM DRITTEN H2c Synagoge in Herford von SA- Leuten angeziindet Wir brachten vor einigen Monaten die Meldung, daß die Synagoge» in Herford, Westfalen, ein Prae.htiban, in Brand gesteckt, worden war. .Jetzt 'berichtet die Saarbrückener „Volkfsgt-imme“ aus Westfalen: Die Nazi-Zeitungen beeilten sich, zu versichern, daß beim Brand der Synagoge in H o r f o r d Brandstiftung nicht in Frage kl!me, Kurzschluß sei wohl die Ursache gewesen. Man hat jetzt den „Kurzschluß“ verhaftet in Gestalt von fünf SA-Lcuten, die sich im Suff ihrer Tat rühmten. Ein SS-Mann war dabei, und dieser hatte nichts Eiligere« zu tun, a-1« seine SA-Konkurrenten dem Staatsanwalt anzuzeigen. Die fünf Leute sitzen in Untersuchungshaft und halben bereits gestanden. Man rechnet sogar mit einer Bestrafung, da sie das Volks vermögen geschädigt haben; eine deutsche Versichemngsgceollschaft muß nämlich den .Schaden von 20.000 Mark ersetzen. StreloSfier und Rosenberg Sclmlter an Schulter Julius Streicher hat in Beinern „Stürmer“ wiederholt behauptet, daß die angebliche Verschwörung des Stabschefs der S. A. Ernst R ö h m, die durch das Gemetzel vom 30. Juni liquidiert wurde, von Juden angezettelt worden sei. Er brachte die Ermordung mehrerer Juden in Hirsehberg und in anderen schlesischen Städten am 1. tmd 2. Juli durch S. S.-Leuto mit der Hinrichtung des Röhm-Freundös H e i n e s ln Zusammenhang, um „glaubhaft“ zu machen, daß die Juden sich gemeinsam mit ihren Mördern (es ist bekannt, daß Heines nocli von früher her mehrere Judenmorde auf dem Gewiesen hat) gegen Hitler verschworen haben. Nun schreibt, auch Alfred Rosenberg, der Leiter des Außenpolitischen Amtes der Hitler-Partei, im September-Heft des „Welt,- kampf“ das folgende: „Schon von Monaten April an mehrten sich die Anzeichen, daß die uns feindlich gesinnten internationalen Dunkelmüehte, daß J ud o n und J u d e n g e n 0 s s e n eine geheime Tätigkeit entwickelten, die auf Beseitigung des gehaßten Nationalsozialismus hinauslicfen. Der Ton der jüdischen Presse im Reiche wurde von Woche zu Woehe arroganter und höhnischem im Ausland aber erschienen versteckte Meldungen von einem baldigen Umsturz und Chaos.“ Roseiiberg führt Äußerungen der Warschauer jiddischen Tageszeitungen „Moment.“ und „Hajnt“ an, die angeblich dem Uiflerfum ein baldiges Knde voraussagt.cn, und fährt fort: „Deutlicher kann das verbrecherische Treiben des Rühm-Klüngels und der reaktionären Verbrecher als jüdische Hilfst, r u p p e n gar nicht beleuchtet, werden als durch diese jüdischen Untermenschen bekenfnisse, die allein ihre Weltherrschaft, im völkischen Reiche bedroht sehen und daher alles daran setzten, den arischen Krieg von neuem zu schüren.“ Rosenberg beschuldigt den „jüdischen Bankier F. von Mendelssohn“ in Berlin, mit General Schleicher In Verbindung geweden zu »ein. Durch diesen Artikel erhält die Streicher« Lüge gewissermaßen eine amtliche Bestätigung. Der Zweck dieser Verleumdungen ist der, die Juden für die inneren Schwierigkeiten Deutschlands rechtzeitig verantwortlich zu machen. Die jüdische Bevölkerungsbewegung im Dritten Reith llllllllllllllllllllllllllllIllllllllllM Von der Volkszählung in Deutschland von J.933 liegen weitere Zahlen vor, die sich mit der Bevölkerungsbewegung der Juden im Deutschen Reiche befassen. Im Reiche wurden im Jahre 1933 nur noch 499.