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Die Stimme · 1934-10-26 · Heft 395 (26.10.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 395 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Pli STIMME Nr. 305 — 26. Oktober 1984 Neu eingerichtete* KlubhclM im 1. Bezirk für ca. 60 Personen ist für einige Tage in der Woche in Untermiete abzugeben. Zuschriften > „Heboneh" I., Hegelg. 3 genossen“ uml der „Nationalen Front“ im Juni 1933 verteilt wurden. In der am 16. November .1933 stattgefuu denen ersten Gerichtsverhandlung wurde seitens der Klägcrschaft unter anderem der Ant mg* eilt, eine Expertise anzu ordnen, welche Uber die Echtheit oder Un echtheit der „Protokolle“ Aufschluß geben soll. Per Richter gab diesen Anträgen statt und ordnete eine Expertise durch ein Dreier kollegium an. Je ein Experte wurde von den beiden Parteien bezeichnet und der dritte Experte wurde vom Gerichtspräsidenten er mannt. Seitens der Kläger wurde Professor Dr. A. Baumg «arten - B«aeel, seitens der Angeklagten der berüchtigte Pastor M ii n c h m e y e r «aus Oldenburg gestellt, Zum dritten Experten ermannte der Gerichts Präsident den bekannten christlich-sehwei zerischen Schriftsteller C. A. L o e s 1 i Bern. Die Experten h«aben bereits ihre Gut achten ausgearbeitet, bis auf den Pastor Münchmeyer, der sich in Deutschland befln det und bisher nicht erreicht werden konnte Der Gerichtspräsident hat im letzten Moment sich gezwungen gesehen, selbst einen dritten Experten zu ernennen. Der von ihm angesuchte Kandidat hat aber bis jetzt die ihm angebotene Funktion nicht angenom men. Außer den Expertisen und den Zeugenaussagen wird das Gericht «auch über eine große Anzahl von Dokumenten ver fügen, die ihm als Beweisstücke von den Klägern vorgelegt wurden. Im Verlauf der Verhandlung soll das Gerieht eine Anzahl von bedeutenden ausländischen, jüdischen und nicht jüdischen, Zeugen verhören. Einer dieser Zeugen ist der ehemalige Deputierte und Semator Dr. Mayer E b n e r in Czernowitz, einer der Führer der Jüdischen Reichspartei in Rumänien, der 1897 an dem ersten Zionistenkongreß in Basel teilgenommen hat. Dr. Mayer Ebner hat dem Gerichtspräsidenten in Bern geantwortet, daß er zur Verhandlung am 30. Oktober zuverlässig erscheinen wird. Unter den Zeugen aus der Schweiz soll unter anderen ein Vertreter der Schweizer Freimaurerloge ,Alpina“ über die angeblichen geheimen Beziehungen zwischen Freimaurern und Juden verhört werden. Wegen des großen Interesses, das der Prozeß hervorgerufen hat, werden die Verhandlungen im Schwurgerichtseaale stattfinden. Der Prozeß in Basel, der eine Beschlagnahme der „Protokolle“ und eine Ehrenbeleidigungsklage gegen den ehemaligen Redakteur des „Eisernen Besens“, Zander und Genossen, betrifft, und dessen Verhandlung auf den 23. Oktober festgesetzt war, wurde vertagt. Das Basler Gericht wird warten, bis es das Beweismaterial aus dem Prozeß in Bern zu seiner Verfügung haben kann. geistlichen Freundes im Krankenzimmer besuchte, unter dem Vorwände, er wolle nachsolien. ob dio Operationswunde bereit« int Heilen begriffen sei, unzüchtige Handlungen an ihr vorgenommeu habe. Die Bekundungen des Mädchens wurden durch Aussagen des Kraukenpereonuls bekräftigt. Miinohmeyer wurde aus seinem Amte in Borkum entfernt. Von da ab betätigte sich MUnchincycr ausschließlich als Agent der Hitler- Partei, wobei er sich in seinen Vcrsammlungsreden «als ein Opfer jüdischer Intrigen bezeichnet,e. Obwohl er nun eine der Hauptkräfte, die das Kommen des Dritten Reiches vorbereiteten, geworden ist, hat er auch mach Hitlers Machtantritt kein irgendwie bedeutsames Amt bekleidet; dies wohl im Hinblick auf den Verlauf der oben erwähnten Prozesse. Entstellungen Wer ist Münchmeyer? Pastor M ü n c h m e y e r ist eine bekannte Figur des Vor-Hitlerwie des Hitler- Deutschlands. Er ist derjenige, der als protestantischer Pfarrer der Nordsee-Insel und des Seeb«ades Borkum viele Jahre lang einen antisemitischen Terror in einem Ausmaße betrieben hat, daß die Insel und das Bad entgegen dem Willen eines großen Teiles der christlichen Einwohnerschaft „judenrein“ geworden sind. Die Mittel der damaligen republikanischen Regierung Deutschlands reichten nicht aus, um dem Hetzpastor das Handwerk zu legen. Dies geschah erst, als sich Pastor Münchmeyer selbst in den Maschen des Gesetzes verfing. Ein junge« Mädchen, Tochter eines Pfarrers, hatte sich einer Unterleibsoperation unterziehen müssen und lag in einein Raum des Krankenhauses in der Nordseestadt Emden. Dieses Mädchen erhob gegen Pastor Münchmeyer die Beschuldigung, daß er, als er sie in der Rolle eines väterlichen and In einem in der Nummer vom 23. Ok tober 1934 der Revaie ,,Dio Neue Welt unter dem Titel „E n t e t c 11 u n g e n“ er schien eilen Artikel macht mir Herr Oborb«aurat Stricker den Vorwurf, daß ich durch ein der J. T. A. gegebene« Interview den Gegnern der jüdischen Schule gedient und daa jüdisch-nationale Programm diskreditiert hätte. Ich wünsche nicht, mit Herrn Oberbaurat Stricker eine Diskussion über Prinzipienfcreue zu führen, sondern will mich bei der Zurückweisung seiner gegen mich gerichteten Angriffe «auf die Feststellung von Tatsachen beschränken. Herr Oberbaurat Stricker hat am Dienstag, den 16. Oktober 1934, in einer Versammlung Uber den Parallelklassenerlaß gesprochen. Die markantesten Teile seiner Aus führungen, mit einem Kommentar versehen, wurden in der „Reichspost“ in ihrer Ausgabe vom 17. Oktober 1934 veröffentlicht. Der von der „Reichspost“ wiedergegebene Text der Rede des Herrn Oberbaurat Stricker wurde in seiner Richtigkeit nicht bestritten und steht ln Übereinstimmung mit dem in der „Neuen Welt“ vom 19. Oktober 19.34 veröffentlichten Vereatnmliingsberichte. Nach der Meldung der „Reichspost“ gab Herr Oberbaurat Stricker den von ihm vertretenen Forderungen folgende Fassung: „Wir verlangen von der Regierung die Einrichtung eines öffentlichen jüdischen Schulwerkeö mit Hilfe staatlicher Förderung und öffentlichen Mitteln, in welchem unsere Kinder unter jüdischer Anleitung von jüdischen Lehrern zu treuen Juden und treuen Österreichern erzogen werden, wir verlangen die jüdische Schule.“ Diese Ausführungen veramlaßten die Reichspost“ zu der Bemerkung, daß zwischen dem Standpunkt der zionistischen und der orthodoxen Juden in der Sohulfrage weithin Übereinstimmung“ besteht. Hier unter konnte wohl nichts anderes verstanden sein, als daß sich die Forderungen der Zionisten in derselben Richtung bewegen, wie jene der Aguda, deren Presseäußerungen kurze Zeit vorher mit dem gleichen Beifall von der ,,Reichspost“ aufgenommen worden sind. An diesem Mißgeschick der Deutung der Ausführungen des Herrn Oberbaurat Stricker in der „Reichspost“ trage ich keine Schuld. Offenbar hat auch die „Reichspost“ unter dem von ihm geforderten „öffentlichen jüdischen Schulwerk“ etwas anderes verstanden, als die autonome jüdische Schule, für die die Jüdischnationalen bisher eilige treten sind. Ich habe zu dem Berichte