(182 Juden gezählt. Diese Zahl dürfte sich naturgemäß durch die Abwanderung und durch den SterboÜberschuß seit dem Stichtag der letzten Zählung, dem 16. Juli 1933, bis heute wesentlich verringert haben. Für 1933 stellt sieh damit der jüdische Bevölkerungsanleil im Deutschen Reich auf 077%, während er im Jahre 1925 noch 09% betrug. In dem Zeitraum zwischen 1925 und 1933 nahm die Gesamtbevölkerung im Deutschen Reiche um 4'5% zu; die jüdische Bevölkerung aber verminderte sich um 11*46%. Diese Abnahme wird sich zu einem kleinen Teil aus dem SterbeühCrschtiß erklären lassen. Allein in Preußen betrug der Sterbeüberschuß in dieser Zeit mehr als 15.000 jüdische Seelen. Es kommen einige tausend Austritte aus dem Judentum hinzu. Der restliche Bevölkerungsverlust verteilt sich auf die Auswanderung und nicht zuletzt auf die Rückwanderung der Ausländer, die bereits mit dem Beginn der Wirtschaftskrise in den Jahren 1927 bi« 1929 eingesetzt hat. Die stärkste Abnahme der jüdischen Bevölkerung war besonders in den kleineren Ländern und in Ländern mit einer ohnehin kleinen jüdischen Bevölkerung festzustellen. So ging in B r u u n s c h w e i g die Zahl der Juden um 33*03% zurück; in Mecklenburg verminderte sie sich um 28*71%. Von den preußischen Großstädten interessiert besonders Berlin, dessen jüdische Bevölkerung im Jahre 1933 nur noch 160.504 betrug. Damit lebten in Berlin mehr als 40% sämtlicher preußischer Juden und mehr als 30% aller Juden im Reiche; demgegenüber wohnte von der Gesamtbevölkerung Preußens nur ein Zehntel in Berlin, von der des Reiches nur etwa 6A %. Die Bevölkerungsabnahme der Juden in Berlin betrug 7*01%. Diese relativ geringe Bevölkerungsabnahme geht augenscheinlich auf die starke Binnenwanderung der Juden nach Berlin zurück. Breslau verlor 13*86% seiner jüdischen Bevölkerung. Es zählte im Jahre 1933 20.202 Juden. An der Gesamtbevölkerung Breslaus waren die Juden mit 3*23% beteiligt. In Frankfurt a. M. ging die Zahl der jüdischen Einwohner um 11*80% auf 26.158 zurück. Der Bevölkerungsanteil der Juden betrug in Frankfurt a. M. 4*71%. Die stärkste Abnahme der jüdischen Bevölkerung in preußischen Städten weist Altona mit 24*3% auf. Weiter zeigt Wiesbaden einen Rückgang von 21*66 v. H. Hier könnte eine Wanderung nach Frankfurt a. M. in Frage kommen, während der Rückgang der Juden in Altona anscheinend auf eine Konzentration der Juden nach Hamburg zurückzuführen ist. Das Land der Väter zeigt Ihnen Erich Gottgetreu In seinem von der jüdischen Kritik begeistert begrüßten Buch DasLand derSöhne Palästina nahegerlkkt IllllllllllllllllffllilllllllW Dieser einzigartige Bericht über Palästina, wie es wirklich ist, darf In keinem jüdischen Hause fehlen. Leinenband S 6*8) Kartoniert S 5*04 aimuiitnrmmmuiimmiumiimrmmtmmmmMmtMiriiitimmMiMimmnlnrmrimmtmmimmtmmmmr Durch jede Buchhandlung zu beziehen Internationale Anti’HitlevBoyhott» Konferenz London, 24. Oktober. (Z. T. A.) In der vor kurzem in Fariß stattgefundenen Zusammenkunft von Vertretern des Londoner Jewish Representativo Council und der Anti-IIitler-Boykott-Organisationen in Frankreich, Polen, Belgien und Südamerika wurde beschlossen, die internationale Anti-Hitler-Boykott-Konferenz für den 25. November nach London einzuberufen. Es werden eich an ihr Repräsentanten verschiedener Religionen, Nationen und Kiae«< sen beteiligen. Der. Jewish