der „Reichspost“, der nachträglich von Herrn Oberbau rat Stricker in der „Neuen Welt“ verifiziert wurde, in meinem der J. T. A. gegebenen Interview in der Art Stellung genommen, daß ich «auf die verfassungsmäßige Regelung der Minderheitssohulen im Artikel 68 des Friedensvertrag es hinwies und daran folgende Bemerkungen knüpfte: ,,Die Forderung der volksbewußten Judenschaft war daher bis jetzt immer darauf gerichtet, für das von der Minderheit — ,nach den tatsächlichen Bedürfnissen', das ist nach den Wünschen der Eltern — zu errichtende selbständige Schulwerk die entsprechenden Beiträge aus den öffentlichen Fonds zu erlangen. Der Einbau der jüdischen Schule in das staatliche Unterrichtswesen wurde weder verlangt noch gewünscht. Der Staat, der auf christlich-deutscher Staatsauffassung aufgebaut ist, besitzt nach Ansicht der Anhänger der jüdischen Schule nicht die Eignung, unter seiner Ägide ein jüdisches Schulwerk zu errichten und zu führen. Hierzu ist ausschließlich die jüdische Minderheit berufen, die die Bedürfnisse der jüdischen Erziehung selbständig und in ihrem eigenen Wirkungskreis zu befriedigen hat. Die Durchführung des Vorschlages Stricker würde darauf hinauslaufen, daß neben staatlichen christlichen Schulen staatliche jüdische Schulen errichtet werden, die der Führung der in christlichdeutschem Geiste wirkenden staatlichen Organe unterstehen würden. Die Jüdischnationalen hingegen haben nicht die konfessionelle Pflichtschule, sondern die fakultative jüdische Schule gefordert.“ Ich überlasse es ruhig dem objektiven Urteil der jüdischen Öffentlichkeit, ob meine Ausführungen den Rahmen einer sachlichen Kritik überschreiten und ob durch eie das jüdisch-nationale Programm diskreditiert wurde. Wenn Herr Oberbaurat Stricker in seiner Polemik auf die Resolution des Volksbundes zurückgreift, in welcher sich in Übereinstimmung mit meinen Ausführungen der Hinweis auf die Wünsche der Eltern vorfindet, den er in seiner Rede unterließ, wenn in der von ihm zitierten Entschließung von der Schaffung der „M ö g 1 i c h k e i t e n“ für die Erziehung der jüdischen Jugend durch Schaffung eines ,,j ü d i s c h e n“ Schul Werkes die Rede ist, während er die jüdische Schulfrage in den „Strom des poli tischen Geschehens in Österreich“ gestellt wissen wollte und demgemäß in seiner Rede ein öffentliches jüdisches Schulwerk forderte, so werden ihm die Gründe klar werden, die eine Auseinandersetzung als notwendig erscheinen ließen. Das Wort „Entstellungen“ scheint mir jedenfalls auf Seite des Herrn Oberbaurat Strick " ' ' i am Platze zu sein. Dr. Desider Friedmann. ★ Eine Zuschrift des Wiener JTA-Vertreters Vom Wiener Vertreter der „Jüdischen Telegraphen-Agentur“ erhalten wir nachstehende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung. Oberbaurat Stricker beklagt sich in sei nem Organ „Die Neue Welt“ darüber, daß ich die Veröffentlichung der „Reichspost“ über seine Rede in der Volksbund-Ver Sammlung im vollen Wortlaute in der JTA gebracht habe, ohne denjenigen Teil auszulassen, von dem ich wissen mußte, daß ihn die „Reichspost“ unrichtig wiedergegeben habe. Leider ist Herrn Oborba/urat Stricker eine kleine Verwechslung passiert: Das Ereignis, über das ich berichtet habe, waren nicht die Vorgängo in der Volkßbund-Versammlung, sondern die Veröffentlichung der „Reichspost“ über diese Vorgänge und der Eindruck, den diese Veröffentlichung in weiten jüdischen Kreisen hervorgerufen hat. Mein Bericht beginnt ja auch mit den Worten: „Während die Wiener Judenheit mit aller Energie darauf besteht, daß der Schulerlaß... «aufgehoben wird, bemüht sich die ,Reichspost'...