Representative Council wurde beauftragt, die notwendigen Arrangements zu treffen. g S I C U N A B J w h 1 T E S X A. JK nach Amerika und Canada KOSCHERE KÖCHE unter Aufsicht des Beth Din (London) raflSTv 1 REPRÄSENTANZ. g I WIEN Iv &ARNTNERRING 4 § SninmiliinnimiiiiiniimiiiiininiiiinmiiiniiiiiiinniiiniiiKilnninniiiiiiiiinniiiiniiiiüiüiüiiinil Tßealer Kunsi <■ Film Alex Stein spielt den „Dybuk" ' Nach Leiwigs „Golem“ bringt Alex Stein Anskys „Dybuk“ zur Aufführung, und wir müssen auch diesmal bei Beurteilung der Aufführung dieser chassidischen Legende, die'nur mehr vom Glanz und Nimbus der „Habimah“- und der alten Wilnaer Dybuk-Aufführung lebt, zwischen dem idealistischen, je geradezu fanatischen Streben und heißen Wollen Alex Steins und den Tücken der ihm zur Verfügung stehenden biüinentoclmischen und sonstigen Möglichkeiten und Voraussetzungen einen Trennungsstrich ziehen. Es bleibt freilich, trotz der restlosen Anerkennung für Steins hingebungsvolle Bemühungen, die Frage nach dem Werto solcher Aufführungen unter diesen Bedingungen offen. Denn zu sehr ist der „Dybuk“ an den Ruhm und Glanz des modernen jüdischen Theaters gebunden. * Anaky, ,,Dybuk“ und „Wilnaer Truppe“ sind ein einziger Begriff geworden. Der mäehtigo Zauber der tiefen Mystik der Anskyschen Legende, der einen jeden in Bann zog, lag wohl zu nicht geringem Toll in der wunderbaren, kongenialen Arbeit W a c h t. a n g* o w s, des Meisterregisseurs der „Ilabimah“ und Schülers Stanislaws k y s. Aber welche klassische, wunderbare Bühnenwirkung* vermittelton doch die „Dybiik“-Auffühi*ungen von oinst! Welches Aufgelöstsein, welches seelische Aufwühlen brachte dieses Werk mit sich. Eine ganz eigene Welt voll rätselhafter, mystischer Ahnungen und zauberhaften Geschehens. Dieser Mystizismus und Symbolismus, das Rücken der chassidischen Legende mit all ihrer rührenden Ehrfurcht vor dem, den ostjüdischen Massen heiligen Zaddikim-Kult, in das Rampenlicht, das Einführen und Offenbaren in eine Westeuropäern gänzlich fremde, aber nicht weniger reiche Welt, das war es, das diesen „Dybuk“-Aufführungen einen fast legendären Nimbus verlieh. Wir haben den „Dybuk“ in vielfachen Stilarten gesehen, in der naturalistischen der alten „Wilnaer“, ln der expressionistischen der „Habimah“, die ihn im stolzen Siegeszug über alle Bühnen von Rang, von Moskau bis New York und Jerusalem brachten. Der „Dybuk“ ist ein einzig dastehender Welterfolg goworden, in jiddischer, hebräischer, englischer, deutscher und sogar griechischer Sprache gespielt. Da ist der Jescbiwa-Jilngliiig Chanan — von Alex Stein unvergleichlich verkörpert —, der sieh in heißer Sehnsucht verzehrt und seine große, verborgene Liebe im kabbalistischen Studium erstickt, dann dor reiche, breitspurige Sender Brlnitzer und Leas Großmutter — ln der unvergeßlichen Verkörperung durch Judith Laros, „die Mutter der Wilnaer“, olue jüdische Bleibtreu — da dor geheimnisvolle Meschulach und schließlich der berühmte Zaddik von Mlropol, alle diese durch Künstler der „Habimah“ und „Wilnaer Truppo“ zum Erlebnis gewordenen Gestalten, deren magischer Wirkung* man sich noch lange nachher nicht eutziohon konnte. Schließlich geben der düstere Hintergrund der Talmudstube, der grausige, gespensterhafto Reigon der Bettler, der unheimliche Schauplatz von Ohhnnetzkys Opfern den Rahmen dieser berühmt