“ ubw. Die judengegnerische Haltung dieses maßgebenden Blattes, dio meiner bescheidenen Ansicht nach eine viel ernstere Angelegenheit Ist, als noch so wichtlgo Volksbund-Versammlungen, war der Gegenstand meiner Berichterstattung. Davon auch nur eine Silbe weniger melden, als zu melden war, hielt ich mich nicht für berechtigt. | Es ist auch nicht richtig, daß dir* mir von Oberbaurat Stricker gegebene Erklärung falsch wiedergegeben wurde. Das Gespräch zwischen Oberbaurat Stricker und mir hatte genau folgenden Wortlaut: Ich: „Herr Oberbaurat! Gehen die Zitate der „Reichspost“ aus Ihrer gestrigen Rede in Ordnung?“ Stricker: „Ja, aber die Bemerkungen nicht.“ Ich: „Sie meinen wohl den mit größerer Schrift, gedruckten Teil, der natürlich nicht in Ordnung geht?“ Stricker: „Ja, der mit größerer Schrift gedruckte Teil geht nicht in Ordnung.“ Also er selbst hat gleich in seiner ernten Antwort den mit größerer Schrift gedruckten Teil, in dem «auch seine angebliche Ablehnung von Protesten enthalten war, nicht unter, den Begriff „Zitat“ zusammengefaßt, wie er jetzt tut, sondern unter „Bemerkungen, die nicht in Ornung gehen.“ Dasselbe habe auch ich getan als ich in der JTA mitteilte, Oberb.aurat Stricker habe erklärt, die Zitate gehen wohl in Ordnung, die Bemerkungen jedoch nicht. Ich habe d a s berichtet, was Oberbaurat Stricker erklärt hat. Es ist mir nicht eingefallen, jemandem weismachen zu wollen, Stricker habe gegen j jüdische Proteste Stellung genommen. Aber dio Erscheinung, daß dio Reden Robert Strickers immer wieder vou der Rechtspresse so d«argesteilt werden konnten, als habe den Antisemiten nach dem Munde geredet, ist eine Tatsache, dio der jüdischen Welt-Öffentlichkeit nicht verheimlicht werden darf. Daß die Meldung hierüber Herrn Oberbaurat Stricker sehr unangenehm war, ist begreiflich. Auch ich bedaure unendlich diese Sachlage, und mit mir Tausende anderer Juden Österreichs, um so mehr, als es schon vorgekommen ist, daß man sic-li zur Entkräftung jüdischer Beschwerden im In- und Auslande «auf die von der „Reichspost“ gemeldeten Reden Strickers berief. Aber die einzige Konsöcpienz aus diesem unerträglichen Zustande ist, daß «auch für Herrn Oberbaurat Stricker das gilt, was schon dor Talmud allen in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeiten nahelegt: „Chachomim Msobaru bidwareehem!“ (Ihr Weißen, seid vorsichtig in euren Reden!) J. Hellenberg. Kinoprogramme der Woche BURG-KINO I„ Opernring 19 Telephon B 20-3-99 Uraufführung Anna Sten m Die Königin von Paris Beginn : Va4, */a6, Vs8,1/s 10. Karten im Vorverkauf KREUZ-KINO 1., Wollzeile 16 Tel. R 24-2-16 Poiizeiwagen Nr. 17 mit Tim Mc. Coy Beginn: 4, 8/46, 7a8, ‘/410 Uhr ROTEHTURM-KINO * Telephon R 29-1 59 Beginn: 4, 8/46, %8, 7*10 Uhr Uraufführung Anna Sfen m Die Königin von Paris II. Koionnlerni(nHBü Vu Teleohon R 40-0-23 Leopoidstfldter volksKfno Vom 26. Oktober bis 1. November: G'schichten aus dem Wienerwafd mit Magda Schneider, Wolf Albach- Rotty, Leo Slezak Wochentags 7,6, 7,8, 7«10 Uhr, Sonn- und feiertags 7,4 Uhr SCHAFFER-KINO VI., Mai iahilferstrafle 37 Telephon ß 20-203 Vom 26. bis 20. Oktober: Franziska Gaal, Paul Hörbiger, Theo Ungen FrUhjahrsparacle Beginn : ‘/a4, 7„0, */,8, ‘/410 Uhr Verbindet die Namen Eurer Lieben mit EREZ ISRAEL durch Keren Kaiemeth-Stiftungen!

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