gewordenen Legende. fl* Die jetzige „Dybuk“-Aufführung durch Alex Stein läßt den starken Eindruck früherer „Dybuk“-Aufführungen lediglich durch Steins Spiel als „Chanan“ und seine Verkörperung des Zaddiks von Mlropol ahnen. Da wird schönste Tradition lebendig*. Eine ganz hervorragende Leistung. Das Experiment, die Rolle der Lea, die wir in der unvergeßlichen Verkörperung einer Rowina und Orleska im Gedächtnis tragen, der jungen Cilli Bell anzuvertrauen, bleibt — ein Experiment, trotzdem es Fräulein Cilli Bell in wirklich überraschender Weise gelingt, dieser tragischen Erscheinung, insbesondere in den dramatischen Akzenten echten Ausdryck zu verleihen. Hervorzuheben wären noch der Meschulach des Leopold Jungwirth, der in dieser Rollen ernstes Können wieder unter Beweis stellt, und der junge Schnattmann, der auch in den wenigen Minuten, da er auf der Bühne agiert, starken Eindruck hinterläßt.. Jakob Rosenthai. Greta Garbo als Königin Christine Müßig die Frage, ob die schwedische Königin Christine, die Tochter des großen Schwedenkönigs Gustav Adolph, wirklich so war und lebte, wie sie von der Filmkönigin Greta Garbo verkörpert wird, oder nicht. Es kommt in den sogenannten historischen Filmen oder in der Verfilmung historischer Stücke doch gar nicht so sehr auf die treue Wiedergabe der historischen Tatsachen, sondern lediglich darauf an, ob das Drehbuch gut und ob der Film handfest gemacht ist. In dem Greta-Gnrbo-Film der Metro ist dies der Fall. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn fostgestollt wird, daß dieser Film einer der schöneton und olndruokvoUeten Filme der letzten Zeit überhaupt und der grandioseste Garbo-Film ist, der die große Künstlerin in nie vorher sö vollende* ter königlicher Schönheit zeigt. Diese Garbo fasziniert mit ihrer Königin Christine nicht allein durch den seltsamen Adel ihrer wirklich bezaubernden äußeren Erscheinung, sondern in fast gleichem Maße durch ihre innere Schönheit und Geistigkeit. Ein Film, der keinen schwachen Punkt aufweist. Ein Film, der einem vergessen macht, daß hier bloß eine Filmkönigin auf dem schwedischen Königsthron ihr Zepter schwingt, so königlich, so schwedisch, so frauenhaft, so adelig und so majestätisch ist die Garbo. Bravo Metro! Blendend auch Levis S t o n e und John Gilbert. j. r. MPolenblutts Mittwoch gelangte im Imperial-, Opern-, Schottenring-, Lustepieitheater- und Flotten- Kino der Film „Polenblut“ zur Welturaufführung. Karl L a m a c hat den Film nach der weltberühmten Operetto von Oskar Nedbal mit großem Aufwand inszeniert und damit wohl die lustige Handlung wie die melodiöse Musik dieeor erfolgreichen Operette Millionen Kinobesuchern zugänglich gemacht. Die Besetzung der Hauptrollen lautet: Jan Zaremba — Hans Moser; Helena, seine Tochter — Anny Ondra; Graf Boleslav Baranski — Ivan Petrovich. Jüdische Bühne, II., Praterstraße 60. Der „Dybuk“, mit Alex Stein in der Haupt« rolle, bleibt bis auf weiteres am Spielplan. Jüdische Künstlerspiele. Freitag, den 26. Oktober, findet in den Jüdischen Kilnsfclerspielen die Erstaufführung des Lustepieies „K o m ö d i a n t i n“ mit dor beliebten Soubrette Sevilla Pastor in der Titelrolle unter Mitwirkung von Erna S i e gler und des Ensembles der Bukarester Jüdischen Bühne statt. — Sonntag, uachmittags A4 Uhr, zu halben Preisen ..Komödiantin“ in der Abendbesetzung.